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Die Kuh ist vom Eis…

editorial

Der meteorologische Winter hatte noch nicht ganz begonnen, da war schon „die Kuh vom Eis“. Nach sechs Jahren endloser Diskussionen ist das Produkt nun gereift und die Mehrheit der Kreistagsabgeordneten hat sich in öffentlicher Sitzung und offener Stimmabgabe (38:20) für den Bau der „Arena Lüneburger Land“ ausgesprochen. Zur Freude vieler, allen voran die Volleyballer der SVG Lüneburg, die gerade mal vier Tage vor der Abstimmung mit einem 15:13-Sieg gegen den amtierenden Meister Berlin Volleys das Ticket für das Pokalfinale am 24. Februar lösten. Stellvertretend für viele Künstler und Eventplaner darf sich auch Campus-Chef Klaus Hoppe freuen, der ja seit geraumer Zeit mit den Hufen scharrt, nimmer müde werdend, überzeugende Plädoyers für die Arena zu halten. Apropos Eis: Nicht ganz so erfolgreich zeigt sich der AEC derweil, dessen Kuh steht sprichwörtlich noch auf dem Eis, nachdem Trainerwechsel und Neuaufstellung erstmal Tribut forderten. Gut Ding will wohl Weile haben. Auch weil durch Insolv- und Turbulenzen einiger Nordclubs oft unklar ist, gegen wen aus welcher Liga man eigentlich wirklich antritt.

Wir Stadtlichter wünschen allen Lesern und Inserenten ein tolles und erfolgreiches 2019 – packen wir’s an. Und es geht auch gleich gut los, werft Blicke in unsere Termineseiten. Vollgepackt mit Theater und Film, Chor und Konzert, Ausstellung und Atelier, Party und Pappnase. Es ist eine wahre Freude. 

Apropos Vielfalt: Wir haben den Jahreswechsel dazu genutzt, statt unserer üblichen Reportage den Präsidenten der Leuphana Universität zu bitten, einmal in einem Abriss darzustellen, was die Leuphana eigentlich heute ausmacht und leistet. Wohlgemerkt, die Leuphana Universität ist mehr als ein – zugegeben polarisierendes – Zentralgebäude. Übrigens, abgesehen von Lehre und Forschung hat es die Vermarktungsgesellschaft geschafft, eine ganze Reihe zum Teil inzwischen ausverkaufter Veranstaltungen im LeuMaxx, sorry, im Audimax der Leuphana zu organisieren. Und die Gastro soll auch bald funktionieren.

Wir dürfen gespannt sein… besser gesagt, wir freuen uns sehr auf das eine oder andere.

In diesem Sinne

Eure stadtlichter

“Eine der innovativsten Hochschulen Deutschlands!”

Interview mit UNI-Präsident Prof. Dr. Sascha Spoun über das Selbstbild der Leuphana und wie die Hochschule in 50 Jahren aussehen könnte

Deutschland ist das Land der Vielfalt – das gilt auch und besonders für seine Hochschulen. Über 400 staatlich anerkannte Hochschulen gibt es zwischen Flensburg und Konstanz, darunter mehr als 100 Universitäten. Eine davon ist die Lüneburger Leuphana, bei Studenten durchaus beliebt, wie neueste Zahlen zeigen, aber auch nicht immer unumstritten. An der Spitze der Uni, die in der öffentlichen Debatte zuletzt vor allem durch Auseinandersetzungen um den sogenannten Libeskind-Bau, das neue Zentralgebäude, von sich reden machte, steht seit Mai 2006 Sascha Spoun. Ein Interview über den Status und die Zukunft der Lüneburger Hochschule.

Worin ist die Leuphana Spitze?

Sascha Spoun: „Ich würde sagen, dass die Leuphana seit Jahren zu den innovativsten Hochschulen Deutschlands gehört. Mit ihrem mehrfach ausgezeichneten, deutschlandweit einmaligen Studien- und Universitätsmodell hat sie bereits 2007 Maßstäbe gesetzt. Die Einführung eines gemeinsamen ersten Hochschulsemesters für alle Studienanfänger und das Komplementärstudium, mit dem alle Studierenden zu einem ‚Blick über den Tellerrand‘ gebracht werden, sind echte Innovationen gewesen. Mit dem EU-geförderten Innovations-Inkubator konnten wir ab 2009 unter anderem das Thema Digitale Medien an der Leuphana etablieren und zu einem heute weithin sichtbaren Profil-Element unserer Universität entwickeln. Als erste deutsche Hochschule haben wir schon 2010 eine Fakultät für Nachhaltigkeit eingerichtet, ein Thema, das heute alle bewegt. Außerdem zählen wir seit Jahren zu den gründerfreundlichsten Universitäten in Deutschland.“ 

Entspricht die Wertschätzung in der Bevölkerung dem Anspruch der Universität?

Sascha Spoun: „Das Ausmaß der tatsächlich vorhandenen Wertschätzung in der Bevölkerung ist immer schwer zu beurteilen. Aus einzelnen Gesprächen und Begegnungen weiß ich aber, dass viele Lüneburger die Bedeutung der Universität für Stadt und Region hoch einschätzen. Dabei geht es nicht nur um den Wirtschaftsfaktor Universität als einer der größten Arbeitgeber in der Region. Anerkannt wird auch, dass die Universität mit vielen Initiativen für kulturelle Vielfalt, wirtschaftliche Impulse und nachhaltige Stadtentwicklung sorgt. Das neue Zentralgebäude als Ort der Begegnung zwischen Stadtgesellschaft und Universitätsgemeinschaft wird in den kommenden Jahren sicher zu einer weiteren Verbesserung in der Wahrnehmung führen.“ 

Bei aktuellen Hochschulrankings spielt die Uni Lüneburg keine Rolle. Was läuft da schief?

