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MEHR ANGST VOR GRIPPE ALS VOR DEM CORONAVIRUS

Ärzte warnen vor Panikmache

 Menschen hamstern Desinfektionsmittel. Infizierte werden in Quarantäne gesteckt. Die Welt in Angst vor dem neuen Coronavirus. Doch wie groß ist die Gefahr eigentlich wirklich? Die Zahl der Coronafälle in China steigt sprunghaft an. Ärzte hierzulande nehmen die Sache ernst – sehen aber für Deutschland nur sehr überschaubare Gefahren. Auch Dr. med. Sebastian Graefe vom Impfcentrum Lüneburg, Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie, warnt vor Hysterie: „Die Angst der Leute ist natürlich da, man bekommt schon mehr Anfragen, auch gerade von Reisenden, die wissen wollen, was sie tun sollen und wie sie sich schützen können. Wer nicht reist, sollte wissen: Die Wahrscheinlichkeit, sich hierzulande mit Corona zu infizieren, ist anders als bei der Grippe, die alljährlich mehrere Hunderttausend Menschen trifft, sehr gering. Die Lüneburger müssen also keine Sorge haben.“

Geringe Sterblichkeit

 Auch andere Ärzte bestätigen diese Einschätzung. So Chefarzt Clemens Wendtner von der Klinik für Infektiologie in München-Schwabing, wo die Mehrzahl der bisher mit dem Coronavirus infizierten Deutschen behandelt wird: Die Sterblichkeit werde zwar in China mit zwei bis drei Prozent angegeben, so Wendtner. „Das halten wir nach derzeitigem Erkenntnisstand jedoch für deutlich überschätzt. Wir gehen davon aus, dass die Sterblichkeit deutlich unter einem Prozent liegt, zirka bei 0,2 Prozent. Die Todesfälle liegen damit im Bereich einer typischen Grippepandemie. Mit einer sehr gefährlichen Erkrankung hat das nicht viel zu tun. Ich habe jedenfalls vor einer Grippe deutlich mehr Sorge.“ Tatsächlich sind die Fakten eindeutig: Die Grippewelle 2017/2018 zum Beispiel hat nach Schätzungen rund 25.100 Menschen in Deutschland das Leben gekostet, berichtete vor einigen Monaten das „Ärzteblatt“. Angesichts dieser Zahl sei es erstaunlich, dass sich nicht mehr Menschen gegen Grippe impfen lassen, so Sebastian Graefe. Es wird vermutet, dass das neuartige Coronavirus von einem Fischmarkt in Wuhan kommt, auf dem auch Wildtiere verkauft wurden. Demnach gab es zunächst Übertragungen vom Tier zum Menschen, bevor das Virus sich an seinen neuen Wirt anpasste und es zu Übertragungen zwischen Menschen kam.

Übertragung von Rachen zu Rachen 

Das neue Coronavirus hat seit kurzem auch einen eigenen Namen: SARS-CoV-2. Das weist auf die sehr enge Verwandtschaft zum SARS-Virus SARS-CoV hin, an dem vor 17 Jahren Hunderte Menschen starben. Die Viren sind Experten zufolge Varianten ein und derselben Virusart, übertragen sich wohl von Rachen zu Rachen, wie auch Influenza-Viren.

In Deutschland könne man die Krankheit wirksam bekämpfen, gibt sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bewusst optimistisch. „Wir haben ein sehr gutes Gesundheitssystem, um die Dinge früh einzudämmen.“ Unklar sei aber, ob sich das Virus wie die Influenza weltweit halten könne oder wieder ganz verschwinde. „Die Frage ist: Wird es das Coronavirus schaffen, sich ähnlich wie die Influenza zu etablieren, sodass wir jedes Jahr eine Coronawelle bekommen? Ziel der weltweiten Maßnahmen – auch in Deutschland – ist es, das Virus im Idealfall ganz auszuschalten.“ Komplexer ist es in anderen Regionen der Welt. Zum Beispiel in afrikanischen Staaten, die teilweise enge Kontakte mit China haben. Kommt es da zu einem Ausbruch, könnte das tatsächlich verheerende Folgen haben, meint auch Microsoft-Gründer Bill Gates. Der Multimilliardär und Medizin-Mäzen warnte bei der Konferenz des weltgrößten Wissenschaftsverbands AAAS (American Association for the Advancement of Science) eindringlich: Das neuartige Coronavirus könnte die Welt in eine „sehr schlimme Lage“ bringen. „Es gibt viel, was wir nicht über diese Epidemie wissen, aber es gibt auch viel, was wir wissen, das zeigt, dass sie sehr dramatisch werden könnte – besonders, wenn sie sich in Gegenden wie dem südlichen Afrika oder dem südlichen Asien ausbreitet“, sagte Gates weiter. „Diese Krankheit wird, wenn sie nach Afrika kommt, dramatischer sein als in China – und ich will das, was in China passiert, nicht verharmlosen.“ Bill Gates spendete zur Bekämpfung des Virus und Entwicklung eines Impfstoffs bereits 100 Millionen Dollar. Mit einem Impfstoff wird aber nicht vor Mai oder Juni gerechnet, heißt es dazu aus dem Impfcentrum Lüneburg.

Welche Symptome kann das Virus auslösen?

