Luxus

editorial

Das, was das Covid-Virus anrichtet, ist nun wirklich kein Luxus, eher eine massive tödliche Bedrohung. Wir erinnern uns an die erste Pressekonferenz beim Lüneburger Landrat Jens Böther anlässlich der ersten positiv getesteten Person: Es war am 11.3.2020, ein Ischgl-Opfer. Neun Monate später, genau am 11.12.2020, wurde der Tausendste aus dem Landkreis positiv auf das Virus getestet. Die Rate der Neuinfizierten ist per 17. Dezember deutschlandweit bereits auf über 30.000 täglich geklettert! Geklettert? Eher geschossen. Die Bedrohung wird immer realer in der Wahrnehmung, mit dazu bei trägt natürlich auch die gedämpfte Stimmung, die das Verharren im Lockdown erzeugt. Und so fällt uns wieder ein, was wir doch für einen Luxus hatten, ihn pflegten und genossen: Wir hatten das Luxusproblem, zwischen vielen hundert Veranstaltungen in der Region zu wählen, Theater, Kino, Konzert drinnen, Konzert draußen, Festival, Cornern auf dem Stint, Straßen-, Dorf- und Stadtfeste, Sport aktiv treiben oder doch nur zuschauen? Jetset, mit dem Shuttle zum Chillen nach Palma, das Shopping-Weekend in London oder vielleicht doch Mailand – mal eben schnell für einen Fünfziger plus Flughafensteuer. Was hatten wir doch für einen Luxus-Stress. Aber wir sollten nun nicht ins Dunkle, Trübe schauen, das schürt Egoismus, Depression und Nationalismus – die Impfstory von der Zulassung bis zur Verteilung zeigte es. Wir sollten eher einen starken Scheinwerfer unserer gerade arbeitslosen Techniker anmachen und uns erneut orientieren an dem, was wieder machbar sein wird, wenn der Zenit tatsächlich hinter uns liegt. Die Kreativen und Improvisierenden in der Region haben nicht aufgehört, uns mit Machbarem, vor allem auch übers World Wide Web, zu versorgen, die Optimisten sind sogar schon wieder intensiv bei der Planung, sie canceln ihre Veranstaltungen nicht, sondern verschieben sie wieder einmal, haben tatsächlich schon den nächsten Festival-Sommer einschließlich Hygienekonzept entwickelt. Hier zu lesen.

Wir sollten die Gelegenheit nutzen und uns wieder darauf besinnen, welche Ansprüche und Selbstverständlichkeiten ehrlicherweise in die Kategorie Luxus einzuordnen sind, schauen, wie wir unsere Werteskala wieder in den Griff bekommen. Wir in der stadtlichter-Redaktion freuen uns jedenfalls riesig darauf, Euch auf dem Weg in eine sicherlich neue Normalität zu begleiten, Euch wieder mit Tipps, Terminen und Hintergründen zu einer wachsenden Zahl „luxuriöser“ Veranstaltungen zu versorgen. Einige davon auch schon hier und heute in dieser Ausgabe, ein paar astrologische Bonbons gibt’s diesmal auch! Jedem, der es glaubt.

Startet mit uns gemeinsam in ein gesundes Jahr 2021, in den 19. Jahrgang der stadtlichter!

Eure stadtlichter