Sascha Spoun: „An den klassischen Hochschulrankings beteiligen wir uns gar nicht, da sie nicht in der Lage sind, unser Studienmodell richtig abzubilden und mit den Angeboten anderer Hochschulen zu vergleichen. Das ist für uns aber kein Problem, denn mit Blick auf die Nachfrage nach den von uns angebotenen Studienplätzen kann man sagen, dass solche Rankings für uns praktisch keine Rolle spielen. Wir registrieren Jahr um Jahr eine Nachfrage, die unser Angebot bei Weitem übersteigt. Zuletzt hatten wir rund sechs Bewerbungen um jeden der 1.500 Studienplätze, die wir pro Jahr im College vergeben.“ 

Was sind Schwerpunkte in der Zukunft, wo ist die Leuphana Vorreiter?

Sascha Spoun: „Anders als viele andere Universitäten arbeitet die Leuphana themengeleitet. Das heißt, wir beschäftigen uns in Forschung und Lehre mit Themen, die unmittelbaren Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung haben: Bildung, Wirtschaft, Kultur und Nachhaltigkeit. Auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit etwa hat das dazu geführt, dass wir unbestritten im deutschen und europäischen Kontext als ein wichtiger Akteur wahrgenommen werden. Aber auch auf anderen Feldern gelingt es uns immer wieder, mit unseren Beiträgen zu punkten. Das Thema Gründerfreundlichkeit hatte ich schon erwähnt. Auch bei den Themen Digitalisierung, digitale Medien und digitale Kulturen gehört die Leuphana zweifellos zu den Vorreitern.“

Etwas spekulieren ist erlaubt: Wo sehen Sie die Uni in zehn und in 50 Jahren?

Sascha Spoun: „Gerade weil die Entwicklung – nicht zuletzt mit Blick etwa auf die Digitalisierung – so rasant verläuft, ist es außerordentlich schwierig, sinnvolle Voraussagen für so lange Zeiträume zu machen. Vielleicht kann man sagen, dass Kontinuität im Wandel hier eine wichtige Formel ist. Die Bereitschaft, Innovationen zu entwickeln und auszuprobieren, muss man sich erhalten. Nur so kann es gelingen, immer neuen Anforderungen gerecht zu werden, aber auch selbst neue Ideen zu entwickeln und damit voranzugehen. Dafür sind wir gut aufgestellt. Eines aber scheint mir sicher: Die Leuphana wird in den kommenden Jahrzehnten noch wesentlich internationaler werden, bei der Studierendenschaft ebenso wie bei den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Und die Zahl der englischsprachigen Studiengänge und -angebote wird weiter zunehmen.“ Interview: Ronald Tietjen

Offroad-Trip im Orient

Andreas Bornholdt bereiste mit seiner Freundin den Oman

Der 51-Jährige liebt das Reisen. Mit seiner Familie bereiste er früher Europa mit dem Wohnmobil. „Aber Frankreich, Spanien und Italien sind zur warmen Jahreszeit verdammt voll”, meint er. „Auf den Campingplätzen und Wohnmobilstellplätzen steht man immer Auto an Auto und guckt sich auf die Reifen. Europa ist einfach zu eng, auch die Straßen.” So suchte er mit seiner Lebensgefährtin Kirsten vor ein paar Jahren zur Abwechslung ein Reiseziel außerhalb Europas. Warm sollte es sein – und weitläufig. Damals entschieden sie sich für Namibia, welches sie 2016 mit dem Geländewagen durchfuhren. „Da haben wir für uns entdeckt, dass es die beste Art zu reisen ist”, erinnert sich der Bad Bevenser. Namibia bestach durch tolle, großzügige Campingplätze, ihr Zelt hatten sie direkt auf dem Autodach. „Daraus entstand der Wunsch, wieder so Urlaub zu machen”, erklärt Andreas Bornholdt.Auf den Oman kam er durch Zufall, als er im Internet einen Artikel über die sichersten Länder der Welt las. Das Sultanat Oman rangierte zu diesem Zeitpunkt unter den Top Ten der Welt – eine Überraschung, wenn man bedenkt, dass seine Nachbarländer auf der arabischen Halbinsel Saudi-Arabien und Jemen sind. Ungefähr ein Jahr bereiteten sich Andreas Bornholdt und seine Partnerin auf die Reise in den Orient vor. Um nichts dem Zufall zu überlassen, kontaktierten sie zur Planung eine Agentur, die auf diese Gegend spezialisiert ist. Diese stellte ihnen Material und Karten zur Verfügung. Als Reisezeit wählten sie Ende Februar 2018. „Die beste Reisezeit ist von Herbst bis März, sonst ist es zu heiß, das heißt, 40 Grad oder höher”, erklärt Andreas Bornholdt.