Die Corona-Symptome sind leicht mit der Influenza oder auch einer Erkältung zu verwechseln: Anfangs könne die Nase laufen, der Patient leide unter Halsweh, später auch Husten und eventuell Fieber. Nicht jeder, der hustet, ist aber gleich verdächtig auf eine Corona-Infektion. Bei unkomplizierten Fällen geht man davon aus, dass die Erkrankung ungefähr zehn Tage bis zwei Wochen dauere. Anders ist es, wenn Komplikationen einträten, etwa eine zusätzliche bakterielle Infektion – oft als Lungenentzündung – aufgrund der Schwächung des Organismus oder eine übersteigerte Immunreaktion, die ebenfalls in einer Lungenentzündung münden könne. Ältere Menschen und Menschen mit bereits bestehenden Erkrankungen (wie Asthma, Diabetes, Herzerkrankungen) scheinen laut WHO für schwere Verläufe anfälliger zu sein. (RT)

Genug Platz zum Leben

Patrizia Mannig wohnt in einem Tiny House im Wendland

Für viele Menschen bedeutet Wohnen auf wenig Raum Einschränkung in allen Bereichen. Für Patrizia Mannig ist ihr neues Tiny House ein großer Luxus. Die 62-Jährige hat 15 Jahre in einem Bauwagen gelebt. Der Wohnraum von Patrizia Mannig beschränkt sich auf 8 mal 2,10 Meter, das reicht ihr. Im Januar bezog die Ruheständlerin ihr für sie angefertigtes Tiny House auf einem gemieteten Grundstück in der Nähe von Lüchow (Wendland). Ihre Tochter wohnt mit Mann und Kind gleich nebenan in einer Wohnung. Den Wunsch, aufs Land zu ziehen, hat die gebürtige Hamburgerin schon seit mehr als 20 Jahren. „Ich wollte einen richtigen Garten und weit gucken können”, erklärt sie. Als ihre Kinder groß waren, suchte Patrizia Mannig nach einem neuen Ort zum Leben, wollte der Großstadt Hamburg, wo sie in einer WG lebte, den Rücken kehren. Doch Grundstücke und Häuser waren auch auf dem Land teuer, und ihr Plan schien in weite Ferne zu rücken. „Über Freunde habe ich mir dann einen Bauwagen angesehen”, erinnert sie sich. Diese Wohnform überzeugte sie, und sie kaufte sich einen Bauwagen. Zunächst lebte sie ein paar Monate in Mölln, Mitte der neunziger Jahre zog Patrizia Mannig schließlich nach Lüneburg auf den Bauwagenplatz auf Gut Wienebüttel. Für ihr Leben im Bauwagen verkaufte Patrizia Mannig damals fast ihren ganzen Besitz. Ihre Schwester, die seit Jahren in Lüneburg lebt, verhalf ihr zu dem Platz in ihrer Stadt. „Mit über 40 Jahren war ich die Älteste, aber sie haben mich genommen”, erzählt Patrizia Mannig, die die Zeit auf Gut Wienebüttel genoss. Die Umstellung von der Wohnung war groß, schließlich hatte sie in ihrem Bauwagen kein fließendes Wasser und kein eigenes Badezimmer. Das Toilettenhaus auf dem Platz wurde gemeinsam genutzt, einmal die Woche durften die Bauwagenbewohner das Schwimmbad des benachbarten Pflegezentrums nutzen und dort auch Wasser holen.

Neue Orte für den Bauwagen

Für ihre Arbeit an einer Körperbehindertenschule pendelte die ausgebildete Pädagogin nach Hamburg. Dreieinhalb Jahre ging das so, doch dann brauchte sie eine Veränderung. „Gut Wienebüttel war keine Perspektive für mich”, erinnert sie sich. „Es war mir zu dunkel, und ich hatte keinen Garten. Ich bin ja ein Gartenfreak und deshalb auch rausgezogen aus Hamburg.” So machte sich Patrizia Mannig gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten auf die Suche nach einem neuen Ort für ihren Bauwagen. „Wir hätten auch ein Haus genommen. Aber als wir ein Grundstück mit einer 300 Quadratmeter großen Halle zum Kauf fanden, war das perfekt”, erzählt sie. Sie zogen in die Nähe von Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern, die Halle war eine ehemalige Schmiede aus DDR-Zeiten. Diese nutzte das Paar, um Sachen unterzustellen, später bauten sie sich hier ein Badezimmer und sogar eine kleine Wohnung ein. Als Patrizia Mannig erkrankte, zog sie zwischenzeitig in die Wohnung. In der Zeit in Mecklenburg – rund 20 Jahre – arbeitete Patrizia Mannig in einer freien Schule in Parchim, doch als ihre Erkrankung chronisch wurde, ging sie 2016 in den Ruhestand. Weil in der Umgebung nicht viel los war und ihr Bauwagen langsam in die Jahre kam, strebte sie danach, in eine andere Gegend zu ziehen. Schließlich fragte ihre ältere Tochter (41) sie, ob sie auf dem Land zusammenziehen wollen. Doch Patrizia Mannigs Partner zog nicht mit bei diesen Veränderungen, und so kam es zur Trennung. Die beiden verkauften ihr Grundstück, und die Mutter suchte mit ihrer Tochter und deren Kleinfamilie einen neuen Ort zum Leben.

