Weniger Einbrüche, mehr Gewaltdelikte…

Wie gefährlich ist Lüneburg

Die Lüneburger leben in einer sicheren Region, sagte Polizeipräsident Robert Kruse bei Veröffentlichung der aktuellen polizeilichen Kriminalstatistik. Aber ist das wirklich so? „Traue keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast …“ ist ein Zitat, das die einen Wins—ton Churchill zuschreiben, andere meinen, es stamme wohl von Joseph Goebbels. Wer auch immer der wahre Urheber sein mag – in dem Satz steckt eine schicksalhafte Note, die an der Wirklichkeit vorbeischrammt. Denn es ist natürlich keineswegs so, dass jede Statistik gelogen ist oder sein muss. Sich aber Misstrauen immer ein wenig gegenüber nackten Zahlen zu bewahren, kann auch nicht schaden.

Auch die gerade vorgelegte Polizeiliche Kriminalstatistik für die Polizeidirektion (PD) Lüneburg (Landkreise Celle, Harburg, Heidekreis, Lüneburg, Lüchow-Dannenberg, Rotenburg, Stade und Uelzen) enthält naturgemäß eine Reihe von Zahlen – und die sehen auf den ersten Blick erst einmal sehr positiv aus. Danach sind die Straftaten für das Berichtsjahr 2016 leicht gesunken, fielen von 83.174 (2015) auf 82.444 (2016). Erfreulicherweise konnte dabei auch die Aufklärungsquote auf 62,41 Prozent gesteigert (2015: 61,68 Prozent) werden. Die Aufklärungsquote liegt damit sogar etwas höher als der Landesschnitt von 61,41 Prozent, was Polizeipräsident Robert Kruse veranlasste, die seiner Meinung nach „beharrliche und konsequente, ständig an neue Entwicklungen angepasste, Aufklärungsarbeit“ besonders zu loben. „Dies ist auch Ausfluss der Strategie 2020, mit der wir die Polizei modernisieren und fit für die Zukunft machen“, so Kruse weiter. Die Polizei will damit sich abzeichnende Entwicklungen pro-aktiv angehen und nicht erst auf aktuelle Entwicklungen reagieren. „Dies bedeutet einen echten Sicherheitsgewinn für die Bürgerinnen und Bürger.“

Den größten Rückgang verzeichnet die PD Lüneburg bei der zahlenmäßig größten Deliktsgruppe, den Diebstahlsdelikten. Sie sind um 2.349 Delikte auf 30.096 Diebstähle zurückgegangen. Die Zahl der Wohnungseinbruchdiebstähle ist ebenfalls rückläufig. Der Höchstwert des Jahres 2015 (3.344 Fälle) sank damit um 84 Fälle auf 3.260. Was allerdings nicht verschwiegen werden sollte: Die Aufklärungsquote liegt in diesem sehr aufklärungsintensiven Deliktsfeld nur bei 23,28 Prozent…

Ein sensibles Thema ist die Gewalt von und unter Flüchtlingen: „Die Befürchtung, dass sich durch den Zuzug von Flüchtlingen die Wahrscheinlichkeit erhöht, Opfer einer Straftat zu werden, hat sich nicht bestätigt“, so Kruse lapidar. Auch hier gibt es jedoch ein großes „Aber“. Immerhin gelten Flüchtlinge als Tatverdächtige für 5.369 Straftaten. Und darunter sind auch viele sogenannte Rohheitsdelikte – also genau solche Straftaten, die die Bevölkerung besonders beunruhigen. Rohheitsdelikte sind zum Beispiel Raub und Körperverletzung oder Straftaten gegen die persönliche Freiheit. In diesem Deliktsfeld gab es einen Anstieg um 1.139 auf 12.757 Fälle. Ebenfalls alles andere als positiv stimmt auch die zunehmende Gewalt gegen Polizeibeamte. Insgesamt 494 Fälle registrierte die Statistik für 2016 (2015: 428), ein Plus von über 13,3 Prozent. Doch trotz dieser „eindeutig zweideutigen“ Statistik, die leider auch wieder viele Fragen offen lässt (Wie viele Bürger verzichten beispielsweise auf Anzeigen etwa bei Beleidigungen, Diebstahl von Fahrrädern, Nötigungen im Straßenverkehr etc., weil sie einfach nicht mehr daran glauben, dass diese was bewirken? Wie viele Pöbeleien gegen Staatsdiener – nicht nur Polizisten – werden anders als in vergangenen Jahren gar nicht mehr zur Anzeige gebracht? Und was ist eigentlich mit den unaufgeklärten Mordfällen in der Region Lüneburg, die zu einem Teil jetzt dem durch DNS-Spur überführten Göhrde-Mörder Kurt-Werner W. zugesprochen werden? Ist er tatsächlich für diese Verbrechen verantwortlich, oder laufen da Serienmörder in der Stadt frei herum?), zeichnet Kruse ein optimistisches Bild:

„Insgesamt kann ich ein positives Fazit für die Bürgerinnen und Bürger im Bereich der Polizeidirektion Lüneburg ziehen. Sie leben in einer sicheren Region. Unsere gut ausgebildeten und engagierten Polizeibeamtinnen und -beamten sind für sie da und sorgen dafür, dass sie sich auch in Zukunft sicher fühlen können.“ Auch wenn man dem Lob an die Polizeibeamten der Stadt durchaus zustimmen kann, ein Gefühl der Sicherheit will sich nicht einstellen: Dass die Zahl der Straftaten für die Polizeidirektion Lüneburg sinkt, ist zwar zweifellos ermutigend. In erster Linie geht das aber auf Delikte wie Diebstahl und Einbruch zurück, wobei die Aufklärungsrate hier nach wie vor erschreckend gering ist. Noch nicht einmal bei jedem vierten Wohnungseinbruch kann ein Täter ermittelt werden. Was das Heile-Welt-Bild ins Wanken bringt, ist die Entwicklung zum Beispiel bei Raubstraftaten, bei Körperverletzungen und der Gewalt gegen Polizeibeamte. Hier gibt es deutliche Anstiege und auch nichts zu beschönigen. Statistik hin oder her… (RT)