Campingplätze gibt es nicht

Im Oman kann man frei herumreisen, es gibt jedoch keine Campingplätze. „Die Omanis lieben es, am Wochenende herauszufahren, Barbecue zu machen und irgendwo zu zelten. Aber den Begriff „wild campen” kennen sie gar nicht”, berichtet der 51-Jährige. Sie würden quasi immer wild zelten. Als Fortbewegungsmittel wählten sie wieder einen Geländewagen mit Dachzelt. Das Zelt, das einfach auf dem Dach des Autos ausgeklappt wird, ist auch im Oman eine Besonderheit und wurde überall von den Einheimischen neugierig beäugt. Insgesamt 15 Tage waren Andreas Bornholdt und seine Partnerin Kirsten im Oman unterwegs. Die Reise startete mit dem Flugzeug über Doha zur omanischen Hauptstadt Maskat, eine Küstenstadt am Golf von Oman. Von hier fuhren sie mit dem Geländewagen in südwestlicher Richtung in das Hadschar-Gebirge, dessen höchste Erhebungen mehr als 3.000 Meter hoch gelegen sind. Hier merkte das Pärchen schnell, dass es sich mit der Temperatur verschätzt hatte: Waren es tagsüber im Schnitt angenehme 25 Grad, wurde es in den Bergen nachts empfindlich kalt. „Wir haben auf einem Hochplateau gecampt. Als die Sonne weg war, wurde es richtig kalt – ich schätze, es waren noch fünf bis sechs Grad”, erzählt Andreas Bornholdt. Weil sie nachts im Zelt richtig froren, blieb das ihre einzige Nacht in den Bergen. Für ihre Fahrt durch die Sandwüste buchten sich die beiden bereits im Vorwege einen Guide, der sie begleiten sollte. „Da fährt man nicht alleine rein, man kann sich festfahren”, erläutert Bornholdt. Mit Wüstenfahrten hatte er schon durch die Namibia-Reise Erfahrung, dennoch passierte es ihnen unterwegs einmal an einem Strand, dass sie sich zu zweit mit dem Wagen im Sand festfuhren. „Man muss vor der Fahrt in die Wüs-te Luft aus den Reifen lassen bis auf ein Bar, sonst fährt man sich fest”, so Andreas Bornholdt. „Aber ich war zu vorsichtig und habe zu wenig abgelassen.”

Mit dem Auto festgefahren

Der Bad Bevenser wusste in dieser Situation: Es ist wichtig, nicht in Panik auszubrechen. Seine Lebensgefährtin habe in jeder dieser Situationen Sicherheit ausgestrahlt, erzählt er, und so sei auch er ruhig geblieben. „Einer muss die Ruhe bewahren, Panik ist da doof”, meint er. Da ihr Auto mit der Achse im Sand auflag, musste der 51-Jährige es mit einer kleinen Sandschaufel mühsam frei buddeln. Zur Ausstattung des Wagens gehörten zwei kleine Rampen, die man unter die Reifen legt, um sich wieder aus dem Sand frei zu fahren. „Das Buddeln allein kann eine halbe Stunde bis Stunde dauern. Wir mussten das Ganze dreimal wiederholen”, erinnert er sich. Als sie das Auto schließlich aus dem Sand befreit hatten, brauchten sie weitere rund 20 Minuten, um die grünen Plastikrampen im Sand wiederzufinden. „Man sieht sie nicht gleich, weil dort am Strand überall buntes Plastik herumliegt”, erklärt Bornholdt. Maximal fünf Stunden fuhren die beiden Urlauber pro Tag. Da es schon gegen 19 Uhr dunkel wurde, begannen sie zwei Stunden vorher mit der Suche nach einem geeigneten Übernachtungsplatz. „Am Anfang haben wir immer sehr lange nach einem Schlafplatz gesucht, weil wir mit der Freiheit total überfordert waren”, erzählt Andreas Bornholdt schmunzelnd. „Man freut sich dann aber langsam über tolle Spots.” Hatten sie einen Platz gefunden, machten sie sofort Feuer, um überhaupt abends sehen zu können. Geschützt durch ihr Dachzelt, musste sich das Pärchen in der Nacht keine Sorgen wegen wilder Tiere machen. Tagsüber sahen sie nur Kamele und Ziegen, außerdem sollte es hier Wüstenfüchse und Oryxantilopen geben, doch denen begegneten sie nicht. „In der Sandwüste haben wir morgens immer viele Spuren gesehen. Nachts kommen die Tiere raus, zumindest Schlangen und Skorpione”, meint Bornholdt. In ihrem Zelt hätten sie sich aber jederzeit geborgen und sicher gefühlt – auch vor Diebstahl, denn der existiert im Oman praktisch nicht. „Es gibt keinen Grund zu klauen, die Omanis leben sehr friedlich”, erklärt der Camper.