Deckenhöhe macht mehr Licht

Für Patrizia Mannig war zu dieser Zeit klar: „In dem Zustand, in dem mein Bauwagen ist, möchte ich nicht mehr drin wohnen.” 30 Jahre hat er schon auf dem Buckel. Freunde ermutigten sie, sich einen neuen Bauwagen zu kaufen, doch die Ruheständlerin orientierte sich um. Die Idee, in einem Tiny House zu leben, begeisterte sie, und sie begann sich darüber schlau zu machen. Entscheidend beim Bewohnen eines Tiny Houses ist für die langjährige Bauwagenbewohnerin die Deckenhöhe und damit der Lichteinfall. „Die Decke ist in einem Tiny House viel höher, das macht einen großen Unterschied”, erklärt die 62-Jährige. Im Juni 2019 beschloss sie, sich ein Tiny House zu kaufen – eine Wohnform, die schwer im Trend ist. „Ich ärgere mich ein bisschen, dass ich mir gerade jetzt ein Tiny House geholt habe, weil es jetzt so in ist”, sagt sie schmunzelnd. Für sie bedeutet der Umzug in ein Tiny House jedoch mehr Luxus als vorher. Patrizia Mannig reiste durch ganz Deutschland, um sich die Tiny Houses verschiedener Hersteller anzugucken. Eine deutsche Firma sollte ihr Häuschen bauen. „In Polen wäre es dreimal billiger gewesen, aber ich wollte jemanden, der ökologisch arbeitet”, erklärt sie. Ausschlaggebend war für sie auch der Stil, der klar sein sollte wie bei ihrem Bauwagen. „Ich wollte es zum Beispiel nicht so bayerisch haben.” Doch wie sollte ihr Tiny House aussehen? Es war ein langer Prozess, bis ihr individuelles Haus schließlich gebaut werden konnte. „Nichts ist Standard”, so Patrizia Mannig. Die Länge war für die Bauwagenbesitzerin schnell ausgesucht, doch sie musste über Höhe, Anzahl der Fenster, Außenverkleidung und Farben entscheiden, ebenso darüber, was sie innen einbauen lässt und was sie selbst macht. Außer der Dusche und der gesamten Elektrik nahm sie die Einbauten selbst vor. So möbelte sie beispielweise eine Küche aus einem alten Wohnmobil wieder auf. „Die meisten Tiny Houses sind mit Einbauküche, aber der Einbau von Tischlern ist sehr, sehr teuer, und mir haben Freunde geholfen”, sagt sie. Den Vinylboden, unter dem eine Infrarot-Fußbodenheizung verlegt wurde, lasierte sie ebenso wie die Holz-Innenwände weiß, um den Raum größer erscheinen zu lassen.

Individuell gebautes Tiny House

Patrizia Mannig entschied sich für ein relativ schlichtes Haus mit einer Verkleidung aus Lärchenholz und roten Fenstern. Da sich das Kiefernholz ihres alten Bauwagens als nicht so langlebig erwiesen hatte, wählte sie für ihr Tiny House ein hochwertigeres Holz. Vom Hersteller aus Hannover stand ihr während des Bauprozesses, den sie eng begleitete, eine Architektin zur Seite. „Ich war auch regelmäßig vor Ort.” Wie beim Bau eines festen Hauses ist die Produktion eines Tiny Houses komplett individuell, auch was zum Beispiel die Planung von Steckdosen und Lichtschaltern angeht. Diese zu haben, empfindet Patrizia Mannig im Vergleich zum Bauwagen als Luxus. Den finanziellen Rahmen immer im Blick, bezahlte sie für ihr Tiny House 50.000 Euro an den Produzenten. Im Januar 2020 war es nun soweit: Patrizia Mannigs Tiny House war fertiggestellt und bereit für den Transport ins Wendland. Ein Lastwagen brachte ihr Haus auf einem Tieflader in ihr Dorf, die letzten Meter musste ein Trecker es aufs Grundstück ziehen. Wegen des vielen Regens konnte es aber bisher noch nicht an die richtige Stelle auf einer Wiese des 6.000 Quadratmeter großen Grundstücks transportiert werden. Nun wartet Patrizia Mannig jeden Tag auf grünes Licht von dem Bekannten, der ihr mit dem Trecker aushilft. Solange ihr Tiny House noch am Haus ihrer Tochter unter einem Vordach steht, kann sie es auch nicht an den dafür vorgesehenen Wasseranschluss anschließen. Deshalb duscht sie zurzeit in der Wohnung ihrer Tochter. Für Patrizia Mannig ist ihr neues Tiny House wie ein Holzhaus auf Rädern. Sie hat, wie oft in Tiny Houses üblich, keine zweite Ebene einbauen lassen und hat so Wohn-, Ess- und Schlafbereich, also Sitzecke, Schrank und Bett, in einem großen Raum. Hinzu kommen Küche und Badezimmer mit Toilette, Waschbecken und Dusche.

Man ist viel draußen

Patrizia Mannig fühlt sich jetzt schon wohl in ihrem Tiny House. Und sie macht eine ähnliche Erfahrung wie in ihrem Bauwagen: „Man ist zu 80 Prozent draußen, und man geht viel schneller raus, als wenn man in einer Wohnung wohnt.” Um mehr Platz zu haben und ihre Vorräte vor allem im Sommer kühl halten zu können, plant sie, sich vor dem Haus eine Terrasse mit einer Art Wintergarten zu bauen. Doch dazu muss ihr Tiny House erst an der richtigen Stelle stehen. Für den Einzug in ihr kleines Häuschen musste sich Patrizia Mannig erneut von vielen Besitztümern trennen. „Ich musste zum Beispiel einen Sessel abgeben, an dem ich sehr hing – er passte einfach nicht rein”, erzählt sie. Dinge, die sie lange eingelagert hatte, verkaufte oder verschenkte sie. An Einrichtungsgegenständen brachte sie lediglich ihr Bett, Regale, einen Büroschrank und drei Lampen mit. Sitzgelegenheiten für wenig Raum musste sie neu kaufen. Auf Einbauschränke und viele Schubladen verzichtete Patrizia Mannig bei der Planung ihres Tiny Houses bewusst. „Ich hatte im Bauwagen 100.000 Schubladen, aber es war für mich klar, dass ich nicht so viele Einbauten will.” So könne sie auch ihre Möbel mal umstellen. „Durch meine Bauwagenzeit bin ich sowieso sehr ordentlich”, fügt sie hinzu.

