Editorial

Achterbahn für Alle

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Achterbahn fahren, das ist für die einen Freud, für die anderen Leid. Freud für die Lüneburger Schaustellerbetriebe, die wieder ihr Vergnügen zumindest in begrenztem Umfang anbieten dürfen, wie gerade jetzt an zwei Wochenenden im September auf den Sülzwiesen. „LüneSpaß-Freizeitpark“ heißt denn auch das Angebot des hiesigen Schaustellerverbandes, das vom 9. bis 12. und vom 16. bis 19. September jeweils in der Zeit von 14 bis 23 Uhr die Stimmung lockern will. Aufatmen mit Abstand ist hier also angesagt. Die erfolgreiche Generalprobe war ja der Hamburger Dom. Achterbahn. Mit großer Sorge beäugen das Achterbahnähnliche Auf und Ab auch unsere Virus- und Pandemieexperten und die Vielen, die für die Pflege im Speziellen und die für das „Wiederlaufenlernen“ in Reha-Einrichtungen sorgen. Das Getöse der Impfgegner sei in diesen Einrichtungen gar nicht mehr zu hören, sagt man. Aktuell sind ja trotz Wiederanstieg der Infektionszahlen Lockerungen in Sicht, in jedem der vier Nordländer natürlich anders, wie sollte es auch sein. Gleichwohl ist allen Überlegungen eines gemein: Die Inzidenz, also die Zahl der im Sieben-Tage-Schnitt je 100.000 Einwohner neu Infizierten, ist nicht mehr allein das Maß der Dinge. Die Zahl der Infizierten, die tatsächlich erkranken und in eine Klinik müssen, sinkt. Auch dank der Vielen, die bereits geimpft sind. Diese Entwicklung macht Gesundheitsbehörden ebenso wie den Kulturschaffenden Mut: Endlos viele Termine in den Veranstaltungsseiten dieser Ausgabe zeugen davon. Alle Events/Locations sind natürlich mit viel Engagement und Fantasie gesichert, viele davon finden nach wie vor unter freiem Himmel statt. Die mit Abstand spannendste Achterbahnfahrt legen derweil die Umfragewerte für die große Politik hin… sie wird spätestens am 12. beziehungsweise am 26. September mit der Auszählung der Wählerstimmen beendet sein. Mehr zu den bevorstehenden Wahlen auf den Seiten 11 bis 15. Briefwähler können ja jetzt schon loslegen, in aller Ruhe ihre Kreuzchen machen und sich dann entspannt zurücklehnen.

Schön, dass wir die freie Wahl haben! In diesem Sinne – man sieht sich an der Urne.

Eure stadtlichter

Stresstest!

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Einen „Stresstest für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit“ nannte Stephan Harbarth, Präsident des Bundesverfassungsgerichts, die Pandemie kürzlich in einem Interview des Hamburger Abendblattes. Es ist aber auch ein Stresstest für jeden Einzelnen in unserer Gesellschaft – denn wie zum Beispiel mit der Angst vor Infektion, vor Virus-Weitergabe, vor  Insolvenz, Kurzarbeit oder Arbeitsplatzverlust, vor Vereinsamung umgehen, während andere schon zu Hunderten wieder auf Tuchfühlung feiern, zu Tausenden in Stadien strömen? Stärker denn je befinden sich auch all diejenigen im Stresstest, die versuchen, verantwortlich zu handeln, aber das Leben an sich nicht aus den Augen verlieren wollen. Geht man durch die Innenstädte, glaubt man, die Pandemie wäre vorbei: Die Freude über den Rückgang der Inzidenzen scheint nahtlos in eine gefährliche Sorglosigkeit überzugehen. Euer stadtlichter-Team wird sicher nicht zur Spaßbremse mutieren, im Gegenteil, wir sind hellauf begeistert, Euch wieder volle Seiten mit Infos und Anzeigen, gedrängte Terminkalender, tolle Ausflugstipps hier im Norden, die nächsten Schiffstouren, Handwerkermärkte, Lieblingsplätze in der Außengastronomie und andere Highlights bieten zu können. Ihr solltet aber stressfest sein, wenn es darum geht, Abstand zu wahren und ihn einzufordern, wenn es Euch zu eng wird. Ob Klappstuhl- oder Strandkorbkonzerte – schon allein die kreative, aber eindeutige Wortwahl signalisiert uns… da war doch was?  Noch nicht ganz so stressig, aber sorgfältig vorbereitet tauchen auch die ersten Wahlkämpfer auf, die redaktionelle OB-Kandidatenkür in den stadtlichtern begann ja schon in der Februarausgabe mit dem Einzelbewerber Heiko Meyer, darauf folgte für die SPD Pia Steinrücke, für die Linke Michél Pauly, für die Grünen Claudia Kalisch, für die CDU Monika Scherf und ebenfalls als Einzelbewerber Andreas Meihsies. Sie alle möchten Ulrich Mädge bei der Kommunalwahl am 12. September um dessen Amt als Oberbürgermeister beerben – bei der Anzahl der Bewerberinnen und Bewerber kann man davon ausgehen, dass es zu einer Stichwahl kommt, die dann mit dem Urnengang bei der Bundestagswahl am 26. September terminiert ist. Bisher geben sich alle stressfest. Apropos Stress: Wen es bei den heißen Sommertagen in der Lüneburger City dürstet, der kann sich stress- und kostenfrei an den drei neuen Trinkwasserspendern bedienen – Stress gibt’s dann nur noch bei der Suche nach einem der wenigen Örtchen, an denen man es wieder loswerden kann. Derer gibt’s immer noch zu wenig. In diesem Sinne wünschen wir Euch allen eine erholsame Sommerzeit, den aktuellen Badedress holt Euch noch schnell am ersten postpandemischen Verkaufsoffenen Sonntag in Lüneburg, sein Motto: „Tag der Kunst”.

