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Lernen in Ruinen

In vielen Schulen herrscht dringender Sanierungsbedarfn“

Es sind die wichtigsten Jahre unserer Kinder. Die Jahre, die sie aufs Leben vorbereiten, auf eigentlich alles. Doch an den Schulen im Land wird immer häufiger am Limit gearbeitet, nicht nur weil Lehrer fehlen, sondern auch, weil die schulische Infrastruktur verfällt. Es herrscht ein Investitionsstau, der so groß ist wie beim Straßenbau. Aber Schlaglöcher bekommen häufig mehr Aufmerksamkeit. Fragt man Politiker jedweder Couleur nach den für sie wichtigsten Themen, wird ganz schnell von Bildung gesprochen. Sie sei unsere Zukunft, unser Schicksal und so weiter … Was ist davon zu halten? Wer sich den maroden Zustand vieler Schulen im Land ansieht, muss konstatieren: Nicht viel!

Zahlreiche Schulen bundesweit sind in einem verheerenden Zustand. Undichte Dächer, Schimmel, kaputte Toiletten und Umkleiden, die ihre beste Zeit schon längst hinter sich haben: Die Liste der Mängel beziehungsweise Schäden an Schulgebäuden ist lang. Ein Armutszeugnis! Für die Gebäude sind in der Regel die Städte und Gemeinden verantwortlich. Doch würden viele Kommunen zu wenig in den Bestand investieren, kritisieren Lehrerverbände und Elternvertreter. Die niedersächsische Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Laura Pooth, fordert im Gespräch mit dem NDR eine bessere finanzielle Ausstattung für die Schulen. Die Politik solle die „Schwarze Null“ nicht länger als ihren „Fetisch“ betrachten. Sie müsse endlich das nötige Geld für die Schulsanierungen zur Verfügung stellen. Das NDR-Fernsehmagazin „Hallo Niedersachsen“ hat bei den mehr als 400 Kommunen und Gemeinden, die Träger einer Schule in Niedersachsen sind, nachgefragt. Rund 110 Schulträger – verantwortlich für 737 Schulen – haben geantwortet: 471 Schulen, also rund 60 Prozent, sind danach sanierungsbedürftig. Ungefähr 1,4 Milliarden Euro müssten alleine diese Schulträger bereitstellen, um ihre Gebäude zu sanieren. Hochgerechnet auf alle 2.775 Schulen in Niedersachsen wären das zirka fünf Milliarden Euro für Sanierungen.

Wie ist die Situation Lüneburgs? Auch so düs-ter wie in anderen Regionen Niedersachsens? Offenbar hat die Lüneburger Politik etwas besser gearbeitet. Millionenschwere Bildungs- und Infrastrukturfonds-Pakete zeigen Wirkung.

 

Zahlen für die Stadt Lüneburg

In städtischer Trägerschaft sind 18 Schulen, an 14 dieser Schulen besteht Sanierungsbedarf in Höhe von insgesamt rund 22,5 Millionen Euro. Stadt-Pressesprecherin Suzanne Moenck: „2,5 Millionen Euro wollen wir allein im laufenden Jahr in die Sanierung von Schulen investieren – nicht gerechnet sind Bauunterhaltungen und Erweiterungen, diese kommen da noch hinzu.“

Was ist alles noch geplant?

„Wir arbeiten seit 2015 ein Paket namens Bildungsfonds kontinuierlich ab, Laufzeit bis 2020/21, Volumen mehr als 40 Millionen Euro. Ein weiteres Paket ist ebenfalls aufgelegt, es umfasst neben Bildung (Kita, Krippe, Schule) auch Radwege, Straßen, Brücken usw., Name Bildungs- und Infrastrukturfonds II. Dieses läuft erst an. Aber insofern fühlen wir uns, was den festgestellten Sanierungsbedarf angeht, gut aufgestellt.“

Wo muss am meisten investiert werden?

„Zu den größten Baustellen in diesem Jahr zählt sicherlich die Grundschule Hagen / Igelschule. Dort war kürzlich Spatenstich für den vierten Erweiterungsbau. Die Gesamtkosten des mehrjährigen Bauvorhabens belaufen sich auf 4,125 Millionen Euro. In den Planungen / Umsetzung ab 2020/21 sind das Johanneum (Erweiterung) und die Grundschule Lüne (grundlegende Sanierung und Umbau/Erweiterung für den Ganztagsbetrieb).“

150 Millionen Euro für Landkreis-Schulen

Auch der Landkreis sieht die Lage insgesamt positiv. In den Jahren 2004 bis 2019 flossen rund 150 Millionen Euro in die Schulinfrastruktur. Das hat sich ausgezahlt, sagt Landkreis-Pressesprecherin Urte Modlich. Dennoch bleibe natürlich noch eine Menge zu tun.

Wie hoch ist der geschätzte Sanierungsbedarf pro Schule/Einrichtung im Landkreis?

„Die Schulen haben deutlich unterschiedliche Größen und befinden sich in einem unterschiedlichen Sanierungszustand. Von daher kann kein Durchschnittswert angegeben werden

Wie hoch ist also der Gesamt-Sanierungsbedarf?

„Für jede kreiseigene Schule wird eine jährlich aktualisierte Sanierungslis-te geführt. Der dort gelistete Sanierungsbedarf in allen 18 kreis-eigenen Schulen beläuft sich mit Stand 1.1.2019 auf 37.653.000 Euro.“

Wie hoch sind die geplanten Sanierungs-Investitionen 2019?

