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Sprechverbot statt freies Denken?

Was heutzutage noch politisch korrekt ist – und was (angeblich) nicht

Wenn Sprachpolizisten jeglicher Coleur „political correctness“ anwenden, wird schnell auch mal übers Ziel hinaus geschossen …Ein stinknormales Restaurant in Berlin. Klein, gemütlich, geschmackvoll eingerichtet. Eines der Restaurants, wie es sie so auch in vielen anderen Städten gibt – von Hamburg über Frankfurt, München oder auch Lüneburg. Nur der Name „Zum Mohrenkopf“ fällt aus dem Rahmen. Betreiber der Location ist der aus Nigeria stammende Andrew Onuegbu. Er weigert sich seit Längerem, sein Lokal umzubennen. „Ich brauche keine Weißen, die mir sagen, wann meine Gefühle verletzt sind.“

„Warum arbeiten Sie bei einem Nazi?“

In der ARD-Sendung „Hart aber Fair“ erzählte der Gastronom eine Anekdote von zwei aufgebrachten Gästen, einem Mann und einer Frau. „Warum arbeiten Sie bei einem Nazi?“ habe ihn der Mann gefragt, seine Frau habe ergänzt: „Wir wollen gar nicht mit Ihnen reden, holen Sie Ihren faschistischen Chef!“ Nachdem sie erfahren hätten, dass Onuegbu selbst Inhaber des Restaurants ist, habe das Pärchen dennoch darauf beharrt: „Der Name muss verschwinden! Das darf man in Deutschland gar nicht mehr verwenden! Das ist rassistisch!“ Daraufhin habe Onuegbu erwidert: „Das, was Sie gerade hier gemacht haben, ist Rassismus. Denn Sie haben nicht geglaubt, dass ein schwarzer Mann der Inhaber sein kann …“ Vermutlich wird der Streit um den Restaurant-Namen weitergehen und der Druck auf Restaurant-Chef Onuegbo noch zunehmen, sagt Sprachforscher Heiner Rebens aus Hamburg. „Denn die Leute, die aus einer Art Hypermoral heraus handeln und jeden, der nicht so denkt wie sie, ganz schnell vorverurteilen, haben einen langen Atem.“

Schnell in der Schmuddel-Ecke

Tatsächlich geht es ganz fix – und schon steht man in der Schmuddel-Ecke. Wer die Corona-Schutzmaßnahmen nur marginal in Frage stellt, ist für viele schon ein Verschwörungstheoretiker. Wer das Europa von heute und vor allem dessen Politiker kritisiert, gilt mindestens als Revanchist. Auch wer das Auto nicht als Hauptübel des Klimawandels sieht, findet kaum Fürsprecher. „Solche Menschen haben einfach kein Verantwortungsgefühl“, heißt das Totschlagargument. Wenigstens darf man das Christentum noch ablehnen. Am Islam ist dagegen jede Kritik verboten. Das wäre fremdenfeindlich …

Obwohl unsere Verfassung eigentlich jedem Bürger garantiert, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei äußern zu dürfen – auch eine irrige Meinung übrigens – beherrschen immer mehr Sprech- und Denkverbote die öffentlichen Debatten. Das funktioniert meist ohne jeden staatlichen Zwang, schließlich heißt es im Artikel 5, Absatz III des Grundgesetzes ja auch ausdrücklich: „Eine Zensur findet nicht statt.“ Doch die Schere im Kopf arbeitet bei vielen ohnehin von allein – aus Angst vor Ausgrenzung und beruflichen Konsequenzen. Philosoph Richard David Precht, Honorarprofessor für Philosophie an der Leuphana Universität Lüneburg sorgt sich: „Wenn abweichende Meinungen nicht mehr geäußert werden, weil ihre Vertreter sofort als unmoralisch gegeißelt werden, versiegt bald jede Diskussion.“

Pippis Vater jetzt ein „Südseekönig“

Auch Bücher sind längst nicht vor Verboten gefeit, immer häufiger werden Textänderungen gefordert. Allerdings ist das kein ganz neues Phänomen, besonders wenn es um Werke für Kinder geht. Bei „Pippi Langstrumpf“ etwa lässt Astrid Lindgren Pippi gleich im ersten Kapitel sagen: „Meine Mama ist ein Engel und mein Papa ist ein Negerkönig. Es gibt wahrhaftig nicht viele Kinder, die so feine Eltern haben!“ Lindgren selbst fand die Aufregung um den „Negerkönig“ immer übertrieben und sah auch keinen Grund, an ihrem Buch irgendetwas zu ändern. Erst sieben Jahre nach ihrem Tod gab der Verlag den Briefen „besorgter“ Eltern nach und änderte den Begriff ab: Seit 2009 sind die Bewohner von Taka-Tuka-Land keine „Neger“ mehr, sondern „Eingeborene“. Und Pippis Vater ist nicht mehr der „Negerkönig“, sondern ein „Südseekönig“. Wer sich selbst nicht in Schwulitäten bringen will, sollte sich an den neuen Zeitgeist wohl möglichst schnell gewöhnen, zum Beispiel in Anwesenheit Dritter nicht mehr länger von Zwergen sondern von „Kleinwüchsigen“ sprechen, Ausländer in Zukunft als „Menschen mit Migrationshintergrund“ betiteln, anstelle von Eskimos den Begriff „Inuiten“ verwenden, statt eines Negerkusses den genau so süßen „Schokokuss“ genießen und bei männlich/weiblich noch ein „divers“ anhängen. Sich im Restaurant ein „Zigeuerschnitzel“ zu bestellen, kommt übrigens auch nicht mehr gut an. Denn das wurde inzwischen in ein schnödes „Schnitzel mit Paprikasoße“ umgetauft. Nachsatz: Bevor sich Vertreter und Vertreterinnen der „political correctness“ aufregen – Schwulität hat nichts mit Homosexualität zu tun. Das im 18. Jahrhundert entstandene Wort ist eine scherzhafte Bildung aus „schwül“, also „drückend heiß“ oder auch „beklemmend“, im übertragenen Sinne auch „bang“ – weil einem vor Angst vor der Sprachpolizei auch heiß werden kann … (RT)