Eure stadtlichter

Dünnes Eis

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Zwischen Euphorie & Sorge ist der Gemütszustand derjenigen Menschen aktuell einzustufen, die mit der Pandemie im engeren Sinne zu tun haben. Wer das ist? Na Ihr, wir, alle irgendwie. Ob als Arbeiter oder Angestellter in Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit, ob Pflegender, noch nicht Geimpfter, ob Schüler, Student oder Rentner. Ob als Selbstständiger in Einzelhandel, Handwerk, Industrie, Gastro oder Eventbranche. Keiner kann sich entziehen, wegducken geht nicht. Aber nun ist auch die Zeit gekommen, in der die obersten Bedenkenträger mal in die hintere Reihe treten sollten, um all denen Platz zu machen, deren Beruf und Berufung es ist, mit Kultur in jeder Facette unsere Seele erfrischen zu wollen, entgegen dem „Angst essen Seele auf“-Thema, ‘74 von Rainer Maria Fassbinder in Szene gesetzt. Wir haben also lange Monate gedarbt und begeben uns zugegebenermaßen gerade auf sehr dünnes Eis, wenn wir jetzt begierig jede Lockerung und Freigabe bis ins letzte Detail auskosten. Aber mal ehrlich, war es Ende Mai nicht ein komisch-schönes Gefühl, sich frei bewegen zu können, sich bewirten zu lassen, herzhaft zu speisen, ohne sich wegzuducken? Die Luca-App geht uns leicht von der Hand und die meisten sind bereit, sich den restlichen Regeln zu unterwerfen. Und es geht ja noch weiter, wirklich: Das Theater spielt auf, zumindest schon mal in der Konzertmuschel des Lüneburger Kurparks und vor Euch als echtem Publikum. Es wird einen Lüneburger Kultursommer geben mit Staraufgebot, das Team des Salon Hansen formiert sich neu, Schröders Garten wird wieder Bühne für Live-Events sein. Das Uelzener Jabelmann-Team um OpenR-Festivalmacher Uli Gustävl hat sich mit einem Kultur-Sommer-Garten-Programm ins Zeug gelegt, das frische Programmheft des Kulturforums Wienebüttel ist gefüllt mit namhaften Angeboten, Start jetzt sofort. Freizeitparks, Kletterpark, Tierparks und Freilichtmuseen, in gewissen Regeln auch Freibäder empfangen wieder Gäste. Auch unser stadtlichter-Team freut sich über Arbeit, über massenhaft Input für Kulturseiten und Eventkalender. Packen wir es an – lasst uns wieder gemeinsam genießen – aber bitte ohne leichtsinnig zu werden. Zu viel steht auf dem Spiel, und wir dürfen es nicht verspielen.

Wir freuen uns auf eine Zeit mit Genesenen, mit Geimpften, mit negativ Getesteten…mit wenig Neuinfektionen und viel Achtsamkeit. Wir haben es uns verdient!