„Das Jahresprogramm 2019 umfasst einschließlich Haushaltsresten aus Vorjahren ein Investitionsvolumen von rund 16 Millionen Euro.“ (RT)

Im Garten zu Hause

Heinrich Burmester und Marianne Burmester-Müller haben einen großen Bauerngarten mit verschiedenen Themengärten

Heinrich Burmester und seine Frau Marianne Burmester-Müller nennen seit mehr als 45 Jahren einen Historischen Rosen- und Bauerngarten in Niendorf bei Bienenbüttel ihr Eigen. Seit sie im Ruhestand sind, können sie sich mit ihrem Hobby noch mehr ausleben. Das Bauernhaus in Niendorf, in dem das Ehepaar lebt, ist das Elternhaus von Heinrich Burmester. Der Garten macht ungefähr die Hälfte des 4.000 Quadratmeter großen Grundstücks aus. Angelegt wurde dieser schon von Heinrich Burmesters Großvater im Jahr 1909, damals noch mit dem Schwerpunkt der Selbstversorgung. Auch Marianne Burmester-Müller, die aus Velgen kommt, wuchs mit einem Selbstversorgungsgarten auf. „Der grüne Daumen wurde mir in die Wiege gelegt”, meint sie. Das stellt sie mit dem gemeinsamen Garten unter Beweis, den die beiden liebevoll und durchdacht gestalten und pflegen. Jetzt im Sommer erblüht der Garten in bunter Farbenpracht. Heinrich Burmester, der zunächst eine landwirtschaftliche Ausbildung absolvierte, schulte schließlich um auf eine Banklehre und arbeitete lange bei der Sparkasse. Seine Frau unterrichtete an der BBS, war jahrelang Ratsfrau und Ortsvorsteherin. Schon während dieser Jahre kümmerte sich das Paar neben dem Job um seinen besonderen Garten. „Nach der Arbeit hieß es: nach Hause, Jeans an und raus”, erinnert sich Heinrich Burmester. Heute können die beiden es auch manchmal kaum glauben, wann sie die Zeit für den Garten fanden, denn zwei Söhne zogen sie auch noch groß. Marianne Burmester-Müller legt auch heute noch größten Wert auf die Selbstversorgung mit eigenem Gemüse. Sie baut, wie heute vielerorts üblich, für den Eigenbedarf Radieschen und Tomaten an, aber in ihrem Garten finden sich auch alte Sorten aus Großmutters Zeiten, zum Beispiel Rote-Beete-Arten, frostharter Kohl und die alte Stangenbohnen-Sorte Türkische Erbse.

19 Rosenfamilien

Wirklich angetan haben es der Niendorferin aber die Rosen. 19 verschiedene Rosenfamilien lassen sich im Garten der Burmesters finden, und zu den meis-ten kann die Pflanzenexpertin auch etwas erzählen. In den sechziger Jahren seien Historische Rosen abgeschafft worden, weil sie nicht als modern galten, weiß sie zum Beispiel. „In den siebziger, achtziger Jahren kam dann eine Nostalgiewelle für wurzelechte Duftrosen, und man besann sich auf die Vielfalt von Gemüse.“ Auch heutzutage sei das Interesse an Gemüsesorten bei den jungen Leuten wieder groß, so ihre Beobachtung. Sie und ihr Mann bekommen mit, was in der Gesellschaft gefragt ist, denn sie bieten seit Jahrzehnten Führungen durch ihren Historischen Rosen- und Bauerngarten an und kommen so mit vielen Garteninteressierten und Fachleuten ins Gespräch. Seit mehr als 30 Jahren gibt es im Raum Uelzen die Aktion Offene Gartenpforte, und schon lange vorher öffnete das Niendorfer Paar seine Pforten für die Öffentlichkeit. Vor allem Radgruppen finden ihren Weg zu dem herrlich gelegenen Grundstück und lassen sich in anderthalb bis zwei Stunden die Höhepunkte des Gartens zeigen. Der Garten wird auch von internationalen Gartenfreunden besucht, zum Beispiel aus Belgien, den Niederlanden, England oder Frankreich. Geöffnet ist der Garten jederzeit – wenn die Besitzer da sind, eine Anmeldung ist erwünscht. Der Garten von Heinrich Burmester und Marianne Burmester-Müller weist eine Besonderheit auf: Im Lauf der Jahre haben die beiden Hobbygärtner zahlreiche kleine „Zimmer” und Themengärten entwickelt, die man hier in Norddeutschland so nicht erwartet. So gibt es neben dem Rosen- und Bauerngarten auch einen Kräutergarten im Klos-terstil, eine englische Buchenlaube mit einem gepflasterten Labyrinth, einen Garten der Stille in Anlehnung an einen japanischen Garten, einen toskanischen Wasserlauf sowie einen New-York-Garten mit Manhattan-Skyline. Auch rund 200 verschiedene, zum Teil seltene Gehölze und Bäume pflanzten sie mit der Zeit. Themengärten dieser Art sind selten, das wissen die beiden. Seine Inspiration und Ideen holte sich das Ehepaar auf verschiedenen Gartenreisen durch Deutschland, die Niederlande und Spanien. Auch Gartenschauen und Gartenliteratur gaben immer wieder neue Anstöße. Marianne Burmester-Möller ist an einer zurückhaltenden Dekoration gelegen, und die Gestaltung mit Steinen ist ihr Steckenpferd.

