Impfzentrum statt Kreishaus

Mirko Dannenfeld leitet das Lüneburger Corona-Impfzentrum

Das hätte sich Mirko Dannenfeld in seinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt, dass sein Beamtendasein einmal so aufregend werden würde: Der 50-jährige Leiter des Fachdienstes Ordnung des Landkreises Lüneburg leitet das im Januar eröffnete Corona-Impfzentrum Lüneburg. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie ist Mirko Dannenfeld ganz nah dran am Geschehen. Schon im Frühjahr 2020 mussten er und seine Mitarbeiter sich mit der Frage auseinandersetzen, wie man das Klinikum Lüneburg entlasten könne, wenn es durch die Versorgung von Corona-Patienten an seine Belastungsgrenze stoßen würde. Ein Hilfskrankenhaus wurde geplant, doch es musste zum Glück nicht zum Einsatz kommen. Mitte November erhielt der Landkreis Lüneburg schließlich vom Land Niedersachsen den Auftrag, ein Corona-Impfzentrum aufzubauen. So mussten Mirko Dannenfeld und sein Team aus zehn bis 15 Mitarbeitern tätig werden. „Wir mussten ein geeignetes Objekt finden, den Ausbau organisieren und Material beschaffen”, so Dannenfeld. Es gab ein Rahmenkonzept des Landes, die Durchführung sollte von den Räumlichkeiten abhängen. Bei der Standortsuche gaben die Gemeinden des Landkreises Rückmeldung über bestehende Räumlichkeiten – diese sollten eine gewisse Größe sowie eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr haben, Parkmöglichkeiten bieten und barrierefrei sein. Auch Makler der Region wurden angefragt.

Standort ist ein Glücksgriff

Die Suche nach einem geeigneten Standort für das Impfzentrum beschäftigte Mirko Dannenfeld etwa drei Wochen. „Ich bin selbst unterwegs gewesen und habe mir viele Objekte angeguckt, oft alleine“, erzählt der 50-Jährige. Kreiseigene Schulsporthallen und Veranstaltungsorte der Stadt schlossen er und sein Team sofort aus. Da keiner vorhersehen kann, wie lange das Impfzentrum gebraucht wird, wollte man die Räume nicht über Monate blockieren, so Dannenfeld. Nach einer Woche kristallisierte sich ein Standort in Adendorf heraus, doch der Besitzer sagte nach reiflicher Überlegung wieder ab. Schließlich bot das Unternehmen Deerberg von selbst eine Halle an der Zeppelinstraße als Standort für das Impfzentrum an. „Das war ein Glücksgriff. In Lüneburg sind Gewerbeflächen sehr gefragt, die Suche war nicht so einfach”, erklärt Dannenfeld. Mit der Einrichtung des Lüneburger Impfzentrums wurden die Katastrophenschutzbehörden betraut. Weihnachten war der Rohbau fertig. „Wir hätten theoretisch am 23. Dezember in Betrieb gehen können”, erklärt Dannenfeld, „aber mir war von vornherein klar, dass der Plan des Landes sehr ambitioniert war, noch im Dezember mit dem Impfen anzufangen.” Schon frühzeitig habe sich herumgesprochen, dass der Schwerpunkt zunächst auf den mobilen Teams liegen würde, die die Bewohner von Altenpflegeheimen impfen sollten. Dennoch luden Mirko Dannenfeld und sein Team noch drei Tage vor Weihnachten 75 Personen zu Auswahlgesprächen ein und wählten 15 Mitarbeiter für das Impfzentrum aus. „Wir sind von Initiativbewerbungen überrannt worden”, so der Leiter. Obwohl noch keine Impfungen vor Ort durchgeführt werden konnten, nahm das Impfzentrum an der Zeppelinstraße am 5. Januar seinen Betrieb auf. Hier arbeiten vier Personengruppen: Ärzte, Verwaltungshelfer mit entsprechender Ausbildung, Unterstützungskräfte, die die Besucher vor Ort an die Hand nehmen, und Impfbefähigte aus dem medizinischen Bereich. Alle Mitarbeiter standen hier ab Januar in den Startlöchern, doch zunächst konnten nur die vier mobilen Teams aktiv werden, die von Mitarbeitern der Hilfsorganisationen unterstützt werden. Ab der ersten Januarwoche und bis zum 9. Februar erhielten alle Bewohner der Lüneburger Altenpflegeheime und Einrichtungen der Tagespflege, die eine Corona-Impfung wünschten, ihre erste Impfdosis. Auch Mirko Dannenfeld begleitete zu Anfang ein mobiles Team, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Noch bis Anfang März sind die mobilen Teams in der Stadt für die zweite Impfung in den Einrichtungen unterwegs.

