Falsche Polizisten, Falsche Gewinne, Falsche Corona-Tester!

Es kann jeden treffen: Die Maschen der Telefon-Betrüger werden immer skrupelloser …

Das Telefon als Helfershelfer von Kriminellen! Der Schaden geht jedes Jahr in die Hunderte Millionen. Dazu kommt eine hohe Dunkelziffer, denn viele Opfer zeigen den Betrug aus falscher Scham nicht an. Aktuell gibt es mehrere Betrugsmaschen, vor denen die Landeskriminalämter die Bürgerinnen und Bürger ausdrücklich warnt. Neben dem Enkeltrickbetrug, der bundesweit weiter viele Opfer fordert, gibt es auch immer mehr gemeldete Straftaten im Zusammenhang mit Corona. So melden sich Kriminelle am Telefon und täuschen vor, dass Angehörige erkrankt seien und man ihnen helfen könnte, indem man noch nicht zugelassene Medikamente finanziere.

Kriminelle geben sich als Banker aus

Eine andere perfide Masche: Im Fall eines Rentners aus dem Landkreis Lüneburg gaben sich Unbekannte als Bankmitarbeiter aus. Sie behaupteten, dass sich der Angerufene bei seinem letzten Besuch in der Filiale seiner Hausbank mit dem Virus angesteckt habe. Auch das abgehobene Geld sei angeblich von den Viren kontaminiert worden. Die Anrufer forderten dazu auf, das Geld in eine Tüte zu verpacken und vor die Haustür zu stellen. Anschließend werde ein Bankmitarbeiter das Geld abholen und reinigen. Glücklicherweise fiel der Rentner nicht auf den Trickbetrug herein, er informierte seine Tochter, die in der Nachbarschaft wohnt. Sie rief die Polizei. Eine ebenfalls weitverbreitete Masche reicht vom Einfordern von Gebühren für die angebliche Teilnahme an Gewinnspielen bis hin zu falschen Gewinnversprechen. Die Täter agieren meist aus Call-Centern in der Türkei, geben sich als Rechtsanwälte oder Notare aus und informieren die Angerufenen beispielsweise über den angeblichen Gewinn eines hohen Geld- oder Sachpreises. Sie suggerieren, dass der Gewinn nur ausgezahlt werden kann, wenn der Gewinner in Vorleistung tritt. Es sollen im Voraus Gebühren, Steuern oder andere Kosten bezahlt werden. Eine Verrechnung mit dem Gewinn wird mit unterschiedlichsten Begründungen abgelehnt. Die Opfer sollen die Beträge beispielsweise überweisen, in bar an einen Abholer übergeben oder per Post ins Ausland versenden.

Gewinne sind nur vorgetäuscht

Unabhängig von der Zahlung erfolgt niemals eine Gewinnausschüttung – ein Gewinn existiert nicht! Sind Bürgerinnen und Bürger nach Vorauszahlung Opfer einer solchen Betrugsmasche geworden, so müssen sie damit rechnen, immer wieder von Betrügern angerufen und zu weiteren Zahlungen aufgefordert zu werden. So geben sich die Call-Center-Mitarbeiter auch als Polizeibeamte oder Staatsanwälte aus und behaupten, dass sich die Angerufenen durch die Erstzahlung strafbar gemacht haben und ein angeblich gegen sie eingeleitetes Ermittlungsverfahren nur gegen eine weitere Zahlung schnell und unkompliziert abwendbar sei. Die Täter setzen die Opfer massiv unter Druck, wenn diese keine weiteren Zahlungen leisten wollen. Selbst wenn Opfer kein Geld mehr haben und alle Ersparnisse bereits aufgebraucht sind, lassen die Täter nicht von ihren Opfern ab und fordern dazu auf, Geld zu leihen oder einen Kredit aufzunehmen. Um die eigene Glaubwürdigkeit zu erhöhen, manipulieren die Betrüger gezielt die eigene Rufnummer, die im Telefondisplay des Opfers erscheint. Dort wird die Rufnummer einer deutschen Stadt angezeigt, obgleich sich der Täter bei seinem Anruf in einem Call-Center in der Türkei befindet. Passend zu einem Anruf eines vermeintlichen Notars aus Hamburg (oder auch aus Lüneburg) kann so auch eine Nummer mit Hamburger Vorwahl im Display des Angerufenen erscheinen. Tipps: Schenken Sie telefonischen Gewinnversprechen grundsätzlich keinen Glauben – insbesondere wenn die Einlösung des Gewinns an Bedingungen geknüpft ist. Lassen Sie sich von angeblichen Amtspersonen am Telefon nicht unter Druck setzen. Angehörige deutscher Strafverfolgungsbehörden würden Sie niemals am Telefon zu einer Geldüberweisung nötigen. Geben Sie darüber hinaus niemals telefonisch persönliche Informationen weiter: keine Telefonnummern, Adressen, Kontodaten, Bankleitzahlen, Kreditkartennummern oder Informationen zum persönlichen Umfeld. Wer im Übrigen glaubt, nur Ältere und besonders Leichtgläubige sind Opfer der Betrüger, irrt! Es kann jeden treffen, denn die Methoden der Gauner sind teilweise nicht zu durchschauen: So werden derzeit vor allem jüngere Handy-Besitzer mit gefälschten SMS bombardiert, hinter denen eine gefährliche Spionagesoftware lauert. In der Nachricht wird behauptet, dass sie von einem Paketzusteller gesendet wurde und man eine Lieferung per Klick auf einen Link bestätigen müsse. Sabine P. aus Winsen/Luhe geriet an Kriminelle, die sich eines gemeinen Tricks bedienen, der aus den USA nach Deutschland geschwappt ist. Ein unbekannter Anrufer meldete sich bei ihr und fragte scheinbar harmlos „Können Sie mich gut hören?“ Offensichtlich versuchte er, von Sabine P. das Wort „Ja“ herauszubekommen. Allein darauf hatte er es abgesehen, wie sich herausstellte. Denn die böse Überraschung für die Versicherungsfachfrau folgte nur ein paar Tage später im Briefkasten: Eine teure Rechnung samt der Drohung, bei Zahlungsverweigerung sei ein negativer Schufa-Eintrag und der Besuch eines Inkassobüros unumgänglich. Zudem, so hieß es weiter in dem Schreiben, sei der Telefonmitschnitt mit dem deutlichen „Ja“ eindeutig als rechtsgültiger Kaufvertrag zu verstehen. Glücklicherweise ließ sich Sabine P. nicht einschüchtern und suchte einen Rechtsanwalt auf. Der klärte sie auf, dass Verträge auch übers Telefon abgeschlossen werden können. Hierbei muss jedoch der angebliche Verkäufer zunächst beweisen, dass der Vertrag zustande gekommen ist. Und er muss am Telefon ein konkretes Angebot unterbreitet haben. Da es daran jedoch gefehlt habe, müsse die Angerufene auch nicht zahlen, die Betrüger gehen leer aus … (RT)