Eure stadtlichter

Listen

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Listenplätze sind beliebte Plätze. Je nachdem, wo man auf einer Liste steht, sagt dies manchmal auch etwas über das persönliche Ranking aus, in einer Partei beispielsweise, vor einer Wahl. Und so wird das Vor-Wahl-Vokabular für die Niedersachsen wieder aus der Versenkung geholt, denn im September ist Wahlzeit, und noch vor der Bundestagswahl am 26. September findet am 12. September die niedersächsische Kommunalwahl statt. Dann gibt es sie wieder, die unzähligen Listen, Kandidatenlisten, Wählerlisten, Listenplätze. Prominenteste Wahl ist wohl die des Oberbürgermeisters/der Oberbürgermeisterin in Lüneburg, denn der bisherige Amtsinhaber tritt nach 30 arbeits- und erfolgreichen Jahren nicht wieder zur Wahl an. „Hansestadt Lüneburg, Der Oberbürgermeister“. Diese Marke könnte ob der regen Beteiligung von politisch engagierten Frauen am Lüneburger Wahlgeschehen – drei Frauen und zwei Männer bewerben sich um das Amt – vielleicht demnächst auch den Briefkopf „Hansestadt Lüneburg. Die Oberbürgermeisterin“ tragen. Dass aber „OB“, die gängige Abkürzung für den Oberbürgermeister übertragen dann auch OBin heißen könnte, daran wird man sich noch gewöhnen müssen. Listen bestimmen auch das Pandemiegeschehen. So gibt es Listen, in die man sich eintragen muss, sollte man in Versuchung kommen, etwas zu kaufen, was nicht essbar ist und zur Körperpflege gehört. Dank Einzug der Luca-App wird’s aber schon spürbar weniger. Listen gibt’s aber auch für Impfwillige. Wartelisten nämlich. Während es aktuell wartelistenlos, tatsächlich auch vom einen auf den anderen Tag, bei Hochrisikogruppenzugehörigen funktioniert, bleiben die anderen zwar terminlos, kommen aber auf die Warteliste. Aber auf welchen Platz der Warteliste? Und während die eine Liste längst noch nicht abgearbeitet ist, wird schon die nächste eröffnet. Aber man ist ja erst einmal getrös-tet – man hat ja einen Platz auf der Liste. 

Gleichwohl gilt voller Hochachtung der Dank an die vielen Mitarbeitenden und freiwilligen Helfer in den Impfzentren für ihren gründlichen und geduldigen Einsatz – kürzlich auch noch in Form von Sonderschichten am Wochenende. Eine Liste der Ungereimtheiten lohnt sich derweil aber nicht anzulegen, denn bevor das Geflecht an neuen Zahlen, Verordnungen, Öffnungen und Schließungen durchdrungen ist, gibt es schon wieder Neues, aber nicht für jeden das Gleiche. Und das zeugt letztlich aber davon, dass alle bemüht sind, das Beste rauszuholen. Also, bleibt optimistisch, wir bleiben es auch und haben vor allem deshalb wieder viele Angebote zusammentragen können, die Euch nach vorn schauen lassen.

Ach ja, unser Appell an alle, die auf Wartelisten stehen – nutzt derweil regelmäßig die vielen kostenlosen Testangebote. In diesem Sinne wünschen wir Euch allen einen schönen Mai. Bleibt gesund! 

Eure stadtlichter

Schlüssel

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Auf der Suche nach dem Schlüssel, der geeignet ist, das Infektionsgeschehen einzudämmen, wird nun die flächendeckende Nutzung von Schnelltests in die Diskussion gebracht. Es gibt Modelle (z.B. in Tübingen), die Mut zu der These machen, dass regelmäßig selbstvorgenommene Tests trotz einer möglicherweise deutlichen Fehlerquote eine Früherkennung und damit eine Unterbrechung der Infektionskette möglich machen könnten. Man könnte es einen weiteren hilflosen Versuch der Regierung nennen – wer aber mag aufstehen und den Schlüssel präsentieren? Irgendwann wird möglicherweise auch das Auf und Ab der Infektionszahlen zum Tagesgeschehen gehören, den gleichen Stellenwert wie Influenza einnehmen (die auch wie zuletzt 2017/2018 als „Ausreißer nach oben” mehr als 25.000 Menschen das Leben kostete) und Corona mit Impfungen und Medikamenten in Schach gehalten werden können. Im aktuellen Geschehen ist jedenfalls die Region Lüneburg, Uelzen, Winsen gut und engagiert gerüstet, das, was an Impfstoff zu ergattern ist, auch zu verimpfen. Ein Bericht aus dem Geschehen des Lüneburger Corona-Impfzentrums ab Seite 6. Randgeschehen: Impftouristen und andere Unberechtigte abweisen, sich Hackern und Betrügern erwehren, gefälschte Impfstoffangebote im Internet stoppen, Zoombombing ahnden, zunehmende Gewalt hinter Haustüren erkennen, illegalen internationalen Welpenhandel unterbinden und vieles mehr. Das flüssige Gold lockt; Interpol-Chef Jürgen Stock warnte kürzlich in der Wirtschaftswoche vor einer „Parallel-Pandemie des Verbrechens“. Es gibt sie bereits.

