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HERZLICH WILLKOMMEN IN 2020

editorial

Bei dieser Dopplung kommt einem zwangsläufig Zager & Evens‘ Song „In the Year 2525“ in den Sinn – die meisten unserer Leser kennen ihn sicher noch, diesen visionären Song, der eine Zeitreise beginnend im Jahr 2525 zum Inhalt hat und bis ins Jahr 9595 reicht, dem Zeitpunkt, an dem sich der Mensch von Mutter Erde alles genommen haben wird, ohne ihr etwas zurückgegeben zu haben? Das werden wir wohl leider schneller schaffen. In the Year 2020. Greta Thunberg hat zu Recht an vielen Schnittstellen der Welt mit emotionalen Worten die Gesellschaft ob ihrer Sorglosigkeit angeprangert und insbesondere die Politik an ihre Verantwortung im Umgang mit diesem Planeten erinnert. Gleichwohl ist der heutige Zustand der Welt nicht etwa ein Ergebnis, das die Generation „Gretas Eltern“ allein zu verantworten hat, schließlich begann die industrielle Revolution nicht vor 50, sondern vor 250 Jahren mit einer Weltbevölkerung von etwa 600 Millionen Menschen. Aktuell sind es 7,8 Milliarden, Mitte dieses 21. Jahrhunderts werden es etwa 10 Milliarden sein, und alle wollen mit Nahrung und Energie, mit Medizin, aber auch mit Bildung und Kultur versorgt sein. Der Mensch ist – so hat es die Wissenschaft schon im Jahre 2000 formuliert – zu „einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde“ geworden. Darauf kann man stolz sein – oder auch Angst bekommen. Eine Riesen-Herausforderung allemal, eine, der sich letztlich alle stellen müssen. Viele arbeiten schon daran, an vielen Stellen, das macht Mut – und die Kleinigkeiten zählen in der Summe. Das gilt natürlich auch in Sachen Kultur, die sich in den nächsten Wochen wieder aufs Neue in dieser Region offenbart, in aller Vielfalt. Ein reiches Angebot erwartet Euch auch in dieser stadtlichter-Ausgabe. Übrigens, Euer Lieblings-Veranstaltungsmagazin erscheint mit dieser Ausgabe jetzt schon im 18. Jahrgang… gewusst?

Wir wünschen Euch allen einen schönen, sowohl nachdenklichen als auch nachhaltigen Start in dieses Jahr.

Eure stadtlichter

Legaler Rausch

Das Geschäft mit den Online-Drogen brummt weiter

Der Kick ist oft nur wenige Klicks entfernt: Viele sogenannte Legal Highs sind auch 2020 immer noch frei verkäuflich und wirken ähnlich wie Cannabis, Ecstasy oder Kokain, nur um ein Vielfaches stärker. Im Internet werden die neuen Drogen als Badesalz, Duft- oder Kräutermischung angeboten und jeder, der will, kann sie kaufen. Angeblich alles nicht gesundheitsschädlich, so die Anbieter. Meist eine dreiste Lüge. Wer sich die bunten Tütchen online bestellt, weiß nicht, was er bekommt und wie die Wirkung ausfallen wird. Das ist wie eine große Black Box. Die Räucher- beziehungsweise Kräutermischungen enthalten meist synthetische Cannabinoide, die teilweise eine stärkere Wirkung als Cannabis haben. Während beim Cannabis-Konsum aber nur einige Rezeptoren im Körper stimuliert werden, sind es bei den synthetischen Stoffen alle. Die Folgen sind verheerend: Es kommt zu Panikattacken, Wahnvorstellungen, Kreislaufzusammenbrüchen und auch zu Todesfällen. Die „Badesalze“ sind in ihrer Wirkung kaum harmloser, warnen Mediziner, sie sind häufig mit amphetamin- oder ecstasyähnlichen Wirkstoffen versetzt.

Prinzipiell sind bei den Legal Highs fünf Hauptgruppen zu unterscheiden:

  • Synthetische Cannabinoide: verkauft als Kräutermischungen; sind mit dem Cannabis-Wirkstoff THC vergleichbar
  • Synthetische Cathinone: angeboten in Form von Badesalzen; gehören zu den Amphetaminen (ähnlich wie Khat)
  • Phenethylamine: in Tabletten- oder Pulverform vertrieben; wird oft als Ecstasy beworben
  • Piperazine: verkauft als Pulver oder Pillen; ebenfalls häufig als Ecstasy angeboten
  • Tryptamine: auf dem Markt als Pulver erhältlich, ist den Indolalkaloiden zuzuordnen (hierzu gehört z. B. Strychnin)

2016 reagierte die Bundesregierung mit einem Gesetz, das die Verbreitung der Legal Highs stoppen sollte, dem „Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz“ – kurz: NpSG. Erstmals wurden ganze Stoffgruppen verboten. Viele der Legal Highs sind durch das neue Gesetz auch vom Markt verschwunden. Doch es ist schwierig, den gesamten Internet-Versand zu überwachen und die im Ausland agierenden Anbieter zu belangen, die immer wieder neue „legale“ Stoffgruppen entwickeln. So brummt das Geschäft mit den neuen Drogen weiter. Und die Kundschaft wird immer jünger, sagen die Experten der Internetplattform Jugendschutz.net und des Bundeskriminalamts (BKA). Die Klientel, die sich mit Online-Substanzen versorgt, ist in der Mehrheit zwischen 15 und 23 Jahren. Besorgniserregend: Innerhalb weniger Jahre hat sich die Zahl der Toten in Deutschland fast verzehnfacht.

