Alle Artikel von admin-stadtlichter

Der Duft der Krankheit

Manche Gerüche stinken zum Himmel – können aber auch Frühwarnzeichen sein

Verströmt eine Person in unserer Umgebung unangenehme Gerüche, schieben wir das schnell auf mangelnde Hygiene. Manchmal zu schnell, denn bestimmte Düfte, die über den Atem, die Haut oder Ausscheidungen wie Urin oder Schweiß abgegeben werden, können auch ein Zeichen für schwerwiegende Krankheiten sein. Diese charakteristischen Düfte kann man nicht mit einem kräftigen Schluck Mundwasser, einem guten Deo oder auch einer warmen Dusche bekämpfen. Sie sollte man ernst nehmen und möglichst zügig einen Arzt aufsuchen.

Tierische Schnüffler

Dass menschliche Ausdünstungen Frühwarnzeichen für Krankheiten sind, ist dabei auch keineswegs eine neue Erkenntnis. Viele wissenschaftliche Studien belegen dies. Darunter sind auch Forschungen mit speziell trainierten Hunden. Ausgebildete Krebshunde können laut einer Studie der kalifornischen Pine Street Foundation in 99 Prozent der Fälle Lungenkrebs und in 88 Prozent der Fälle Brustkrebs erschnüffeln. Damit sind sie treffsicherer als eine Mammographie-Untersuchung. Menschen können bei dem exklusiven Geruchssinn der Vierbeiner nicht mithalten: Während sie über schlappe fünf Millionen Riechzellen verfügen, bringt es eine Hundenase auf über 200 Millionen Geruchssensoren. Dennoch gibt es auch immer wieder Fälle von menschlichen Super-Spürnasen – wie den der Schottin Joy Milne, die weltweit Schlagzeilen machte, weil sie anhand des „leicht holzigen, moschusartigen“ Geruchs des T-Shirts einer Person feststellen konnte, ob diese an Parkinson erkrankt war oder nicht …

Flüchtige chemische Verbindungen

Aber warum riechen kranke Menschen überhaupt anders? Das liegt unter anderem daran, dass der menschliche Körper pausenlos flüchtige chemische Verbindungen an die Umgebung abgibt. Diese Substanzen variieren jedoch je nach Alter, Ernährungsweise und Gesundheitszustand. Auch die Mikroben, die in unserem Darm und auf unserer Haut leben, beeinflussen unseren Körpergeruch, indem sie unsere Stoffwechselprodukte aufspalten.

Auf diese Gerüche sollten Sie achten

Im Grunde ist jeder Mensch eine Geruchsfabrik auf Beinen. Wer das versteht und versucht, diese teils sehr unterschiedlichen Gerüche bewusst wahrzunehmen, kann Veränderungen auch eher bemerken: Riecht der Atem plötzlich süßlich, kann das ein Zeichen für eine aufkommende Mandelentzündung sein. Verantwortlich für den Geruch sind Bakterien, die dann auch die typischen Schluckbeschwerden auslösen. Riecht der Atem eher scharf nach Nagellackentferner (nach Aceton), deutet das auf Diabetes Typ I hin. Der Duft entsteht, wenn der Körper aufgrund des Insulinmangels aus Fett Energie gewinnen muss. Dabei wird als Nebenprodukt Aceton produziert. Wer sich schon einmal die Haare gefärbt hat, vergisst den beißenden Geruch von Ammoniak nicht. Deshalb fällt es einem meist schnell auf, sobald das Gas über die Haut ausdünstet. Es entsteht ganz natürlich, wenn der Körper Eiweiß abbaut und weist auf mögliche Leberprobleme hin.

Denn normalerweise wandelt die Leber Ammoniak direkt in Harnstoff um. Ist sie jedoch erkrankt, funktioniert das nicht mehr. Dann gelangt das Gas ins Blut, und der Körper versucht es abzuatmen. Wenn die Haut leicht nach Urin riecht, sollte man speziell die Nieren durchchecken lassen. Sind die geschädigt, kann es passieren, dass Harnstoff und Kreatinin (Abbauprodukt des Muskelstoffs Kreatin) nicht mehr ausreichend über den Urin ausgeschieden, sondern über den Schweiß abgegeben werden. Wenn es beim Wasserlassen strenger als sonst nach Harn riecht, könnte eine Blasenentzündung im Anmarsch sein. Schuld an dem Geruch sind Bakterien, die im Urin Fäulnisprozesse in Gang setzen. Eine harmlose Geruchsveränderung kann aber auch durch den Verzehr bestimmter Lebensmittel wie zum Beispiel Spargel entstehen, ebenso wie durch Medikamente oder nach übermäßigem Alkoholkonsum. Auf eine Unterfunktion der Schilddrüse weist Schweißgeruch hin, der an Harn oder Essig erinnert. Der Grund: Bei einer Schilddrüsenunterfunktion verändern sich der gesamte Stoffwechsel und der Körpergeruch. Typisch für Typhus sind Ausdünstungen, die das „Aroma“ von frischem Brot verströmen. Gelbfieber dagegen kann dafür sorgen, dass die eigene Haut wie ein Metzgerladen riecht. Ursachen für Mundgeruch sind in 90 Prozent der Fälle erkrankte Zähne mit Karies oder mit Parodontose. Mundgeruch kann aber auch Folge einer schwerwiegenderen Störung im Magen-Darm-Bereich, wie zum Beispiel einer Gastritis, sein. Riecht es beim Aufstoßen nach vergorenem Obst könnte ebenfalls eine Gastritis schuld sein. Tipp: Ein Arzt kann per Atemtest feststellen, ob der Magenkeim Helicobacter pylori das Leiden verursacht hat.(RT)

 

Hier geht’s zur Arztsuche: www.arztauskunft-niedersachsen.de.

