Wenn der Atemzug schmerzt

Eine unheilbare Volkskrankheit, die kaum jemand kennt: COPD

Schätzungen zufolge sind weltweit bis zu 210 Millionen Menschen an COPD erkrankt, in Deutschland bis zu sieben Millionen. Dennoch ist die Gefährlichkeit der unheilbaren Lungenkrankheit noch immer noch immer nicht in unseren Köpfen angekommen. Die Abkürzung COPD steht für die englische Bezeichnung der Krankheit: „Chronic Obstructive Pulmonary Disease“. Das heißt: Die Lunge ist chronisch erkrankt, weil die Atemwege entzündet und dauerhaft verengt (= obstruktiv) sind und die Lunge schneller altert. „Eine Heilung ist nicht möglich, allein das rasche Fortschreiten der Erkrankung kann verhindert werden“, so Prof. Gerhard W. Sybrecht, Vorsitzender des Kuratoriums der Deutschen Lungenstiftung. Der Weg bis zur korrekten Diagnose ist allerdings oft lang. COPD zählt als die aktuell wohl unterschätzteste Volkskrankheit. „Ein Problem ist, dass Patienten häufig erst dann zum Arzt gehen, wenn die Beschwerden überhandgenommen haben“, erklärt der Internist für Lungen- und Bronchialheilkunde Michael Barczok. Er ist Pressesprecher des Bundesverbands der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner. „Dann ist aber oft schon viel Lungengewebe unwiederbringlich zerstört.“ Wichtigste Krankheitszeichen von COPD sind chronischer Husten mit oder ohne Auswurf und eine fortschreitende Luftnot. Die Atemnot unter Belastung kann sich bis zu einer vollständigen Bewegungseinschränkung ausweiten. In Deutschland wird damit gerechnet, dass 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung an einer COPD leiden. Weltweit ist die COPD derzeit die vierthäufigste Todesursache mit steigender Tendenz.

Vor allem Raucher sind betroffen. Aber eben nicht nur. Die Krankheit daher als „Raucherhus-ten“ abzutun, ist falsch, weiß Katrin B. Die inzwischen pensionierte Verwaltungsangestellte hat nie geraucht – „nicht einmal eine Zigarette!“ – dennoch wurde COPD bei ihr vor zirka sieben Jahren festgestellt: „Vor allem, wenn ich beruflichen oder privaten Stress hatte, spürte ich eine starke Verengung im Brustraum und bekam dadurch auch weniger Luft. Im Laufe der Zeit ging es mir immer mal wieder besser und mal schlechter. Irgendwann bekam ich eine Bronchitis, die ich aber einfach nicht wieder los wurde. Im Klinikum Lüneburg diagnostizierte man schließlich COPD. Die Ursache in meinem Fall soll ein genetisch bedingter Mangel an einem bestimmten Protein sein. Dadurch wird bei Entzündungsprozessen und chronischen Reizzuständen mein Lungengewebe schwer geschädigt.“

Tatsächlich kommt der sogenannte AAT-Mangel, unter dem Katrin B. leidet, in Europa etwa so häufig vor wie Typ-1-Diabetes, erhält aber bei weitem nicht die gleiche Aufmerksamkeit. Daher wird die Erbkrankheit oft nicht rechtzeitig erkannt und behandelt. Schlimmstenfalls kann sich so ein gefährliches Lungenemphysem entwickeln. Darüber hinaus kann ein AAT-Mangel Leberschäden nach sich ziehen und eine Leberzirrhose begünstigen. Mögliche weitere Ursachen für eine COPD ist auch die Luftverschmutzung. Dabei spielen vor allem Nitrogase und Schwefeldioxid (SO2) eine Rolle. Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass Wohnen an stark befahrenen Straßen mit hoher Feinstaubbelastung das Risiko für COPD erhöht. Auch häufige Infekte im Kindesalter erhöhen die Wahrscheinlichkeit zu erkranken. Ebenso wie schädliche Stäube, Dämpfe, Rauch oder Gase, denen manche Menschen am Arbeitsplatz ausgesetzt sind. Die Umbauprozesse der Lunge, die zu einer COPD führen, sind irreversibel. Aber es gibt Medikamente, die das Fortschreiten der Erkrankung verhindern. Auch Bewegung ist wichtig. „Viele Betroffene meiden aus Angst vor Atemnot körperliche Aktivitäten“, sagt Internist Michael Barczok. „Durch Bewegungsmangel nehmen aber Muskelmasse und Muskelkraft ab. Dadurch sinkt die körperliche Belastbarkeit. Das führt letztendlich auch zu einer Verschlechterung der Lungenfunktion.“ Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, sollten Betroffene gezielte Sport- und Bewegungstherapie machen, so der Experte. Auch Katrin B. ist schon seit Jahren aktiv in einer Lungensportgruppe. Wöchentlich trifft sie sich dort mit anderen Erkrankten. Mit entsprechenden Übungen soll die Atmung verbessert werden. Ihre Zukunft sieht die Lüneburgerin dennoch nicht rosig: „Gut geht es mir allerdings schon lange nicht mehr.

Noch kann ich zwar ein relativ normales Leben ohne größere körperliche Anstrengungen leben. Doch mein Arzt hat mir schon angedeutet, dass der Tag nicht mehr fern ist, dass ich Hilfe im Haushalt brauchen werde.“ (RT)

News & Infos Die typischen Krankheitszeichen (Symptome) der COPD sind:

  • Husten, oft auch Auswurf, besonders am Morgen
  • Atemnot, insbesondere unter Belastung
  • Geräusche beim Ausatmen: Pfeifen, Brummen
  • Gelegentlich kann ein Engegefühl in der Brust hinzutreten.
  • In einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium kann es auch zu stärkerem Gewichtsverlust kommen.

Hier bekommen Sie Hilfe und weitere Informationen Bund der Pneumologen www.lungenaerzte-im-netz.de

Patienten mit Atemwegserkrankungen www.atemwegsliga.de

Selbsthilfegruppe für Patienten mit COPD www.lungenemphysem-copd.com