„Neue Feelings erleben“

Die Online-Shops, über die man sich die Drogen bestellen kann, werben weiter ganz offen für ihre Produkte (man findet sie ganz leicht über Internet-Suchmaschinen, sie sollen hier dennoch nicht genannt werden). Da heißt es zum Beispiel „Schöööne Sache – nur für Euch, liebe Kinder!“ oder: „Das knallt legal“. Und weiter geht’s in schrägstem Dealer-Deutsch: „Wer immer auf der Suche nach dem richtig einmaligen Kick ist und Neuheiten kennenlernen will, ist (hier) richtig aufgehoben … Mit einem Kauf kannst Du der Erste sein, der das Hochgefühl erlebt und sich in eine vollkommen andere Welt katapultiert … Der Einkauf lohnt sich gerade dann, wenn Du gerne neue Feelings erleben willst, die alles toppen, was bisher da gewesen ist.“ „Kundenfreundlich“ wird auch darauf hingewiesen, dass die Substanzen zwar richtig high machen können, man deshalb vor Polizei und Justiz dennoch keinerlei Angst haben muss: „Das (in den speziellen Räuchermischungen verwendete) Öl stammt aus rein medizinischen und hochwertigen Cannabispflanzen – es enthält aber 0 Prozent THC. Dieses Öl verspricht eine absolut positive Wirkung, die schon viele Kunden begeistert hat. Dabei bleibt es aber wie gewohnt legal und ist natürlich nicht nachweisbar. Das ist der Clou…“

Grundstoffe kommen aus China

Im September 2018 wurde bei ZDFinfo eine Dokumentation mit dem Titel „Legal Highs – Todesdrogen aus dem Internet“ ausgestrahlt. Die Doku ist weiter hochaktuell, bestätigt eine Nachfrage bei der Polizei. Über die Hersteller der synthetischen Drogen heißt es in dem Bericht: „Die Grundstoffe kommen hauptsächlich aus Laboren in China und werden dort von Profi-Chemikern produziert und in großen Mengen nach Europa gebracht. Hier geht es dann auf zwei Wegen weiter: Neben den Legal Highs werden sie auch als Reinsubstanz – als sogenannte Research Chemicals – auf den Markt gebracht. Jeder kann sie so im Internet bestellen. Auf verschiedenen Internetseiten bieten die Hersteller sogar noch Gratisdrogen zur Bestellung – je mehr man kauft, desto mehr gibt es kostenlos obendrauf…“ Das Fazit der Doku-Filmer: Der Legal Highs wird man allein mit Verboten nicht Herr werden, die Anbieter sind zu kreativ. Man müsse stattdessen an die Kunden heran, ihnen Alternativen bieten.

Rauschzustand per App

In den USA tut man das bereits. Dort wird über eine Technologie nachgedacht, die einen „ungefährlichen Rausch“ ermöglichen soll. Das Start-up Thync aus dem kalifornischen Silicon Valley verspricht einen Rauschzustand per App – je nach Geschmack stimulierend oder sedierend. Für unter 300 Dollar bekommt man ein Gadget, das man sich über der Augenbraue auf die Stirn klebt. Es soll genau dieselben Gehirnregionen stimulieren wie klassische Drogen, nur eben ohne Nebenwirkungen – und auf Dauer auch deutlich günstiger als die Verwendung von Legal Highs. Allerdings äußerten sich die ersten Testerinnen und Tester eher enttäuscht: Statt des Endorphinschubs bekamen die meisten nur Kopfweh … (RT)

 

