DAS PERFEKTE FOODFOTO

Der Lüneburger Koch Andy Braumann arbeitet als Foodstylist

Wie heißt es so schön: „Das Auge isst mit.“ Denn wir bekommen nur Lust auf Essen, wenn es auch ansehnlich aussieht. Gerichte richtig appetitlich aussehen zu lassen, ist die Aufgabe von Andy Braumann. Der 30-jährige gelernte Koch arbeitet als Foodstylist für einen Hamburger Zeitschriftenverlag. Andy Braumann ist in der Nähe von Magdeburg aufgewachsen und lebt seit 15 Jahren in Lüneburg. Hier absolvierte er auch seine Kochlehre am Bremer Hof, wo er nach der Ausbildung ein paar Monate als Jungkoch arbeitete. Doch es zog ihn weiter: Andy ging ins Ausland, reiste herum, arbeitete für den Koch Christian Rach in Hamburg. Doch seine Einstellung veränderte sich: „Vor acht Jahren war Gastro dann nicht mehr so meins.“ Der „Lifestyle-Fanatiker“, wie er sich selber nennt, ging für ein Jahr nach Köln, um ein Praktikum bei einem Foodfotografen zu machen, und arbeitete nebenher in einem Klamottenladen. Während des Praktikums entdeckte er eine besondere Liebe zum Essen und beschloss, Foodstylist zu werden – der Beruf ist kein Lehrberuf. Er ging zurück in den Norden und bewarb sich als Foodstylist bei einem großen Hamburger Zeitschriftenverlag. Heute ist er dort fast ausschließlich im Print-Bereich tätig.

Einkaufen gehört dazu

„Hamburg ist das Food-Mekka in Deutschland. Und 95 Prozent der Foodstylisten sind gelernte Köche, manche auch Ökotrophologen“, erklärt Andy. In Deutschland gebe es nur etwa hundert Foodstylisten, schätzt der Lüneburger, der auch schon für australische, englische und niederländische Auftraggeber gearbeitet hat. Auch privat kauft und liest er viele Zeitschriften aus der ganzen Welt, die sich mit dem Thema Essen beschäftigen. Trotz der Food-Zentrierung auf Hamburg hat sich Andy bewusst dazu entschieden, in Lüneburg zu wohnen. Hier kommt er runter, hier hat er seine Freunde. Nur die Gastronomieszene von Hamburg, wo er zwischendurch auch ein Jahr lebte, sagt ihm mehr zu. Der Hamburger Verlag, in dem Andy Braumann arbeitet, hat vier Foodmagazine, hinzu kommen andere Magazine mit Rezept- und Foodseiten, für die er zuständig ist. Der 30-Jährige leitet ein Team von acht weiteren Foodstylisten, zum Team gehören außerdem vier Fotografen und sechs „Prop-Stylisten“, die für die Optik und Dekoration rund um die Gerichte verantwortlich sind. Ein kreativer Haufen mit einem gemeinsamen Ziel: Das perfekte Foodfoto. Andys Arbeit ist kein einfaches Garnieren von Lebensmitteln. „Es ist ein kreativer Beruf, der oft belächelt wird“, weiß er. Mit den Foodredakteuren des Verlags werden die Rezepte zuvor abgesprochen, den Einkauf der Zutaten übernimmt Andy selbst. „Einkaufen gehört für mich dazu. Ich habe für alles in Hamburg feste Händler“, erzählt er, „denn ich brauche Topware.“ In der verlagseigenen Versuchsküche bereitet er das Essen selbst vor. „Ich möchte betonen, dass wir kein Haarspray und keinen Lack verwenden, es ist alles real. Alles ist essbar und wird danach gegessen“, erklärt der Koch.

