WÖLFE

AUSGESETZT, GESCHMUGGELT
ODER ALLES NATUR?

Wölfe unter uns…

Der Wolf geht um: Nachdem er bei uns 150 Jahre vom Menschen ausgerottet war, lebt Isegrim seit 15 Jahren wieder selbstständig in weiten Teilen Deutschlands. Erst waren es nur Einzeltiere, zuletzt häufen sich die Meldungen, dass immer mehr der Raubtiere gesichtet wurden.

Mindestens 50 Wölfe sollen inzwischen schon wieder fest in Niedersachsen leben. Nicht wenige auch im Landkreis Lüneburg. Und eine Frage wird zunehmend lauter gestellt: Woher kommen die ganzen Wölfe eigentlich?

Sind sie wirklich alle eingewandert aus Ostpolen, wie es offiziell heißt, oder haben da selbsternannte „Tierschützer“ beziehungsweise kriminelle Tierhändler nachgeholfen? Oder sind wir einem noch größeren Skandal auf der
Spur und manche der Wölfe stammen aus hiesigen Wildparks? Stadtlichter hat nachgehakt und geht den (teils wilden) Gerüchten nach.

Die Faszination der Menschen für den Wolf ist uralt. In der Mythologie, in der Religion sowie in Sagen und nicht zuletzt auch in Kinofilmen spielte der Wolf oft eine zentrale Rolle. Bis heute rufen diese Wolfsmythen bei vielen Menschen Gänsehaut und Schaudern hervor.

Doch die Mär vom bösen Wolf ist – wenn man den Experten glauben darf – schlicht Unsinn. Er ist kein Menschenfresser, kein gefährliches Ungeheuer, genauso wenig aber ist Canis Lupus ein Schmusetier, das heiliggesprochen
werden sollte.

Der Wolf ist ein intelligentes Raubtier mit einem ausgeprägten Sozialverhalten. Er hat kein Interesse am Menschen und geht diesem – instinktiv – aus dem Weg. Genau Letzteres passiert aber immer häufiger gerade nicht.

In der April-Ausgabe von „Jäger. Zeitschrift für das Jagdrevier“ wird spekuliert: Ohne menschliche „Hilfe“ sei eine „explosionsweise Ausbreitung“ des Wolfs überhaupt nicht zu erklären. Diese seien auch aus den verschiedensten Gründen an den Menschen gewöhnt, zum Beispiel weil sie gar nicht in „freier Natur“ zur Welt gekommen seien…

Doch wo dann?

Es hört sich an wie ein Märchen – doch tatsächlich gibt es Indizien, dass einige der jetzt bei uns heimisch gewordenen Wölfe

neben anderen Wildtieren (z.B. Luchse) aus dem Ausland eingeschmuggelt worden sein könnten. Unter den Auftraggebern sollen Menschen sein, die fasziniert sind von der Unzähmbarkeit eines Raubtieres. Und das sind angeblich nicht wenige.

Die Szene agiert – verständlicherweise – im Verborgenen beziehungsweise in geschlossenen Foren. Waren es lange „nur“ Wolfshybriden, also zum Beispiel Husky-Wolf-Mischlinge, die illegal nach Deutschland geschafft wurden, soll es jetzt auch einen (kleinen) Markt für den Wolf selbst geben.

Offiziell heißt es bei der Polizei zwar: „Keine Erkenntnisse!“ Wer hartnäckig nachfragt, erfährt jedoch, dass es durchaus ein Problem mit Tierschmuggel vor allem aus Ost- und Südosteuropa gibt. Bekannt ist ein Diebstahl von mehreren Dutzend Wildtieren – auch Wolfswelpen waren dabei – aus einem schlecht gesicherten Zoo bei Bukarest 2013.

Nicht ausgeschlossen, dass einige der gegebenenfalls durch kriminelle Tierhändler in den Westen verbrachten Wölfe jetzt bei uns durch die Wälder ziehen. Diese könnten aus verschiedensten Gründen in Freiheit gelangt sein. Ihre private Haltung ist nicht nur ungesetzlich, sondern höchst problematisch, zeitaufwendig und teuer.

Viele der Käufer haben womöglich – desillusioniert nach dem ersten Hype über ihr „Raubtier im Garten“– einfach nur die Tür von Gehege oder Käfig offen stehen lassen…

Dass die vielen Wölfe teilweise heimischen Tierparks entstammen – auch das wird diskutiert – erscheint eher unwahrscheinlich zu sein. Die Dokumentationspflichten hierzulande sind streng. Die Kontrollen ebenfalls.