Werkstatt fürs Hobby

Im Haus der Tochter hat Patrizia Mannig eine Werkstatt. Die braucht sie für ihr Upcycling, das Nähen von neuen Sachen aus alten, was sie seit langer Zeit hobbymäßig betreibt. Auch Gewürzmischungen, Wasch- und Putzmittel macht die 62-jährige selbst. Sie hat schon jetzt das Gefühl, im gut vernetzten Wendland den richtigen Wohnort gefunden zu haben. Zwar fehlen ihr die sozialen Kontakte aus Mecklenburg, doch sie ist zuversichtlich: „Das Wendland ist vernetzter als Mecklenburg.” (JVE)

GÖKHAN, FERHAT, MERCEDES, SEDAT, HAMZA, BILAL, FATIH, KALOJAN, SAID

editorial

Das sind die Namen der beim Hanauer Terroranschlag Ermordeten. Wir gedenken dieser weiteren Opfer von Rassismus und Rechts-extremismus in Deutschland.

Sorgen? Keine Sorge!

Wir müssen uns zumindest wegen des Coronarvirus keine Sorgen machen, lässt uns die Bundesregierung wissen. Obwohl schon allein die Tatsache, dass sie uns das in großen Anzeigenkampagnen mitteilt, die Sorge hervorruft, dass Beschwichtigung dahintersteckt. Wir haben uns dem Thema SARS-CoV-2 auch in unserer Reportage gewidmet, mit Experten vor Ort gesprochen, aber auch die Stimmung bei Passanten in der Lüneburger City abgefragt. Apropos Sorge. Dem Adendorfer Eishockey-Club ist eine Sorge genommen. Bürgermeister Thomas Maack konnte dem Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft Finn Sonntag versichern, dass entgegen anderslautender Planungen nicht die umfangreiche Modernisierung der gesamten Kühltechnik des Walter-Maack-Eisstadions gestartet wird, sondern erstmal nur die Reparatur vorgenommen wird – der Spielbetrieb und das Eislaufen in der kommenden Saison `20/`21 also gesichert sind. So weit sind die Volleyballer noch lange nicht, der Blick auf den ersehnten Arena-Neubau treibt den Verantwortlichen und Spielern gleichermaßen das Plissee auf die Stirn. Keine Sorgen haben wir jedoch, was die Vielfalt der in unserem heutigen Magazin angebotenen Veranstaltungen in Stadt und Land anbelangt, von Salzhausen bis Hitzacker, von Stelle bis Ebstorf, von Amelinghausen bis Lauenburg. Ob Ausbildungsmessen, Konzerte, große Open-Airs, Kultur- und Kneipennacht, Hamburger Dom, Verkaufsoffener Erlebnissonntag in Lüneburg oder die Vorbereitung der Lüneburger Wohnmobiltage. Zu einigen tollen Veranstaltungen gibt es bei uns auch wieder Eintrittskarten zu gewinnen. Lasst Euch treiben! In diesem Sinne wünschen wir Euch allen einen nachdenklichen, aber auch fröhlichen März,

Eure stadtlichter

Ab in die Tonne

Der Online-Handel boomt-und mit ihm die Retouren

Kaufen, kaufen, kaufen – und was nicht gefällt, einfach zurücksenden … Doch was geschieht eigentlich mit den Retouren und mit nicht verkaufter Neuware? Kaum jemand weiß, dass ein großer Teil der Retouren nicht wieder verkauft wird, sondern im Müll landet! Nach Zahlen des Versandhandel-Fachverbands bevh verschicken die deutschen Internet-Händler Jahr für Jahr Waren für zirka 60 Milliarden Euro an ihre Kundschaft – verpackt in rund 2,9 Milliarden Kurier-, Express- und Paketsendungen. Tendenz: steigend.

Eine mittlere dreistellige Millionenzahl dieser Pakete schicken die deutschen Online-Shopper pro Jahr an Amazon, Otto, Zalando und Co. zurück. Warum das so ist? Wohl vor allem, weil es so einfach ist und nichts oder wenig kostet. Verantwortungsbewusstsein gleich null sowohl bei Konsumenten als auch den Unternehmen. Viele dieser Produkte, die eigentlich noch gut verwendbar sind, werden von den Versandriesen einfach weggeschmissen. Ein Grund: Für die Händler ist die Vernichtung der „Destroy-Ware“ offenbar einfacher und wirtschaftlicher, als darauf zu hoffen, sie zukünftig zu verkaufen. Ladenhüter etwa nehmen nur Platz weg, so die Rechnung. Profit ist mit ihnen nicht zu machen, dafür kostet die Lagerung. Also ab damit in die Tonne beziehungsweise die Müllverbrennungsanlage! „Es darf nicht sein, dass der Platz im Regal für den Onlinehändler anscheinend wertvoller ist als das Produkt, das drin liegt“, wird Viola Wohlgemuth von Greenpeace vom NDR zitiert. Insgesamt landeten in Deutschland 2019 einer Studie der Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg zufolge deutlich über 20 Millionen zurückgeschickter Artikel auf dem Müll. Und gerade in den shoppingintensiven letzten Wochen des Jahres wurde offenbar wieder besonders viel Neuware vernichtet.  Das belegen unter anderem interne Fotos und Dokumente aus dem Amazon-Logistikzentrum in Winsen (Luhe), die über die Umweltorganisation Greenpeace an Reporter des NDR weitergegeben wurden.