Im Bann der Märchen

Katja Breitling arbeitet als Märchenerzählerin und Märchentherapeutin

Über Märchen gibt es viele Klischees – zum Beispiel, dass sie nur etwas für Kinder sind. Dass dem nicht so ist, weiß die Lüneburger Märchentherapeutin und Märchenerzählerin Katja Breitling aus eigener Erfahrung: „Ich arbeite fast ausschließlich mit Erwachsenen.” Seit 13 Jahren gibt es Katja Breitlings „Märchenwirkstätte” – eine märchenhafte Zahl, die sie gerne dieses Jahr gefeiert hätte, doch Corona machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Seit 13 Jahren ist die gebürtige Kielerin in Lüneburg selbstständig – sie verdient sich mit Märchen ihr Geld. Hatte sie bis vor 17 Jahren noch überhaupt nichts mit Märchen am Hut, wurde sie dann regelrecht „zu ihnen geführt”, wie sie meint. Katja Breitling hat verschiedenste Wege beschritten in ihrem Leben. Nach dem Abitur machte sie eine Ausbildung zur Europasekretärin, war danach im Ausland. Sie ließ sich zur PR-Beraterin ausbilden, bevor sie nach Hamburg ging, um Ethnologie zu studieren. Beruflich ging sie in die PR-Branche, war viel im südostasiatischen Raum unterwegs, arbeitete unter anderem in Singapur. Doch Märchen hatten bis dahin keinen besonderen Platz in ihrem Leben.

Der inneren Stimme gefolgt

Anfang der 2000er lebte Katja Breitling im schleswig-holsteinischen Naturpark Aukrug. Auf der Suche nach kulturellen Angeboten in der Umgebung stieß sie auf den Märchenhof Rosenrot, ein privates Institut, das die Ausbildung zum Märchentherapeuten anbietet. „Ich hatte vorher nichts mit Märchen gehabt, ich kannte nur Grimms Märchen und einige Mythen aus dem Ethnologie-Studium”, erinnert sich die 58-Jährige. „Aber plötzlich war da in mir diese klare Stimme: Katja, das wolltest Du schon immer werden.” Diese innere Stimme überraschte sie damals selbst, doch sie folgte der Eingebung: Mit Anfang 40 ließ sie sich zur Märchenerzählerin, Märchenberaterin und Märchentherapeutin ausbilden. „Es ist absolut meine innere Berufung geworden”, so Katja Breitling. Die ungewöhnliche Ausbildung erstreckte sich auf Wochenenden über insgesamt drei Jahre, währenddessen arbeitete sie weiterhin in Hamburg als PR-Beraterin. Als ihr Arbeitgeber Insolvenz anmelden musste, sah sie dies wieder als Wink des Schicksals und beschloss, sich als Märchentherapeutin selbstständig zu machen. Das Erzählen oder Zuhören von Märchen kennt jeder – doch was ist Märchentherapie? In der Märchentherapie wird davon ausgegangen, dass der Held in einem Märchen innere Prozesse genauso durchläuft, wie sie der Mensch in seinem Leben durchlebt. In der Märchen-Chakra-Therapie, die Katja Breitling gelernt hat, werden aus den sieben Chakren, den Ener-giezentren der hinduistischen Lehre sieben Stufen abgeleitet, die der Held in einem Märchen durchläuft. „Diese Stufen vom Mangel bis zur Fülle, zur Erfüllung, findet man in fast allen Märchen”, erklärt sie. „Wir haben gelernt, ein Märchen nach den sieben Stufen zu erarbeiten.” Die ganze Arbeit in der Märchentherapie läuft über das Gefühl. Wer ein Märchen hört, malt sich im Inneren ein Bild aus, mit dem er seine eigenen emotionalen Erfahrungen verbindet. Diese gilt es bewusst zu machen, zu deuten und in positive Bilder umzuwandeln. So hilft die Therapie, sich mit Hilfe des Märchens seiner selbst bewusster zu werden und neue positive emotionale Erfahrungen zu machen.

Ein Märchen zu jedem Thema

Vor 15 Jahren zog Katja Breitling nach Lüneburg, um sich selbstständig zu machen. „In Lüneburg gingen die Türen sofort auf”, erzählt sie rückblickend. Alsbald wurde ihr durch eine Bekannte ein Stand auf der Lebensfreude-Messe angeboten, wo sie einen Vortrag halten durfte, den sich nur sehr wenige anhörten. Unter den Zuhörern war jedoch jemand aus einer Guttempler-Gemeinschaft in Lüneburg, der sich für ihre Arbeit interessierte. „So bin ich in die Suchtarbeit gekommen”, erklärt die 58-Jährige, die auch bei der Sieb & Meyer Stiftung in Lüneburg Märchenabende und Meditation für Berufstätige anbietet. Inzwischen arbeitet die Märchentherapeutin, die seit zwei Jahren im Kloster Lüne lebt, bundesweit im Auftrag von zahlreichen Suchtverbänden. Hier geht sie zunächst in Selbsthilfegruppen. „Unter meinen Märchenseminaren kann sich natürlich keiner etwas vorstellen. Deshalb erzähle ich in den Gruppen zunächst ein, zwei Märchen und zeige, dass Märchen unsere Lebenswege beschreiben.” Auch wenn nicht jeder sofort Zugang zu Märchen und der Arbeit mit ihnen bekommt, sind die freiwillig angebotenen Märchenseminare bei den Teilnehmern aus den Selbsthilfegruppen sehr gefragt. Wer die Märchenarbeit mit der Therapeutin vertiefen möchte, kann bei ihr auch eine Einzeltherapie machen. Katja Breitling arbeitet viel mit Traumatisierten und Personen mit Suchtthematik oder Depression. In ihren Märchenseminaren wählt sie Märchen und Themen, die zu den Problematiken der Teilnehmer passen, zum Beispiel Loslassen, Urvertrauen, Geborgenheit oder auch Trauerarbeit und Vergebung. „Man kann jedes Thema nehmen – man findet dazu immer passende Märchen”, erklärt sie. Da viele Teilnehmer wiederholt ihre Seminare besuchen, hat sie den Anspruch an sich selbst, immer neue Märchen auszusuchen.