In ständiger Bewegung

Was sich nach viel Arbeit anhört – und auch danach aussieht – empfinden die Burmesters nur halb so anstrengend. „Wir haben eine ausgefeilte Bewirtschaftungstechnik entwickelt. Der Garten muss ja auch Spaß machen”, erklärt Marianne Burmester-Müller. „Es geht immer darum, dass die Pflege einfach ist. Und wenn etwas nicht funktioniert, wird es abgeschafft.” Der Garten ist in ständiger Bewegung, so dass auch Gäste, die regelmäßig wieder kommen, Veränderungen wahrnehmen. Manche Anregungen von Besuchern greifen die Hobbygärtner in der Gestaltung auf. „Zum Beispiel meinten Gäste aus Süddeutschland, im New-York-Garten fehle ein Trump-el-Pfad. Auch diese Gästeidee haben wir umgesetzt”, sagt sie schmunzelnd. „Inzwischen ranken sich schon einige Geschichten um diesen Gag.” Einer ihrer Söhne lebt in New York, und so gaben Besuche in den USA den Anstoß für den New-York-Garten. Ortsschilder dafür brachte sie gleich von dort mit. Der Garten der Burmesters ist in der Umgebung bekannt, auch im Fernsehen und in Gartenratgebern und -büchern tauchte er schon auf. So verwundert es nicht, dass Marianne Burmester-Müller regelmäßig Anrufe von Gartenbesitzern erhält, die Ratschläge suchen – ob zu Sorten, dem Schneiden oder Bezugsquellen von Pflanzen. Mit Schädlingen haben die Burmesters selten zu kämpfen. „Wir arbeiten sehr gezielt mit Pflanzenschutz”, so Marianne Burmester-Müller. Bauerngärten seien traditionell zum Schutz mit kleinen Buchshecken umsäumt, deren Geruch beispielsweise die Raupen vom Kohl fernhalte. Sei der Buchs von Spitzenpilz befallen, könne man diesen zurückschneiden. Auch Unkraut habe sie durch geschickte Bepflanzung und Mulchen kaum. Es gibt unzählige Insekten, Schmetterlinge und sogar das Taubenschwänzchen. Durch das Mulchen entsteht ein Kleinklima mit vielen wichtigen Kleinstlebewesen. Für die Planung der Themengärten liest sich das Ehepaar viel Wissen an – zum Beispiel über japanische Gärten. „Das ist ein sehr schwieriges Planungsthema, da muss man sich sehr schlau machen”, so Marianne Burmester-Müller. Die Trittsteine müssen richtig liegen, denn man schreitet und meditiert am Teich, dabei beobachtet man den Wasserspiegel. Der Teich hat die Form des japanischen Schriftzeichens für Wasser, dieses haben Gäste aus Naruto und Tokio schon bestätigt. Zum Kaiserwechsel in Japan pflanzte sie extra Chrysanthemen, die Wappenblume des Kaisers.

Schlechtes Wetter gibt es nicht

Marianne Burmester-Müller würde gerne noch einen maurischen Garten anlegen, doch es ist zunächst ein mediterraner Garten geworden. „Mich interessiert immer die Kulturgeschichte dazu, und die muslimische Richtung eines maurischen Gartens ist in der Umsetzung ebenso schwierig”, sagt sie. Die schweren Arbeiten bei der Gartengestaltung übernimmt in der Regel ihr Mann, doch für einige Arbeiten haben sie inzwischen einen Helfer eingestellt. „Unfallträchtige Sachen muss man irgendwann abgeben”, meint sie. Die Burmesters verbringen viel Zeit in ihrem Garten, doch die Arbeit hält sich in Grenzen. Die Gartenbesitzerin betont: „Ich muss auf keinen Fall von vorne anfangen, wenn ich gerade hinten fertig geworden bin. Ich will nicht nur mit Pflege beschäftigt sein, ich gestalte lieber.” Das Ehepaar legt Wert darauf, den Spaß am eigenen Garten zu behalten. „Es hat ja auch einen Gesundheitswert. Und schlechtes Wetter gibt es nicht”, so die Niendorferin. Die Hobbygärtnerin setzt auf Pflanzen, die bei uns gut wachsen. Viele Pflanzen würden sich auch aussamen, so dass man manchmal von einem „gepflegten Durcheinander” sprechen könne. Natürlich kann auch ihnen mal eine Pflanze eingehen, und ein heißer Sommer wie in 2018 oder ein frostiger Winter kann zu starken Schäden führen. Doch beregnet werde nicht, wenn die Pflanzen noch gut aussehen. Dafür hat die Expertin eine Erklärung: „Man muss die Pflanzen zum Tiefwurzeln erziehen, und das machen sie erst, wenn sie nicht so viel gegossen werden.” Während sie die größten Vorlieben für ihre Rosen, Alpenveilchen, Christrosen oder Zaubernuss hat, hängt das Herz ihres Mannes eher an den Bäumen, wie der besonderen Mahagonikirsche oder dem rotlaubigen Buchenbogen. Bei der Führung gibt es individuelle Hinweise auf besondere Gewächse wie die alten Rittersporn-Sorten, die beständiger sind als die neuen, die alte Moosrose Cristata Chapeau de Napoleon oder die im Herbst blühenden Sieben Söhne des Himmels. Irgend etwas gibt es immer zu entdecken, auch das Ehepaar Burmester erspäht bei jedem Rundgang etwas Neues. Gerne setzen sich die beiden selbst auf eine Sitzbank in einem ihrer Gartenabschnitte und genießen den Anblick und die friedliche Stille. Doch zur Ruhe setzen sie sich deshalb noch lange nicht. (JVE)

TERMIN: Offene Gartenpforte bei Heinrich Burmester und Marianne Burmester-Müller, Im Dorfe 12, Niendorf bei Bienenbüttel, Samstag und Sonntag, 7. und 8. September, jeweils 10 bis 18 Uhr, Führungen auch ganzjährig nach Vereinbarung, Kosten 3 € pro Person, Tel.
(0 58 23) 3 42, E-Mail burmester.niendorf@gmail.com, www.rosengarten-niendorf.de