Ein- bis zweimal pro Woche wurde in Winsen ein Container mit unbenutzter und nicht versendeter Neuware beladen und dieser dann zur Müllverbrennungsanlage nach Hamburg gebracht. Im Abfall-Container zu sehen sind Halogen-Heizstrahler, Trinkflaschen und Bücher. Doch auch Kühlschränke, Wasch- und Spülmaschinen, Handys, Tablets, Matratzen und Möbel werden in großer Zahl vernichtet. Sie werden zerhäckselt, gepresst, verbrannt – zerstört. Verrückt: Die Waren sind bei ihrem Abtransport offensichtlich nicht beschädigt und teilweise sogar noch originalverpackt. Amazon lehnte ein Interview zu dem Thema ab. Auch zwei Nachfragen der stadtlichter wurden ignoriert. Die Vernichtung von Neuwaren am Standort Winsen (Luhe) bestreitet der US-Konzern allerdings nicht, wies allerdings darauf hin, dass das die gesamte Branche der Versandhändler beträfe. Fakt ist: Die Bilder aus Winsen sind und bleiben beunruhigend, aber vermutlich nur die Spitze des Eisbergs, so Greenpeace: „An anderen Amazon-Standorten in Deutschland wird vermutlich noch viel mehr vernichtet. Das ist aus vorangegangenen Recherchen bekannt. Ein Insider berichtete von Warenwerten in Höhe von 23.000 Euro pro Tag, die von einer Person täglich vernichtet wurden.“

Obhutspflicht für den Umgang mit Retouren

Mit einer sogenannten Obhutspflicht für den Umgang mit Retouren und nicht verkaufter Neuware soll das sinnlose Wegwerfen zukünftig erschwert werden. Die Obhutspflicht soll die Händler dazu anhalten, die Produktion stärker an der Nachfrage auszurichten. Transport und Aufbewahrung neuer Waren soll so gestaltet werden, dass die Produkte länger nutzbar bleiben. Vernichtung solle zur Ultima Ratio werden. Zudem sollen Händler zu mehr Transparenz gezwungen werden, was die Entsorgung von unbenutzter Ware angeht. Erste Kritik an der Obhutspflicht gibt es jedoch bereits: Sicher würde so der Druck auf Unternehmen etwas steigen, einen noch höheren Anteil ihrer Produkte weiterzuverwenden. Global agierende Konzerne könnten die Entsorgung bei einem Verbot in Deutschland aber auch einfach ins Ausland verlagern. Und würden dies wohl auch umgehend veranlassen.

Erlass der Mehrwert-steuer bei Spenden

Die Bamberger Forscher schlagen dagegen mehrere Strategien vor: ein Siegel, um Kunden über den Umgang mit zurückgeschickten Waren zu informieren, ein Register von Spendenempfängern, um Händlern das Spenden zu erleichtern, und Veränderungen im Steuerrecht. Denn bislang gilt: Wer zurückgesendete Ware spendet, zahlt Umsatzsteuer. Das beklagt unter anderem auch der Discounter Aldi: „Eine unkomplizierte Weitergabe an gemeinnützige Zwecke wird so erschwert“, heißt es. Neben einem Erlass der Mehrwertsteuer für gespendete Produkte könnte die Regierung auch das Widerrufsrecht ändern. Wenn Kunden wenigstens zum Teil für die Kosten der Rücksendungen aufkommen müssten, würden sie eventuell nicht ganz so wahllos bestellen. Das, so Wirtschaftswissenschaftler Björn Asdecker, Initiator der Bamberger Studie, würde vielleicht zu einem Umdenken bei vielen Onlinekäufern führen. Denn genau das braucht es: ein verändertes Kaufverhalten von uns allen. Nicht nur Amazon und Co. sorgen für steigende Müllberge. Trotz gelobter Plastikvermeidung und Pappbecher-Bashing lebt Deutschland weiter munter in einer Konsum- und Wegwerfgesellschaft. Ob Kleidung, Lebensmittel, technische Geräte: Neues wird gekauft, altes viel zu schnell entsorgt. Mit steigender Einwohnerzahl wachsen die Abfallmengen. Auch in Lüneburg. Man muss Bequemlichkeit und Komfort aufgeben, wenn man diese Entwicklung aufhalten wolle, so Asdecker. Das müssen jedoch keine großen Verluste für den einzelnen sein, es sind Verhaltensänderungen, die eher im kleinen wirken und dennoch wichtig sind. (RT)

Wie im Kuriositätenkabinett

Die Lüneburgerin Martina Hagen Leitet das Fundbüro der Hansestadt

 Nicht alles, was man verliert, ist unwiederbringlich verschwunden. Vieles landet auch bei Martina Hagen. Die 50-Jährige leitet seit drei Jahren das Fundbüro der Hansestadt Lüneburg. Es gibt kaum etwas, das noch nicht bei Martina Hagen abgegeben wurde – von Keyboard über Fahrradhelm bis zur Buddha-Figur oder dem Winkelschleifer. Die häufigsten Fundstücke sind Schlüssel, Geldbörsen und Fahrräder, doch auch skurrile Dinge lagern manchmal monatelang in den Räumen des Fundbüros. Rund 1.440 Fundsachen gingen im Jahr 2019 im Fundbüro der Stadt Lüneburg ein. 538 fanden ihren Weg zurück zu ihrem rechtmäßigen Besitzer. 

