Verliebt in die Stadt Lüneburg

Anna Böhme bloggt auf dem Instagram-Kanal
„what’s lüneburg”

Mit sozialen Medien kennt sich Anna Böhme aus. Sie sind nicht nur ihr täglich Brot bei ihrem Arbeitgeber in Hamburg. Auch in ihrer Freizeit pflegt die 27-jährige Neu-Lüneburgerin einen öffentlichen Instagram-Kanal. Bei „what’s lüneburg” zeigt sie ihren knapp 6.000 Abonnenten ihre Entdeckungen in und um Lüneburg. Aufgewachsen ist Anna in einem kleinen Dorf in der Region Hannover – auch ein Grund, warum es sie in ihrer freien Zeit regelmäßig aufs Land zieht. Zum Studieren ging sie zunächst nach Hannover, wo sie ihren Bachelor in Medienmanagement machte, hinterher ging es zum Masterstudium in Unternehmenskommunikation nach Stuttgart. Dort verliebte sie sich in ihren jetzigen Mann, mit dem sie erst seit einigen Wochen verheiratet ist. Ihm hat sie ihren neuen Lebensmittelpunkt zu verdanken, denn ihr Mann ist Lüneburger. „Wir wollten nach dem Studium in den Norden zurück und haben zunächst mit Hamburg geliebäugelt. Aber das ist mir zu groß und hektisch”, erzählt die 27-Jährige. Nur zwei-, dreimal war sie in Lüneburg gewesen, bevor sie im November 2018 in die Hansestadt zog. In die Stadt Lüneburg war Anna Böhme von Anfang an schockverliebt. Da sie außer ihrem Freund noch niemanden kannte, ließ sie per Whatsapp ihre Freunde aus Hannover und Stuttgart mit Fotos an der Schönheit Lüneburgs teilhaben. „Wie Urlaubsfotos habe ich Fotos von Türen, Fassaden und Cafés rumgeschickt”, erzählt sie. Nach ein paar Monaten kam ihr die Idee, dass ihre Bilder und Entdeckungen vielleicht nicht nur ihre Freunde, sondern auch andere interessieren könnten. „Da dachte ich mir, mach einfach mal einen Insta-Kanal auf. Ich wollte mich sowieso mal in social media ausprobieren.” Ihre Überlegung: Lüneburg durch die Augen von jemandem zu zeigen, der alles zum ersten Mal sieht.