Blühende Landschaften

editorial

Blühende Landschaften. Einst versprach der „Kanzler der Einheit“ sie zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung, und inzwischen kann man auch wirklich viel von ihnen sehen und erleben. Die Wirtschaft boomt (zurzeit jedenfalls) 30 Jahre danach in vielen Regionen der Republik. Die meis-ten Menschen sind in Arbeit, und die Feldränder blühen in herrlichen Farben wie nie zuvor. Ein paar braune Streifen sind in diesem Bild leider auch zu sehen, und sie verlangen durchaus nach Beachtung. Die Schauplätze weltpolitischer Kapriolen, im Wesentlichen von Trumps Unberechenbarkeit verursacht, dürfen uns nicht davon ablenken, dass unsere Demokratie hausintern gefährdet ist, heimtückischer, mutmaßlich politisch motivierter Mord inbegriffen. Im Moment ist vieles in unserer Gesellschaft im Umbruch, auch die (ganz) junge Generation wird aktiv und meldet sich mahnend zu Wort, reklamiert ihr Recht auf ihre körperliche Unversehrtheit in der Zukunft und legt den Finger genau in die Wunde unserer Bequemlichkeit. Sie wollen eigentlich nur eins von uns „Älteren“, welcher Generation auch immer: Wachrütteln und ernst genommen werden. Zurück auf die lokale Bühne geblickt heißt das aber trotz aller Unwägbarkeiten, jede Gelegenheit zu nutzen, mit anderen Menschen Gemeinsames anzugehen, Kultur zu gestalten, Kultur zu leben und zu erleben, die nachfolgenden Seiten sind voll von diesen Gelegenheiten, die sich im Juli und August in unserer Region in Stadt und Land bieten. Bedeutsame Festivals in Luhmühlen, Oldtimer ausgestellt und auch on Tour, Gastspiele des Circus Krone in Lüneburg und Uelzen, Stadtfeste in Uelzen und Bevensen, Theater – und sogar eine Oper unter freiem Himmel kann man mitten in Lüneburgs City erleben. Unsere Termine-Seiten sind also trotz Sommers gespickt mit tollen Angeboten – das klassische Sommerloch gibt’s ja schon längst nicht mehr, und wegfahren lohnt sich daher eigentlich nicht mehr… Highlight: Auf einigen Seiten stellen wir Euch besonders lauschige Plätze in der heimischen Gastronomie vor.

Wir wünschen Euch allen also eine wunderschöne, unbeschwerte Sommerzeit, bleibt uns gewogen, bis Ihr das nächste Heft am 1. September in Händen halten könnt!

Eure stadtlichter

„Ganz verleibt in Baby Emiliy!“

Babyboom im Norden, doch es fehlt an Klinikpersonal

Mehr Wonneproppen für den Norden: Der Babyboom hält an, doch viele Schwangere und junge Mütter finden keine Hebammen und in den zu wenigen und zu kleinen Kreißsälen ist teilweise Schlange stehen angesagt …

„Sie ist sooo süß!“, Julie A. ist ganz verzaubert von ihrer Tochter. Erst ein paar Stunden ist diese auf der Welt. Rund 3.400 Gramm schwer und 49 Zentimeter groß und mit einem niedlichen kleinen Stupsnäschen. Natürlich findet Julie A. – wie könnte es anders sein – dass ihre Tochter die schönste und lieb-ste auf der Welt ist, der Vater René sieht das genauso: „Ich bin ganz verliebt in meine Kleine!“ Die Geburt im Klinikum Lüneburg verlief problemlos: „Ich habe eine tolle Hebamme gefunden“, erzählt die junge Mutter. „Und die hat mir schon sehr geholfen, ich weiß aber, dass nicht alle so ein Glück haben.“ Tatsächlich wird es für schwangere Frauen in Niedersachsen immer schwieriger, eine Hebamme und eine nahegelegene Geburtshilfe-Station zu finden. Das geht aus einem aktuellen Bericht des Landesgesundheitsamtes hervor, den Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) in Hannover präsentiert hat. Die Zahl der Kliniken, in denen Kinder auf die Welt gebracht werden können, ging seit 2003 von 107 auf 71 zurück. Die Zahl der überwiegend im Krankenhaus arbeitenden Hebammen ist laut dem Bericht mit etwas mehr 900 konstant geblieben. Allerdings mussten sie deutlich mehr Geburten betreuen. Außerdem gibt es in Niedersachsen noch knapp 1.200 freiberufliche Hebammen. Von ihnen betreuen aber nur noch rund 100 außerklinische Geburten. 2009 boten dies noch 184 Hebammen an.

Geburt auf dem Klinikparkplatz

Die Situation in und um Lüneburg ist zwar etwas entspannter als beispielsweise in den schwer gebeutelten Landkreisen Wittmund, Diepholz, Vechta und Peine, wo sich rechnerisch weniger als sechs Krankenhaus-Hebammen um tausend Geburten kümmern, doch Personalengpass bei Hebammen (und Ärzten) und überfüllte Kreißsäle gibt es auch hier. Noch ist zwar in Lüneburg kein Kind auf dem Klinikparkplatz zur Welt gekommen wie die Tochter von Julia K. Ihren Fall schilderten der Deutsche Hebammenverband und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): Die 35-Jährige war in einem Krankenhaus von einer Ärztin weggeschickt worden, weil alle Kreißsäle belegt waren. Das Kind werde schon nicht in den nächsten 20 Minuten kommen, hatte die Ärztin beschwichtigend gesagt – dabei war die Fruchtblase bereits geplatzt und der Muttermund einige Zentimeter geöffnet. Aber zweifellos schlägt auch am Klinikum Lüneburg der anhaltende Babyboom inzwischen voll durch. Denn das Einzugsgebiet ist riesig, umfasst neben dem Landkreis auch große Teile der Kreise Harburg, Lüchow-Dannenberg, Herzogtum Lauenburg, Ludwigslust, Salzwedel und Uelzen. Um auch in Zukunft eine bestmögliche Versorgung für Mutter und Kind sicherstellen können, muss weiter expandiert und modernisiert werden.