Auch wenn manche Finder vielleicht ihr Fundstück lieber behalten wollen als es irgendwo abzugeben, gibt es eine grundsätzliche Regel: „Ab einem geschätzten Wert von 10 Euro muss man etwas Gefundenes abgeben”, erklärt Martina Hagen. Jeder solle die Möglichkeit haben, sein Eigentum wiederzubekommen. Die gelernte Einzelhandelskauffrau verwaltet nur Fundstücke aus dem Stadtgebiet, im Landkreis verfügt jede Gemeinde über ihr eigenes Fundbüro. „Da, wo etwas gefunden wird, soll es auch verwaltet werden”, so Martina Hagen. Während die KVG und die Leuphana Universität eigene Fundstellen haben, kommt im städtischen Fundbüro auch Liegengebliebenes aus den Kaufhäusern, den Veranstaltungsorten der Campus Management, dem Kurzentrum, dem Filmpalast sowie von der Polizei an. So landen regelmäßig Fundkisten bei Martina Hagen, deren Inhalt sie sortieren und katalogisieren muss. Alle Fundstücke werden in eine Online-Datenbank eingegeben, damit die Bürger von zu Hause aus die Suche nach ihrem Eigentum starten können.  Einige Fundstücke sind leicht zuzuordnen, beispielsweise wenn sie Ausweispapiere oder ein Namensschild enthalten. Dann sendet Martina Hagen dem Besitzer einen Brief mit dem Hinweis, dass etwas von ihm gefunden wurde und er es bitte im Fundbüro abholen möge. Das Fundbüro ist dazu verpflichtet, jedes Fundstück ein halbes Jahr aufzubewahren. Wird es innerhalb dieser Frist nicht abgeholt, kann der Finder es erhalten, wenn er den Wunsch dazu geäußert hat. Das kann bei Markenkleidung schon mal attraktiv sein, doch Martina Hagen rät Findern inzwischen davon ab, Anspruch auf Handys – wie zum Beispiel iPhones – zu erheben, denn diese sind in der Regel gesperrt und können nicht wieder genutzt werden. „Viele haben es schon bei Apple versucht, aber die vergeben keine neue Apple-ID”, erklärt die Lüneburgerin. Immerhin 89 Handys landeten im Jahr 2019 im Lüneburger Fundbüro.

Es gibt viele ehrliche Leute

Um nachzuweisen, dass einem eine Fundsache gehört, reicht zunächst eine genaue Beschreibung, denn das Online-Verzeichnis gibt nicht alle Details preis. Bei der Abholung von Schmuckstücken kann ein Kaufbeleg oder ein Foto hilfreich sein, bei Schlüsseln sollte man einen identischen Ersatzschlüssel mitbringen. Da jeder bei der Abholung seines Fundstücks einen Ausweis vorlegen und eine kleine Gebühr zahlen muss, geht Martina Hagen davon aus, dass Betrügereien selten sind. „In den drei Jahren, in denen ich hier arbeite, war mir erst einmal jemand suspekt, der ein Handy abholen wollte”, erinnert sich die 50-Jährige. „Er konnte nichts über das Handy sagen, konnte es nicht entsperren und hat sich dann herausgeredet.” Ihre Erfahrung ist grundsätzlich: „Es gibt ganz, ganz viele ehrliche Leute.” Das gelte vor allem in Hinblick auf die Finder. Der Finder hat einen gesetzlichen Anspruch auf Finderlohn – bei einem Wert der Fundsache bis zu 500 Euro liegt dieser bei fünf Prozent, bei einem höheren Sachwert bei drei Prozent. Diesen zahlt der Eigentümer. Martina Hagen weiß, dass die meisten Fundstücke den Eigentümern sehr viel bedeuten. „Bei einem emotionalen Wert geben manche auch mehr ”, weiß Martina Hagen, „zum Beispiel wenn auf einem Handy ganz viele Fotos sind oder man ohne den Haustürschlüssel die Schließanlage hätte austauschen müssen.” Die meisten würden von sich aus dem Finder Geld geben wollen. „Manche sind aber auch empört, dass sie hier etwas für die Lagerung zahlen müssen.” Das seien in der Regel fünf Euro. Sehr häufig landen im Fundbüro der Hansestadt Fahrräder. Die vier Fahrradkellerräume unter dem Bürgeramt und die Garage neben dem Fundbüro quellen regelrecht über vor Zweirädern, weshalb die Stadt zweimal jährlich eine Fundsachen- und Fahrrad-Versteigerung veranstaltet, um Platz zu schaffen. Alle Dinge von Wert, die weder der Eigentümer noch der Finder in Besitz genommen haben, werden dabei versteigert, was jedes Mal auf großes Interesse bei den Bürgern stößt. Für die Käufer gibt es da ordentliche Schnäppchen zu holen, und Martina Hagen und ihren Kollegen macht es Spaß, die Fundstücke unter den Hammer zu bringen.