Als ob das (Über-) Leben für Betroffene nicht schon schlimm genug wäre.

Apropos Schlüssel: Es gibt auch frohe Neuigkeiten zum Thema Schlüssel: Zum Beispiel bei der Großbaustelle Arena Lüneburger Land. Wie die Pressestelle des Landkreises Lüneburg mitteilt, ist die Schlüsselübergabe für die Arena an den Eigentümer Landkreis und an den Betreiber Campus Management GmbH für Ende Juli 2021 geplant. Was in der Veranstaltungshalle dann letztlich umgesetzt werden kann, ist abhängig von Covid-19, an Ideen mangelt es jedenfalls nicht. Ein Nutzer der Arena steht auf jeden Fall in den Startlöchern: Es ist Bundesliga-Volleyball der SVG, der sich aktuell im spannenden Kampf um die Playoff-Teilnahme befindet (Seite 10).

Veranstaltungen unter Vorbehalt. Dieser Zusatz wird uns noch eine Zeitlang begleiten, besonders im Terminkalender. Gleichwohl ist die Kulturszene der Region ideenreich und engagiert dabei, immer wieder neu zu denken, nachzulegen, umzubauen. Wir hoffen auf den baldigen Startschuss, wieder mit frisch geschnittenen Haaren und gut gestylt Kultur, Gastronomie und Shopping genießen zu können. In diesem Sinne wünschen wir uns allen einen schönen Frühling.

Eure stadtlichter

Das große Warten…

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Die gute Nachricht vorweg: Das Warten auf das Verschwinden des unsäglichen Donald Trump aus dem mächtigsten Amt der Welt hatte am 20. Januar tatsächlich ein Ende – die Welt kann aufatmen, und sie tut es auch, lautstark. Ansonsten nimmt das Warten seit Ausbruch der Pandemie vor einem Jahr kein Ende, das Warten auf die Masken, deren Wirksamkeit zunächst ins Lächerliche gezogen wurde, das Warten auf die Corona-App, auf wirksame Medikamente, auf Schnelltests. Das Warten auf Lockerungen, dann das bange Warten auf die Weihnachts-Feierfolgen, den erneuten Lockdown, auf die zugesagten wirtschaftlichen Hilfen, auf das Ende der verordneten kulturfreien Zeit, auf den Einzug des digitalen Zeitalters in die Schulen. Dann das Warten auf einen seriösen Impfstoff, nach dessen unerwartet schneller Entwicklung und Zulassung das Warten auf die Impfung. Dann eine unerwartet abenteuerliche Vielfalt von Argumenten, warum wir auf den Impfstoff – es war die Rede von problemlosen Millionen und Abermillionen Impfdosen – warten müssen. Warten. Warten. Die Impfzentren sind da, Impfwillige auch, Tausende Freiwilliger stehen bereit – aber der Impfstoff nicht. Auch auf eine differenzierte Betrachtungsweise des Pandemie-Phänomens warten wir sehnlichst, die imaginäre Grenze der Inzidenz von 50 ist nur ein einzelner Faktor unter vielen: Sie ignoriert die Strukturen der Städte und Regionen völlig. Denn fest steht, dass etwa 90 Prozent der Menschen, die mit oder an Corona sterben, über 70 Jahre alt sind – der Lockdown aber keine gezielte Antwort darauf ist, sondern ein Rundumschlag, der die Gesellschaft seit vielen Wochen nahezu komplett lahmlegt. Wenn unsere Gesellschaft nicht irreversiblen Schaden nehmen soll, müssen wir uns schleunigst aus dem Panik-Modus, der das Leben alle paar Wochen runter und wieder rauf fährt, befreien. Die Wirtschaft, die Bildung, die Kultur, gehören zum (Über-) Leben dazu. Apropos Leben und Überleben, hier ein paar Splitter aus dem Bereich Veranstaltungen: Für die „Arena Lüneburger Land“ hat das heimische Unternehmen Campus Management GmbH den Zuschlag als Betreiber erhalten, sich gegen ein Sylter Unternehmen durchgesetzt. Damit fällt eine Experimentierphase bei den Events flach, denn Campus weiß nach vielen Jahren als Veranstalter, wie die Region Lüneburg tickt. Ende des Jahres soll Eröffnung sein, die LüneHünen sind guter Dinge, dass sie ihre neue Saison pünktlich dort starten können. Der Gastrobereich der Arena wird separat ausgeschrieben – auch darum will sich Campus bewerben. In diesem Sinne warten wir mit Euch auf ein baldiges Wiederauferstehen der Vielfalt Lüneburger Lebens, in Schule und Hochschule, in Betrieben und Geschäften, in den Kneipen, in Kino, Theater, Kirchen, Vereinen.