Traditionelle Kleidung

Was das Auftreten der Einheimischen angeht, sei ihre Reise wertvoll gewesen, um gängige Vorurteile abzubauen, erklärt Andreas Bornholdt. Zwar liefen die Frauen in schwarz und vollverschleiert und die Männer in ihren hellen Gewändern herum – es sei aber akzeptiert, dass die Touristen dies nicht tun. „Sie tragen diese Kleidung aus ihrer Tradition heraus. Es gibt dort nicht so etwas wie eine Religionspolizei”, weiß er. Auch wenn der Oman ein Wüstenstaat ist, gibt es in dem orientalischen Land einiges zu sehen. Auf der Route von Andreas Bornholdt und seiner Freundin standen neben weiten Wüsten und Stränden sowie den Städten Maskat und Nizwa mehrere Wadis, ausgetrocknete Flussbetten, die von interessanten Steinformationen umgeben sind. Wie im Märchen aus Tausendundeine Nacht fühlte sich Andreas Bornholdt zudem beim Anblick von Oasen, die üppig mit Dattelpalmen, Zitronen- und Orangenbäumen bewachsen sind. „Das sieht wirklich wunderschön aus”, so der Urlauber. Einen Wassermangel gebe es im Oman nicht, da in der Regenzeit die Reservoirs ebenso mit Wasser volllaufen würden wie die Wadis. Die Fortbewegung im Oman muss man sich anders vorstellen als in Europa. Die Reise von Andreas Bornholdt und seiner Partnerin war größtenteils ein Offroad-Trip, verlief also fernab von befestigten Straßen. Oft handelte es sich um Pisten, die schwer auszumachen waren. Deshalb fuhren sie nach GPS-Angaben, die durch wenige Orientierungspunkte wie eine Palmenansammlung oder Dünen ergänzt wurden. Ihre Route hatte ihnen die Reiseagentur im Vorwege ausgearbeitet. Doch GPS und Anhaltspunkte reichten nicht immer: Einmal passierte es den beiden doch, dass sie sich im Gebirge drei Stunden lang verfuhren. Die Ortsnamen, die sie hatten, stimmten manchmal nicht mit denen auf den Schildern überein, außerdem war die Übersetzung ins Englische fehlerhaft. In einem Dorf wollten sie nach Hilfe fragen, was allein durch mangelnde Englischkenntnisse der omanischen Landbevölkerung schwierig sein würde. Zu Andreas Bornholdts Erstaunen schienen die Dorfbewohner aber auch noch nie eine Landkarte gesehen zu haben. „Sie können aber gut ihre Gegend zeichnen, und so haben sie gezeichnet, wo wir sind und wo wir lang fahren können.” Dass die Deutschen es eilig hatten, um vor Einbruch der Dunkelheit am Ziel zu sein, verstanden die Dorfbewohner, die das Pärchen gleich auf einen Kaffee einladen wollten, allerdings nicht. „Sie sind aus Tradition gastfreundlich, und Zeitdruck ist ihnen fern”, berichtet Andre–as- Bornholdt.

Neuer Blick auf die Fremde

Die Begegnungen mit den Omanis waren für den Bad Bevenser und seine Partnerin immer freundlich. Oft näherten sich die Einheimischen dem Paar neugierig und stellten Fragen, grundsätzlich zeigten sie sich sehr deutschfreundlich. „Die Leute sind friedfertig und so nett. Und sie stellen die gleichen Fragen wie wir, warum es den Terror auf der Welt gibt.” Andreas Bornholdt und seine Freundin Kirsten genossen die Freiheit und Weite, die sie im Oman erleben konnten. Unterwegs mit Wasser und Lebensmitteln haushalten und tagelang auf sanitäre Anlagen verzichten zu müssen, erdete das Paar. „Man kommt mit ganz wenig aus, und das macht einen auf seltsame Weise glücklich”, erklärt er. Der Besuch dieses exotischen Landes habe aber auch dazu geführt, die Fremde anders zu betrachten und die Einstellung beispielsweise zum Islam zu ändern. „Wir hatten sehr schöne Begegnungen, das macht weltoffen. Jetzt hat man das Gefühl, bei uns wird alles zu negativ dargestellt.” Er und seine Freundin wollen den arabischen Raum auf jeden Fall noch mal bereisen. (JVE)

Herz aus dem Takt

Immer mehr Menschen leiden an „Vorhofflimmern“

Unser Herz ist ein Workaholic, es macht niemals Pause, ist der Motor unseres Lebens. Was die wenigsten wissen: Es ist eigentlich ein Elektromotor. Denn das Herz wird von Stromstößen angetrieben, die es selbst produziert. Wenn dieser Elektromotor ins Stottern gerät, zu schnell oder zu langsam Impulse sendet, sinkt die Lebensqualität und es kann es zu schlimmen Folgeerkrankungen kommen. Unser Herz meistert eine wahre Mammutaufgabe: Es schlägt etwa 60 bis 100 mal pro Minute. Das bedeutet 80.000 bis 150.000 mal am Tag, im Lauf eines 80-jährigen Lebens sind das durchschnittlich drei Milliarden Schläge. Jede Minute pumpt es fünf Liter Blut in alle Regionen unseres Körpers. Rund 100.000 Kilometer Blutgefäße werden somit von dem 300 bis 500 Gramm leichten Organ versorgt. Diese Ausdauerleistung ist in der Natur und in der Technik einzigartig. Dass das Herz gelegentlich aus dem Takt gerät, ist daher nicht allzu verwunderlich. Lebensbedrohliche Rhythmusstörungen, zum Beispiel das Kammerflimmern, sind zum Glück selten. Sehr weit verbreitet ist dagegen das Vorhofflimmern. Bei rund zwei Millionen Deutschen ist Vorhofflimmern – oftmals als Herzstolpern wahrgenommen – die Ursache für den unregelmäßigen Herzrhythmus. Auffällig in den letzten fünf Jahren: Die Patientenzahlen dieser häufigsten Herzrhythmusstörung steigen stark. Und: Die Patienten werden immer jünger …