Räder nicht immer gestohlen

Wer ein Fahrrad vermisst, sollte nicht gleich von einem Diebstahl ausgehen, denn Fahrräder, die nur zwei bis drei Tage unverschlossen herumstehen oder -liegen, können als Fundsache bei der Polizei oder im Fundbüro abgegeben werden. Im Jahr 2019 wurden insgesamt 298 Fahrräder abgegeben, davon alleine 55 im Monat Juli. Polizei und Fundbüro gleichen alsbald Rahmennummern mit Verlustanzeigen ab, damit kein gestohlen oder vermisst gemeldetes Zweirad in die Versteigerung geht. Wer sein Fahrrad aus dem Fundbüro abholen möchte, muss etwas Zeit mitbringen, denn es kann passieren, dass Martina Hagen einen ganzen Keller leerräumen muss, um an das gesuchte Gefährt zu gelangen. Die Schlüsselaufbewahrung verläuft im Fundbüro etwas übersichtlicher. Statt mehrerer Räume in verschiedenen Gebäuden reicht hierfür eine große Kork-Pinnwand, an die Martina Hagen die Schlüssel nach Monaten sortiert heftet. Insgesamt 358 Schlüssel oder Schlüsselbunde landeten im Jahr 2019 im Fundbüro, Anfang Januar warteten rund 90 Schlüssel auf ihre Besitzer. Neben Fahrradschlüsseln, deren Verlust leichter zu verschmerzen ist, hängen im Fundbüro auch zahlreiche Auto- und Haustürschlüssel, deren Neubeschaffung oder Austausch des Schlosses mit hohen Kosten verbunden ist. Martina Hagen wundert sich immer wieder, dass monatelang niemand nach diesen Schlüsseln bei ihr fragt. „Vielleicht denken die Leute, ein Fundbüro ist altbacken?”, vermutet sie. Im Internet sieht sie oft in lokalen Foren, dass Bürger hier über ihren Fund oder ihren Verlust berichten. Bei Facebook gibt es zudem Gruppen wie „Lüneburger suchen”, wo Funde ebenfalls gepostet werden. Martina Hagen bittet die Finder in solchen Fällen schon mal online, ihr Fundstück im Fundbüro abzugeben, „schließlich ist nicht jeder bei Facebook.” Auch Schlüssel oder andere Fundsachen bei Ebay Kleinanzeigen online zu stellen, macht aus ihrer Sicht wenig Sinn – denn hier suche kaum jemand nach Fundsachen. Außerdem könne jedes Fundstück aus einem Diebstahl stammen, was mit den Behörden abgeklärt werden müsse.

Detektivarbeit im Internet

Sogar Geldscheine können beim Fundbüro abgegeben werden. Einige ehrliche Finder würden diese bei ihr abgeben, so Martina Hagen, doch selten frage jemand nach einer verlorenen Banknote. Zu den Dingen, die selten bei ihr erfragt werden, gehören auch Brillen oder Kleidungsstücke. Gebisse oder Hörgeräte werden in der Regel nicht abgeholt. Eines der skurrilsten Fundstücke, die Martina Hagen im Fundbüro erlebt hat, ist mit Sicherheit ein Stromgenerator, den jemand am Straßenrand gefunden hatte. Er wurde schließlich versteigert. Das größte Fundstück bisher war ein Kanu, das jemand auf der Ilmenau treibend entdeckt hatte. Der Besitzer entdeckte erst Monate später, dass sich sein Kanu selbstständig gemacht hatte und wandte sich schließlich ans Fundbüro. Bei Dingen wie Werkzeugkoffern, Kostümen, Perücken oder Kinderkarren kann Martina Hagen jedoch fast davon ausgehen, dass niemand diese bei ihr sucht. Einige Finder nehmen es sehr genau und geben sogar einzelne Handschuhe ab. Jemand brachte Martina Hagen auch schon Baustellenlampen und -absperrungen. Martina Hagen ist immer daran gelegen, Fundsachen wieder zu ihrem Besitzer zurückzuführen. Sie geht im Internet kleinsten Hinweisen auf Namen und Wohnorte nach und leistet geradezu detektivische Arbeit. Als sehr zeitaufwendig erwies sich einst ein iPad, das jemand bei ihr abgab. Leichtsinnigerweise war der Zugang nicht passwortgesichert, doch so konnte sie schnell mit dem Besitzer in E-Mail-Kontakt treten. Er stellte sich als Amerikaner heraus, und die Rücksendung gestaltete sich wegen des als gefährlich eingestuften Akkus als äußerst schwierig. „Das Ganze hat ungefähr anderthalb bis zwei Jahre gedauert”, erinnert sich Martina Hagen. Auch psychologische Arbeit muss sie ab und zu leisten. Gerade ältere Leute, die etwas verloren haben, sind oft besonders traurig über ihren Verlust, schauen immer wieder bei ihr vorbei und geben nicht so schnell auf. Martina Hagen tröstet und macht Mut und animiert die Suchenden, auch Läden abzuklappern und ein paar Wochen später wiederzukommen.

Sperrmüll ist keine Fundsache

Rund 120 Fundsachen werden im Monat im Lüneburger Fundbüro abgegeben. „Nach dem Stadtfest, den Sülfmeistertagen oder dem Weihnachtsmarkt ist es mehr, und im Sommer sind die Fundorte andere, zum Beispiel am Kreidebergsee”, erklärt Martina Hagen. Waffen, Drogen und Medikamente nimmt das Fundbüro nicht an, ebenso angeschlossene Fahrräder. „Manche wollen einige Sachen vom Privatgrundstück loswerden, das sind aber keine Fundsachen”, erläutert Martina Hagen. „Einiges ist auch Sperrmüll oder zu eklig, dann kommt es sofort weg.” Die Lüneburgerin hat sichtlich Freude an ihrer Arbeit. Es macht sie glücklich, wenn Leute etwas wiederfinden, und sie kommt gerne mit ihnen ins Gespräch. „Es macht Spaß und ist abwechslungsreich. Nur wenn Leute einem etwas unterjubeln wollen, ärgert einen das.” (JVE)

  • Die nächste Fundsachen-Versteigerung des Lüneburger Fundbüros findet am Mittwoch, 29. April, 13 Uhr statt.