Unter Puppen

Matthias Kuchta ist Puppenspieler und Puppenbauer

Fast wäre Matthias Kuchta Lehrer geworden. Doch als er nach seinem Geschichts- und Slavistik-Studium ins Referendariat ging, entschied er sich für seine wahre Leidenschaft – das Puppentheater. Seit bald 40 Jahren arbeitet er als Puppenspieler. Seine großen Figuren baut er selbst. Matthias Kuchta ist in Schleswig-Holstein aufgewachsen, deshalb zieht es ihn immer wieder in den Norden. Während sein Erstwohnsitz im rheinländischen Langenfeld ist, lebt er auch einen großen Teil des Jahres im Raum Lüneburg, wo er zur Ruhe kommen kann. 1992 kaufte der heute 70-Jährige einen alten Resthof im Bleckeder Ortsteil Radegast. Neben seiner Wohnung und einer Gästewohnung befinden sich hier auch ein Puppenlager und eine Werkstatt. Als sich Matthias Kuchta für das Puppentheater entschied, nahm seine Laufbahn schnell Fahrt auf. Am Ende seiner dreijährigen Ausbildung am Figurentheaterkolleg des Deutschen Instituts für Puppenspiel in Bochum führte er als Diplomarbeit „Die Bremer Stadtmusikanten” auf. Bei dieser Ins-zenierung sprach ihn ein Zuschauer an und lud ihn ein, bei einem Theater-Festival in Hong Kong zu spielen. Vor Ort in Hong Kong sprach ihn erneut ein Zuschauer an – ein Mitarbeiter des Goethe-Instituts, der ihm weitere Aufträge in Aussicht stellte. „Ab dann habe ich weltweit gespielt, es gab viele Folgeaufträge”, erinnert sich Kuchta. „Ich habe immer die richtigen Menschen zum richtigen Zeitpunkt getroffen. Ich habe wirklich viel Glück gehabt.” Sein 1982 gegründetes Figurentheater „Lille Kartofler” (Dänisch: Kleine Kartoffeln) ist seit Jahren gefragt, sein Terminkalender stets ausgebucht. Matthias Kuchtas Puppentheater zeichnet sich durch die besondere Größe seiner Figuren aus. „Ich mag die Objekte anfassen, den unmittelbaren Kontakt. Ich spiele nicht gerne mit Marionetten”, sagt er. Während seines Lehramts-Studiums arbeitete er nebenher an einem Puppentheater, doch große Puppen interessierten ihn mehr. „Mein Theater hat keine vierte Wand und keine Guckkastenbühne”, erklärt er. Mit seinen fast lebensgroßen Figuren steht der Puppenspieler zusammen auf der Bühne, geht von Figur zu Figur, führt mal die eine, mal die andere, spricht ihre Stimmen und tritt ebenso mit ihnen in den Dialog. „Ich bin Erzähler, Schauspieler und Puppenspieler“, so Matthias Kuchta.

Gesichter spiegeln Leben wider

Viele seiner großen Figuren hat er selbst gebaut, unterstützt wird Kuchta von der Puppenbauerin Mechtild Nienaber. 250 Figuren hat er in seinen beiden Puppenlagern in Langenfeld und Radegast, so schätzt er. Sobald der Puppenspieler ein neues Stück im Sinn hat – in der Regel spielt er Märchen der Gebrüder Grimm und von Hans Christian Andersen – überlegt er sich, welche Charaktere er benötigt. Dem Puppenspieler und -bauer ist der besondere Ausdruck seiner Figuren wichtig. „Ich finde Gesichter sehr spannend, wenn sie das Leben widerspiegeln. Ich habe nichts von sehr schönen Figuren, es sollen ganz normale Menschen sein”, erklärt er. Dafür recherchiert er auch im Internet und überträgt dort gefundene Gesichter auf seine Entwürfe für die Puppengesichter. Das Gesicht von Frau Gothel aus „Rapunzel”, seinem neuesten Stück, guckte er sich zum Beispiel von Fotos einer amerikanischen Sängerin aus dem Internet ab. Das Gesicht von Rapunzel selbst ist angelehnt an das seiner eigenen Großtante Alma. „Man muss lange suchen, eh eine Figur gereift ist”, erklärt Matthias Kuchta. Von der ersten Idee bis zur Bühnenaufführung vergehen so rund drei bis vier Jahre. Das Bauen der Figuren für ein Stück dauert in der Regel ein bis zwei Wochen. Zunächst fertigt Kuchta eine genaue Zeichnung an. „Das Aussehen verändert sich aber beim Nähen. Mit den Stoffen kann man im Prozess neue Ausdrucksmöglichkeiten entdecken.” Das Gestalten des Kopfes braucht viel Zeit. „Dabei kann ich nicht wirklich nähen, eher bas-teln”, fügt der 70-Jährige hinzu. Gefüllt sind seine Figuren mit Polsterwatte, außen sind sie komplett aus Stoff. Von seiner Großmutter hat er eine riesige Stoffsammlung geerbt, aus der er vieles für seine Puppen verwendet. „Ich arbeite gern mit älteren Sachen.” Im Inneren haben seine Figuren Gelenke, die ihm ein Orthopädietechniker anfertigt. Dadurch können sie gut sitzen und sacken nicht in sich zusammen. An der Rückseite des Kopfes hat jede Puppe einen Holzgriff, damit Kuchta ihn drehen und führen kann. Mechtild Nienauer arbeitet mit Matthias Kuchta bereits seit 1985 zusammen. Damals war sie Studentin, heute ist sie eine gefragte Puppenbauerin. „Ich sage zu ihr: Mach mal ruhig ein bisschen schräge, ich brauche mehr die Karikaturen”, erzählt er. Einige von Matthias Kuchtas Figuren sind schon in die Jahre gekommen, doch das stört den Puppenspieler nicht. „Gebrauchsspuren finde ich sehr schön, das ist wie bei abgeliebten Kuscheltieren”, meint er. Außerhalb des Puppenspiels hat er kein emotionales Verhältnis zu seinen Puppen, sie gehören auch nicht in seine Wohnung. „Für mich sind das Arbeitsobjekte”, betont Kuchta.