Noch weiß man nicht genug über diese Volkskrankheit. Führende Herzspezialisten haben sich deshalb im Kompetenznetz Vorhofflimmern zusammengeschlossen, um diese Rhythmusstörung genauer zu erforschen. Ziel ist es, die Diagnostik, Behandlung und letztendlich damit die Versorgung der Patienten zu verbessern. Unbehandelt ist das Vorhofflimmern mit einem stark erhöhten Risiko für Folgeerkrankungen verbunden – insbesondere für Schlaganfälle. Jeder fünfte der jährlich etwa 270.000 auftretenden Schlaganfälle in Deutschland ist zum Beispiel auf Vorhofflimmern zurückzuführen. Die gute Nachricht ist jedoch: Jeder kann selbst zum frühzeitigen Erkennen von Vorhofflimmern beitragen. Schon bei kleinen Unregelmäßigkeiten ist es ratsam, diese frühzeitig vom Arzt abklären zu lassen. Bei Daria M. aus Lüneburg kamen die Beschwerden „quasi über Nacht“. Die Mitarbeiterin in einem Maklerbüro fühlte sich gleich nach dem Aufwachen trotz acht Stunden Schlafs schlapp und müde, von einer Sekunde auf die andere raste ihr Puls dann plötzlich. Daria M. bekam Atemnot und Angstgefühle. Zwar beruhigte sich ihr Puls auch sehr schnell wieder, aber die typischen Anzeichen einer Herzrhythmusstörung traten bei der 45-jährigen Mutter zweier Töchter danach immer häufiger auf. Und meist dann, wenn sie nach einem stressigen Tag zur Ruhe kam, die Füße hochlegte, um ein Buch zu lesen oder in der Badewanne ein wenig entspannen wollte: „Es war die Hölle, ich wartete direkt darauf, dass mein Herz wieder aus dem Takt gerät, und dann passierte es auch schon.“

Nach einer umfangreichen Untersuchung erklärte ein Kardiologe der besorgten Lüneburgerin, was ihr Herz von einem völlig gesunden unterscheidet: Jedes Herz ist in zwei Hälften aufgeteilt, besteht aus einem Vorhof und einer Kammer. Eine Hälfte versorgt den Körperkreislauf mit Blut, die andere den kleinen Lungenkreislauf. Zieht sich der Herzmuskel zusammen, wird das Blut aus den Kammern ausgestoßen; erschlaffen sie, fließt erneut Blut in die Kammern. Damit sich der Herzmuskel zusammenziehen kann, ist ein elektrischer Reiz (Impuls) nötig, der vom Sinusknoten ausgeht und sich im Normalfall 60 bis 100 mal pro Minute wiederholt – ein gesundes Herz schlägt so im Takt. Bei Daria M. jedoch werden die elektrischen Impulse nicht nur vom Sinusknoten ausgesendet, sondern es treten zusätzliche Signale direkt im Vorhof auf. Dadurch wird der rhythmische Vorgang des Zusammenziehens und Erschlaffens gestört. Die Folge: Die Vorhöfe ziehen sich nicht mehr vollständig zusammen, sie flimmern. Daraufhin werden die Herzkammern unregelmäßig aktiviert, das Herz gerät aus dem Takt, der Puls kann stark absinken oder sich auf über 100 Schläge pro Minute erhöhen. Das Blut fließt nun unregelmäßig. Es staut sich in den Vorhöfen, kann verklumpen und Blutgerinnsel bilden. Löst sich ein Gerinnsel und wandert mit dem Blutstrom ins Gehirn, kann das dramatisch enden. Rauchen, Übergewicht, zu wenig Bewegung und ungesunde Ernährung – alles das können Gründe für das „Herzstolpern“ sein. Die Ursache kann aber auch in den Genen liegen. So können etwa Fehlfunktionen im Reizbildungs- und Leitungssystem angeboren sein oder eine Störung der Erregbarkeit von Nerven- oder Muskelzellen vererbt werden (Brugada-Syndrom). Kommt Vorhofflimmern in der Familie vor, haben die direkten Angehörigen laut Statistik ein 2,5- bis 5-fach erhöhtes Risiko, dass es bei ihnen ebenfalls auftritt.

Für Vorhofflimmern gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Es gibt Medikamente, die die Herzfrequenz regulieren. Sie wirken aber leider nicht bei jedem Patienten. Eine andere Möglichkeit ist die Katheterablation, mit der gestörtes Herzgewebe durch Hitze oder Kälte verödet wird. Ihr Kardiologe hat Daria M. zur Katheterablation geraten, im UKE in Hamburg war sie dafür zwei Tage stationär unterbracht. Der Eingriff war erfolgreich, das Herz schlägt wieder normal. Daria M. hofft inständig, dass es auch so bleibt: „Ein wenig Angst ist noch da, dass das Vorhofflimmern zurückkehrt, was tatsächlich passieren kann, wie mir die UKE-Ärzte sagten. Inzwischen kann ich die Tage aber wieder mehr genießen!“ (RT)

Drei Formen von Vorhofflimmern

  • Paroxysmales Vorhofflimmern:

Dieses kurzeitige Herzstolpern endet in der Regel innerhalb von 48 Stunden von allein. Auch Vorhofflimmer-Episoden, die im Laufe von sieben Tagen selbst in den Sinusrhythmus zurückkehren oder durch eine Therapie zum Ende gebracht werden, zählen dazu.

  • Persistierendes Vorhofflimmern:

Bei dieser Form hält Vorhofflimmern länger als sieben Tage an.

  • Permanentes Vorhofflimmern:

Ärzte sprechen von permanentem Vorhofflimmern, wenn die Erkrankung länger als ein Jahr besteht und der Patient in Abstimmung mit dem Arzt auf eine Rhythmus erhaltende Behandlung verzichtet.

