Waren Sie heute schon glücklich?

Jeder wünscht es sich, doch die wenigsten sagen von sich, es wirklich zu haben: Glück. Dabei ist es häufig nur eine Frage der Wahrnehmung…

eine Frage der Wahrnehmung …

Immer am 20.3. ist Internationaler Tag des Glücks. In diesem Jahr fielen die Feierlichkeiten aus. Das Corona-Virus bestimmte die Nachrichtensendungen und die Stammtische. Wer wollte da noch von Glück reden? Auch ohne Corona haben es die Deutschen angeblich nicht so mit dem Glück. Laut den Ergebnissen einer Studie des SINUS-Instituts in Kooperation mit YouGov sehen sich die Deutschen mehrheitlich mehr als Pechvögel: So denkt über die Hälfte (56 %) nicht, dass sie viel Glück in ihrem bisherigen Leben hatte. 40 % würden wichtige Lebensentscheidungen heute anders fällen. Glück – so das vorherrschende Gefühl bei vielen – haben doch meist die anderen und dann auch noch ‘die falschen’ … Doch was ist eigentlich Glück?

Glück ist keine Glückssache

Vor 900 Jahren wurde mit dem mittelhochdeutschen Wort „Gelücke“ (Macht des Schicksals) das gute Ende eines Ereignisses benannt. Heute ist Glück laut Duden eine angenehme und freudige Gemütsverfassung, ein Zustand innerer Befriedigung und Hochstimmung. Fragt man bei den Menschen genauer nach, ist der am häufigsten genannte Schlüssel zum Glück Gesundheit. Mit deutlichem Abstand folgen eine gute Partnerschaft, eine intakte Familie, ausreichend Geld und ein schönes Zuhause. Geringe Relevanz für das Glücklichsein haben hingegen meist ein erfülltes Sexualleben, eine intakte Umwelt und Schönheit beziehungsweise gutes Aussehen. Ihr Glück nehmen die Deutschen dabei am liebsten selbst in die Hand: „Jeder ist seines Glückes Schmied“… So gesehen ist jeder natürlich auch für das Ausbleiben von Glück selbst verantwortlich, was so natürlich auch nicht stimmt.

„Don’t Worry, Be Happy“?

Ob die Folgen der Pandemie, die alltägliche Kriminalität auf den Straßen, die Gefahren von Krieg oder Klimaschäden – wohin man auch blicken und was man auch näher betrachten mag: Verglichen mit dem Rest der Welt leben wir Deutschen auf einer Insel der Glückseligkeit. Dennoch gibt es für jeden Einzelnen auch genug Gründe, nicht den ganzen Tag über „Don’t Worry, Be Happy“ zu flöten. Denn das würde ignorieren, wie persönliche Schicksalsschläge oder Krankheit jedem Einzelnen zusetzen können. Das ist genau der Punkt. Glück schaut nicht über den Tellerrand. Wer arm ist, den macht man nicht glücklicher mit den Worten

Woanders auf dem Globus sind die Menschen noch deutlich ärmer. Wer Kriminalität erfahren hat, den beruhigt man kaum damit, dass die Kriminalitätsstatitik hierzulande rückläufige Zahlen aufweist, und wer schwer krank ist, benötigt eventuell Trost, aber nicht Fakten über das ach so tolle Gesundheitssystem. Glück hat sehr viel mit einem selbst zu tun. Und: Es gibt keine Glücksformel, die für alle Gültigkeit hat.  

Mehr Realismus macht zufriedener

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Wir wachsen nun mal in verschiedenen Familien, Gesellschaften und Kulturen auf, haben unterschiedliche Charaktere und machen eigene Erfahrungen, die uns prägen. So sind die Menschen eben nicht gleich, auch das Glücksempfinden ist unterschiedlich. Jahrelang hieß es, dass positives Denken glücklicher macht. Eine Studie aus Großbritannien sagt jetzt: Im Gegenteil – nicht mehr, sondern weniger Optimismus kann uns glücklicher machen. Denn Menschen mit einer realistischen, rationalen Sicht auf die Dinge, treffen die besseren Entscheidungen für ihr Leben, würden nicht so leicht enttäuscht – und sind auch darum langfristig glücklicher. Gerade in Zeiten der Pandemie kann das helfen. Vieles, was uns im Leben Freude bereitet, ist aktuell gestört, macht einfach weniger Spaß. Doch das gilt es durchzustehen. Langfris-tig könne gerade die Corona-Krise sogar zu positiven Veränderungen führen, machen Psychologen Hoffnung. „Wir bekommen ein ganz neues Gefühl dafür, was wirklich wichtig ist im Leben und lernen dadurch wieder mehr, Dinge zu schätzen“, meint der Hamburger Lifecoach Markus Braun. Sein Tipp: Man solle sich ganz bewusst darauf konzentrieren, was gut läuft – anstatt sich von negativen Botschaften übermannen zu lassen. Das erzeuge zwar nicht das Gefühl von absoluter Zufriedenheit, aber das reine Glück sei ohnehin nur eine sehr flüchtige Erfahrung … (RT)