Der Duft der Krankheit

Manche Gerüche stinken zum Himmel – können aber auch Frühwarnzeichen sein

Verströmt eine Person in unserer Umgebung unangenehme Gerüche, schieben wir das schnell auf mangelnde Hygiene. Manchmal zu schnell, denn bestimmte Düfte, die über den Atem, die Haut oder Ausscheidungen wie Urin oder Schweiß abgegeben werden, können auch ein Zeichen für schwerwiegende Krankheiten sein. Diese charakteristischen Düfte kann man nicht mit einem kräftigen Schluck Mundwasser, einem guten Deo oder auch einer warmen Dusche bekämpfen. Sie sollte man ernst nehmen und möglichst zügig einen Arzt aufsuchen.

Tierische Schnüffler

Dass menschliche Ausdünstungen Frühwarnzeichen für Krankheiten sind, ist dabei auch keineswegs eine neue Erkenntnis. Viele wissenschaftliche Studien belegen dies. Darunter sind auch Forschungen mit speziell trainierten Hunden. Ausgebildete Krebshunde können laut einer Studie der kalifornischen Pine Street Foundation in 99 Prozent der Fälle Lungenkrebs und in 88 Prozent der Fälle Brustkrebs erschnüffeln. Damit sind sie treffsicherer als eine Mammographie-Untersuchung. Menschen können bei dem exklusiven Geruchssinn der Vierbeiner nicht mithalten: Während sie über schlappe fünf Millionen Riechzellen verfügen, bringt es eine Hundenase auf über 200 Millionen Geruchssensoren. Dennoch gibt es auch immer wieder Fälle von menschlichen Super-Spürnasen – wie den der Schottin Joy Milne, die weltweit Schlagzeilen machte, weil sie anhand des „leicht holzigen, moschusartigen“ Geruchs des T-Shirts einer Person feststellen konnte, ob diese an Parkinson erkrankt war oder nicht …

Flüchtige chemische Verbindungen

Aber warum riechen kranke Menschen überhaupt anders? Das liegt unter anderem daran, dass der menschliche Körper pausenlos flüchtige chemische Verbindungen an die Umgebung abgibt. Diese Substanzen variieren jedoch je nach Alter, Ernährungsweise und Gesundheitszustand. Auch die Mikroben, die in unserem Darm und auf unserer Haut leben, beeinflussen unseren Körpergeruch, indem sie unsere Stoffwechselprodukte aufspalten.

Auf diese Gerüche sollten Sie achten

Im Grunde ist jeder Mensch eine Geruchsfabrik auf Beinen. Wer das versteht und versucht, diese teils sehr unterschiedlichen Gerüche bewusst wahrzunehmen, kann Veränderungen auch eher bemerken: Riecht der Atem plötzlich süßlich, kann das ein Zeichen für eine aufkommende Mandelentzündung sein. Verantwortlich für den Geruch sind Bakterien, die dann auch die typischen Schluckbeschwerden auslösen. Riecht der Atem eher scharf nach Nagellackentferner (nach Aceton), deutet das auf Diabetes Typ I hin. Der Duft entsteht, wenn der Körper aufgrund des Insulinmangels aus Fett Energie gewinnen muss. Dabei wird als Nebenprodukt Aceton produziert. Wer sich schon einmal die Haare gefärbt hat, vergisst den beißenden Geruch von Ammoniak nicht. Deshalb fällt es einem meist schnell auf, sobald das Gas über die Haut ausdünstet. Es entsteht ganz natürlich, wenn der Körper Eiweiß abbaut und weist auf mögliche Leberprobleme hin.

Denn normalerweise wandelt die Leber Ammoniak direkt in Harnstoff um. Ist sie jedoch erkrankt, funktioniert das nicht mehr. Dann gelangt das Gas ins Blut, und der Körper versucht es abzuatmen. Wenn die Haut leicht nach Urin riecht, sollte man speziell die Nieren durchchecken lassen. Sind die geschädigt, kann es passieren, dass Harnstoff und Kreatinin (Abbauprodukt des Muskelstoffs Kreatin) nicht mehr ausreichend über den Urin ausgeschieden, sondern über den Schweiß abgegeben werden. Wenn es beim Wasserlassen strenger als sonst nach Harn riecht, könnte eine Blasenentzündung im Anmarsch sein. Schuld an dem Geruch sind Bakterien, die im Urin Fäulnisprozesse in Gang setzen. Eine harmlose Geruchsveränderung kann aber auch durch den Verzehr bestimmter Lebensmittel wie zum Beispiel Spargel entstehen, ebenso wie durch Medikamente oder nach übermäßigem Alkoholkonsum. Auf eine Unterfunktion der Schilddrüse weist Schweißgeruch hin, der an Harn oder Essig erinnert. Der Grund: Bei einer Schilddrüsenunterfunktion verändern sich der gesamte Stoffwechsel und der Körpergeruch. Typisch für Typhus sind Ausdünstungen, die das „Aroma“ von frischem Brot verströmen. Gelbfieber dagegen kann dafür sorgen, dass die eigene Haut wie ein Metzgerladen riecht. Ursachen für Mundgeruch sind in 90 Prozent der Fälle erkrankte Zähne mit Karies oder mit Parodontose. Mundgeruch kann aber auch Folge einer schwerwiegenderen Störung im Magen-Darm-Bereich, wie zum Beispiel einer Gastritis, sein. Riecht es beim Aufstoßen nach vergorenem Obst könnte ebenfalls eine Gastritis schuld sein. Tipp: Ein Arzt kann per Atemtest feststellen, ob der Magenkeim Helicobacter pylori das Leiden verursacht hat.(RT)

 

Hier geht’s zur Arztsuche: www.arztauskunft-niedersachsen.de.