Pappnase

editorial

Bald geht sie auch im nüchternen Norden wie auch in den entlegensten Stellen dieser Welt wieder los, die närrische Zeit. Zwar nicht unbedingt überall mit Frohsinn und Pappnase, aber närrisch mutet es schon an, wenn zum Beispiel der mächtigste Mann der einst mächtigsten Macht der Welt sich anschickt, eine Mauer zu bauen, um Flüchtende fernzuhalten. Und trotzig den Shutdown ausruft, um das Geld dafür aus dem US-Etat freizupressen. Im Gegensatz zu Walter Ulbricht macht Trump auch keinen Hehl daraus, sagt nicht, dass keiner die Absicht habe, eine Mauer zu errichten. Es jährte sich am 20. Januar übrigens zum zweiten Mal der Tag, an dem der 45. US-Präsident vereidigt wurde. Nach George W. Bush ist er der zweite Präsident, der die Wahl nach Wählerstimmen zwar verlor, aber aufgrund des Wahlrechts der USA trotzdem Präsident werden konnte. Karneval? Bitterer Ernst. Auch dass die EU mit dem Brexit zu bröckeln beginnt und in Brüssel ausgerechnet die Zahl derjenigen Abgeordneten zunimmt, die es sich zum Ziel gesetzt haben, eben dieses Parlament, für das sie gerade kandidieren, abzuschaffen – auch das ist kein Karneval. Bitterer Ernst. Zum Glück gibt es viel Gegenwind, zum Beispiel in der Vielfalt der Kultur, die es zu pflegen lohnt. Im Kleinen wie im Großen. Im täglichen Miteinander, in Familie, Arbeitswelt, Begegnung und Veranstaltung, in der Literatur wie in der Malerei, im Theater wie auf der Leinwand, bei Musik und Tanz, mit Vertrauten wie mit Fremden. Und das schon jetzt üppige Angebot in der Region wird zusehends größer, wie ein Blick in unsere Veranstaltungsseiten und Terminkalender, die Vorschauen auf Festivals und Konzerte verrät. Mit dem Audimax der Lüneburger Leuphana ist gerade eine tolle Location für hochklassige Veranstaltungen hinzugekommen, der Start der Bauarbeiten für die Arena Lüneburger Land verspricht zudem in absehbarer Zeit ein weiteres Podium für Großveranstaltungen aller Art zu bieten, nicht nur für Musik und Sport.

Nie zuvor war die Kultur insbesondere in dieser Region so facettenreich, so vielfältig, so präsent, so offen. Dass gerade jetzt junge Leute auf die Straße gehen, um für Menschlichkeit und Toleranz zu werben, aber auch für den Schutz von Klima und Umwelt ihre Stimme erheben, das macht schon Mut.

In diesem Sinne: Packen wir‘s an. Jeder ein bisschen.

Eure stadtlichter