Das Geschäft mit dem Mitgefühl

Sinnvoll spenden – aber richtig!

 

In diesem Jahr ist vieles anders. Doch einiges bleibt trotz Pandemie, wie es immer war: In der Weihnachtszeit wird besonders viel gespendet – und diese Hilfsbereitschaft oft auch schamlos ausgenutzt…

Spenden ist was Feines. Man hilft anderen – und ein wenig immer auch sich selbst. Vor allem im Dezember sitzt das Geld vieler Menschen besonders locker, daran wird laut Deutschem Spendenrat auch Corona nicht viel ändern. Zum Glück ist das so, denn die Not ist vielfach groß. Und ohne Spenden würde unsere Gesellschaft nicht funktionieren. Spenden – das ist zweifelos inzwischen aber auch ein gigantisches Geschäft mit dem Mitgefühl geworden. Nun ist es mit dem Mitleid jedoch oft wie mit der Liebe, die ja bekanntlich blind machen kann. Manchmal erkennt man erst viel zu spät, dass man viel zu leichtgläubig gewesen ist.

Teilhaben am „großen Spendenkuchen“ 

Deutschland zählt um die 600.000 Vereine und rund 22.000 rechtsfähige Stiftungen. Sie alle profitieren von der Bereitschaft, das eigene Säckel zu öffnen: Für Flüchtlinge, Notleidende in Krisengebieten, bedürftige Kinder, für kulturelle Anliegen oder für Tier- oder Umweltschutz werden per Post, via Internet und mit der Sammelbüchse in der Hand wohltätige Gaben gesammelt. Die meisten Spenden sammelnden Vereine und Organisationen leisten herausragende Arbeit und gehen sorgsam mit den ihnen anvertrauten Geldern um. Aber natürlich gibt es auch Betrüger. Und die kriechen vor allem jetzt in den Wochen vor Weihnachten aus ihren Rattenlöchern, um teil zu haben am „großen Spendenkuchen“. Sie sind wie ein Virus, das einfach nicht auszumerzen ist. Auch die Lüneburger Polizei rät aktuell bereits wieder zur zur Vorsicht: Längst nicht jede Organisation, die verspricht, mit Euro und Cent Gutes zu bewirken, ist so seriös, wie sie sich gibt. Auch eine eigene Homepage ist nicht unbedingt ein Garant für größere Vertrauenswürdigkeit des Spendensuchenden. Wichtig ist es, hinter die Kulissen zu blicken und zu prüfen, ob beispielsweise im Impressum ein Ansprechpartner sowie eine ordentliche Adresse genannt sind. Wer Zweifel hegt, sollte um Informationen – Satzung, Jahresbericht, Prospekte – bitten und gucken, was andere Quellen im Netz über die jeweilige Organisation und ihre Aktivitäten äußern. Das gilt auch für die zahlreichen über soziale Medien – etwa per Facebook – verbreiteten Spendenaufrufe. Dort tummeln sich etliche Organisationen, Vereine, aber auch Shops oder einzelne Personen, die vorgeben, sich für eine wohltätige Aktion zu engagieren.

Transparente Einblicke in die Spendenverwertung

Mit Zurückhaltung sollte man reagieren, wenn die Werbepost – statt Daten und Fakten zu liefern – allein auf Gefühle abzielt. Unseriöse Organisationen kann man daran erkennen, dass man keinerlei Zeit zum Nachdenken bekommt. Das Werbematerial ist oft stark gefühlsbetont (notleidende Kinder mit traurigen Augen, gequälte Tiere) und appelliert ans schlechte Gewissen. Glaubwürdiger sind klare, aussagekräftige Informationen und authentische Fotos mit einem erkennbaren Bezug zum Spendenzweck und transparente Einblicke in die Spendenverwertung. Obskure Spenden-Organisationen setzen auch gerne auf eine möglichst direkte Konfrontation, um Spender in Verlegenheit zu bringen. Besondere Obacht ist geboten, wenn man lästige Telefonanrufe erhält oder ein Spendensammler an der Haustür klingelt. Vorsicht auch bei Fördermitgliedschaften: Dabei bindet sich der Spender oft lange. Und ein Großteil des Geldes deckt häufig Ausgaben für Werbung und Verwaltung.

Wer wieviel spendet

Das ermittelte Spendenvolumen lag 2019 bei 5,1 Milliarden Euro. Es ist das fünftbeste Jahr seit Beginn der Erhebung vor 15 Jahren. Den höchsten Anteil am gesamten Spendenvolumen hat mit 75,3 Prozent die humanitäre Hilfe. Innerhalb der humanitären Hilfe sind es die Not- und Katastrophenhilfe und die Geldspenden für Kinder- und Jugendhilfe sowie für Hilfe gegen Krankheit/Behinderung, die prozentual wachsen. Vor allem die Generation 70+ trägt weiterhin deutlich zum Spendenaufkommen bei. Knapp 50 Prozent der Personen in dieser Altersgruppe sind „aktive Spender“: Im Durchschnitt spenden sie 344 Euro pro Jahr. In der Altersgruppe 60 bis 69 spenden ein Drittel (33 Prozent). Sie spenden pro Jahr im Durchschnitt 230 Euro. Der Dezember bringt im Durchschnitt 18 Prozent des jährlichen Spendenaufkommens. (Quelle: spendenrat.de) (RT)

Auflistung aller Mitglieder des Deutschen Spendenrates e.V., in alphabetischer Reihenfolge unter: www.spendenrat.de/mitglieder/mitgliederliste/