Herz aus dem Takt

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Immer mehr Menschen leiden an „Vorhofflimmern“

[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column width=“1/2″][vc_column_text]Unser Herz ist ein Workaholic, es macht niemals Pause, ist der Motor unseres Lebens. Was die wenigsten wissen: Es ist eigentlich ein Elektromotor. Denn das Herz wird von Stromstößen angetrieben, die es selbst produziert. Wenn dieser Elektromotor ins Stottern gerät, zu schnell oder zu langsam Impulse sendet, sinkt die Lebensqualität und es kann es zu schlimmen Folgeerkrankungen kommen. Unser Herz meistert eine wahre Mammutaufgabe: Es schlägt etwa 60 bis 100 mal pro Minute. Das bedeutet 80.000 bis 150.000 mal am Tag, im Lauf eines 80-jährigen Lebens sind das durchschnittlich drei Milliarden Schläge. Jede Minute pumpt es fünf Liter Blut in alle Regionen unseres Körpers. Rund 100.000 Kilometer Blutgefäße werden somit von dem 300 bis 500 Gramm leichten Organ versorgt. Diese Ausdauerleistung ist in der Natur und in der Technik einzigartig. Dass das Herz gelegentlich aus dem Takt gerät, ist daher nicht allzu verwunderlich. Lebensbedrohliche Rhythmusstörungen, zum Beispiel das Kammerflimmern, sind zum Glück selten. Sehr weit verbreitet ist dagegen das Vorhofflimmern. Bei rund zwei Millionen Deutschen ist Vorhofflimmern – oftmals als Herzstolpern wahrgenommen – die Ursache für den unregelmäßigen Herzrhythmus. Auffällig in den letzten fünf Jahren: Die Patientenzahlen dieser häufigsten Herzrhythmusstörung steigen stark. Und: Die Patienten werden immer jünger …

Noch weiß man nicht genug über diese Volkskrankheit. Führende Herzspezialisten haben sich deshalb im Kompetenznetz Vorhofflimmern zusammengeschlossen, um diese Rhythmusstörung genauer zu erforschen. Ziel ist es, die Diagnostik, Behandlung und letztendlich damit die Versorgung der Patienten zu verbessern. Unbehandelt ist das Vorhofflimmern mit einem stark erhöhten Risiko für Folgeerkrankungen verbunden – insbesondere für Schlaganfälle. Jeder fünfte der jährlich etwa 270.000 auftretenden Schlaganfälle in Deutschland ist zum Beispiel auf Vorhofflimmern zurückzuführen. Die gute Nachricht ist jedoch: Jeder kann selbst zum frühzeitigen Erkennen von Vorhofflimmern beitragen. Schon bei kleinen Unregelmäßigkeiten ist es ratsam, diese frühzeitig vom Arzt abklären zu lassen. Bei Daria M. aus Lüneburg kamen die Beschwerden „quasi über Nacht“. Die Mitarbeiterin in einem Maklerbüro fühlte sich gleich nach dem Aufwachen trotz acht Stunden Schlafs schlapp und müde, von einer Sekunde auf die andere raste ihr Puls dann plötzlich. Daria M. bekam Atemnot und Angstgefühle. Zwar beruhigte sich ihr Puls auch sehr schnell wieder, aber die typischen Anzeichen einer Herzrhythmusstörung traten bei der 45-jährigen Mutter zweier Töchter danach immer häufiger auf. Und meist dann, wenn sie nach einem stressigen Tag zur Ruhe kam, die Füße hochlegte, um ein Buch zu lesen oder in der Badewanne ein wenig entspannen wollte: „Es war die Hölle, ich wartete direkt darauf, dass mein Herz wieder aus dem Takt gerät, und dann passierte es auch schon.“