Märchenüben im Klostergarten

Die Vorbereitung für die Märchenseminare ist sehr aufwendig. Zunächst gilt es, aus der schier unendlichen Fülle von Märchen aus aller Welt ein Passendes auszusuchen. Denn sie weiß: Mit Grimms Märchen, die fast jeder kennt, kann sie in ihren Seminaren niemanden hinterm Ofen hervorlocken. „Bei spannenden unbekannten Märchen sind die Leute eher dabei”, so ihre Erfahrung. Während ihrer Auseinandersetzung mit den Märchen lernt sie, diese frei zu erzählen, denn sie liest nicht einfach nur vor. Um ein 15-minütiges Märchen erzählen zu können, hat sie früher einen Monat gelernt, inzwischen braucht sie einige Tage. „Am Anfang habe ich unglaublich viele Märchen gelernt, heute sind es vielleicht noch zehn im Jahr”, sagt sie. „Ich lerne inwendig, nicht auswendig. Ich erarbeite mir das von innen.” Sie hat genau Buch geführt: Rund 170 Märchen hat sie in den vergangenen 13 Jahren gelernt. „Ich könnte adhoc um die 40 Märchen erzählen, einige müsste ich vielleicht kurz auffrischen.” Um die Geschichten zu lernen, geht sie gerne raus, spaziert durch den Klostergarten oder das nahe gelegene Wäldchen, erzählt sich das Märchen immer wieder selbst laut. Während man sie auf dem Klostergelände und in Lüneburg kennt, wird sie dabei in anderer Umgebung schon mal komisch angesehen. Auch wenn Katja Breitling von ihrer Arbeit als Märchen-Seminarleiterin lebt, ist sie den Lüneburgern eher als Märchenerzählerin bekannt. Auf dem Weg zur Märchentherapeutin gehört die Ausbildung als Märchenerzählerin auch dazu. Dabei wollte sie das zunächst gar nicht werden: „Ich wollte nicht Märchenerzählerin werden, sondern Therapeutin. Aber ich habe dann gemerkt, dass mir das sehr viel Spaß macht.” Auf dem Klostergelände bietet sie seit Jahren Märchenführungen an, außerdem gibt sie regelmäßig Friedhofsmärchenführungen in Lüneburg und führt mit den Märchenerzählerinnen Karin Ulex und Edith Eckholt die Lüneburger Märchentagungen durch. Zweimal im Jahr besucht sie außerdem seit Jahren die Grundschule Scharnebeck, um den Kindern Märchen zu erzählen. Auch im Ostpreußischen Landesmuseum bietet sie Veranstaltungen an, erstmalig nun auch einen Märchen-Kinderclub, bei dem die Kinder Märchen selbst erfinden können. Das Erfinden von Märchen überlässt Katja Breitling ansonsten anderen – sie hat sich bisher nur ein einziges für ihre Nichte ausgedacht. Sie bedient sich lieber aus einem reichen Schatz der Weltliteratur, von dem sie einiges zu Hause hat. Die Märchenerzählerin liebt vor allem asiatische und italienische Märchen. Es gibt Märchen, die sie von Anfang an begeisterten, dazu gehören das nordische „König Lindwurm”, „Salz und Zucker” aus Griechenland oder „Der dankbare Baum” aus Japan. Zurzeit beschäftigt sie sich mit dem italienischen Märchen „Der Halbierte”. Privat liest Katja Breitling andere Bücher, viel Fantasy und magische Geschichten, aber auch über spirituelle Themen.

Virtuelles Märchenabenteuer

In Lüneburg sei sie von Anfang an warm aufgenommen worden, meint Katja Breitling. „Lüneburg hat so eine Offenheit. Es war, als ob man offene Türen eingerannt hat.“ Sie merkt, dass sich ihre eigene Begeisterung auf andere überträgt und die Menschen bewegt. Leicht ist das nicht immer: Das Erzählen von Märchen erfordert ein hohes Maß an Konzentration. „Wenn ich ein Märchen erzähle, bin ich im Hier und Jetzt, ich muss absolut in der Präsenz sein und darf nicht an etwas Anderes wie zum Beispiel Bügeln denken.”, so Katja Breitling. Nur wenn sie selbst in den Bildern des Märchens sei und das vermitteln könne, könne sie andere emotional mit auf die Reise nehmen. Die Coronazeit hat auch die Märchenerzählerin und -therapeutin komplett ausgebremst. Monatelang ist die Gruppenarbeit der Suchtverbände ausgefallen, gab es kaum Veranstaltungen in der Stadt. Katja Breitling nutzte die Zeit und zauberte binnen kürzester Zeit ein virtuelles Märchenabenteuer aus dem Hut, das sich über mehrere Wochen erstreckte. Über ihren E-Mailverteiler lud sie zur kostenlosen Teilnahme im Internet ein, stolze 150 Personen aus ganz Deutschland nahmen schließlich teil. Allerdings erforderte das Spiel regelmäßige Rückmeldungen von ihr, was viel Arbeit machte. Die Idee stieß auf so viel Begeisterung, dass bereits Anfragen von Familienbildungsstätten nach weiteren Abenteuern kamen – für den Fall eines erneuten Lockdowns. (JVE)