Das bestätigt auch Prof. Dr. Josef Sonntag, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Lüneburg: „In den letzten Jahren hat die Zahl der Geburten faktisch zugenommen. Das führt zu Kapazitätsengpässen.“ Die ganz kleinen Patienten wie Baby Emily sind die ersten, die das zu spüren bekommen. Als wir sie und ihre Mutter frühmorgens wiedertreffen, sind sie gerade erneut in der Klinik – Grund ist eine erhöhte Konzentration von Bilirubin, was auf eine Neugeborenen-Gelbsucht hinweist. Eigentlich relativ harmlos, wenn man die Werte genau im Blick behält. Doch das erwies sich bei Emily offenbar als schwierig. Julie A.: „Die Schwestern waren überfordert, für mich und Emily gab es kein richtiges Zimmer und es fand sich kein Arzt, der bei meinem Kind einen Zugang legen konnte. Die Kleine ist richtig zerstochen, hat sehr gelitten. Immer wieder wurde neu Blut abgenommen.“ Auf Nachfrage bestätigt das Klinikum, dass auf der Station in der Nacht der Aufnahme von Emily und ihrer Mutter alle Zimmer belegt waren, man war an der „Grenze des Machbaren“ und „da laufe eben nicht immer alles so, wie es eigentlich soll.“ Eine Situation, die in Zukunft sogar häufiger eintreten könnte, so eine Klinikmitarbeiterin: „Wir brauchen einfach mehr Zimmer auf der Station und spätestens dann natürlich auch mehr Mitarbeiter. Das würde den Stress vermindern. Wir tun schon alles, aber manchmal ist es eben zu viel.“

Nachtrag: Glücklicherweise hat Emily ihre Gelbsucht inzwischen gut überstanden, es hat sich alles auf natürlichem Weg reguliert. Auch von den vielen Einstichen ist nichts mehr zu sehen. Das kleine Schätzchen ist längst wieder zu Hause und liebt es, auf dem Arm der Mutter zu schlafen und dabei am Daumen zu nuckeln. (RT)

Den Wurzeln treu

Donata Burmester will in Deutschland afrikanische Mode online verkaufen

Die gebürtige Kenianerin Donata Burmester lebt seit mehr als 25 Jahren in Deutschland. Ihrem Heimatland und -kontinent fühlt sie sich aber nach wie vor verbunden. Mit einem Online-Shop will sie jetzt afrikanische Mode und Accessoires nach Deutschland bringen.

Geboren ist Donata Burmester in einem kleinen Dorf in Kenia, aufgewachsen in der zweitgrößten Stadt Kenias, Mombasa. Ihre Mutter war 16, als sie sie zur Welt brachte, und so wurde Donata im Kreis der Familie großgezogen. „Wir waren es gewohnt, bei den Tanten oder Oma zu sein”, erinnert sich die 39-Jährige. Eine von Donatas Tanten, die mit einem Deutschen verheiratet war und in Neetze lebte, holte sie schließlich zu sich nach Deutschland, als Donata zwölf war. Auf ihren Umzug vorbereitet wurde das junge Mädchen damals nicht. „Ich war in Kenia im Internat. Eines Tages hat mich meine Mutter von der Schule abgeholt und mir gesagt, dass es morgen nach Deutschland geht”, erzählt sie, „dann sind wir losgegangen und haben Klamotten für Deutschland gekauft. Am nächsten Tag bin ich mit meiner Mutter rübergeflogen.” In Deutschland lebte sich Donata Burmester schnell ein. Ihre Tante und deren Mann, die das Mädchen adoptiert hatten, waren für sie wie Eltern. Zum Deutschlernen wurde sie ein paar Jahrgänge niedriger in der Grundschule in Neetze eingeschult. Für Heimweh hatte Donata keine Zeit: „Ich habe mich nicht damit beschäftigt, ob ich zurück will. Ich war damit beschäftigt, was um mich herum passiert.” Das Leben in Deutschland war für die Kenianerin eine Umstellung. „Es war für mich ganz neu, dass man spätabends noch raus kann”, erinnert sie sich. „Außerdem hatte ich nicht mehr so viele Aufgaben im Haushalt. Zu Hause war ich die große Schwester und habe Wäsche gewaschen, gekocht und auf die Geschwister aufgepasst. Auch im Internat habe ich noch auf sie aufgepasst, aber das musste ich jetzt nicht mehr.” Donatas jüngere Schwester kam ein paar Jahre später auch zur Tante nach Neetze, während ihr Bruder in Kenia blieb. Ihre leibliche Mutter bemühte sich zu dieser Zeit, sie mindestens alle zwei Jahre in Deutschland zu besuchen.

Von klein auf Liebe zur Mode

In ihrer Pubertät geriet Donata Burmester oft mit ihrer Tante aneinander – so schlimm, dass diese sie nach Kenia zurückbringen wollte. „Sie wollte nicht, dass ich in die Disco gehe oder dass ich abends rausgehe, ich sollte keine kurzen Röcke tragen…”, berichtet die 39-Jährige. Es gab viele Diskussionen innerhalb der Familie, auch in Kenia, doch Donata blieb in Deutschland. Mit 16 Jahren zog sie schließlich in ein Jugendwohnheim in Lüneburg und wechselte von der Schule in Bleckede nach Oedeme, wo sie ihren Realschulabschluss machte. Donata Burmester hegte von klein auf eine Leidenschaft für Mode und wollte Modedesignerin werden. „Das Wohnheim hat mich aber wohl so geprägt, dass ich dann Sozialpädagogin werden wollte”, erzählt sie schmunzelnd. Kurz nach dem Beginn ihrer Ausbildung wurde sie schwanger und unterbrach diese, um sich um ihren Sohn zu kümmern. Den Kleinen zog Donata alleine in Lüneburg groß, heute ist er fast 18 und lebt bei seinem Vater in den USA. Nach einem Jahr Erziehungszeit nahm Donata ihre Ausbildung wieder auf, anfangs an der Fachschule für Sozialpädagogik in Lüneburg, später in Hamburg. „Mein Ziehvater und meine Schwester waren zu der Zeit eine große Hilfe”, erklärt sie.