Erstes Foto vom Stint

Noch gut erinnert sich Anna an das erste Foto, das sie im Februar 2019 auf ihrem Instagram-Kanal „what’s lüneburg” postete: ein Bild vom verlassenen Stint im Winter. „Mein Freund erzählte mir, hier ist es im Sommer total voll – das konnte ich mir zu der Zeit noch gar nicht vorstellen.” Von Anfang an war es ihr wichtig, unterwegs nicht zu viel zu inszenieren und ihre Freizeit nicht von dem Blog bestimmen zu lassen. Die Fotos von ihr lässt sie spontan ihren Freund oder Freunde machen – oder bittet kurz Passanten darum. „Ich will es möglichst so wahrnehmen, wie es ist. Ich gehe los, weil ich auf den Markt will und hinterher einen Kaffee trinken möchte. Dann gucke ich, was mir so über den Weg läuft”, erklärt die Bloggerin. Ihre ersten Follower kannte sie nicht, inzwischen hat sie mehr als 5.900 Abonnenten. Im Sommer 2019 begann Anna, auf ihrem Instagram-Kanal auch Veranstaltungstipps für Lüneburg und Umgebung zu posten. Weil verschiedene Veranstaltungsorte und Cafés ihre Posts teilten, gelangten schließlich immer mehr Leute auf ihren Blog, so dass ihre Zahl der Follower stetig anstieg. „Mit dem Start der Veranstaltungstipps wurde es definitiv mehr”, sagt sie. Es ist ihr wichtig, über das, was sie sieht, erlebt, isst oder trinkt, eine ehrliche Meinung abzugeben. Inzwischen kommt es vor, dass Cafébetreiber oder andere Unternehmer sie darum bitten, auf ihrem Blog ein Urteil über sie abzugeben. Manchmal kommt es dann zu einer Kooperation, die sie als Werbung markieren muss. Verbiegen will sie sich jedoch nicht: „Ich sage meine echte Meinung. Bei einer negativen Erfahrung lasse ich es lieber, etwas vorzustellen.” Auch von ihren Followern erhält sie regelmäßig Vorschläge, welche Cafés, Restaurants oder auch Ausflugsziele sie besuchen sollte. Die meisten von ihnen sind 20 bis 30 Jahre alt, weiß sie aus der Auswertung ihres Instagram-Kanals. Auf die Kommentare ihrer Abonnenten reagiert sie. „Das macht den Charakter und Mehrwert von social media aus – und dass man eine Community ist”, erklärt sie. Von ihren Followern erfährt sie viel Wertschätzung und selten Kritik. Hauptberuflich arbeitet Anna Böhme als Social-Media-Managerin in einem großen Konzern. Die Pflege ihres Blogs „what’s lüneburg” sieht sie als Hobby. „Ich arbeite ja in Vollzeit, das hat Vorrang”, so die 27-Jährige, „aber ich sehe den Blog für mich als Verpflichtung. Das ist mein großes Glück, dass ich alles auf meinem privaten Kanal ausprobieren kann.” Aus eigener Erfahrung weiß sie, dass man schnell nicht mehr in den sozialen Medien wahrgenommen wird, wenn man nicht regelmäßig etwas von sich gibt. So nutzte sie die drei Wochen,

die sie wegen ihrer Hochzeit nicht vor Ort war, mit einer kreativen Idee: Sie rief die „Community-Wochen” ins Leben und forderte ihre Follower auf, ihr Lüneburg-Fotos zu schicken, die sie auf ihrem Kanal veröffentlichte.

