PROBLEMZONEN, ANGSTZONEN, NO-GO-AREAS …

… Gibt es das auch in Lüneburg?

Wir leben in einem Rechtsstaat? Prinzipiell ja … Doch in manchen Gegenden herrscht scheinbar das Recht des Stärkeren! Solche sogenannten No-go-Areas, also Viertel, die man lieber meiden sollte, gibt es leider nicht mehr nur in Großstädten. Duisburg-Marxloh, Köln-Chorweiler, Bremerhaven-Lehe, Berlin-Neukölln: Sie alle stehen symbolisch für heruntergekommene Stadtteile, in die sich viele im Dunkeln nur mit Unwohlsein hinein trauen. Auch die Polizei ist in besonders berüchtigten Straßen ausschließlich mit mehreren Beamten unterwegs. Das Schlimme: Das Phänomen der sogenannten Problem- und Angstzonen ist inzwischen im Umland großer Metropolen angekommen, von No-Go-Areas kann allerdings (glücklicherweise) nicht die Rede sein. Das gilt auch für Lüneburg, obwohl man sich auch hier in manchen Ecken lieber nicht im Dunkeln alleine herumtreiben sollte, warnen hinter vorgehaltener Hand selbst Polizeibeamte.

Kaltenmoor war lange Spitze, was die Kriminalität angeht: Während der Wohnungsnot in den sechziger Jahren hoch und schnell gebaut, leben in keinem anderen Lüneburger Stadtteil so viele Menschen auf so wenig Raum. Noch immer ist Kaltenmoor nicht „befriedet“ – es gibt immer wieder Ausbrüche brutaler Gewalt wie zuletzt wieder im April: Da wurde nach Mitternacht aus einem Audi heraus auf eine Personengruppe von zirka sechs Personen geschossen, die sich in der Carl-Friedrich-Goerdeler-Straße in Höhe des St.-Stephanus-Platzes aufhielt. Ein 20-Jähriger wurde durch die Schüsse schwer verletzt. Es ging um Drogen. Und um obskure Verbrecherehre. Wörtlich sprach Kriminaldirektor Steffen Grimme, Leiter der Ermittlungsgruppe, von „Störungen im BTM-Handel innerhalb einer multinationalen Gruppe“. Generell jedoch, so die Ansicht der Lüneburger Polizeiführung, herrsche ein insgesamt doch eher friedliches Miteinander sehr vieler Nationen in und um Kaltenmoor. Das Kriminalitäts-Problem, auch das der Drogen, habe sich schon lange aus dem Stadtteil weg verlagert.

Der Clamartpark ist seit Jahren verrufen als Drogenumschlagsplatz, und die Entwicklung dort sorgt für große Besorgnisse. Auch und gerade bei Anwohnern. „Hier kann man sich, wenn es dunkel ist, nun wirklich nicht mehr reintrauen“, sagt Horst P. „Hier wird offen gedealt. Als ich einmal Fotos machen wollte, um die Straftaten bei der Polizei anzuzeigen, wurde ich übelst beschimpft und mir wurden Schläge angedroht. Das ist hier ein rechtsfreier Raum. Schlimm!“ Der Polizei sind die Verhältnisse rund um den Clamartpark durchaus bekannt, heißt es auf Nachfrage. Dass in dem Park jedoch inzwischen ein „rechtsfreier Raum“ entstanden sein soll, weise man entschieden zurück. Zwar wisse man, dass durch die sich dort aufhaltenden Personengruppen das subjektive Sicherheitsempfinden einiger Menschen gestört werden könne, doch, so Kriminaldirektor Roland Brauer (laut LZonline), müsse unsere Gesellschaft „Lebensgestaltungen“ wie diese aushalten.

Muss sie das wirklich? Offenen Drogenkonsum und Beschaffungskriminalität als „Lebensgestaltungen“ zu bezeichnen, scheint mindestens fragwürdig zu sein.

Immerhin begnügen sich die Ordnungshüter nicht mit euphemistischen Betrachtungen, sondern versuchen über unregelmäßig stattfindende Razzien den Park als Erholungs- und Begegnungsraum der Bürger zurückzugewinnen. Immer wieder werden dabei Personen im Clamartpark und den unmittelbar angrenzenden Straßen von der Polizei „auf frischer Tat“ ertappt, wie sie gerade Drogen rauchen beziehungsweise sich gespritzt haben.

Viele dieser Süchtigen sind als Tagestouristen aus Hamburg angereist. Sie wissen: Koks oder Heroin ist an der Ilmenau deutlich günstiger zu bekommen als an Alster und Elbe. Dahinter steckt eine Marktoffensive einheimischer Dealer, die mit ihren Discountpreisen immer mehr Kunden anlocken wollen. Das Problem: An die Hintermänner der Drogen, die in Lüneburg aktuell vermehrt im Umlauf sind, ist schwer heranzukommen. Das ginge eventuell über einige der Händler und Junkies aus dem Clarmartpark. Doch wenn diese aufgegriffen werden, erhalten sie entweder nur wirkungslose „Platzverweise“ oder sind nach wenigen Stunden in Gewahrsam wieder am Ort des Geschehens zurück. So etwas ist letztlich auch frustrierend für die Polizei, die den Kampf gegen die Lüneburger Drogenszene so wohl kaum gewinnen kann. Von der Politik ist hier offenbar auch kaum Hilfe zu erwarten, den Regierenden in Stadt und Land scheint auszureichen, wenn die Polizei die „Szene beobachtet“ statt sie zu zerschlagen. Ein Fahnder: „Wir kommen nicht weiter, wenn Drogenhandel und -konsum ignoriert und verharmlost werden. Die Verhältnismäßigkeiten stimmen einfach nicht mehr…“ (RT)