Afrobeat-Konzerte & Laufstegpartys

Nach ihrer Ausbildung arbeitete Donata zunächst in einem Jugendzentrum, später in dem Lüneburger Jugendwohnheim, in dem sie als Jugendliche gelebt hatte. Seit sieben Jahren hat sie nun eine Teilzeitstelle im Kindergarten in Melbeck. Ihren Hang zur Mode hat sie aber noch nicht abgelegt: „Ich hatte nach der Ausbildung überlegt, noch Modedesign zu studieren, aber das hätte mir zu lange gedauert.” Stattdessen rutschte sie durch ihren ghanaischen Freund, der einen Club in Hamburg hatte, in den Eventbereich, übernahm die Aufgaben einer Assis-tentin für ihn. Neben der Arbeit belegte sie einen fünfmonatigen Eventkurs. Donata Burmester reist regelmäßig in ihr Heimatland. Ein- bis zweimal pro Jahr besucht sie ihre Verwandtschaft in Kenia, knüpft aber auch Kontakte. Ihre Identität als Afrikanerin oder „Afrodeutsche”, wie sie sich nennt, ist ein wichtiger Teil von ihr, und so hat sie sich auch im Eventbereich auf Afrika spezialisiert. In unregelmäßigen Abständen organisiert sie Afrobeat-Konzerte und -Partys in Hamburg und Umgebung, aber auch Laufstegpartys und Modenschauen afrikanischer Designer. Auch den Wettbewerb „Miss Kenya Germany”, der bereits in unterschiedlichen deutschen Städten ausgetragen wurde, etablierte die 39-Jährige in Deutschland. Für diese Arbeit ist Donata sehr aktiv in den sozialen Netzwerken, recherchiert nach afrikanischen Künstlern, sucht sie aus und schreibt sie an. Bei den Konzerten, die sie gemeinsam mit ihrem Freund organisiert, wird möglichst ein Künstler aus der Region als Voract eingebunden, entweder deutsche Afrobeat-Künstler oder Afrikaner, die in Deutschland leben. Die Vorbereitungen sind aufwendig, heraus kommen ein bis zwei große Events im Jahr. Das Interesse für den Afrobeat kam bei Donata erst mit 17 Jahren auf. „Vorher hatte ich alles durchgemacht, ob Hip Hop, Goa oder Punk. Dann habe ich mich auf meine Wurzeln besonnen”, erklärt sie.

Mode ausgesuchter Designer

Die Abschlussarbeit für ihren Eventkurs war die Vorbereitung eines Africa Fashion Days. Als sie diesen später in die Tat umsetzen wollte, erfuhr sie jedoch, dass es dieses Event bereits in Berlin gibt. Ihre Leidenschaft für die Mode, vornehmlich afrikanische, trieb die Kenianerin schließlich dazu an, ein Unternehmen zu gründen. Ihre neue Geschäftsidee heißt „Afroschick” und ist ein Online-Shop für afrikanische Mode und Accessoires. „Es gibt Online-Shops für afrikanische Mode in den USA, England und den Niederlanden, aber nicht in Deutschland”, so Donata, die sich von ihrer Idee viel verspricht. In ihren Augen macht Afroschick aus vielerlei Hinsicht Sinn: Wer afrikanische Mode im Ausland oder gar in Afrika selbst bestellt, wartet bis zu sechs Wochen auf seine Ware. Der Kundenservice ist nicht deutschsprachig, was zu Schwierigkeiten bei Reklamationen oder im allgemeinen Kundenkontakt führen kann. Auch die Bezahlung der Ware ins Ausland ist komplizierter, und ob sie überhaupt in Deutschland ankommt, ist ungewiss. Mit Afroschick will Donata Burmester die original afrikanischen Waren von ausgesuchten Designern in die Kleiderschränke der Deutschen bringen. Noch hat Donata keine Ware auf Lager, denn das Unternehmen steht noch am Anfang und soll Ende des Jahres umgesetzt werden. Bei einem Startup-Weekend in Lüneburg lernte die Gründerin Sven Kohagen kennen, der sie zukünftig bei Afroschick als Partner begleiten wird. Mit ihrer Idee nahmen sie auch am Heidecrowd-Contest der IHK teil, denn Crowdfunding wäre eine gute Möglichkeit der Erstfinanzierung. In ihrer Freizeit trägt Donata Burmester selbst gerne afrikanische Mode. „Viele denken, dass afrikanische Mode immer nur bunt ist, es gibt aber auch andere Designer”, erklärt sie. Sie möchte in ihrem Online-Shop Alltagskleidung und Streetwear, aber auch Bademode bis hin zu High-End-Fashion anbieten. „Wir wollen alle ansprechen, nicht nur Afrikaner”, betont sie. Sie kann sich gut vorstellen, dass bei den deutschen Kunden vor allem afrikanischer Schmuck und Schals gut ankommen könnten. „Es geht mir um Produkte, die in Afrika hergestellt werden. Die meisten Designer versuchen, alles in Afrika zu produzieren – nur mit solchen wollen wir arbeiten.” Donata Burmester und Sven Kohagen stehen kurz vor der Unternehmensgründung, momentan finanzieren sie alles mit privatem Geld. Donata möchte in Deutschland bekannte Marken aus Afrika vertreiben. Ihre Herkunft könne ihr dabei zu mehr Authentizität verhelfen, glaubt sie. Zwar werde auf afrikanischen Festen und Märkten in Deutschland auch Mode verkauft, doch nur No-Name-Produkte.