Kreuz

editorial

Ja, es ist ein Kreuz mit dem Virus. Und es macht uns nahezu handlungsunfähig, wenn wir uns fast jede Nachrichtensendung mit dem entsprechenden Special reinziehen, endlose Talkrunden konsumieren, uns die Fakten von professionellen und die Meinungen von leider allzu vielen, selbsternannten Experten auf allen Kanälen anhören. Und man fragt sich oft, hören die sich selbst eigentlich zu? Es sei uns in diesem Zusammenhang gestattet, an die selbstkritischen Worte des 1991 verstorbenen Essener Ruhrbischofs Franz Hengsbach zu erinnern: „Lieber Gott, hilf mir meinen Mund zu halten, bis ich weiß, worüber ich rede!“ So mancher Talkshowgast hätte sicherlich am Ende der Sendung keine Chance gehabt, etwas beizutragen. Gleichwohl dürfte auch dem Letzten in der entlegensten Ecke der Welt klar geworden sein, dass die Pandemie real ist und in alle Lebensbereiche hineinstrahlt. Leider können wir nicht sagen „nun reicht’s uns mit Corona“: Bei allem, was wir tun oder lassen, wird uns das Thema so lange begleiten und einschränken, bis ein Impfstoff gefunden wurde… Apropos Kreuz: Einige Tausend Angehörige der Risikogruppe „Ältere“ sind schon wieder auf Kreuzfahrt. Altersstarrsinn?

Wir haben uns auch für diese stadtlichter-Ausgabe wieder darauf gestürzt, Euch das zusammenzustellen, was alles mit Abstand betrachtet an kulturellem Leben möglich ist, von Theater bis zum Sport, wenn man bereit ist, sich an Regeln zu halten. Ganz viele kreative Angebote – zwar mit weniger Zuschauern, aber mit viel Engagement – werden uns landauf, landab begeistern können. Leider konnten wir bei Druckbeginn noch nichts zu den Weihnachtsmärkten in der Region sagen, trotz ausgetüftelter Hygienekonzepte von Marktbeschickern und Schaustellern haben sich die Verantwortlichen in den Städten leider noch nicht festlegen wollen. Das gilt auch für ein ganz anderes Thema, die Berufswahl, denn auch die Ausbildungsmesse Vocatium steht auf der Kippe. Trotzdem findet Ihr in unseren Seiten für Job & Karriere allerhand zum Thema Ausbildung und berufliche Weiterbildung, auch Anzeigen mit attraktiven Ausbildungs- und Studienplätzen. Apropos Weihnachten – das Fest rückt näher, und deshalb haben wir uns bei unserer Umfrage schon mal kundig gemacht, wie es die Leute mit dem Weihnachten Feiern wohl halten wollen.

In diesem Sinne wünschen wir Euch wieder einmal: Genießt die Zeit mit Bedacht und Umsicht und bleibt gesund!

Eure stadtlichter

Angezüchtetes Leid

Viele Hunde werden zu chronisch kranken Krüppeln herangezüchtet und leiden ihr Leben lang

Atemprobleme, Bandscheibenvorfälle, schlimmste Hüftgelenks- und Kniegelenksprobleme, Herzprobleme, Kulleraugen, die fast schon aus den Höhlen fallen: Der Mensch hat durch gezielte Zucht laut dem größten kynologischen Weltdachverband (www.fci.be) inzwischen über 390 verschiedene Rassen „geschaffen“. Darunter leider auch viele, deren einziger Zweck es zu sein scheint, Mode- oder Statussymbol zu sein. Warum muten wir das den Tieren zu? Sind die Teacup-Hündchen, die von abgehobenen Social- Media-Sternchen wie Paris Hilton und Co. mehr als Mode-Accessoire präsentiert werden denn als Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen, wirklich so putzig? Oder sollte man sie nicht besser bemitleiden?

Ausstellung von Qualzuchten wird verboten

Mit einer Neuregelung der Tierschutz-Hundeverordnung will nun Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner für eine artgerechtere Haltung und Züchtung von Hunden sorgen. Verboten werden soll zum Beispiel. die Ausstellung von Hunden, die Merkmale von so genannter Qualzucht aufweisen, also zuchtbedingt unter Schmerzen und gesundheitlichen Problemen leiden. Tierschützer und Tierärzte haben schon vor Jahren härtere Maßnahmen gegen die Qualzucht gefordert. Doch bisher nicht mit großem Erfolg, beklagt man auch beim Tierschutzverein Lüneburg: „Wir brauchen einfach viel härtere Strafen!“ Das Problem: Es fehlt nach wie vor an klaren Kriterien, um Qualzucht objektiv feststellen zu können. Und für Kontrolle und Nachweis fehlt den Veterinärämtern häufig ganz einfach die Zeit. Obwohl man es beim Blick auf manchen traurigen Vierbeiner nicht mehr so recht glauben mag: Jeder heutige Haushund ist nachweislich auf den domestizierten Wolf zurückzuführen. 15.000 Jahre Domestizierung haben das Bild des Wolfes jedoch stark verändert und uns eine Rassenvielfalt vom Zwergdackel bis zum Bernhardiner geschenkt. Bei allen diesen Hunden beziehungsweise. Hunderassen liegt Schönheit im Auge des Betrachters, und Modetrends sind veränderlich. So kommt es etwa, dass ein Hund auf einem alten Gemälde oder Foto zwar noch als Vertreter der heutigen Rasse gilt, aber sich drastisch vom heutigen Idealbild seiner Rasse unterscheidet. Eklatantes Beispiel für Qualzucht, bei der Züchter Schmerzen, Mutationen und Verhaltensstörungen von Tieren wissentlich in Kauf nehmen, sind Nackthunde. Die haarlos gezüchteten Tiere haben eine Immunschwäche, Gebissfehlstellungen, frieren schnell und bekommen rasch einen Sonnenbrand. Aber auch Schäferhunde, französische und englische Bulldoggen und vor allem der so beliebte Mops müssen leiden.