Von Kindern viel gelernt

Matthias Kuchta beschäftigt sich für sein Puppenspiel viel mit Märchen. „Es gibt zirka 250 Grimmsche Märchen, nur die wenigsten sind bekannt”, erklärt er, „und viele sind sehr grausam.” Zu Hause liest er die Märchen nach. „Sie sind ja wie Gedichte in prägnanter Form, da ist so viel Lebenserfahrung drin”, schwärmt er. Sein Zugang zu den Märchen ist mit wachsendem Alter intensiver geworden. In der Regel spielt er vor Kindern und ihren Eltern, gelegentlich auch nur für Erwachsene. Für viele Stücke arbeitet Matthias Kuchta mit Theater-Regisseuren zusammen, die Erwachsenenstücke sind in der Regel Auftragsproduktionen. Vor Erwachsenen zu spielen, empfindet der Puppenspieler als anstrengender als vor Kindern. „Das Erwachsenenpublikum hält sich viel mehr zurück”, erklärt er. „Wenn das Publikum mit einbezogen wird, will ich niemanden vorführen. Bei Kindern ist es etwas Anderes, die freuen sich – Erwachsene sind da viel vorsichtiger.” Immer wieder beobachtet Matthias Kuchta, dass Erwachsene sich an dem ungewöhnlichen Aussehen seiner Puppen stören. „Kinder stört das nicht. Für sie muss die Gefühlswelt stimmen”, ist er überzeugt. Von Kindern, auch denen seiner Lebenspartnerin, hat er für seine Arbeit viel gelernt, zum Beispiel die kindliche Logik oder den spielerischen Umgang mit der Wirklichkeit. Wenn er ein Stück neu inszeniert, probiert er es zunächst vor einer Kindergruppe aus, so auch an der Grundschule in Bleckede. „Neue Stücke sind immer eine Herausforderung, vor jeder Premiere ist das eine Angstpartie”, so Kuchta. In der Region Lüneburg hat der Puppenspieler mit seinem Lille Kartofler Figurentheater etwa zehn regelmäßige Veranstaltungsorte, darunter die Bibliothek in Adendorf und die Grundschule in Reppenstedt. In Radegast ist er jeden Sommer im Pfarrgarten zu Gast, bei schlechtem Wetter in der Scheune. Hatte er früher rund 300 Aufführungen im Jahr, hat er sie nun auf die Hälfte zusammengekürzt. Auch auf seine Tourneen in die USA verzichtet er inzwischen. „Ich schraube etwas zurück, es wurde auch schwieriger mit dem Arbeitsvisum für die USA”, erklärt er. Kuchta blickt auf tolle Erlebnisse rund um die Welt zurück, hat neben ganz Deutschland viel in Frankreich, Österreich, Kanada, Asien und den USA gespielt. Seine Stücke beherrscht er auch auf Englisch und Französisch. Wurde er anfangs noch auf seinen deutschen Akzent im Englischen angesprochen, der irgendwie zu Grimms Märchen passte, spricht Kuchta inzwischen fließend Englisch und Französisch.

Nichts bringt ihn aus der Ruhe

Über die Jahre sieht Matthias Kuchta seine Arbeit gelassener, und während einer Vorstellung kann ihn nichts mehr aus der Ruhe bringen. Reißt bei Schneewittchen aus Versehen ein Bein ab, während ein Zuschauerkind es festhält und er weitergeht, rettet er die Situation durch Improvisation. „Dann müssen erstmal alle pusten und Schneewittchen wird gefragt, ob es mit einem Bein weiterspielen will”, erzählt der Puppenspieler. Das Lachen muss er in solchen Momenten zurückhalten. Manchmal stehen auch Kinder am Bühnenrand und wollen mitspielen, andere rufen erbost etwas ins Stück hinein, bis hin zu: „Frau Königin ist ein Arschloch!” Mit zunehmender Erfahrung und höherem Alter begegnet Matthias Kuchta solchen Ereignissen entspannter. „Früher kam ich schon ganz schön ins Schwitzen”, erinnert sich der 70-Jährige. Er vermutet, dass er auf die Kinder durch sein Alter eine andere Ausstrahlung und an Glaubwürdigkeit dazu gewonnen hat. Puppenspiel ist nicht nur im Theater angesagt, heute sieht man es auch viel im Fernsehen, gerade im Comedy-Bereich. Matthias Kuchtas fast lebensgroße Puppen sind aber immer noch eine Seltenheit. „Ich habe wohl mit den großen Figuren eine Art Nische gefunden”, meint er. Der Puppenspieler sieht sich selbst als sehr zurückhaltenden Menschen, der schon als Kind mit seinem Kasperletheater seine Schüchternheit überspielen konnte. „Die Bühne ist ein sehr geschützter Raum. Ich bin ja in einer Geschichte, und die Geschichte gibt mir Sicherheit”, erklärt er. Obwohl Matthias Kuchta schon das Rentenalter erreicht hat, denkt er noch nicht ans Aufhören. Im Gegenteil: „Ich möchte gerne mal eine Erwachsenen-Inszenierung mit politischem Inhalt machen”, sagt er. Grundsätzlich möchte er so lange mit seinem Figurentheater weitermachen, wie es ihm noch Spaß bringt und sein Körper mitmacht. „Ein Maler oder Schriftsteller hört ja im Rentenalter auch nicht einfach auf.” (JVE)

Stille Nacht, einsam wacht…

Die große Leere: Immer mehr Menschen fühlen sich einsam

Psychologen sprechen schon von einer neuen Volkskrankheit, Großbritannien gründete sogar ein eigenes Ministerium zu ihrer Bekämpfung: Einsamkeit. Gerade jetzt in der Weihnachtszeit leiden Menschen besonders stark unter dem Gefühl, allein und isoliert zu sein. Es gibt eine Insel, die Einsamkeit heißt. Sie liegt im Nordpolarmeer, nur 20 Quadratkilometer groß, im Winter vom Packeis eingeschlossen, menschenleer. Ein trister Ort. Immer mehr Betroffenen kommt ihr Leben so vor, als würden sie genau auf einer solchen einsamen Insel leben. Sie fühlen sich abgeschnitten vom Leben, das sie früher vielleicht mal führten.  