Kontakte knüpfen in Afrika

Ihr Arbeitgeber kennt Donatas Leidenschaft zur Mode. Sollte Afroschick eines Tages richtig gut laufen, würde sie ihren Job im Kindergarten aufgeben. Doch bis dahin gibt es noch viel zu tun. „Ich bin ziemlich geduldig und hartnäckig”, sagt die Gründerin. „Im ersten Jahr machst Du nur Werbung und verdienst noch kein Geld, vielleicht auch in den ersten zwei Jahren. Am Anfang müssten wir auch jedes Paket noch selbst zur Post bringen.” Donata hat Kontakt zu vielen Designern in Afrika und trifft sich auch bei ihren Familienbesuchen vor Ort mit ihnen. Einige haben bereits Interesse an ihrer Geschäftsidee gezeigt. Sie hofft, dass die Designer ihr als Vorschuss Kleidung für ihr Lager zur Verfügung stellen – das wäre zunächst ihr eigener Keller. „Wir wollen natürlich große Mengen erreichen, erst dann kann man Geld verdienen.” Auch über einen Laden mit afrikanischer Mode hat Donata schon nachgedacht, doch sie scheut die Kosten und wünscht sich eine größere Reichweite. „Ein Pop-Up-Store wäre aber möglich, indem man ab und zu etwas mietet.” Donata Burmester ist optimistisch, was den Aufbau ihres Online-Shops angeht. „Wenn es ein paar Jahre nicht läuft, dann mache ich das underground und verkaufe die Klamotten aus dem Keller”, meint sie schmunzelnd. Alt werden will die Kenianerin in Deutschland aber nicht. Ihre Familie und das warme Wetter ziehen sie immer wieder in ihre Heimat zurück, zumal ihre Tante, die für sie wie eine Mutter war, bereits 2006 verstorben ist. Ihre leibliche Mutter ist nach all den Jahren erstaunt, wie afrikanisch ihre Tochter geblieben ist. „Aber sie finden mich teilweise schon typisch deutsch.” (JVE)

Feiertage ohne Ende

editorialNein, keine Sorge, wir haben keinen Fake-News-Kalender, der uns weis machen will, wir hätten schon wieder den Monat Mai mit seinen vielen Feier- und Gedenktagen. Am Tag der Arbeit frei zu haben, klingt im Nachhinein ja wirklich nach Fake News vom Feinsten. Aber jetzt ist wirklich Juni, und dennoch stehen uns Feiertage, also Feier-Tage, ohne Ende ins Haus, die meisten sogar unter freiem Himmel: Open Air. Oder wie Uelzens Festivalmacher Ulrich Gustävel es kreiert hat: „Open R“. Also drei Tage Musik und Feiern in Uelzen, fünf Tage Stadtfest in Winsen, drei Tage Stadtfest in der Lüneburger Innenstadt (siehe hierzu auch den beiliegenden stadtlichter- Stadtfestguide für Hand- und Hosentasche), zwei Tage Kinderfest am Sande und im Clamartpark, ein Stove-Open-Air am Elbmarschdeich, eine kulturelle Landpartie im Wendland, ein Ortsfest in Adendorf. Das ist aber nur der Anfang, denn viele kleine und feine Termine, natürlich nicht nur an der „frischen Luft“, stecken in den vielen Veranstaltungs-, Kultur- und Terminkalenderseiten für den Juni. Besondere Highlights für die Saison bieten diesmal auch unsere Seiten zum Thema Freizeitspaß.  Apropos Termine: Wie viele Nutzer unserer stadtlichter-App beklagt haben, war plötzlich diese App mit all seinen Terminen und dem praktischen Google-Routenplaner hin zu den Locations nicht mehr zu nutzen… sorry, aber wir arbeiten noch daran, bald wird es eine neue Lösung geben… Und zum Thema Lösung: Laut Statistik der Lüneburg Marketing lösten etwa 86.407 Lüneburg-Besucher ein Ticket für eine Stadt- beziehungsweise Rathausführung, die Roten Rosen locken also doch nicht nur vor die Mattscheibe…. Noch eins zum Thema Lösung: Etwa 14.300 Ansichtskarten wurden 2018 in der Tourist-Info verkauft, und wenn die dann alle beschrieben und versendet würden – was wir doch sehr hoffen – wäre das ein Teil der Lösung des Problems vieler mit der Rechtschreibung. Da jeder diese Postkarten-Zeilen lesen kann, beschleicht uns die vage Hoffnung, dass sich der eine oder andere bemüht, die richtigen Worte zu finden. Eine Renaissance oder zweite Wiederauflage der Fibel gilt es abzuwenden. Abgewendet scheint aktuell auch ein umfassender Baustopp für die Arena Lüneburger Land. Man will an der Planung festhalten, aber (mal wieder) für viel Durchblick und Transparenz sorgen. Kommt Euch auch bekannt vor? Jedenfalls scheint sich die Politik im Wesentlichen darüber einig zu sein, dass man dieses Projekt nicht vergeigen darf. Ebenso wenig wie im Jahre 30 nach der Wiedervereinigung, endlich die Brücke über die Elbe zu bauen. 

In diesem Sinne wünschen wir Euch allen feierlich einen ereignisreichen Juni und bleibt uns gewogen.  