Momentaufnahmen des Erlebten

Anna ist nicht nur zu Fuß in der Stadt Lüneburg unterwegs, es geht auch mit dem Rad raus in die Natur, mit dem Kanu auf die Ilmenau oder mit dem Auto in den Wildpark. Im Sommer war sie auf dem Feld Erdbeeren pflücken. „Dadurch, dass ich noch nicht lange hier bin, ist für mich alles neu”, sagt sie. Wie alle anderen Zugezogenen googelt sie auch einfach Ausflugsziele, wenn sie am Wochenende noch nichts vor hat. Ihre Ausflüge haben immer das Ziel, dass sie etwas Neues kennenlernt. „Ich fahre nicht primär hin, um zu berichten, sondern es ist einfach ein Ausflug”, erklärt Anna, „zu zweit oder mehreren findet es niemand schön, wenn man die ganze Zeit Fotos macht.” Sie legt Wert darauf, ihre Ausflüge nicht von ihrem Blog dominieren zu lassen. Um ihre Begleitung nicht zu nerven, arrangiert sie nicht lange ihre Fotos, sondern lässt ihre Community einfach durch Momentaufnahmen an ihren Erlebnissen teilhaben. „Es gibt ja auch noch analoges Leben”, betont sie. Dennoch hat sie mit ihrem Instagram-Kanal jemanden angesteckt: Ihr Mann hat das Bloggen ebenfalls für sich entdeckt und einen eigenen Instagram-Kanal zum Thema Dart aufgemacht. Zwar hat Anna von ihrer Hochzeit ein paar Fotos auf „what’s lüneburg” gepostet, doch viel Persönliches gibt sie auf ihrem öffentlichen Kanal nicht von sich preis – dafür hat sie auch noch einen privaten Account. Ihr Gesicht hat sich den Followern aber schon eingeprägt, denn es kam schon vor, dass sie in der Stadt auf ihren Blog angesprochen wurde. „Gerade sowas würde in einer größeren Stadt nicht vorkommen”, ist sie sich sicher. Anna Böhmes Lieblingsplatz in Lüneburg ist eher ein „Lieblingsweg”: Sie liebt es, von der Bleckeder Landstraße über die Lünertorstraße in die Altstadt zu gehen. „Mit dem Blick auf das Wasserviertel und die alten Häuser ist es so wie im Urlaub, wenn man abends noch mal rausgeht”, schwärmt sie. Auch das Kennenlernen von neuen Leuten empfindet sie in Lüneburg als so einfach wie in keiner anderen Stadt. Auch Annas Arbeitsplatz war von der Corona-Pandemie betroffen: Fünf Monate arbeitete sie im Homeoffice. Seit September pendelt sie nun wieder nach Hamburg, ihre Ausflüge beschränken sich auf das Wochenende. Um etwa alle zwei Tage etwas auf ihrem Instagram-Kanal zu pos-ten, greift sie auch auf Bilder zurück, die sie für später archiviert hat. Schließlich erlebt sie nicht alle zwei Tage etwas Neues, sieht aber dafür manchmal viele neue und tolle Dinge an einem Tag. Hin und wieder sucht sie einen neuen Blickwinkel auf die Stadt, nimmt mal eine Seitenstraße – doch nicht immer ist ein schönes Fotomotiv dabei. Der modernen Technik sei Dank, dass sie alle Fotos spontan mit ihrem Smartphone machen kann und nicht auf aufwendiges Kamera-Equipment angewiesen ist. Das Fotografieren aus besonderen Blickwinkeln hat sie sich selbst beigebracht, probiert aus, wie ein Haus aus verschiedenen Perspektiven aussieht. „Das hat sich durch Learning by Doing entwickelt”, erklärt sie. Inzwischen weiß sie, mit welchen Motiven sie bei ihrer Community besonders gut landen kann: „Die Klassiker wie das Rathaus, der Wasserturm und der Stint kommen sehr gut an – aber auch Sonnenuntergänge und Eisessen.”

Für Neulinge und Alteingesessene

Nicht nur ihr Mann hat durch sie viel Neues in „seiner” Stadt kennengelernt. Auch von ihren Abonnenten erhält Anna viele Rückmeldungen darauf. Dabei kommt es sowohl vor, dass sich Neu-Lüneburger bei ihr bedanken, was sie durch Anna in der Stadt kennengelernt haben – als auch Alteingesessene. „Ich kenne das selbst aus Hannover – die wenigsten gucken bei Tripadvisor, was es in ihrer eigenen Stadt zu sehen gibt”, meint sie. Ihr Blog richtet sich eher an Menschen, die in Lüneburg leben, als an Touristen – wobei diese sicher auch ihren Nutzen daraus ziehen können. Anna liebt es, bei „what’s lüneburg” ihr eigener Boss zu sein und nur den eigenen Anforderungen gerecht werden zu müssen. Ihr Kanal wird hauptsächlich mit Fotos bestückt, in den Storys auch mit kleinen Videos. Wenn sie noch mehr zu sagen hat, tut sie das auf ihrer Webseite – sozusagen der Verlängerung ihres Instagram-Kanals. Auch bei Facebook ist sie vertreten, jedoch hauptsächlich, um auf ihren Hauptkanal auf Instagram zu verweisen. Die Interaktion mit ihren Followern gelingt Anna Böhme immer wieder, indem sie sie um Tipps oder ihre Meinung zu etwas bittet. Verselbstständigt hat sich auf ihrem Kanal die Sammlung von „lünedings”: Da auffällig viele Läden, Firmen und Marken das Wort „Lüne” in ihrem Namen tragen, forderte sie ihre Community auf, ihr Fundstücke damit zuzusenden. Die Liste ist inzwischen ellenlang und wächst von Woche zu Woche weiter. (JVE)