Wenn Alleinsein weh tut, ist es Einsamkeit

Alleinsein kann angenehm sein, sogar bewusst gewählt werden. Doch wenn es weh tut und quält, wenn es den Brustkorb einschnürt, manchmal mitten unter Menschen – dann ist es Einsamkeit. Laut gerade veröffentlichten Zahlen der Bundesregierung ist die Quote der Menschen, die einsam sind, bei den 45- bis 84-Jährigen in den vergangenen sieben Jahren um rund 15 Prozent gestiegen. Und da es in Deutschland künftig immer mehr Ältere geben wird, dürfte Einsamkeit weiter an gesellschaftlicher Bedeutung gewinnen. Zu diesem Schluss kommt jedenfalls ein Diskussionspapier des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung und der Körber-Stiftung. Aber nicht nur Ältere, auch immer mehr Jugendliche fühlen sich einsam und allein. Vor allem jetzt in der Advents- und Weihnachtszeit spüren das viele besonders intensiv. Stille Nacht, einsam wacht… hat für sie eine besondere Bedeutung. Statt Vorfreude auf das Fest der Liebe ist bei ihnen Angst da, in sozialer Isolation gefangen zu bleiben. 

Massive Krankheitsbilder

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach forderte bereits einen Regierungsbeauftragten für Einsamkeit, begründete seinen Vorschlag unter anderem mit massiven gesundheitlichen Auswirkungen. Von Einsamkeit ausgelöste Depressionen, Angststörungen oder Erkrankungen des Herzkreislaufsystems beeinträchtigen nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen, sondern führen auch zu hohen Kosten für das Gesundheitssystem. Laut Forschern der französischen Universität Versailles Saint-Quentin-en-Yvelines entwickeln Alleinlebende 1,5- bis 2,5-mal häufiger eine der häufigsten psychischen Erkrankungen als andere Menschen. Allerdings zeigt die Untersuchung nicht, ob das Alleinleben wirklich die (singuläre) Ursache für die Erkrankungen ist. Einen statistischen Zusammenhang gibt es nur bei denjenigen, die sich tatsächlich einsam fühlen – und das ist natürlich nicht bei jedem der Fall, der allein lebt. Wer helfen will, steht vor einer Schwierigkeit. Wie Einsamkeit eigentlich erkennen? Die Einsamkeit wird, gerade im urbanen Raum, unsichtbar, und nur alten Menschen kann man sie vielleicht noch ansehen, der Seniorin zum Beispiel auf der Parkbank. Wer dagegen ein Smartphone in der Hand hat und darauf starrt, wirkt beschäftigt. Oder tut nur so. Dazu kommt: Die Einsamkeit anderer kann bei einem selbst Schuldgefühle verursachen. Man spürt den Impuls, etwas dagegen unternehmen zu wollen. Wenn man ganz ehrlich sich selbst gegenüber ist, passiert das aber meist aus purem Pflichtgefühl, weniger aus einem echten mitmenschlichen Impuls. Denn wer lädt sich schon gern fremde Probleme auf? Wenn wir den einsamen Nachbarn auf ein Getränk einladen, dann erwartet er das vielleicht in Zukunft regelmäßig …

Auch weil einsame Menschen dazu neigen, sich noch weiter sozial zu isolieren oder sogar feindselig auf andere zu reagieren, ist Hilfe von außen kompliziert. Anders gesagt: Wer einmal in Einsamkeitsgefühlen gefangen ist, kommt oft in eine Spirale, die ihn/sie immer weiter hineinzieht. Einsame werden misstrauisch und fassen selbst gutgemeinte Gesten falsch auf. Das Widerspiegeln der eigenen Abwehr von Zuwendung treibt die Betroffenen immer weiter in den Abgrund. So verstärkt sich schließlich der Kreislauf, in dem man immer isolierter und einsamer wird.

Welche Wege führen aus der Isolation?

Letztlich kann sich der Einsame nur selbst helfen. Je jünger und mobiler die Betroffenen sind, desto vielfältiger sind die Möglichkeiten, das Gefühl der eigenen Einsamkeit zu bekämpfen. Aber auch ältere Menschen können etwas tun. Der US-Einsamkeitsforscher John Cacioppo hat dazu das Anti-Einsamkeitsprogramm „EASE“ entwickelt – zu Deutsch „Erleichterung“. Das erste „E“ steht dabei für „extent“ – den eigenen Aktionsradius erweitern, ein Ehrenamt (z.B. Tierheim, Kita, Sportverein, Kirchengemeinde) ist dafür ideal. Das „A“ steht für „action“ – nur eigene Aktivitäten führen aus der Einsamkeit. Das „S“ im EASE-Programm steht für „selective“. Einsame sollten sich genau überlegen, mit welchen Menschen sie Umgang haben möchten – und sich dann hartnäckig darum bemühen. Das letzte „E“ ist das wichtigste, es bedeutet „erwarte immer das Beste“ – ein Appell, Misstrauen und alte Feindschaften fallen zu lassen. Und anzufangen, sich selbst mehr zu mögen. Denn sich selbst ein Freund zu werden ist die erste Voraussetzung, auch anderen ein Freund zu sein …(RT)