Das Statement einer Sprecherin des Wildparks Lüneburger Heide in Hanstedt-Nindorf dazu wirkt glaubhaft: „Das wäre Selbstmord für jeden Park, da kann ich auch für die Mitbewerber sprechen. Allerdings ist uns die große Zahl an Wölfen, die jetzt überall gemeldet werden, auch schon aufgefallen.“

Die irritierende, fehlende Scheu vor dem Menschen eines Teils der Tiere ist laut der Expertin allerdings weniger ein Hinweis auf die Herkunft als auf die große Anpassungsfähigkeit des Wolfs: „Der Wolf ist schlau und merkt schnell, dass der Mensch ihm nichts Böses mehr tut.

Das war über Jahrhunderte ja ganz anders. Da wurde der Wolf gejagt und ist darum dem Menschen aus dem Weg gegangen. Dazu kommt das Problem der Anfütterung, wie es den Soldaten aus Munster unterstellt wird. Vor allem Jungtiere springen darauf an.“

Vera K. (Name geändert), Hobby-Schafzüchterin aus dem Landkreis Lüneburg, hat „fehlgeleitete Tier- oder Naturschützer“ in Verdacht, zur wundersamen Wolfs-Vermehrung beigetragen zu haben: „Ihr Motiv könnte einerseits sein, den Wolf in seine vermeintlich alte Heimat zurückzuholen und andererseits‚ den Jägern eins auszuwischen.“

Es ist nicht von der Hand zu weisen: Wo der Wolf ist, wird das Wild rarer. Nicht wenige Jäger sehen im Wolf darum auch einen ernstzunehmenden Konkurrenten. Das Senckenberg-Museum für Naturkunde in Görlitz hat seit 2001 mehr als 4.000 Kotproben von Wölfen in der Lausitz untersucht, um aus den Rückständen auf die Beute zu schließen. Demnach machen Rehe 53 Prozent der Beute aus, Rothirsche 21 Prozent und Wildschweine 18 Prozent, der Rest sind Damhirsche, Mufflons und kleinere Tiere.

Bei einer Veranstaltung in Bleckede sagte Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt: „Die Sicherheit der Menschen steht immer an erster Stelle.“ Umwelt-Staatssekretärin Almut Kottwitz konkretisiert: „Wenn Vergrämungsmaßnahmen keinerlei Erfolg erzielen sollten, ein Tier gar aggressives Verhalten gegenüber Menschen zeigen sollte, ist darüber zu befinden, ob es der Natur auf Dauer entnommen werden muss.“

Fazit: Der Wolf lebt unter uns und er wird uns weiter beschäftigen. Wir dürfen ihn nicht als Feind sehen, müssen mit ihm umzugehen lernen. Aber wir müssen auch wissen, womit wir es zu tun haben und müssen Gerüchten und
Spekulationen offensiv und mit Transparenz begegnen.

Angeblich sollen Analysen ergeben haben, dass einige der Wölfe in Deutschland gegen Staupe geimpft wurden. Auch nur ein weiteres Gerücht? Es wäre ein Nachweis dafür, dass der Wolfs-Boom in Deutschland nicht nur „natürlich“ zu erklären ist. Es ist an der Zeit, dass sich zuständige Behörden offiziell und glaubwürdig äußern, wie der Wolf zurück nach Deutschland fand… (RT)

News
& Infos

Für Niedersachsen können in folgenden Regionen Wölfe bestätigt werden
(Stand März 2015, Quelle: NABU)

2011 gab es den ersten Nachweis einer sesshaften Wolfsfähe auf den Truppenübungsplätzen um Munster. 2012 wurde auch ein Rüde im Territorium nachgewiesen. Insgesamt sind derzeit fünf Rudel und zwei Paare in Niedersachsen sicher dokumentiert.

Das Territorium eines Wolfsrudels kann in der Größe variieren, liegt in Deutschland aber zwischen 250 und 350 Quadratkilometern. Der Wolfsberater Peter Pabel hält es für wahrscheinlich, dass sich die Tiere weiter ausbreiten.

Eine wissenschaftliche Untersuchung (NINA Institute 2001) hat weltweit Fälle dokumentiert, in denen Menschen von Wölfen angegriffen wurden. Zwischen 1950 und 2000 hat es danach in Europa insgesamt 59 Zwischenfälle gegeben, bei denen neun Menschen getötet wurden. Bei fünf dieser Fälle waren die Wölfe jedoch an Tollwut erkrankt.