Ein bis zwei Stunden pro Foodfoto

Bringt der Foodstylist sein angerichtetes Essen ins Studio, kommt der Fotograf ins Spiel. „Der Fotograf muss sich herantasten und das Licht einstellen. Das Essen sieht im Studio nicht aus wie in der Küche“, sagt Andy. Mit schnellem Ablichten hat das Shooting nichts zu tun: „Für ein Foodfoto brauchen wir ein bis zwei Stunden. Eine Fotostrecke, die aus vier bis sechs Fotos besteht, wird an einem ganzen Tag geshootet.“ Gegessen wird hinterher mit den Arbeitskollegen – doch bis dahin ist das Essen natürlich immer kalt. Produkte, die vom Kochen übrig bleiben, werden an die Tafel gespendet. Für Andy zählen bei seiner Arbeit der Umgang mit den Lebensmitteln, der schon mit dem Einkauf beginnt, eine Vision im Kopf sowie die Liebe für das Produkt. „Du darfst nichts totbraten oder zu lange kochen. Einfach mit ganz viel Liebe behandeln“, so der Foodstylist. Es gibt Kollegen, die sagen, man erkenne Andys Arbeiten. „Der Laie sieht den Unterschied nicht, aber Freunde erkennen meine Arbeit. Sie sagen: So, wie Du rumrennst, so sieht auch Deine Arbeit aus“, erzählt er. Sie sei rough und lebendig, dürfe aber auch rotzig sein, fügt er hinzu. „Es darf auch mal gekleckert werden.“ Andy hat an sich und seine Arbeit hohe Ansprüche, und er sieht oft Foodstyling, das ihm nicht gefällt. „Das ist natürlich Geschmackssache, jeder urteilt anders“, meint er. Er lasse sich bei seinem Styling von der Vielfalt der Zutaten inspirieren. Frische Kräuter wie Petersilie, Basilikum, Schnittlauch oder Kresse eigneten sich gut als Farbklecks. Gehackte Kräuter sollten aber erst kurz vor dem Shooting unter das Essen gemischt werden, damit sie ihre frische Farbe behalten.

Farbakzente als Kontrast

Die Farben spielen für Andy bei seiner Arbeit eine große Rolle. Schon beim Einkaufen lässt er sich von den Farben von Obst und Gemüse inspirieren und überlegt genau, welche Zutaten von der Farbe her ein guter Bestandteil des Rezeptes werden könnten. „Einige Gerichte, die großartig schmecken, verwenden eine einheitliche Farbpalette an Zutaten – da tun ein paar kontrastierende Zutaten jedem Rezept gut – optisch wie geschmacklich“, erklärt der 30-Jährige. Dennoch sei die Beschränkung auf einige wenige Zutaten, die für Farbakzente sorgen, angeraten, um das Gericht und die Foodfotos nicht zu überladen. Es gab auch eine Zeit, da suchte Andy eine Veränderung, kündigte seinen Job im Hamburger Verlag und machte sich selbstständig. In dieser Zeit hatte der Lüneburger ein festes Mietstudio in der Hamburger Hafencity und übernahm Auftragsarbeiten. Doch nach einem Jahr holte ihn sein alter Verlag zurück. „Die Selbstständigkeit war eine wichtige Erfahrung, aber das war einfach zu viel für mich“, erklärt er. „Es hat meine Kreativität eingeschränkt.“ Und davon hat der 30-Jährige scheinbar eine Menge. Bekannte nennen ihn „kreativer Sonderling“, und auch Andy selbst spricht von einem „Hang fürs Spezielle“. Über seine Arbeit lernte Andy Braumann den Foodfotografen Florian Bonanni kennen – „einer der besten Foodfotografen Europas“, wie Andy betont – mit dem die Chemie auf Anhieb stimmte. Mit ihm rief er den Foodblog „Dudes and Roots“ ins Leben, der mit der ersten Blog-story „Alles Banane, Digga“ startete. Die beiden hatten viele Ideen, und der Blog lief gut. „Wir haben richtig viele Anfragen bekommen. Das hat natürlich geschmeichelt, aber wir konnten die Anfragen nicht annehmen.“ Eine monatelange Erkrankung bei Andy sorgte allerdings zwischenzeitig dafür, dass der Blog mit Florian ins Stocken geriet, momentan ist er ganz deaktiviert. Über seinen privaten Instagram-Account kann man jedoch weiterhin Andys Arbeiten sehen.

Food-Doku im TV

In Lüneburg geht Andy selten essen. „Ich koche lieber zu Hause, weil ich weiß, ich mach es besser“, meint er. Andy achtet auf gesunde Ernährung, isst gerne asiatisch oder südamerikanisch – Hauptsache, wenig Kohlenhydrate. Meist bleibt ihm zu Hause jedoch nur noch Zeit für die schnelle Küche. Nach der Selbstständigkeit und dem Blog probiert Andy Braumann nun noch etwas Neues aus: Momentan dreht er eine Food-Dokumentation für einen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender. Die Sendung soll ab Ende November in sechs Teilen ausgestrahlt werden und ihn und seine Arbeit widerspiegeln. Die TV-Drehs, für die er in der Welt herumreiste, machten ihm Spaß, und er freut sich auf das Endergebnis. Wenn Andy von seiner Arbeit als Foodstylist spricht, gerät er ins Schwärmen: „Ich habe meinen absoluten Traum gefunden.“ Einen weiteren Traum hat er dennoch, den viele Köche in ihrem Herzen bewegen: Eines Tages möchte er sein eigenes Restaurant aufmachen. (JVE)