Trauern geht auch fröhlich

Kati Lüdecke arbeitet als Trauerbegleiterin
für Kinder und Jugendliche

Wer einen geliebten Menschen verliert, braucht Monate bis Jahre, um darüber hinweg zu kommen. Kinder und Jugendliche trauern anders als Erwachsene, und oft benötigen sie Hilfe bei der Bewältigung. Kati Lüdecke hat deshalb in Lüneburg das Projekt „Lichtblick” ins Leben gerufen, eine Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche. Einige kommen seit Jahren zu ihr. Die 36-Jährige, die in der Nähe von Bremervörde aufgewachsen ist, kam 2002 für ihr Sozialpädagogik-Studium nach Lüneburg – und blieb. Seit 2005 arbeitet sie für PädIn, einen freien Jugendhilfe-Träger, der Beratung und Betreuung für Kinder, Jugendliche und Eltern im Raum Lüneburg anbietet. Hier war sie anfangs für die Familienhilfe zuständig. Die Idee zu „Lichtblick” kam aus ihrer Arbeit heraus. „Ich habe immer mehr Fälle bekommen, wo jemand aus dem Umfeld der Kinder verstorben war. Dann habe ich etwas gesucht, wo man die Kinder anbinden kann, habe aber nichts gefunden”, erklärt Kati Lüdecke. Vergeblich habe sie im Raum Lüneburg nach einer Trauergruppe für Kinder gesucht. So ließ sich die Sozialpädagogin zur Trauerbegleiterin für Kinder und Jugendliche ausbilden. 2008 startete bei PädIn das Projekt „Lichtblick”, das seitdem ausschließlich durch Spenden finanziert wird und nur durch die zusätzliche Mitarbeit von Ehrenamtlichen möglich ist. Inzwischen hat Kati Lüdecke bei PädIn drei Trauergruppen, zwei für Kinder ab drei Jahren, eine für Jugendliche ab etwa zwölf Jahren. Das Einzugsgebiet geht weit über den Landkreis Lüneburg hinaus. Auch wenn bei der Trauerbegleitung von „Lichtblick” die Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt stehen, wird auch gleichzeitig die Begleitung eines dem Kind nahestehenden Erwachsenen angeboten. „Am häufigsten haben wir den Fall, dass ein Elternteil gestorben ist – dann ist die Begleitperson auch betroffen”, erklärt sie. Für die Erwachsenen gibt es ein pa-rallel zu den Kindergruppen stattfindendes Gruppenangebot, das von einer Trauerbegleiterin für Erwachsene geleitet wird und in der Regel aus Gesprächen besteht.

Zwei Jahre Trauerbegleitung

Bevor ein Kind in eine Trauergruppe eintritt, findet ein Gespräch zwischen dem Kind, einer Begleitperson, meist einem Elternteil, und Kati Lüdecke statt. Die Betroffenen müssen wissen, worauf sie sich einlassen und können die Räumlichkeiten kennenlernen. Die meisten entscheiden sich dann für die Trauerbegleitung. Wie schnell nach einem Todesfall ein Kind mit der Trauerbewältigung in der Gruppe beginnt, ist sehr individuell. „Das Längste, was ich bisher erlebt habe, war nach acht Jahren. Ein Mädchen hatte den Tod ihres Bruders nicht verarbeitet, der gestorben war, als sie drei war”, erinnert sich Kati Lüdecke. Ihre Erfahrung hat ihr gezeigt, dass der Eintritt in eine Trauergruppe frühes-tens ein halbes Jahr nach dem Todesfall sinnvoll ist – wenn sich der Trubel gelegt hat, der Tod bewusst geworden ist und man an dem Punkt steht, etwas für sich tun zu müssen. Eine Warteliste für die Trauergruppen gibt es nicht. „Wir wollen nicht, dass Leute abgelehnt werden”, so Kati Lüdecke. Wie lange jemand die Trauerbegleitung in Anspruch nimmt, ist nicht festgelegt. „Der Regelfall sind zwei Jahre, aber das hängt davon ab, wie wohl man sich in der Gruppe fühlt – und vom Todesfall”, erklärt die Trauerbegleiterin, „bei Suizid, Unfall oder Mord braucht man mehr Zeit.” In der Regel geht es in der Trauergruppe um den Verlust von Geschwis-tern, Eltern oder festen Freunden – selten auch von Großeltern.

Niemand muss erzählen

Bis zu zehn Kinder gehören einer Trauergruppe an. Neben Kati Lüdecke sind jedes Mal vier bis fünf weitere Mitarbeiter dabei. Zu den 14-täglichen Treffen, die jeweils anderthalb Stunden dauern, gehören ein paar feste Elemente. Begonnen wird mit einem Anfangskreis, bei dem sich alle auf den Boden setzen, eine Kerze angezündet und eine Klangschale angeschlagen wird. Dann geht ein Redestein herum, und jeder hat die Möglichkeit, sich kurz vorzustellen und zu erzählen, wer gestorben ist. Die Vorstellung ist grundsätzlich freiwillig, niemand muss etwas sagen. „Es gibt Kinder, die in der Gruppe ihre Gefühle nicht zeigen wollen. Sie entscheiden, was sie erzählen wollen – und einige brauchen Monate, bis sie etwas erzählen”, so die Erfahrung der Trauerbegleiterin. In der anschließenden Freispielphase können die Kinder Angebote wie den Kickertisch nutzen, aber auch kreativ sein und malen oder etwas für das Grab des Verstorbenen basteln. „Sie können die Zeit nutzen, wozu sie Lust haben”, erklärt Kati Lüdecke. Sie hat beobachtet, dass die Kinder zu Beginn der Runde meist energiegeladen sind und ruhiger werden, wenn sie über ihre Trauer gesprochen haben. Während der Freispielphase wird das Thema Trauer immer wieder aufgegriffen, und auch untereinander kommen Gespräche auf. Geweint wird selten. „Die Stimmung ist fröhlich und glücklich”, erklärt die Sozialpädagogin, „das ist auch schön für die erwachsenen Begleitpersonen.” Kinder würden die Stimmung zu Hause merken und intuitiv Rücksicht nehmen, auch wenn man sie nicht darum gebeten habe. „Dadurch fragen sie zu Hause nicht nach – das versuchen wir hier aufzubrechen.” Kati Lüdecke bemüht sich, die tragischen Geschichten nicht zu nah an sich heranzulassen. „Natürlich nimmt man auch Sachen mit nach Hause”, erzählt die 36-Jährige. „Das hat sich auch geändert, seit ich eigene Kinder habe.” Man müsse gut auf sich achten. Dazu bleiben die Mitarbeiter untereinander immer im Gespräch. Vor und nach der Trauergruppe setzen sie sich zusammen, um alles durchzusprechen.