Bei den anderen Vorkommnissen, wo die Wölfe nicht tollwütig waren, wurde bestätigt, dass die Tiere zuvor angefüttert oder provoziert wurden oder es sich um Wolf-Hund-Mischlinge handelte.

Die größte Gefahr für Wölfe in Deutschland geht von Autos und Bahnen aus. Deutschlandweit wurden seit dem Jahr 2000 58 Wölfe überfahren. Laut Naturschutzbund (NABU) kommen besonders oft junge Wölfe bei Verkehrsunfällen ums Leben. Oft liefen die Jungtiere ihren Eltern einfach hinterher, ohne auf den Verkehr zu achten.

Wölfe leben meist in Rudeln. Die Größe eines Rudels in unseren Breiten variiert im Jahresverlauf zwischen fünf und zehn Individuen.

A) Territoriale Vorkommen:

Wolfsrudel seit 2012 auf den Truppenübungsplätzen Munster
Wolfsrudel seit 2013 auf dem TÜP Bergen
Wolfsrudel im Wendland seit 2013
Wolfsrudel seit 2014 auf dem Schießplatz Rheinmetall
Ein Wolfsrudel seit September 2014 im Landkreis Celle (Raum Eschede)
Ein Wolfspaar seit Juli 2014 im Landkreis Cuxhaven
Ein Wolfspaar im Raum Fuhrberg seit 2014
Regelmäßig werden seit März 2014 auch Wolfsnachweise aus dem westlichen Niedersachsen aus der Nähe von Meppen und Nordhorn gemeldet.
Territoriales Einzeltier Landkreis Diepholz/Landkreis Vechta

B) EINZELNACHWEISE:

Landkreis Heidekreis: Einzelne Nachweise auf dem Gelände des VNP (Sept 2013, Mai 2014) sowie bei Wietzendorf (Mai 2014)

Landkreis Lüneburg: Eine Probe von einem Riss aus dem Juli 2013 brachte den genetischen Nachweis eines Wolfes bei Radegast. Dieser Wolfsrüde wurde auch bei Preten im Oktober und November 2013 genetisch nachgewiesen. Außerdem soll ein einzelner Wolf durch die Samtgemeinde Gellersen streichen, wurde zuletzt mehrfach gesichtet, unter anderem in Kirchgellersen.

Landkreis Uelzen: Eine Probe aus Oktober 2013 erbrachte den genetischen Nachweis eines Wolfes, der mit dem Welzower Rudel in Brandenburg verwandt ist. Im Januar 2015 gelang ein Fotonachweis in der Region Bienenbüttel.

Landkreis Osterholz: Bei Hallah konnte im November 2013 ein abgewanderter Welpe aus dem Munsteraner Rudel bestätigt werden.

Landkreis Helmstedt: Landkreis gelang der Fotonachweis eines Wolfes im März 2014.

Landkreis Diepholz: Bei Barnstorf konnte im Landkreis Diepholz im April 2014 ein Jungwolf fotografiert werden.
Landkreis Lüchow-Dannenberg: Im Mai 2014 gelang der Fotonachweis eines Wolfes im Landkreis. Es konnte eine Fähe nachgewiesen werden. Im Juli 2014 konnte ein Rüde nachgewiesen werden, daher besteht seitdem die Vermutung auf Paarbildung und Etablierung eines neuen Territoriums. Im Februar 2015 gelang wieder ein Fotonachweis eines Tieres. Zudem konnten genetische Proben gewonnen werden, die Ergebnisse stehen noch aus. (Der Nachweis zweier gegengeschlechtlicher Tiere lässt eine Paarbildung und somit ein territoriales Vorkommen vermuten)

Landkreis Nienburg (Februar 2015)
Landkreis Rotenburg-Wümme: Im März 2015 gelang ein Fotonachweis eines Wolfes bei Lauenbrück:

ANSPRECHPARTNER IN SACHEN WOLF:

Landesjägerschaft Niedersachsen
Dr. Britta Habbe, Telefon 0511/5304318
Email: bhabbe@ljn.de

Wolfsberater beim Landkreis Lüneburg:
Wolfgang Baumgärtner, Telefon (0 41 33) 81 64
Email: skadis@t-online.de
Uwe Martens, Telefon (0 41 34) 65 01
Email: uwe.martens@freundeskreis-wolf.de
Ralf Neumann, Telefon (0 41 35) 80 83 39
Email: ralf-neum@t-online.de
Mathias Holsten, Telefon (0 41 31) 26 12 09
mathias.holsten@landkreis.lueneburg.de