Nach einer umfangreichen Untersuchung erklärte ein Kardiologe der besorgten Lüneburgerin, was ihr Herz von einem völlig gesunden unterscheidet: Jedes Herz ist in zwei Hälften aufgeteilt, besteht aus einem Vorhof und einer Kammer. Eine Hälfte versorgt den Körperkreislauf mit Blut, die andere den kleinen Lungenkreislauf. Zieht sich der Herzmuskel zusammen, wird das Blut aus den Kammern ausgestoßen; erschlaffen sie, fließt erneut Blut in die Kammern. Damit sich der Herzmuskel zusammenziehen kann, ist ein elektrischer Reiz (Impuls) nötig, der vom Sinusknoten ausgeht und sich im Normalfall 60 bis 100 mal pro Minute wiederholt – ein gesundes Herz schlägt so im Takt. Bei Daria M. jedoch werden die elektrischen Impulse nicht nur vom Sinusknoten ausgesendet, sondern es treten zusätzliche Signale direkt im Vorhof auf. Dadurch wird der rhythmische Vorgang des Zusammenziehens und Erschlaffens gestört. Die Folge: Die Vorhöfe ziehen sich nicht mehr vollständig zusammen, sie flimmern. Daraufhin werden die Herzkammern unregelmäßig aktiviert, das Herz gerät aus dem Takt, der Puls kann stark absinken oder sich auf über 100 Schläge pro Minute erhöhen. Das Blut fließt nun unregelmäßig. Es staut sich in den Vorhöfen, kann verklumpen und Blutgerinnsel bilden. Löst sich ein Gerinnsel und wandert mit dem Blutstrom ins Gehirn, kann das dramatisch enden. Rauchen, Übergewicht, zu wenig Bewegung und ungesunde Ernährung – alles das können Gründe für das „Herzstolpern“ sein. Die Ursache kann aber auch in den Genen liegen. So können etwa Fehlfunktionen im Reizbildungs- und Leitungssystem angeboren sein oder eine Störung der Erregbarkeit von Nerven- oder Muskelzellen vererbt werden (Brugada-Syndrom). Kommt Vorhofflimmern in der Familie vor, haben die direkten Angehörigen laut Statistik ein 2,5- bis 5-fach erhöhtes Risiko, dass es bei ihnen ebenfalls auftritt.[/vc_column_text][/vc_column][vc_column width=“1/2″][vc_column_text]Für Vorhofflimmern gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Es gibt Medikamente, die die Herzfrequenz regulieren. Sie wirken aber leider nicht bei jedem Patienten. Eine andere Möglichkeit ist die Katheterablation, mit der gestörtes Herzgewebe durch Hitze oder Kälte verödet wird. Ihr Kardiologe hat Daria M. zur Katheterablation geraten, im UKE in Hamburg war sie dafür zwei Tage stationär unterbracht. Der Eingriff war erfolgreich, das Herz schlägt wieder normal. Daria M. hofft inständig, dass es auch so bleibt: „Ein wenig Angst ist noch da, dass das Vorhofflimmern zurückkehrt, was tatsächlich passieren kann, wie mir die UKE-Ärzte sagten. Inzwischen kann ich die Tage aber wieder mehr genießen!“ (RT)

Drei Formen von Vorhofflimmern

  • Paroxysmales Vorhofflimmern:

Dieses kurzeitige Herzstolpern endet in der Regel innerhalb von 48 Stunden von allein. Auch Vorhofflimmer-Episoden, die im Laufe von sieben Tagen selbst in den Sinusrhythmus zurückkehren oder durch eine Therapie zum Ende gebracht werden, zählen dazu.

  • Persistierendes Vorhofflimmern:

Bei dieser Form hält Vorhofflimmern länger als sieben Tage an.

  • Permanentes Vorhofflimmern:

Ärzte sprechen von permanentem Vorhofflimmern, wenn die Erkrankung länger als ein Jahr besteht und der Patient in Abstimmung mit dem Arzt auf eine Rhythmus erhaltende Behandlung verzichtet.

[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_separator style=“dotted“ border_width=“2″][vc_btn title=“Zur Reportagenübersicht“ color=“warning“ link=“url:%2Freportagen%2F||“ css=“.vc_custom_1445702275637{margin-top: 20px !important;}“][/vc_column][/vc_row]