Bis zu fünf Impflinien

Im Lüneburger Impfzentrum kann mit bis zu fünf Impflinien gleichzeitig gearbeitet werden, in diesem Fall müssen auch fünf Ärzte vor Ort sein. „Wir haben sehr viele niedergelassene Ärzte, auch aus anderen Landkreisen und Bundesländern. Auch Ärzte im Ruhestand sind tageweise dabei. So sind wir in der Lage, ein relativ breites Zeitfenster abzudecken”, erklärt Mirko Dannenfeld. Doch ausgelastet ist das Zentrum aufgrund der knappen Impfstoffversorgung noch nicht. Anfang Februar startete der Betrieb in Lüneburg mit zwei Impflinien, je nach Impfstofflieferung an fünf bis sechs Tagen die Woche. Bis zum 17. Februar wurden im Landkreis Lüneburg insgesamt 8.700 Impfungen durchgeführt, davon knapp 3.000 Zweitimpfungen. Momentan sind rund 1.100 Impfungen pro Woche im Lüneburger Impfzentrum möglich. „Sehr wahrscheinlich Ende März sollen alle Personen der Prioritätsgruppe 1 ihre erste Impfung erhalten haben”, so Mirko Dannenfeld. Der Leiter des Impfzentrums und sein Stellvertreter Joschka Schiller haben ein Büro im Impfzentrum, sind aber nicht fest in die Abläufe mit eingebunden. Sie sind permanent vor Ort und springen dort ein, wo Not am Mann ist und Fragen geklärt werden müssen. Die verbindliche Planung der Impftermine ist von den Ankündigungen der Impfstofflieferungen durch das Land Niedersachsen abhängig. „Das Terminportal braucht auch einen zeitlichen Vorlauf, da viele Personen ihre Terminbestätigung per Post erhalten wollen”, fügt Dannenfeld hinzu. Dass noch nicht alle möglichen Termine vergeben

seien, habe technische Gründe, so der Leiter. „Die Terminvergabe ist telefonisch oder über das Internet möglich. Sie sollen zu zwei Dritteln telefonisch und zu einem Drittel online vergeben werden. Die Onlinebuchungen sind stark nachgefragt. Bei der telefonischen Terminvergabe geht der Weg über die Hotline. Es tritt immer wieder auf, dass diese überlaufen ist.” Es bestehe auch die Möglichkeit, sich auf eine Warteliste setzen zu lassen. Mirko Dannenfeld ist federführend an der Terminplanung für das Lüneburger Zentrum beteiligt. „Der Ansturm ist groß, das merken wir auch durch direkte Anfragen. Einige Leute hängen seit Tagen in der Warteschleife.“ Doch die Rückstände in der Abarbeitung würden sich legen, versichert er. Zuletzt hatte auch der heftige Wintereinbruch zu Lieferverzögerungen geführt, so dass Impfungen verschoben werden mussten.