Die Hölle für die Tiere

Schaut man sich etwa eine Illustration von 1927 in Brehms Tierleben an, hat der Mops einen langen Kopf und eine noch sichtbare Schnauze – heute leidet fast jeder Mops unter extremer Atemnot, weil die Nasen plattgezüchtet sind. Nicht selten müssen sie für viel Geld operiert werden, sonst würden sie elendig krepieren, weil sie einfach keine Luft mehr bekommen. Vor allem heiße Sommer sind die Hölle für die Tiere. Sie können sich nicht abkühlen – weil die Nase einfach viel zu kurz ist. Denn bei Tieren mit gekürzter Nase, auch brachyzephal genannt, lassen die feinen Lamellen der Nasenmuscheln kaum noch Luft durchströmen. Eine Umfrage unter Besitzern von Hunden mit Brachyzephalie ergab, dass über die Hälfte der Hunde Atemprobleme beim Schlafen haben und unter Erstickungsanfällen leiden – 24 Prozent der Tiere versuchen daher, im Sitzen zu schlafen. 77 Prozent haben Probleme beim Fressen, gut die Hälfte erbrechen sich mehr als einmal am Tag, und jeder dritte Hund ist schon einmal aufgrund von Atemnot umgefallen. In der Sendung Panorama – Die Reporter im NDR wird der Hamburger Tierarzt Rolf Deckena zitiert, der täglich Hunde mit Dauerleiden in seiner Praxis behandelt: „Die sind so weit weg von der Natur des Hundes, dass die jeden Tag einen Preis dafür zahlen, dass sie so aussehen. Die können nicht laufen, die können nicht fressen, die können nicht schlucken, die können nicht schlafen, die können nicht gucken.“ Andere Länder sind rigoroser im Kampf gegen das Qualzüchten als Deutschland. Die Niederlande haben die Zucht von kurznasigen Hunden aller Rassen, einschließlich der Mischlinge, grundsätzlich verboten, soweit deren Nasenlänge nicht mindestens ein Drittel der Kopflänge beträgt. Für die Rasse Mops bedeutet dies, dass mit Möpsen nur gezüchtet werden darf, wenn die Nasenlänge mindestens ein Drittel der Kopflänge beträgt. Liegt die Nasenlänge unter einem Drittel, steht die Züchtung unter Strafe.

Warum geht das nicht hier?

Qualzucht ist keineswegs nur auf Hunde beschränkt. Jeder, der sich ein Tier zulegen will, kann jedoch etwas gegen das Leid tun, zum Beispiel nur von seriösen Züchterinnen und Züchtern kaufen, die um die Problematik bestimmter Erscheinungsformen wissen und auf exotische Besonderheiten verzichten. (RT)

Verliebt in die Stadt Lüneburg

Anna Böhme bloggt auf dem Instagram-Kanal
„what’s lüneburg”

Mit sozialen Medien kennt sich Anna Böhme aus. Sie sind nicht nur ihr täglich Brot bei ihrem Arbeitgeber in Hamburg. Auch in ihrer Freizeit pflegt die 27-jährige Neu-Lüneburgerin einen öffentlichen Instagram-Kanal. Bei „what’s lüneburg” zeigt sie ihren knapp 6.000 Abonnenten ihre Entdeckungen in und um Lüneburg. Aufgewachsen ist Anna in einem kleinen Dorf in der Region Hannover – auch ein Grund, warum es sie in ihrer freien Zeit regelmäßig aufs Land zieht. Zum Studieren ging sie zunächst nach Hannover, wo sie ihren Bachelor in Medienmanagement machte, hinterher ging es zum Masterstudium in Unternehmenskommunikation nach Stuttgart. Dort verliebte sie sich in ihren jetzigen Mann, mit dem sie erst seit einigen Wochen verheiratet ist. Ihm hat sie ihren neuen Lebensmittelpunkt zu verdanken, denn ihr Mann ist Lüneburger. „Wir wollten nach dem Studium in den Norden zurück und haben zunächst mit Hamburg geliebäugelt. Aber das ist mir zu groß und hektisch”, erzählt die 27-Jährige. Nur zwei-, dreimal war sie in Lüneburg gewesen, bevor sie im November 2018 in die Hansestadt zog. In die Stadt Lüneburg war Anna Böhme von Anfang an schockverliebt. Da sie außer ihrem Freund noch niemanden kannte, ließ sie per Whatsapp ihre Freunde aus Hannover und Stuttgart mit Fotos an der Schönheit Lüneburgs teilhaben. „Wie Urlaubsfotos habe ich Fotos von Türen, Fassaden und Cafés rumgeschickt”, erzählt sie. Nach ein paar Monaten kam ihr die Idee, dass ihre Bilder und Entdeckungen vielleicht nicht nur ihre Freunde, sondern auch andere interessieren könnten. „Da dachte ich mir, mach einfach mal einen Insta-Kanal auf. Ich wollte mich sowieso mal in social media ausprobieren.” Ihre Überlegung: Lüneburg durch die Augen von jemandem zu zeigen, der alles zum ersten Mal sieht.