Rednerin mit Herzblut

Angela Tonn arbeitet als freie Trauerrednerin

Nicht jeder findet die passenden Worte, um einen Verstorbenen zu betrauern. Die Trauerrednerin Angela Tonn hat es sich zur Aufgabe gemacht, jede Abschiedsrede so zu halten, als hätte sie den Verstorbenen persönlich gekannt. Angela Tonn sieht das, was sie macht, nicht als Arbeit an, sondern als Berufung. „Ich habe schon oft gedacht, das hättest Du mal eher machen sollen”, erzählt sie. „Das, was ich mache, kommt aus tiefstem Herzen.” Kurz bevor sie 60 wurde, sattelte die Adendorferin um und entschied sich dazu, Trauerrednerin zu werden.

Um zu verstehen, wie es dazu kam, muss man Angela Tonn kennen. Die 64-Jährige sagt von sich, sie ziehe alles durch, was sie einmal anpacke. Das sei nicht nur Gerede. Auslöser für ihre Entscheidung war eine Beerdigung, der sie 2015 mit ihrem Mann beiwohnte. Ein guter Freund ihres Mannes war plötzlich verstorben. Er hatte mit seinem Motorrad besondere Touren unternommen, war im Motorradclub aktiv und hatte dort viele Freunde. „All das wurde bei der Trauerrede mit keinem Wort erwähnt”, erinnert sich Angela Tonn, „unseren Freund haben wir nicht erkannt.” Auf der Rückfahrt fasste sie einen Entschluss: „Ich sagte zu meinem Mann, ab morgen werde ich Trauerrednerin.” Zu Hause angekommen, erkundigte sie sich nach dem üblichen Werdegang hin zum Trauerredner und wurde von einem Bestatter an die Hamburger Rednergemeinschaft verwiesen. Die professionellen Trauerredner dieser Gemeinschaft halten bis zu vier Reden an einem Tag. Angela Tonn begleitete einen von ihnen eine Zeit lang. „Der Redner hat mir sehr viel mitgegeben. Er war studierter Theologe und Buchhändler. Ich hingegen stand mit null da. Ich war vorher im medizintechnischen Außendienst”, erklärt sie.

Monatelang Klinken putzen

Angela Tonn kommt ursprünglich aus dem schleswig-holsteinischen Elmshorn. 2012 zog sie zu ihrem zweiten Mann nach Adendorf. Um sich als neue Trauerrednerin in der Region einen Namen zu machen, habe sie anfangs monatelang „Klinken geputzt”, sagt sie. „Man kann den Redner für eine Trauerfeier oder Bestattung grundsätzlich frei wählen”, erklärt sie, der Auftrag komme entweder direkt von einem Bestatter oder von Privatpersonen, denen sie empfohlen wurde oder die sie schon einmal als Rednerin erlebt haben. „Es dauert, bis es läuft”, so Angela Tonn. Ihren ersten Job als Trauerrednerin erhielt sie unverhofft bei ebendiesem Klinkenputzen bei einem Bestatter in Bad Bevensen. Weil gerade, als sie vor Ort war, für eine Trauerfeier ein Redner gesucht wurde, gab man ihr kurzerhand den Auftrag. Vom ersten Entschluss, den Beruf zu wechseln bis zur ersten eigenen Trauerrede vergingen gerade einmal vier Monate. Inzwischen hat Angela Tonn nach eigener Schätzung rund 400 Trauerreden selbst verfasst und gehalten. Wenn sie im Monat vier Reden hat, ist sie zufrieden – ein Arbeitsaufkommen wie bei der Rednergemeinschaft Hamburg kann sie sich nicht vorstellen. „Bis zu zwei Reden an einem Tag gehen für mich höchstens”, meint die 64-Jährige. Angela Tonn weiß nie, wann der nächste Auftrag kommt. Ausgerechnet im November, dem Monat der Trauer und des Todes, herrschte für sie Saure-Gurken-Zeit. Nach einem Todesfall hat sie in der Regel zehn Tage Zeit für das Schreiben ihrer Rede – wenn es um eine Urnenbeisetzung geht. Bei einer Erdbestattung verkürzt sich der Zeitraum bis zur Beisetzung.