Enge Freundschaften
entstehen

Kurz vor Ende der Trauergruppe gibt es eine Abschlussrunde, zu der die Erwachsenen dazu kommen. Dann bekommen die Kinder die Möglichkeit, Fragen in den Raum zu stellen, die sie sich zu Hause nicht zu stellen getraut haben. Es geht um Details wie den genauen Todeszeitpunkt, das Lieblingsessen oder die letzten Worte des Verstorbenen. „Manchmal sind es traurige Fragen, aber es entstehen viele schöne und lustige Geschichten”, so die Trauerbegleiterin. Oft verabschieden sich Familien nicht, wenn sie meinen, dass sie die Trauerbegleitung nicht mehr benötigen. Kati Lüdecke hat dafür Verständnis. „Man merkt es, wenn es sich ausschleicht. Aber es ist schwer zu sagen, dies ist mein letztes Mal”, meint sie. In den Gruppen entstehen enge Bindungen – Freundschaften unter Familien durch die Trauergruppe sind keine Seltenheit, und auch Partnerschaften entstanden schon unter den Erwachsenen. Kati Lüdecke leitet bei PädIn seit der Geburt ihres ersten Kindes vor sieben Jahren ausschließlich die Trauergruppen für Kinder und Jugendliche, außerdem hält sie Vorträge zum Thema in Schulen und Kindergärten. „Der Tod ist ein megaspannendes Thema für Kinder”, weiß sie. In ihren Vorträgen rät sie den Familien, Kinder nicht vom Tod der nahestehenden Person fern zu halten. „Es fällt ihnen leichter, damit umzugehen, wenn sie den Verstorbenen noch mal gesehen oder sogar angefasst haben – es hilft ihnen, wenn man sie lässt. Wir empfehlen auch, Kinder mit zur Beerdigung zu nehmen. Es ist ein Familienfest, da ist es wichtig, dass sie nicht ausgeschlossen werden”, erklärt die Trauerbegleiterin. Auch für zu Hause gibt sie den Eltern Tipps, zum Beispiel für die oft schwere Weihnachtszeit ohne den Verstorbenen: „Man kann beim Weihnachtsbaum den schönsten Zweig abschneiden und ihn zum Grab bringen. Die Lücke am Baum zeigt dann auch zu Hause, dass etwas fehlt.” Die Sozialpädagogin weiß, dass nicht jeder Tipp für jeden geeignet ist – jede Familie müsse für sich herausfinden, was für sie am besten sei. „Es ist wichtig, im Gespräch zu bleiben.” Viele Familien kommen erst durch die Trauergruppe wieder miteinander ins Gespräch – zu vieles wird zu Hause nicht ausgesprochen. Das Gespräch über den Tod hält die Kinder zusammen. „Hier ist es normal, wenn jemand gestorben ist. Es entlastet die Familien, dass hier darüber gesprochen wird”, so Kati Lüdecke. Sie sieht deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern beim Umgang mit der Trauer: „Mädels reden, Jungs toben. Jungs versuchen, stärker zu sein und nicht drüber zu reden.” Die Sozialpädagogin bewundert die Kinder, wie einfach sie mit dem Thema Tod umgehen. „Es ist schwer, was manche Kinder aushalten müssen.” Die Trauergruppe könne jedoch nicht unbedingt eine Therapie ersetzen. Es gebe Familien, die eine begleitende Traumatherapie machen würden oder auf einen Therapieplatz warten. „Aber Therapien sind Einzeltherapien – das Gruppenangebot ist eine bewusste Entscheidung.” (JVE)

