Im Garten zu Hause

Heinrich Burmester und Marianne Burmester-Müller haben einen großen Bauerngarten mit verschiedenen Themengärten

Heinrich Burmester und seine Frau Marianne Burmester-Müller nennen seit mehr als 45 Jahren einen Historischen Rosen- und Bauerngarten in Niendorf bei Bienenbüttel ihr Eigen. Seit sie im Ruhestand sind, können sie sich mit ihrem Hobby noch mehr ausleben. Das Bauernhaus in Niendorf, in dem das Ehepaar lebt, ist das Elternhaus von Heinrich Burmester. Der Garten macht ungefähr die Hälfte des 4.000 Quadratmeter großen Grundstücks aus. Angelegt wurde dieser schon von Heinrich Burmesters Großvater im Jahr 1909, damals noch mit dem Schwerpunkt der Selbstversorgung. Auch Marianne Burmester-Müller, die aus Velgen kommt, wuchs mit einem Selbstversorgungsgarten auf. „Der grüne Daumen wurde mir in die Wiege gelegt”, meint sie. Das stellt sie mit dem gemeinsamen Garten unter Beweis, den die beiden liebevoll und durchdacht gestalten und pflegen. Jetzt im Sommer erblüht der Garten in bunter Farbenpracht. Heinrich Burmester, der zunächst eine landwirtschaftliche Ausbildung absolvierte, schulte schließlich um auf eine Banklehre und arbeitete lange bei der Sparkasse. Seine Frau unterrichtete an der BBS, war jahrelang Ratsfrau und Ortsvorsteherin. Schon während dieser Jahre kümmerte sich das Paar neben dem Job um seinen besonderen Garten. „Nach der Arbeit hieß es: nach Hause, Jeans an und raus”, erinnert sich Heinrich Burmester. Heute können die beiden es auch manchmal kaum glauben, wann sie die Zeit für den Garten fanden, denn zwei Söhne zogen sie auch noch groß. Marianne Burmester-Müller legt auch heute noch größten Wert auf die Selbstversorgung mit eigenem Gemüse. Sie baut, wie heute vielerorts üblich, für den Eigenbedarf Radieschen und Tomaten an, aber in ihrem Garten finden sich auch alte Sorten aus Großmutters Zeiten, zum Beispiel Rote-Beete-Arten, frostharter Kohl und die alte Stangenbohnen-Sorte Türkische Erbse.

19 Rosenfamilien

Wirklich angetan haben es der Niendorferin aber die Rosen. 19 verschiedene Rosenfamilien lassen sich im Garten der Burmesters finden, und zu den meis-ten kann die Pflanzenexpertin auch etwas erzählen. In den sechziger Jahren seien Historische Rosen abgeschafft worden, weil sie nicht als modern galten, weiß sie zum Beispiel. „In den siebziger, achtziger Jahren kam dann eine Nostalgiewelle für wurzelechte Duftrosen, und man besann sich auf die Vielfalt von Gemüse.“ Auch heutzutage sei das Interesse an Gemüsesorten bei den jungen Leuten wieder groß, so ihre Beobachtung. Sie und ihr Mann bekommen mit, was in der Gesellschaft gefragt ist, denn sie bieten seit Jahrzehnten Führungen durch ihren Historischen Rosen- und Bauerngarten an und kommen so mit vielen Garteninteressierten und Fachleuten ins Gespräch. Seit mehr als 30 Jahren gibt es im Raum Uelzen die Aktion Offene Gartenpforte, und schon lange vorher öffnete das Niendorfer Paar seine Pforten für die Öffentlichkeit. Vor allem Radgruppen finden ihren Weg zu dem herrlich gelegenen Grundstück und lassen sich in anderthalb bis zwei Stunden die Höhepunkte des Gartens zeigen. Der Garten wird auch von internationalen Gartenfreunden besucht, zum Beispiel aus Belgien, den Niederlanden, England oder Frankreich. Geöffnet ist der Garten jederzeit – wenn die Besitzer da sind, eine Anmeldung ist erwünscht. Der Garten von Heinrich Burmester und Marianne Burmester-Müller weist eine Besonderheit auf: Im Lauf der Jahre haben die beiden Hobbygärtner zahlreiche kleine „Zimmer” und Themengärten entwickelt, die man hier in Norddeutschland so nicht erwartet. So gibt es neben dem Rosen- und Bauerngarten auch einen Kräutergarten im Klos-terstil, eine englische Buchenlaube mit einem gepflasterten Labyrinth, einen Garten der Stille in Anlehnung an einen japanischen Garten, einen toskanischen Wasserlauf sowie einen New-York-Garten mit Manhattan-Skyline. Auch rund 200 verschiedene, zum Teil seltene Gehölze und Bäume pflanzten sie mit der Zeit. Themengärten dieser Art sind selten, das wissen die beiden. Seine Inspiration und Ideen holte sich das Ehepaar auf verschiedenen Gartenreisen durch Deutschland, die Niederlande und Spanien. Auch Gartenschauen und Gartenliteratur gaben immer wieder neue Anstöße. Marianne Burmester-Möller ist an einer zurückhaltenden Dekoration gelegen, und die Gestaltung mit Steinen ist ihr Steckenpferd.