Eure stadtlichter

„Das war nicht ich…“

Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom: wie aus Müttern Monster werden

Nach außen hin sind sie die liebevollsten Mütter, doch hinter verschlossenen Türen misshandeln sie ihr Kind. Es sind Frauen, die am sogenannten Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom leiden. Hinter der Krankheit mit dem sperrigen Namen (auch Münchhausen-by-proxy-Syndrom genannt, kurz MBPS), angelehnt an den bekannten Lügenbaron, verbirgt sich eine Sonderform des Münchhausen-Syndroms. Während bei letzterem die Betroffenen sich selbst Schaden zufügen, um ärztlich behandelt werden zu müssen, machen die Betroffenen des Münchhausen-Stellvertreter-Syndroms andere Menschen absichtlich krank, damit diese eine ärztliche Behandlung brauchen. In den meisten Fällen werden dabei die eigenen Kinder die Opfer – also zum Stellvertreter – für die körperliche Misshandlung. Und in über 90 Prozent sind Mütter die von der Krankheit Betroffenen. Was treibt die psychisch kranken Täterinnen an? Und warum werden sie erst so spät entlarvt? Ob Kinderärzte, Polizisten, Staatsanwälte, erst recht die Öffentlichkeit: Die erste Reaktion auf solche Fälle ist fast immer Entsetzen, Unverständnis. Manchmal Ekel oder Verachtung. Der versagende Mutterinstinkt, die unfassbare Perfidie in der Durchführung verstören. Auch weil MBPS so selten, so wenig erforscht und komplex ist. Und das Mutterbild, das jeder von uns in sich trägt, so völlig auf den Kopf stellt. Es sind Fälle wie diese, die fassungslos machen: In Hamburg brachte eine Mutter ihren dreijährigen Sohn mit verdreckten Spritzen (Fäkalien, Speichel, stinkendem Blumenwasser) an den Rand des Todes. Der Junge war immer wieder in lebensbedrohlichem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert worden, 41,3 Grad Fieber! Eitrige Abs-zesse! Intubiert! Als die Ärzte auf der Intensivstation nicht mehr weiter wussten, versuchten sie es sogar mit einer Chemo-Therapie. Und die Verursacherin saß immer mit am Bett, voller Sorge um ihr Kind… In einem anderen Fall in der Nähe von Berlin nahm eine Mutter, sie arbeitete als Krankenschwester, ihrem Sohn jede Woche einen halben Liter Blut ab. Die Ärzte konnten sich den regelmäßigen Blutverlust nicht erklären, das Kind kam stationär in die Klinik, dort wurde die Mutter auf frischer Tat ertappt. Im Großraum Hannover brach eine Mutter ihrem Kind absichtlich die Arme, eine andere gab ihren Zwillingstöchtern Unmengen an Salz zu essen. Auch Lüneburger Richter mussten sich vor einigen Jahren schon mit MBPS beschäftigen, nachdem eine Frau ihre behinderte Tochter monatelang mit Medikamentencocktails und Abführmitteln gequält hatte.

Suche nach Aufmerksamkeit und Zuneigung

Was treibt diese Frauen zu ihren Taten? Was lässt sie so unglaublich grausam und scheinbar mitleidlos werden? Sie tun das mutmaßlich, um Aufmerksamkeit, Lob und Zuneigung durch Ärzte, Krankenhauspersonal und ihr persönliches Umfeld zu bekommen, sagen Psychologen. Sie tun es aber auch, so erklärt es der Therapeut einer Betroffenen, um einen „unerträglichen inneren Zustand zu regulieren“. Es gibt verschiedene psychoanalytische Theorien zur Natur dieses nur wenig erforschten Syndroms. Eine besagt, dass die Mutter sich mit der Quälerei auch einen Traum erfüllt: den des missbrauchten, vernachlässigten Mädchens, das auf eine Mutter hofft, die ihm zur Seite steht, es schützt, heilt und rettet. Es geht dabei um Projektion: Die Mutter schiebt ihr eigenes seelisches Kranksein (Borderline, Depressionen etc.) quasi in das Kind hinein und behandelt es von außen.

Die Krankheit besitzt drei Phasen:

Phase 1

In Phase 1 berichten die Mütter dem Arzt von Symptomen, die das Kind gar nicht hatte, z.B. epileptische Anfälle, Atemstillstand oder Herz-Probleme.

Phase 2

In Phase 2 fälschen die Mütter tatsächlich Daten und Messwerte, um eine Krankheit des Kindes vorzutäuschen.

Phase 3

In Phase 3 fügen sie dem Kind körperlichen Schaden zu, sei es durch Verletzungen oder die Gabe von Medikamenten, die eine Vergiftung oder Krankheitssymptome auslösen. Auch ein Erstickungsversuch mit einem Kissen ist möglich. Die Therapie des Münchhausen-by-proxy-Syndroms ist keine leichte Angelegenheit. Denn die Betroffenen sind sich selbst meist keiner Schuld bewusst. Vor Gericht gestellt, äußern sich viele Frauen oft ähnlich, beteuern ihre Kinder zu lieben und das auch durchaus glaubhaft. Konkret zu ihren schlimmen Taten befragt, fällt von den Täterinnen fast immer derselbe Satz: „Das war nicht ich…“ (RT) 

Darum wird MBPS so selten entdeckt

  • Die Mütter, oft schwer kranke, potenziell hochgefährliche Frauen, sind meist sehr gute Schauspielerinnen. Sie verschleiern ihr Tun geschickt (auch vor ihren Partnern bzw. den Kindesvätern), präsentieren sich kompetent, hilfsbereit, verständnisvoll
  • Die Mütter kommen oft selbst aus Pflegeberufen oder haben medizinische Vorbildung
  • Die von ihnen erzeugten Symptome bei den Opfern sind unspezifisch und sehr schwer zu diagnostizieren
  • Auch Ärzte und Krankenhauspersonal können sich schwer vorstellen, dass eine Mutter ihr Kind bewusst schädigt. Bei Verdacht zögern sie mitunter (zu) lange, bevor sie ihre Schweigepflicht brechen und die Behörden informieren. Dazu sind sie im Notfall laut § 34 des Strafgesetzbuches und dem „Gesetz zur Kooperation und Information im Kinderschutz“ berechtigt.
  • Eine Videoüberwachung im Krankenzimmer oder einer Privatwohnung ist in Deutschland rechtlich sehr schwer durchzusetzen

Es ist auch darum sehr kompliziert, der Mutter die Tat nachzuweisen.