Man muss sich hineinversetzen

Entscheidend für die Arbeit der Trauerrednerin ist das Gespräch mit den Hinterbliebenen. Wenn sie direkt von einem Bestatter über einen Todesfall informiert wird, schickt dieser ihr Eckdaten über den Verstorbenen und Daten der Angehörigen, die sie kontaktieren soll. Für das Vorgespräch mit den Hinterbliebenen nimmt sich Angela Tonn Zeit. In der Regel besucht sie diese zu Hause, doch auch telefonisch ist es möglich. Da sie den Verstorbenen erst „kennenlernen” muss, stellt sie Fragen zu dessen persönlichen Vorlieben, Hobbys oder Eigenarten. Das Privatleben steht im Vordergrund, nicht der tabellarische Lebenslauf. „Die meisten erzählen gerne und viel. Manchmal kriegt man ein ganzes Buch und muss alles kürzen. Aber aus manchen ist nichts rauszukriegen”, so ihre Erfahrung. „Wenn die Leute mir nicht viel erzählen, dann bin ich nicht zufrieden.” Mindestens drei getippte Seiten ihrer Rede drehen sich für gewöhnlich um das Leben des Verstorbenen, wobei der Text nicht immer bierernst sein muss. „Die Leute mögen lachen”, sagt sie, „ich habe auch schon Witze erzählt.” Die Adendorferin ist immer auf der Suche nach schönen Redewendungen, schreibt sich aus dem Internet oder dem Fernsehen Geschichten und Anekdoten auf, die ihr gefallen. „Ich habe immer einen Schreiber und Zettel parat”, erklärt sie. Angela Tonn hält Trauerreden in der Regel für Familien, die keine kirchliche Zeremonie wünschen. Deshalb hält sie am Ende ihrer Ansprache eine Art „weltliches Vaterunser”. Doch auch mit Pastoren hat sie schon zusammengearbeitet, sie selbst ist auch gläubig. Sie erinnert sich noch gut an den katholischen Pastor, der nicht über den Alkoholismus des Verstorbenen sprechen wollte, weshalb sie für die Trauerrede engagiert worden war. „Hinterher hat mich der Pastor gefragt: Wo nehmen Sie das her? Meine Antwort war: Man muss sich nur hineinversetzen. Das bin ich schon oft gefragt worden.” Das schönste Kompliment ist für die Trauerrednerin, wenn sie hinterher ein Trauergast fragt, ob sie den Verstorbenen gekannt hat, da sich ihre Rede so anhörte.

Hat ein Verstorbener keine Hinterbliebenen oder sind diese nicht in der Lage, etwas zu dessen Leben zu erzählen, ist die Trauerrednerin gezwungen, ihre Rede sehr allgemein zu halten. Und ist die Runde bei der Trauerfeier sehr klein, stellt sie sich nicht an ihr Pult – oder im Freien an ihren mitgebrachten Notenständer – sondern stellt sich mit der Trauergemeinde in einen Kreis. Hauptsächlich hält die Adendorferin ihre Ansprachen in Kapellen, aber auch in Friedwäldern der Umgebung. „Ich habe auch schon auf einem Treckeranhänger meine Rede gehalten. Das war eine Gedenkfeier für einen jungen Mann auf einem Sportplatz, und der war voll”, erinnert sie sich. Sie arbeitet im Umkreis von hundert Kilometern, von Boizenburg bis Walsrode. Viel Auto zu fahren ist sie noch aus dem Außendienst gewohnt.

Auch op Platt und auf Englisch

Nicht jede Rede fällt Angela Tonn leicht zu schreiben. „Herausforderungen sind jüngere Menschen, Unfalltote oder Selbstmörder”, erklärt sie. „Das steckt man auch nicht so einfach weg.” Rund drei Stunden braucht sie für das Schreiben einer persönlichen Trauerrede, bei außergewöhnlichen Todesfällen kann es auch doppelt so lange dauern. Ihre Trauerreden gibt es nicht nur auf Hochdeutsch – auch auf Englisch oder Plattdeutsch hat sie schon Reden geschrieben und vorgetragen – für sie keine Hürde. Auch Vorsorgetrauerreden für Personen, die den Inhalt ihrer Trauerfeier schon vor ihrem Ableben regeln wollen, verfasst die Trauerrednerin. „Ob ich sie dann wirklich halte, spielt keine Rolle, jeder kann sie vorlesen. Sie wird dann zu den Unterlagen gelegt”, erklärt sie. Das Vorsorgegespräch für die Rede laufe natürlich anders ab als mit den Hinterbliebenen. Bei besonderen Todesfällen – zum Beispiel dem Unfalltod eines jungen Menschen – ist Angela Tonn oft mehr als nur die „Redenschreiberin”. Es liegt ihr am Herzen, den Hinterbliebenen zu vermitteln, dass sie für sie da ist, ihnen Trost spenden kann – und dass sie es nicht eilig hat. „Ich gehe auf die Menschen zu”, sagt sie. Ein Vorgespräch kann bis zu anderthalb Stunden dauern, in besonderen Fällen aber auch drei Stunden. Manchmal muss sie die Angehörigen auch überzeugen, Dinge auszusprechen, manchmal muss man erst miteinander warm werden. Durch ihre Arbeit im Außendienst, die sie fast 20 Jahre lang ausübte, beherrscht sie – auch durch psychologische Seminare – den Umgang mit Menschen, was ihr auch im neuen Job zugute kommt. Auch dass sie einige Zeit als Hauswirtschafterin in reichen Haushalten arbeitete, war für sie eine gute Schule. „Ich lass mir nicht die Butter vom Brot nehmen”, betont sie. Ihre Reden baut Angela Tonn nach einem wiederkehrenden Prinzip auf: „Ich konfrontiere die Menschen zunächst mit dem Tod. Dann spreche ich über das Leben, am Ende spreche ich Trost aus.” Ist die Trauerfeier noch so bewegend und der Todesfall noch so tragisch: Vor den Trauergästen zu weinen kommt für Angela Tonn nicht in Frage. „Ich habe höchstens einen Kloß im Hals und muss tief durchatmen. Man hat sich zusammenzureißen.” Bei Trauerfeiern und Beerdigungen ist Angela Tonn die Zeremonienmeisterin, die den Ablauf in der Hand hat. Sie kennt die Abläufe, weiß, wann die Musik gespielt wird und wann der Bestatter ins Spiel kommt. Lampenfieber hat sie vor jeder Trauerfeier, „wenn ich’s nicht mehr habe, sollte ich besser aufhören.”