Eure stadtlichter

Luxus

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Das, was das Covid-Virus anrichtet, ist nun wirklich kein Luxus, eher eine massive tödliche Bedrohung. Wir erinnern uns an die erste Pressekonferenz beim Lüneburger Landrat Jens Böther anlässlich der ersten positiv getesteten Person: Es war am 11.3.2020, ein Ischgl-Opfer. Neun Monate später, genau am 11.12.2020, wurde der Tausendste aus dem Landkreis positiv auf das Virus getestet. Die Rate der Neuinfizierten ist per 17. Dezember deutschlandweit bereits auf über 30.000 täglich geklettert! Geklettert? Eher geschossen. Die Bedrohung wird immer realer in der Wahrnehmung, mit dazu bei trägt natürlich auch die gedämpfte Stimmung, die das Verharren im Lockdown erzeugt. Und so fällt uns wieder ein, was wir doch für einen Luxus hatten, ihn pflegten und genossen: Wir hatten das Luxusproblem, zwischen vielen hundert Veranstaltungen in der Region zu wählen, Theater, Kino, Konzert drinnen, Konzert draußen, Festival, Cornern auf dem Stint, Straßen-, Dorf- und Stadtfeste, Sport aktiv treiben oder doch nur zuschauen? Jetset, mit dem Shuttle zum Chillen nach Palma, das Shopping-Weekend in London oder vielleicht doch Mailand – mal eben schnell für einen Fünfziger plus Flughafensteuer. Was hatten wir doch für einen Luxus-Stress. Aber wir sollten nun nicht ins Dunkle, Trübe schauen, das schürt Egoismus, Depression und Nationalismus – die Impfstory von der Zulassung bis zur Verteilung zeigte es. Wir sollten eher einen starken Scheinwerfer unserer gerade arbeitslosen Techniker anmachen und uns erneut orientieren an dem, was wieder machbar sein wird, wenn der Zenit tatsächlich hinter uns liegt. Die Kreativen und Improvisierenden in der Region haben nicht aufgehört, uns mit Machbarem, vor allem auch übers World Wide Web, zu versorgen, die Optimisten sind sogar schon wieder intensiv bei der Planung, sie canceln ihre Veranstaltungen nicht, sondern verschieben sie wieder einmal, haben tatsächlich schon den nächsten Festival-Sommer einschließlich Hygienekonzept entwickelt. Hier zu lesen.

Wir sollten die Gelegenheit nutzen und uns wieder darauf besinnen, welche Ansprüche und Selbstverständlichkeiten ehrlicherweise in die Kategorie Luxus einzuordnen sind, schauen, wie wir unsere Werteskala wieder in den Griff bekommen. Wir in der stadtlichter-Redaktion freuen uns jedenfalls riesig darauf, Euch auf dem Weg in eine sicherlich neue Normalität zu begleiten, Euch wieder mit Tipps, Terminen und Hintergründen zu einer wachsenden Zahl „luxuriöser“ Veranstaltungen zu versorgen. Einige davon auch schon hier und heute in dieser Ausgabe, ein paar astrologische Bonbons gibt’s diesmal auch! Jedem, der es glaubt.