Erstes Foto vom Stint

Noch gut erinnert sich Anna an das erste Foto, das sie im Februar 2019 auf ihrem Instagram-Kanal „what’s lüneburg” postete: ein Bild vom verlassenen Stint im Winter. „Mein Freund erzählte mir, hier ist es im Sommer total voll – das konnte ich mir zu der Zeit noch gar nicht vorstellen.” Von Anfang an war es ihr wichtig, unterwegs nicht zu viel zu inszenieren und ihre Freizeit nicht von dem Blog bestimmen zu lassen. Die Fotos von ihr lässt sie spontan ihren Freund oder Freunde machen – oder bittet kurz Passanten darum. „Ich will es möglichst so wahrnehmen, wie es ist. Ich gehe los, weil ich auf den Markt will und hinterher einen Kaffee trinken möchte. Dann gucke ich, was mir so über den Weg läuft”, erklärt die Bloggerin. Ihre ersten Follower kannte sie nicht, inzwischen hat sie mehr als 5.900 Abonnenten. Im Sommer 2019 begann Anna, auf ihrem Instagram-Kanal auch Veranstaltungstipps für Lüneburg und Umgebung zu posten. Weil verschiedene Veranstaltungsorte und Cafés ihre Posts teilten, gelangten schließlich immer mehr Leute auf ihren Blog, so dass ihre Zahl der Follower stetig anstieg. „Mit dem Start der Veranstaltungstipps wurde es definitiv mehr”, sagt sie. Es ist ihr wichtig, über das, was sie sieht, erlebt, isst oder trinkt, eine ehrliche Meinung abzugeben. Inzwischen kommt es vor, dass Cafébetreiber oder andere Unternehmer sie darum bitten, auf ihrem Blog ein Urteil über sie abzugeben. Manchmal kommt es dann zu einer Kooperation, die sie als Werbung markieren muss. Verbiegen will sie sich jedoch nicht: „Ich sage meine echte Meinung. Bei einer negativen Erfahrung lasse ich es lieber, etwas vorzustellen.” Auch von ihren Followern erhält sie regelmäßig Vorschläge, welche Cafés, Restaurants oder auch Ausflugsziele sie besuchen sollte. Die meisten von ihnen sind 20 bis 30 Jahre alt, weiß sie aus der Auswertung ihres Instagram-Kanals. Auf die Kommentare ihrer Abonnenten reagiert sie. „Das macht den Charakter und Mehrwert von social media aus – und dass man eine Community ist”, erklärt sie. Von ihren Followern erfährt sie viel Wertschätzung und selten Kritik. Hauptberuflich arbeitet Anna Böhme als Social-Media-Managerin in einem großen Konzern. Die Pflege ihres Blogs „what’s lüneburg” sieht sie als Hobby. „Ich arbeite ja in Vollzeit, das hat Vorrang”, so die 27-Jährige, „aber ich sehe den Blog für mich als Verpflichtung. Das ist mein großes Glück, dass ich alles auf meinem privaten Kanal ausprobieren kann.” Aus eigener Erfahrung weiß sie, dass man schnell nicht mehr in den sozialen Medien wahrgenommen wird, wenn man nicht regelmäßig etwas von sich gibt. So nutzte sie die drei Wochen,

die sie wegen ihrer Hochzeit nicht vor Ort war, mit einer kreativen Idee: Sie rief die „Community-Wochen” ins Leben und forderte ihre Follower auf, ihr Lüneburg-Fotos zu schicken, die sie auf ihrem Kanal veröffentlichte.

Momentaufnahmen des Erlebten

Anna ist nicht nur zu Fuß in der Stadt Lüneburg unterwegs, es geht auch mit dem Rad raus in die Natur, mit dem Kanu auf die Ilmenau oder mit dem Auto in den Wildpark. Im Sommer war sie auf dem Feld Erdbeeren pflücken. „Dadurch, dass ich noch nicht lange hier bin, ist für mich alles neu”, sagt sie. Wie alle anderen Zugezogenen googelt sie auch einfach Ausflugsziele, wenn sie am Wochenende noch nichts vor hat. Ihre Ausflüge haben immer das Ziel, dass sie etwas Neues kennenlernt. „Ich fahre nicht primär hin, um zu berichten, sondern es ist einfach ein Ausflug”, erklärt Anna, „zu zweit oder mehreren findet es niemand schön, wenn man die ganze Zeit Fotos macht.” Sie legt Wert darauf, ihre Ausflüge nicht von ihrem Blog dominieren zu lassen. Um ihre Begleitung nicht zu nerven, arrangiert sie nicht lange ihre Fotos, sondern lässt ihre Community einfach durch Momentaufnahmen an ihren Erlebnissen teilhaben. „Es gibt ja auch noch analoges Leben”, betont sie. Dennoch hat sie mit ihrem Instagram-Kanal jemanden angesteckt: Ihr Mann hat das Bloggen ebenfalls für sich entdeckt und einen eigenen Instagram-Kanal zum Thema Dart aufgemacht. Zwar hat Anna von ihrer Hochzeit ein paar Fotos auf „what’s lüneburg” gepostet, doch viel Persönliches gibt sie auf ihrem öffentlichen Kanal nicht von sich preis – dafür hat sie auch noch einen privaten Account. Ihr Gesicht hat sich den Followern aber schon eingeprägt, denn es kam schon vor, dass sie in der Stadt auf ihren Blog angesprochen wurde. „Gerade sowas würde in einer größeren Stadt nicht vorkommen”, ist sie sich sicher. Anna Böhmes Lieblingsplatz in Lüneburg ist eher ein „Lieblingsweg”: Sie liebt es, von der Bleckeder Landstraße über die Lünertorstraße in die Altstadt zu gehen. „Mit dem Blick auf das Wasserviertel und die alten Häuser ist es so wie im Urlaub, wenn man abends noch mal rausgeht”, schwärmt sie. Auch das Kennenlernen von neuen Leuten empfindet sie in Lüneburg als so einfach wie in keiner anderen Stadt. Auch Annas Arbeitsplatz war von der Corona-Pandemie betroffen: Fünf Monate arbeitete sie im Homeoffice. Seit September pendelt sie nun wieder nach Hamburg, ihre Ausflüge beschränken sich auf das Wochenende. Um etwa alle zwei Tage etwas auf ihrem Instagram-Kanal zu pos-ten, greift sie auch auf Bilder zurück, die sie für später archiviert hat. Schließlich erlebt sie nicht alle zwei Tage etwas Neues, sieht aber dafür manchmal viele neue und tolle Dinge an einem Tag. Hin und wieder sucht sie einen neuen Blickwinkel auf die Stadt, nimmt mal eine Seitenstraße – doch nicht immer ist ein schönes Fotomotiv dabei. Der modernen Technik sei Dank, dass sie alle Fotos spontan mit ihrem Smartphone machen kann und nicht auf aufwendiges Kamera-Equipment angewiesen ist. Das Fotografieren aus besonderen Blickwinkeln hat sie sich selbst beigebracht, probiert aus, wie ein Haus aus verschiedenen Perspektiven aussieht. „Das hat sich durch Learning by Doing entwickelt”, erklärt sie. Inzwischen weiß sie, mit welchen Motiven sie bei ihrer Community besonders gut landen kann: „Die Klassiker wie das Rathaus, der Wasserturm und der Stint kommen sehr gut an – aber auch Sonnenuntergänge und Eisessen.”