Zufriedenheit der Familie zählt

Bei ihrer Arbeit als Trauerrednerin ist Angela Tonn eine Perfektionistin und sehr selbstkritisch. Es ist ihr wichtig, dass die Angehörigen zufrieden sind. „Die Menschen stehen im Vordergrund. Die Familien sollen sich in besten Händen fühlen. Als Außenstehende gehöre ich bis zur Trauerfeier zur Familie.” Ihren Dank erhält sie in Form von lobenden Erwähnungen in Zeitungsanzeigen, Blumen, Dankeskarten oder Trinkgeld. Einige rufen auch an und bedanken sich. Kritik gab es in den vier Jahren als Trauerrednerin noch von keinem Angehörigen, und auch Weiterempfehlungen sprechen für sich. Sie ist der Meinung, von keinem Pastor bisher so persönliche Trauerreden gehört zu haben, wie sie sie schreibt und vorträgt. Deshalb würde sie auch keine Minute zögern, für ihr nahestehende Personen nach deren Tod die Rede zu halten. Als Angela Tonn als freiberufliche Trauerrednerin anfing, dachte sie nur an einen Nebenjob, doch es wurde ihr Hauptjob, wenn auch nicht in Vollzeit. Weil sie ein Unternehmen gründete, wurde sie vom Arbeitsamt gefördert und wird nun beim Finanzamt als Künstlerin geführt. „Ich muss ja auch Fantasie haben und eine gute Schauspielerin sein”, ergänzt sie schmunzelnd. Auch wenn Angela Tonn bald das Rentenalter erreicht, denkt die 64-Jährige noch lange nicht ans Aufhören. „Ich mache das weiter, solange ich geistig fit bin, der Kopf mitmacht und ich Auto fahren kann. Ich habe den Schritt mit knapp 60 gewagt und kann jetzt nicht einfach aufhören.” (JVE)

Bunt…

editorial

…STATT BRAUN: Mehr als 7.000 Teilnehmer waren dem Aufruf der Journalistenverbände und weiterer Organisationen am 23. November gefolgt und zeigten bei einer eindrucksvollen Demonstration in Hannover Solidarität mit ihren NDR-Kollegen, die wegen ihrer kritischen Berichterstattung über das rechtsextreme Milieu offen und namentlich angefeindet werden. Der Schutz der Pressefreiheit war es beeindruckend vielen Menschen wert, spontan und friedlich auf die Straße zu gehen, (bunte) Flagge zu zeigen. Bunt und vielfältig leuchten jetzt auch in diesen Tagen in Lüneburg das Rathaus, die Kirchtürme, der Wasserturm mit seinem Wichernkranz, das Umfeld der nun insgesamt acht Weihnachts- und Wintermärkte von klassisch bis historisch in der „Weihnachtsstadt Lüneburg“. Der Wichernkranz ist übrigens aktuell eine der kreativsten Ideen, die Leute per Handy zum Spenden zu bewegen. Aber auch in Uelzen, Winsen, Lauenburg, Salzhausen und anderen heimeligen Orten haben sich Initiativen zusammengefunden, um mit Illumination und vielen kreativen Aktionen etwas von der Atmosphäre zu erzeugen, die uns entschleunigen und fröhliche Stimmung verbreiten soll (Seiten 9-13).

Zwangsentschleunigt zeigt sich derzeit leider auch der Adendorfer Eishockey Club. Nach dem Totalschaden in der Eisbereitung droht in der Folge auch der finanziell-sportliche Totalschaden bei der GmbH, die den Spielbetrieb verantwortet, berichtet geknickt Finn Sonntag als deren CEO. Aber aufgeben gilt für ihn nicht – Eishockey hat nicht nur in Adendorf, sondern in der Region einen festen Boden – auch wenn das Eis darauf gerade brüchig ist. Überraschendes zum Weihnachtsfest gesucht? Dann schaut doch mal in die Geschenkideen, die wir für Euch zusammengetragen haben (S. 20-23), nicht zu vergessen die Tickets, die hier für Konzert, für Festival, für Open R, für Theater und Comedy und andere Events angeboten werden. Auch wenn es uns bei Redaktionsschluss noch etwas ungelenk über die Lippen kommt: Wir wünschen allen Lesern, unseren Inserenten und all denen, die uns gewogen sind, ein wunderschönes Weihnachtsfest und ein friedvolles neues Jahr 2020. Allen Veranstaltern und Kulturschaffenden in Stadt und Land wünschen wir zudem ein stets volles Haus

Eure stadtlichter