Startet mit uns gemeinsam in ein gesundes Jahr 2021, in den 19. Jahrgang der stadtlichter!

Eure stadtlichter

Wir müssen mit dem Leben, was geht

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Aber was geht? Das ist die große Frage, die es auf dem erneuten „Gipfel“ der Länderchefs und der Kanzlerin am 25.11. – leider erst einen Tag nach unserem Drucktermin – zu beantworten galt. Stagnierendes – und nicht wie erhofft rückläufiges – Infektionsgeschehen machte es erforderlich, einschneidendere Maßnahmen über das zunächst angepeilte Ende des Lockdowns hinaus zu beschließen. Vorweihnachtlich-reges Geschehen scheint passé, und ein recht einsames Weihnachtsfest bahnt sich an. Was mehr Schaden an der Volksgesundheit anrichtet, vermögen wir nicht zu sagen, auch nicht, wie viele Existenzen vor dem wirtschaftlichen, dem physischen und dem psychischen Aus stehen. Viele, die den ersten Lockdown halbwegs abfedern konnten mit Rücklagen, mit Fördermitteln, Kurzarbeit und Kreativität, verlieren gerade den Boden unter den Füßen, weil jetzt nichts mehr zum Zehren da ist. Außerhaus-Gastronomie und Onlineveranstaltungen generieren dem einen oder anderen zwar Einnahmen – doch die senken lediglich nur das Minus in der Kasse. Aller bundesweit verordneter solidarischer Disziplin sind jedoch Grenzen gesetzt. Will der Infektionsschutzgesetzgeber glaubhaft bleiben, so wird er alsbald schon wieder unterscheiden müssen zwischen Hotspots und Regionen mit niedriger Inzidenz. Und dann, neuer Maßnahmenflickenteppich? Ohne Kunst & Kultur wird es still. In einer plakativen Aktion demonstriert Lüneburg jetzt mit Gesichtern aus der Kulturbranche, um das Augenmerk der Politik auf die Kulturbranche zu lenken. Auf Initiative dreier Akteure kam ein Fotoshooting bei AMPHIRE zustande, an dem sich 81 Lüneburger Künstler und Kulturschaffende beteiligten (Seiten 38 bis 45).

Übrigens: Ein bisschen Advent geht aber doch. Auf dem Wasserturm hoch über den Dächern Lüneburgs leuchtet seit kurzem schon wieder der riesige Wichernkranz, Märchenbuden stehen an ihren Plätzen, etwa 200 Tannen säumen die Straßen in der Altstadt, die Weihnachtsbeleuchtung lässt die Giebel erstrahlen, die Kirchen und das Rathaus sind wieder stimmungsvoll erleuchtet.

Also: Lasst uns bewusst mit dem leben, was geht. Und was alles – unter Vorbehalt – geht, das findet ihr wie immer in stadtlichter.

In diesem Sinne wünschen wir allen ein friedliches Fest und ein vor allem gesundes neues Jahr!

Eure stadtlichter

Kreuz

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Ja, es ist ein Kreuz mit dem Virus. Und es macht uns nahezu handlungsunfähig, wenn wir uns fast jede Nachrichtensendung mit dem entsprechenden Special reinziehen, endlose Talkrunden konsumieren, uns die Fakten von professionellen und die Meinungen von leider allzu vielen, selbsternannten Experten auf allen Kanälen anhören. Und man fragt sich oft, hören die sich selbst eigentlich zu? Es sei uns in diesem Zusammenhang gestattet, an die selbstkritischen Worte des 1991 verstorbenen Essener Ruhrbischofs Franz Hengsbach zu erinnern: „Lieber Gott, hilf mir meinen Mund zu halten, bis ich weiß, worüber ich rede!“ So mancher Talkshowgast hätte sicherlich am Ende der Sendung keine Chance gehabt, etwas beizutragen. Gleichwohl dürfte auch dem Letzten in der entlegensten Ecke der Welt klar geworden sein, dass die Pandemie real ist und in alle Lebensbereiche hineinstrahlt. Leider können wir nicht sagen „nun reicht’s uns mit Corona“: Bei allem, was wir tun oder lassen, wird uns das Thema so lange begleiten und einschränken, bis ein Impfstoff gefunden wurde… Apropos Kreuz: Einige Tausend Angehörige der Risikogruppe „Ältere“ sind schon wieder auf Kreuzfahrt. Altersstarrsinn?