5.923

editorial

5.923 Unterschriften Lüneburger Bürger braucht der Luftsportverein Lüneburg, um ein Bürgerbegehren auf den Weg zu bringen – das Thema im Wortlaut: „Soll die Hansestadt Lüneburg mit dem Luftsportverein Lüneburg e.V. einen Vertrag über den Weiterbetrieb des Flugplatzes Lüneburg über den 31.10.2020 hinaus für 15 Jahre abschließen?“ Findet der Verein nicht genügend Unterstützung aus den Reihen der Stadtbewohner Lüneburgs, droht ihm letztlich das Aus. Auch das Aus für Katastrophenschutz- und Feuerwehrflieger. Die Stadt würde gern das Areal zukünftig anders nutzen, es in nicht unerheblichem Umfang der Bebauung durch Gewerbe zuführen – sie sucht dringend Flächen dafür. Unerwarteten Beistand erhielten die Flieger von Umweltschützern, sie sorgen sich sowohl um die Funktion der Kaltluftschneise als auch um den Bestand seltener Pflanzen und Tiere, die auf dem Gelände zu finden und trotz Fliegerei – oder gerade deswegen – dort heimisch geworden sind. Man darf gespannt sein, wie viele Lüneburger sich für den Erhalt der Fliegerei stark machen, den Sinn und Zweck des Luftsportvereins sichern werden. LSV-Vorstand Richard Meyer ist optimistisch, was die 5.923 angeht, und viele Unterschriftenlisten sind noch unterwegs. Wo man gerade steht, mag er noch nicht sagen, nur so viel: Noch im Februar wird der LSV die Aktion abgeschlossen haben. Nicht 5.923, aber sehr, sehr viele tolle Veranstaltungstermine für die kommenden Wochen findet Ihr in dieser Stadtlichterausgabe, Konzert, Theater, Party, der Jahreszeit geschuldet natürlich auch reichlich Comedy darunter. Und auch die Pappnasen unter den Karnevalisten – sie haben ja an vielen Stellen bis hin ins Kanzlerinnenamt die Regentschaft übernommen – kommen nicht zu kurz.

Apropos Kanzlerinnenamt – keine Sorge, wir haben das Gendern noch nicht zur Prämisse für uns erhoben, freuen uns aber dennoch über alle Stadtlichterlesenden! Die Zeit der Zwischenzeugnisse ist gekommen – entsprechend stark ist das Thema Ausbildung und Studium auch in unseren Karriereseiten vertreten. Die Ausbildungsbörse Ende Januar in der Arbeitsagentur fand großes Interesse, und zwar bei Betrieben und Bewerbern. Die nächste Gelegenheit zu einem Überblick über die aktuellen Angebote gibt es am 7. März bei der BIB in der Lüneburger Hanseschule in Oedeme (siehe auch S. 44-47).

Der Winter scheint weitestgehend ausgefallen – leider auch in Form des Adendorfer Eisstadions. Gekniffen durch den Ausfall der Kühlanlage sind hier ja nicht nur die Teams des AEC und die Eisläufer – auch „Stan“ Stelmatzak, Betreiber des Kiosks macht zurzeit dicke Backen und sehnt sich nichts dringender als die Freibaderöffnung herbei. Er kann ja schon mal die Fritteuse vorglühen…

In diesem Sinne wünschen wir Euch allen einen verrückten Februar und vergesst nicht, der 1. März kommt diesmal einen Tag später – auch für Euch!

Eure stadtlichter

HERZLICH WILLKOMMEN IN 2020

editorial

Bei dieser Dopplung kommt einem zwangsläufig Zager & Evens‘ Song „In the Year 2525“ in den Sinn – die meisten unserer Leser kennen ihn sicher noch, diesen visionären Song, der eine Zeitreise beginnend im Jahr 2525 zum Inhalt hat und bis ins Jahr 9595 reicht, dem Zeitpunkt, an dem sich der Mensch von Mutter Erde alles genommen haben wird, ohne ihr etwas zurückgegeben zu haben? Das werden wir wohl leider schneller schaffen. In the Year 2020. Greta Thunberg hat zu Recht an vielen Schnittstellen der Welt mit emotionalen Worten die Gesellschaft ob ihrer Sorglosigkeit angeprangert und insbesondere die Politik an ihre Verantwortung im Umgang mit diesem Planeten erinnert. Gleichwohl ist der heutige Zustand der Welt nicht etwa ein Ergebnis, das die Generation „Gretas Eltern“ allein zu verantworten hat, schließlich begann die industrielle Revolution nicht vor 50, sondern vor 250 Jahren mit einer Weltbevölkerung von etwa 600 Millionen Menschen. Aktuell sind es 7,8 Milliarden, Mitte dieses 21. Jahrhunderts werden es etwa 10 Milliarden sein, und alle wollen mit Nahrung und Energie, mit Medizin, aber auch mit Bildung und Kultur versorgt sein. Der Mensch ist – so hat es die Wissenschaft schon im Jahre 2000 formuliert – zu „einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde“ geworden. Darauf kann man stolz sein – oder auch Angst bekommen. Eine Riesen-Herausforderung allemal, eine, der sich letztlich alle stellen müssen. Viele arbeiten schon daran, an vielen Stellen, das macht Mut – und die Kleinigkeiten zählen in der Summe. Das gilt natürlich auch in Sachen Kultur, die sich in den nächsten Wochen wieder aufs Neue in dieser Region offenbart, in aller Vielfalt. Ein reiches Angebot erwartet Euch auch in dieser stadtlichter-Ausgabe. Übrigens, Euer Lieblings-Veranstaltungsmagazin erscheint mit dieser Ausgabe jetzt schon im 18. Jahrgang… gewusst?

Wir wünschen Euch allen einen schönen, sowohl nachdenklichen als auch nachhaltigen Start in dieses Jahr.

Eure stadtlichter