Für Neulinge und Alteingesessene

Nicht nur ihr Mann hat durch sie viel Neues in „seiner” Stadt kennengelernt. Auch von ihren Abonnenten erhält Anna viele Rückmeldungen darauf. Dabei kommt es sowohl vor, dass sich Neu-Lüneburger bei ihr bedanken, was sie durch Anna in der Stadt kennengelernt haben – als auch Alteingesessene. „Ich kenne das selbst aus Hannover – die wenigsten gucken bei Tripadvisor, was es in ihrer eigenen Stadt zu sehen gibt”, meint sie. Ihr Blog richtet sich eher an Menschen, die in Lüneburg leben, als an Touristen – wobei diese sicher auch ihren Nutzen daraus ziehen können. Anna liebt es, bei „what’s lüneburg” ihr eigener Boss zu sein und nur den eigenen Anforderungen gerecht werden zu müssen. Ihr Kanal wird hauptsächlich mit Fotos bestückt, in den Storys auch mit kleinen Videos. Wenn sie noch mehr zu sagen hat, tut sie das auf ihrer Webseite – sozusagen der Verlängerung ihres Instagram-Kanals. Auch bei Facebook ist sie vertreten, jedoch hauptsächlich, um auf ihren Hauptkanal auf Instagram zu verweisen. Die Interaktion mit ihren Followern gelingt Anna Böhme immer wieder, indem sie sie um Tipps oder ihre Meinung zu etwas bittet. Verselbstständigt hat sich auf ihrem Kanal die Sammlung von „lünedings”: Da auffällig viele Läden, Firmen und Marken das Wort „Lüne” in ihrem Namen tragen, forderte sie ihre Community auf, ihr Fundstücke damit zuzusenden. Die Liste ist inzwischen ellenlang und wächst von Woche zu Woche weiter. (JVE)

Glaubensfragen

editorial

Schön, dass Wissenschaftler – in diesem Fall unsere Virologen – auch schon mal glauben – und nicht wissen. Zum Beispiel, wie sich die Pandemie weiter entwickeln wird ob der Lockerungen bei Sportveranstaltungen, bei Familienfesten und beim Schulbesuch in der kalten Jahreszeit. Irgendwie haben wir ja alle gehofft, binnen absehbarer Zeit wird der Spuk vorbei sein – nun sagt unser Chefvirologe Drosten mit Blick auf das Infektionsgeschehen bei unseren europäischen Nachbarn genau das Gegenteil. Also bleiben Vorsicht, Rücksicht, Umsicht die Mittel der Wahl. Unter diesen Vorzeichen werden wir uns weiterhin bewegen und begegnen müssen, bei der Arbeit, beim Einkauf, beim Sport, bei Festen und Veranstaltungen. Und davon gibt es zum Glück ja nun wieder einige größere, so lud Uelzen zum Late-Light-Shopping mit buntem Programm in die City, Lüneburg gar zum Verkaufsoffenen Sonntag mit Beteiligung der Schausteller. Alles recht diszipliniert, (fast) allen war anzumerken, dass sie wissen, was auf dem Spiel steht. Die Ligensportler scharren derweil auch schon mit den Hufen, Volleyball-Bundesligist SVG tritt auswärts am 17. und zuhause am 24. Oktober an, die Kufencracks des AEC starten am 4. Oktober auswärts gegen die HH-Sailors ihre Saison. Alle dürfen nach aktuellem Stand vor Publikum spielen, sportlich ist das auch sinnvoll, wirtschaftlich wohl eher nicht. Das große Theater hat seinen Spielbetrieb zur Freude aller Beteiligten ebenso wie das Theater im e.novum wieder aufnehmen können, die JazzIG lädt zu Konzerten ins Museumsfoyer, weitere Kulturstätten starten wieder nach und nach – es reicht schon wieder aus, damit unsere Kulturseiten und unseren Veranstaltungskalender gut und facettenreich zu füllen, überzeugt Euch! Und da rote Pappnasen bisher in keinem Hygienekonzept Erwähnung finden, wird insbesondere in den rheinischen Karnevalshochburgen vom 11.11. bis zum Aschermittwoch kaum Helau und Alaaf zu hören sein, und wer mag sich schon als kugeliger Virus verkleiden? Apropos glauben, also wir glauben fest an die Vernunft der Menschen, die hier leben, die bereit sind, aus der Krise zu lernen (lest auch die Details unserer Umfrage auf Seite 14).