Wir haben uns auch für diese stadtlichter-Ausgabe wieder darauf gestürzt, Euch das zusammenzustellen, was alles mit Abstand betrachtet an kulturellem Leben möglich ist, von Theater bis zum Sport, wenn man bereit ist, sich an Regeln zu halten. Ganz viele kreative Angebote – zwar mit weniger Zuschauern, aber mit viel Engagement – werden uns landauf, landab begeistern können. Leider konnten wir bei Druckbeginn noch nichts zu den Weihnachtsmärkten in der Region sagen, trotz ausgetüftelter Hygienekonzepte von Marktbeschickern und Schaustellern haben sich die Verantwortlichen in den Städten leider noch nicht festlegen wollen. Das gilt auch für ein ganz anderes Thema, die Berufswahl, denn auch die Ausbildungsmesse Vocatium steht auf der Kippe. Trotzdem findet Ihr in unseren Seiten für Job & Karriere allerhand zum Thema Ausbildung und berufliche Weiterbildung, auch Anzeigen mit attraktiven Ausbildungs- und Studienplätzen. Apropos Weihnachten – das Fest rückt näher, und deshalb haben wir uns bei unserer Umfrage schon mal kundig gemacht, wie es die Leute mit dem Weihnachten Feiern wohl halten wollen.

In diesem Sinne wünschen wir Euch wieder einmal: Genießt die Zeit mit Bedacht und Umsicht und bleibt gesund!

Eure stadtlichter

Glaubensfragen

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Schön, dass Wissenschaftler – in diesem Fall unsere Virologen – auch schon mal glauben – und nicht wissen. Zum Beispiel, wie sich die Pandemie weiter entwickeln wird ob der Lockerungen bei Sportveranstaltungen, bei Familienfesten und beim Schulbesuch in der kalten Jahreszeit. Irgendwie haben wir ja alle gehofft, binnen absehbarer Zeit wird der Spuk vorbei sein – nun sagt unser Chefvirologe Drosten mit Blick auf das Infektionsgeschehen bei unseren europäischen Nachbarn genau das Gegenteil. Also bleiben Vorsicht, Rücksicht, Umsicht die Mittel der Wahl. Unter diesen Vorzeichen werden wir uns weiterhin bewegen und begegnen müssen, bei der Arbeit, beim Einkauf, beim Sport, bei Festen und Veranstaltungen. Und davon gibt es zum Glück ja nun wieder einige größere, so lud Uelzen zum Late-Light-Shopping mit buntem Programm in die City, Lüneburg gar zum Verkaufsoffenen Sonntag mit Beteiligung der Schausteller. Alles recht diszipliniert, (fast) allen war anzumerken, dass sie wissen, was auf dem Spiel steht. Die Ligensportler scharren derweil auch schon mit den Hufen, Volleyball-Bundesligist SVG tritt auswärts am 17. und zuhause am 24. Oktober an, die Kufencracks des AEC starten am 4. Oktober auswärts gegen die HH-Sailors ihre Saison. Alle dürfen nach aktuellem Stand vor Publikum spielen, sportlich ist das auch sinnvoll, wirtschaftlich wohl eher nicht. Das große Theater hat seinen Spielbetrieb zur Freude aller Beteiligten ebenso wie das Theater im e.novum wieder aufnehmen können, die JazzIG lädt zu Konzerten ins Museumsfoyer, weitere Kulturstätten starten wieder nach und nach – es reicht schon wieder aus, damit unsere Kulturseiten und unseren Veranstaltungskalender gut und facettenreich zu füllen, überzeugt Euch! Und da rote Pappnasen bisher in keinem Hygienekonzept Erwähnung finden, wird insbesondere in den rheinischen Karnevalshochburgen vom 11.11. bis zum Aschermittwoch kaum Helau und Alaaf zu hören sein, und wer mag sich schon als kugeliger Virus verkleiden? Apropos glauben, also wir glauben fest an die Vernunft der Menschen, die hier leben, die bereit sind, aus der Krise zu lernen (lest auch die Details unserer Umfrage auf Seite 14).

Feiern ja, aber nicht um jeden Preis. In diesem Sinne wünschen wir Euch allen einen gesunden farbenfrohen Herbst und viel Erfolg beim Umstellen der inneren Uhr auf Winterzeit!

Eure stadtlichter