Farbwechsel

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Endlich kommt sie wieder, die Zeit mit heimeligem Kerzenschein auf Adventskränzen, mit dem würzigen Duft von Weihnachtsgebäck und Glühwein – und den zumindest in Lüneburg aus Bechern mit dem Libeskind-Bau als Motiv. Die Zeit der großen und vielen kleinen Weihnachts- und Kunsthandwerkermärkte, auf Marktplätzen ebenso wie in zahlreichen historischen Vierteln und Innenhöfen, auch in den Dörfern der Region. Geht’s Euch auch so, dass Ihr Euch nach den ganzen Amerikanismen von Halloween, Thanksgiving, Sale, Supersale und Megasale, von Schwarzen Freitagen und ganzen Wochen, bei einem Billigflieger (unglücklicherweise) gar Black Flyday genannt, Cyber-Montagen und was weiß ich noch alles, so richtig nach beschaulicher, besinnlicher klassischer Adventszeitstimmung sehnt? Den vorgezogenen Weihnachtskaufrausch gegen Gedanken eintauscht, wann ist meine Stadt wieder beleuchtet, wann belebe ich meine sozialen Kontakte wieder und gehe mit Familie, mit Freunden oder Kollegen zu einem Weihnachtsmarkt, wie soll denn diesmal der Weihnachtsbaum aussehen, was gibt’s Leckeres zu den Feiertagen? Was man so zur persönlichen Entschleunigung tun kann, ganz, ganz viele Ideen zu diesen Themen findet Ihr in dieser stadtlichter-Ausgabe. Apropos Entschleunigung, nicht die Herzfrequenz der AEC-Fans bei den ersten Siegen der Saison in Pokal und Liga mit dem neuem Trainer, nicht die der SVG-Fans beim 3:1 in Frankfurt, auch nicht das Herzflimmern bei frisch Verliebten, sondern das lebensbedrohliche Vorhofflimmern ist das Thema unserer aktuellen Reportage in dieser Ausgabe. Im Gegensatz dazu bieten wir auf vielen Seiten Tipps und Termine, die das Herz erfreuen sollen, auch viele Veranstaltungen im kommenden Jahr, deren Karten gut unter Euren Weihnachtsbaum passen werden, vom Konzert übers Ballett bis zur Oper, von Comedy übers Kabarett bis hin zu den großen Festivals in der Region, allen voran das OPEN R in Uelzen und das A Summer‘s Tale in Luhmühlen. Etwas gemeinsam mit dem Beschenkten erleben zu können… doppelte Freude. Das Herz höher springen lassen, dieses Gefühl können wir einigen Lesern auch in dieser Ausgabe schenken, dann, wenn sie als Gewinner einer unserer tollen Verlosungen in diesen Seiten benachrichtigt werden. Auch die 18-jährige Jacqueline Dittmers konnte gerade erst hr Herz springen spüren, wurde sie doch zur Adendorfer Eiskönigin gewählt. Glückwunsch! 

In diesem Sinne, genießt die Zeit der Vorfreude, genießt die stadtlichter-Lektüre. Wir wünschen Euch eine schöne, besinnliche Vorweihnachtszeit und ein frohes Fest! Am 28.12. ist dann, pünktlich wie immer, die Januarausgabe der stadtlichter überall erhältlich.

Eure stadtlichter

Heisse Phase

editorial

Es geht heiß her. Nein, diesmal nicht gemeint in Richtung Klima und Fahrverbot, Landtagswahlen und Watschenbäume, sondern beispielsweise der Start in die Glühwein-Saison. Allerorten wird bereits kräftig aufgerüstet, um Glühwein weiß oder rot, mit oder ohne Schuss, Lumumba, Eierpunsch und ähnlich Teufelszeug rechtzeitig zum Beginn der Adventszeit zum Dampfen zu bringen. Natürlich in der Hoffnung, dass spätestens einige Tage vor dem 1. Advent der Sommer vorbei ist, die letzten Freibäder geschlossen sind und alle Fähren wieder fahren können – bevor das Elbe-Rinnsal möglicherweise bald zufriert. Verkehrte Welt. Heiß her geht’s schon seit ein paar Wochen im heißesten Kühlhaus des Nordens, dem Walter-Maack-Eisstadion. Der AEC ist zwar in den ersten Spieltagen noch nicht so richtig in Schwung gekommen, aber Verantwortliche und Spieler sind voller Zuversicht und Energie. Das müssen sie auch, denn der November stellt die Adendorfer Kufen-Cracks gleich vor drei große Herausforderungen: Bremen, der HSV und Nordhorn machen hier ihre Aufwartung. Auch die Bundesliga-Volleyballer haben im November eine Reihe Herausforderungen zu bestehen, während die Salzstadtkeiler, Lüneburgs Inlinehockey-Truppe, bereits ihre Regionalliga-Meisterschaft in der Tasche haben. Heiße Zeiten auch für die vielen ausgehfreudigen Lüneburger und Gäste, denn gleich am 3. November laden 18 Lüneburger Locations zur 14. Nacht der Clubs ein. Der Clou: 18 Mal Livemusik und nur einmal 8 Euro Eintritt zahlen.

Noch einmal sei das Wort heiß hier bemüht, denn für die Schulabgänger 2019 beginnt jetzt die heiße Phase in Sachen Berufswahl. Damit die gut gelingt, bieten jetzt bereits zwei Veranstaltungen professionelle Hilfen für Schüler und deren Eltern an, die Ausbildungsbörse der Arbeitsagentur in Uelzen und die Messe parentum in der Oberschule am Wasserturm in Lüneburg. Aktiv mit dabei sind zahlreiche Ausbildungsbetriebe der Region mit ihren Angeboten. Der frühe Vogel…

Apropos Wurm: Der ist offensichtlich drin in der bunten Shopping- und Gastrowelt der Hansestadt. Jedenfalls kann man aktuell gar nicht darüber hinwegsehen, wie viele Betriebe in den Flaniermeilen Lüneburgs dunkel sind. Das ist in der Gastro-Meile Schröderstraße besonders auffällig, aber auch in guten Lagen der Grapengießerstraße klaffen unübersehbare Lücken. An unserem Stammtisch haben wir Passanten nach ihren spontanen Ideen für diese vielen Leerstände gefragt. Mehr auf Seite 14. Da eine Reihe unserer Weihnachtsmärkte bereits in der Woche vor dem 1. Advent öffnen, allen voran der größte Markt der Weihnachtsstadt Lüneburg vor dem Rathaus, haben wir in dieser Ausgabe schon mal eine Vorschau für euch zusammengestellt.

In diesem Sinne wünschen wir Euch allen einen guten Start in die graue Zeit, hellt sie Euch einfach auf mit den vielen Angeboten an Kultur, Comedy, Musik und Geselligkeit, zum Beispiel beim After-Work-Punsch mit Kollegen, Freunden, Familie.

Eure stadtlichter