Personal ist geimpft

Der Impfstoff, der bisher aus den Niederlanden nach Lüneburg geliefert wurde, stammt von dem Hersteller Biontech und muss bei -70° C gelagert werden. In Lüneburg liegt er fünf Tage auf Trockeneis und kann weitere fünf Tage im Kühlschrank aufbewahrt werden – nach zehn Tagen muss er verbraucht sein. Auch der Leiter des Impfzentrums hat schon zwei Corona-Impfungen erhalten. „Das Personal des Impfzentrums und die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen aus den mobilen Teams gehören zur Prioritätengruppe 1”, erklärt der 50-Jährige. Während bei ihm die erste Impfung ohne jede Impfreaktion verlief, hatte er nach der zweiten Impfung leicht erhöhte Temperatur und Schüttelfrost. „Das war eine typische Reaktion”, meint Dannenfeld. „Das ist völlig unproblematisch, es waren typische Begleiterscheinungen.” Sich impfen zu lassen, stand für den Beamten außer Frage. „Ich hatte gar keine Vorbehalte und Bedenken, ich habe mich auch viel informiert”, sagt er. Die Stimmung im Lüneburger Corona-Impfzentrum nimmt Mirko Dannenfeld als angenehm wahr. „Die Mitarbeiter sind in allen Bereichen sehr motiviert. Anstrengend war, dass sie nicht gleich impfen konnten, so hatte auch das Verwaltungspersonal eine Durststrecke. Aber alle haben dann bei der Vor- und Nachbereitung der Impfungen in den Altenheimen mitgeholfen, und die mobilen Impfungen konnten in Ruhe durchgeführt werden.” Die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, sei unter den älteren Menschen höher als bei den jüngeren, so Dannenfelds Eindruck: „Die ältere Bevölkerung ist viel aufgeschlossener, mit den Älteren hat man keine Diskussionen, auch wenn sie in den ärztlichen Gesprächen viele Nachfragen stellen.” Trotzdem sei es in wenigen Fällen vorgekommen, dass ein Bewohner eines Altenpflegeheims am Impftag einen Rückzieher gemacht habe.

Anfangs viele Impftouristen

Der so genannte „Impftourismus” war auch in Lüneburg zu Beginn ein Problem. Da Lüneburg eines der wenigen Impfzentren mit zu vergebenden Terminen in Niedersachsen war, holten sich Menschen aus anderen Landkreisen und sogar Peine oder Gifhorn Termine in der Hansestadt. „40 bis 50 Prozent der ersten Besucher waren nicht aus dem Landkreis Lüneburg”, weiß der Leiter, „das hat zu deutlichem Unmut geführt. In der Anfangsphase war das eine skurrile Situation aus Sicht der Lüneburger Bevölkerung.” Doch dem sei nun ein Riegel vorgeschoben worden, so dass Terminbuchungen nur noch für Einwohner aus dem Landkreis Lüneburg möglich seien. Als Ordnungsamtsleiter des Landkreises die Leitung des Corona-Impfzentrums übertragen bekommen zu haben, ist für Mirko Dannenfeld etwas Besonderes: „Das ist natürlich eine aufregende Geschichte, die wird man nur einmal im Leben machen.” Es mache Spaß, sich frei entfalten zu können, denn abgesehen von einigen Konzepten des Landes gebe es kaum Vorgaben. „Trotzdem ist es mir persönlich wichtig, wirtschaftlich zu handeln”, ergänzt er. Zunächst ist der Betrieb des Impfzentrums Lüneburg bis zum 30. Juni 2021 geplant – mit Option auf Verlängerung um weitere sechs Monate. „Wir gehen von einer Verlängerung aus. Wir werden gar nicht in der Lage sein, bis dahin alle geimpft zu haben”, meint Dannenfeld. Nachjustieren ist auch im Lüneburger Impfzentrum immer mal wieder angesagt. Schlangen von Wartenden sollen verkürzt werden, die Besucher werden inzwischen einzeln aufgerufen und persönlich in ihren Impfraum gebracht, wofür ein Ticketsys-tem eingeführt wurde. Auch drei Rollstühle wurden für weniger mobile Besucher angeschafft. „Das sind so Kleinigkeiten, die sich immer mal wieder zeigen. Aber der Ablauf steht”, bestätigt Dannenfeld. (JVE)