In ständiger Bewegung

Was sich nach viel Arbeit anhört – und auch danach aussieht – empfinden die Burmesters nur halb so anstrengend. „Wir haben eine ausgefeilte Bewirtschaftungstechnik entwickelt. Der Garten muss ja auch Spaß machen”, erklärt Marianne Burmester-Müller. „Es geht immer darum, dass die Pflege einfach ist. Und wenn etwas nicht funktioniert, wird es abgeschafft.” Der Garten ist in ständiger Bewegung, so dass auch Gäste, die regelmäßig wieder kommen, Veränderungen wahrnehmen. Manche Anregungen von Besuchern greifen die Hobbygärtner in der Gestaltung auf. „Zum Beispiel meinten Gäste aus Süddeutschland, im New-York-Garten fehle ein Trump-el-Pfad. Auch diese Gästeidee haben wir umgesetzt”, sagt sie schmunzelnd. „Inzwischen ranken sich schon einige Geschichten um diesen Gag.” Einer ihrer Söhne lebt in New York, und so gaben Besuche in den USA den Anstoß für den New-York-Garten. Ortsschilder dafür brachte sie gleich von dort mit. Der Garten der Burmesters ist in der Umgebung bekannt, auch im Fernsehen und in Gartenratgebern und -büchern tauchte er schon auf. So verwundert es nicht, dass Marianne Burmester-Müller regelmäßig Anrufe von Gartenbesitzern erhält, die Ratschläge suchen – ob zu Sorten, dem Schneiden oder Bezugsquellen von Pflanzen. Mit Schädlingen haben die Burmesters selten zu kämpfen. „Wir arbeiten sehr gezielt mit Pflanzenschutz”, so Marianne Burmester-Müller. Bauerngärten seien traditionell zum Schutz mit kleinen Buchshecken umsäumt, deren Geruch beispielsweise die Raupen vom Kohl fernhalte. Sei der Buchs von Spitzenpilz befallen, könne man diesen zurückschneiden. Auch Unkraut habe sie durch geschickte Bepflanzung und Mulchen kaum. Es gibt unzählige Insekten, Schmetterlinge und sogar das Taubenschwänzchen. Durch das Mulchen entsteht ein Kleinklima mit vielen wichtigen Kleinstlebewesen. Für die Planung der Themengärten liest sich das Ehepaar viel Wissen an – zum Beispiel über japanische Gärten. „Das ist ein sehr schwieriges Planungsthema, da muss man sich sehr schlau machen”, so Marianne Burmester-Müller. Die Trittsteine müssen richtig liegen, denn man schreitet und meditiert am Teich, dabei beobachtet man den Wasserspiegel. Der Teich hat die Form des japanischen Schriftzeichens für Wasser, dieses haben Gäste aus Naruto und Tokio schon bestätigt. Zum Kaiserwechsel in Japan pflanzte sie extra Chrysanthemen, die Wappenblume des Kaisers.

Schlechtes Wetter gibt es nicht

Marianne Burmester-Müller würde gerne noch einen maurischen Garten anlegen, doch es ist zunächst ein mediterraner Garten geworden. „Mich interessiert immer die Kulturgeschichte dazu, und die muslimische Richtung eines maurischen Gartens ist in der Umsetzung ebenso schwierig”, sagt sie. Die schweren Arbeiten bei der Gartengestaltung übernimmt in der Regel ihr Mann, doch für einige Arbeiten haben sie inzwischen einen Helfer eingestellt. „Unfallträchtige Sachen muss man irgendwann abgeben”, meint sie. Die Burmesters verbringen viel Zeit in ihrem Garten, doch die Arbeit hält sich in Grenzen. Die Gartenbesitzerin betont: „Ich muss auf keinen Fall von vorne anfangen, wenn ich gerade hinten fertig geworden bin. Ich will nicht nur mit Pflege beschäftigt sein, ich gestalte lieber.” Das Ehepaar legt Wert darauf, den Spaß am eigenen Garten zu behalten. „Es hat ja auch einen Gesundheitswert. Und schlechtes Wetter gibt es nicht”, so die Niendorferin. Die Hobbygärtnerin setzt auf Pflanzen, die bei uns gut wachsen. Viele Pflanzen würden sich auch aussamen, so dass man manchmal von einem „gepflegten Durcheinander” sprechen könne. Natürlich kann auch ihnen mal eine Pflanze eingehen, und ein heißer Sommer wie in 2018 oder ein frostiger Winter kann zu starken Schäden führen. Doch beregnet werde nicht, wenn die Pflanzen noch gut aussehen. Dafür hat die Expertin eine Erklärung: „Man muss die Pflanzen zum Tiefwurzeln erziehen, und das machen sie erst, wenn sie nicht so viel gegossen werden.” Während sie die größten Vorlieben für ihre Rosen, Alpenveilchen, Christrosen oder Zaubernuss hat, hängt das Herz ihres Mannes eher an den Bäumen, wie der besonderen Mahagonikirsche oder dem rotlaubigen Buchenbogen. Bei der Führung gibt es individuelle Hinweise auf besondere Gewächse wie die alten Rittersporn-Sorten, die beständiger sind als die neuen, die alte Moosrose Cristata Chapeau de Napoleon oder die im Herbst blühenden Sieben Söhne des Himmels. Irgend etwas gibt es immer zu entdecken, auch das Ehepaar Burmester erspäht bei jedem Rundgang etwas Neues. Gerne setzen sich die beiden selbst auf eine Sitzbank in einem ihrer Gartenabschnitte und genießen den Anblick und die friedliche Stille. Doch zur Ruhe setzen sie sich deshalb noch lange nicht. (JVE)

TERMIN: Offene Gartenpforte bei Heinrich Burmester und Marianne Burmester-Müller, Im Dorfe 12, Niendorf bei Bienenbüttel, Samstag und Sonntag, 7. und 8. September, jeweils 10 bis 18 Uhr, Führungen auch ganzjährig nach Vereinbarung, Kosten 3 € pro Person, Tel.
(0 58 23) 3 42, E-Mail burmester.niendorf@gmail.com, www.rosengarten-niendorf.de