Feiern ja, aber nicht um jeden Preis. In diesem Sinne wünschen wir Euch allen einen gesunden farbenfrohen Herbst und viel Erfolg beim Umstellen der inneren Uhr auf Winterzeit!

Eure stadtlichter

Waren Sie heute schon glücklich?

Jeder wünscht es sich, doch die wenigsten sagen von sich, es wirklich zu haben: Glück. Dabei ist es häufig nur eine Frage der Wahrnehmung…

eine Frage der Wahrnehmung …

Immer am 20.3. ist Internationaler Tag des Glücks. In diesem Jahr fielen die Feierlichkeiten aus. Das Corona-Virus bestimmte die Nachrichtensendungen und die Stammtische. Wer wollte da noch von Glück reden? Auch ohne Corona haben es die Deutschen angeblich nicht so mit dem Glück. Laut den Ergebnissen einer Studie des SINUS-Instituts in Kooperation mit YouGov sehen sich die Deutschen mehrheitlich mehr als Pechvögel: So denkt über die Hälfte (56 %) nicht, dass sie viel Glück in ihrem bisherigen Leben hatte. 40 % würden wichtige Lebensentscheidungen heute anders fällen. Glück – so das vorherrschende Gefühl bei vielen – haben doch meist die anderen und dann auch noch ‘die falschen’ … Doch was ist eigentlich Glück?

Glück ist keine Glückssache

Vor 900 Jahren wurde mit dem mittelhochdeutschen Wort „Gelücke“ (Macht des Schicksals) das gute Ende eines Ereignisses benannt. Heute ist Glück laut Duden eine angenehme und freudige Gemütsverfassung, ein Zustand innerer Befriedigung und Hochstimmung. Fragt man bei den Menschen genauer nach, ist der am häufigsten genannte Schlüssel zum Glück Gesundheit. Mit deutlichem Abstand folgen eine gute Partnerschaft, eine intakte Familie, ausreichend Geld und ein schönes Zuhause. Geringe Relevanz für das Glücklichsein haben hingegen meist ein erfülltes Sexualleben, eine intakte Umwelt und Schönheit beziehungsweise gutes Aussehen. Ihr Glück nehmen die Deutschen dabei am liebsten selbst in die Hand: „Jeder ist seines Glückes Schmied“… So gesehen ist jeder natürlich auch für das Ausbleiben von Glück selbst verantwortlich, was so natürlich auch nicht stimmt.

„Don’t Worry, Be Happy“?

Ob die Folgen der Pandemie, die alltägliche Kriminalität auf den Straßen, die Gefahren von Krieg oder Klimaschäden – wohin man auch blicken und was man auch näher betrachten mag: Verglichen mit dem Rest der Welt leben wir Deutschen auf einer Insel der Glückseligkeit. Dennoch gibt es für jeden Einzelnen auch genug Gründe, nicht den ganzen Tag über „Don’t Worry, Be Happy“ zu flöten. Denn das würde ignorieren, wie persönliche Schicksalsschläge oder Krankheit jedem Einzelnen zusetzen können. Das ist genau der Punkt. Glück schaut nicht über den Tellerrand. Wer arm ist, den macht man nicht glücklicher mit den Worten

Woanders auf dem Globus sind die Menschen noch deutlich ärmer. Wer Kriminalität erfahren hat, den beruhigt man kaum damit, dass die Kriminalitätsstatitik hierzulande rückläufige Zahlen aufweist, und wer schwer krank ist, benötigt eventuell Trost, aber nicht Fakten über das ach so tolle Gesundheitssystem. Glück hat sehr viel mit einem selbst zu tun. Und: Es gibt keine Glücksformel, die für alle Gültigkeit hat.  

Mehr Realismus macht zufriedener

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Wir wachsen nun mal in verschiedenen Familien, Gesellschaften und Kulturen auf, haben unterschiedliche Charaktere und machen eigene Erfahrungen, die uns prägen. So sind die Menschen eben nicht gleich, auch das Glücksempfinden ist unterschiedlich. Jahrelang hieß es, dass positives Denken glücklicher macht. Eine Studie aus Großbritannien sagt jetzt: Im Gegenteil – nicht mehr, sondern weniger Optimismus kann uns glücklicher machen. Denn Menschen mit einer realistischen, rationalen Sicht auf die Dinge, treffen die besseren Entscheidungen für ihr Leben, würden nicht so leicht enttäuscht – und sind auch darum langfristig glücklicher. Gerade in Zeiten der Pandemie kann das helfen. Vieles, was uns im Leben Freude bereitet, ist aktuell gestört, macht einfach weniger Spaß. Doch das gilt es durchzustehen. Langfris-tig könne gerade die Corona-Krise sogar zu positiven Veränderungen führen, machen Psychologen Hoffnung. „Wir bekommen ein ganz neues Gefühl dafür, was wirklich wichtig ist im Leben und lernen dadurch wieder mehr, Dinge zu schätzen“, meint der Hamburger Lifecoach Markus Braun. Sein Tipp: Man solle sich ganz bewusst darauf konzentrieren, was gut läuft – anstatt sich von negativen Botschaften übermannen zu lassen. Das erzeuge zwar nicht das Gefühl von absoluter Zufriedenheit, aber das reine Glück sei ohnehin nur eine sehr flüchtige Erfahrung … (RT)