Die Igelmama

Maria Kellner hilft geschwächten Igeln, nicht nur gut über den Winter zu kommen

Maria Kellner hat sich ihre Passion nicht selbst ausgesucht, sie kam quasi zu ihr. „Als ich einen kleinen Igel mit 120 Gramm in meinem Garten gefunden habe, war das der Anstoß”, erinnert sich die 56-Jährige. Seit zehn Jahren pflegt sie zu kleine, verwaiste, kranke und geschwächte Igel gesund und wildert sie wieder aus. Zum Teil ist sie dafür nächtelang wach. Maria Kellner lebt in Jelmstorf im Landkreis Uelzen, hier gibt es große Gärten, viel Wald und wenig Autoverkehr. Die Igel kommen gerne in ihren Garten, weil sie ihnen gute Bedingungen schafft. Hier steht eine Futterstelle, an die nur Igel herankommen. In ihrem Keller und ihrer Garage päppelt die Igelhelferin die Tiere auf und pflegt sie gesund. Als sie vor zehn Jahren den kleinen Igel fand, recherchierte Maria Kellner zunächst im Internet. Sie landete bei der Igelhilfestation in Hannover, wo sie telefonisch von einer Frau Instruktionen bekam, die inzwischen eine gute Freundin von ihr ist. Sie lernte zum Beispiel: „Ab einem Gewicht von 120 Gramm braucht der Igel keine Ersatzmilch mehr.” Nach dem ersten fand sie bald den nächsten kleinen Igel – ihrer Vermutung nach, die Schwester des ersten. Bruder und Schwester, die sich sofort aneinander kuschelten, taufte sie Mecki und Stupsi. „Da habe ich meine Liebe zu den Igeln entwickelt”, erzählt sie.

Erstversorgung des Igels

Die Igelhelferin meint, dass in den Medien viel Falsches über Igel verbreitet wird – und dass auch Tierärzte und Tierheime viele Schwachstellen haben. Es liegt der 56-Jährigen am Herzen, über die Igelhilfe aufzuklären. „Oft wird nicht kundgetan, dass es einen konkreten Ablauf gibt, wenn man einen hilfsbedürftigen Igel findet”, meint Maria Kellner. Die Igelpflegerin klärt auf: „Hilfsbedürftig ist ein Igel, wenn er offensichtlich verletzt, verwaist, abgemagert ist, taumelt oder apathisch ist. Ein hustender Igel braucht Hilfe, weil er Lungenwürmer hat. Und wenn ein junger Igel Mitte Oktober noch unter 250 bis 300 Gramm wiegt, braucht er ebenfalls Hilfe.” Igelmütter, die bis zu neun Babys pro Wurf gebären, richten sich in ihrem Nest nach dem stärk-sten Nachwuchstier. Nach einer gewissen Zeit „schließt” die Mutter ihr Nest und verlässt ihre Jungen. „Die Großen schlagen sich dann durch, und die Kleinen schaffen ihr Gewicht von 700 Gramm bis zum Winterschlaf nicht zu erreichen“, erklärt Maria Kellner. Dass die Mutter ihre Kleinen alleine lässt, habe einen einfachen Grund: „Die Mutter weiß, jetzt kommt der Winter. Dann hat sie noch vier bis sechs Wochen Zeit, sich Winterspeck anzufressen. Sie ist dazu gezwungen, ihr Nest zu schließen, um selbst am Leben zu bleiben.” Die Mutter brauche mindestens ein Gewicht von 1.100 Gramm, um das nächste Frühjahr zu erleben. Maria Kellner handelt immer nach dem gleichen Muster, wenn sie einen hilfsbedürftigen Igel findet. So sollte man zunächst schauen, ob er Fliegeneier am Körper hat, so die Igelhelferin. „Wenn er gelbe Nester in den Stacheln, unter den Armen, am Po oder am Kopf hat, sind das Fliegeneier, die man mit Zahnbürste und Pinzette komplett entfernen muss, bevor der Igel dann ins Warme muss”, erklärt sie. „Schwache Igel sind davon oft betroffen.” Das Entfernen sei – unbedingt im Freien – nötig, da sich ansonsten aus den Eiern in Sekunden Maden entwickeln würden, die bei Wärme in die Körperöffnungen des Igels krabbeln und ihn quasi von innen auffressen würden. Danach könne man den Igel wiegen und in einen mit Zeitungspapier ausgelegten größeren Karton setzen. In diesen Karton stellt man einen kleineren Schlafkarton, kleine Igel bekommen zusätzlich eine handwarme Wärmflasche dazu.

Nachtaktiver Fleischfresser

Wichtig für den nachtaktiven Igel ist Dunkelheit, angepasst an den Tag-Nacht-Rhythmus. „Wenn er die ganze Zeit nur Licht oder nur Dunkelheit hat, wird der Igel hektisch, und sein Biorhythmus kommt völlig aus dem Gleichgewicht”, erklärt die Igelhelferin. Wenn man kein Katzen- oder Welpenfutter als Pastete habe, helfe fürs Erste ein gekochtes, klein geschnittenes Ei oder ohne Öl gebratenes Hack oder Rührei – oder ein ohne Gewürze gekochtes Hühnerbein. „Der Igel ist ein Fleischfresser”, erklärt die Igelhelferin. „Er isst nichts mit Soße, keinen Fisch, aber auch kein Obst oder Gemüse. In freier Wildbahn isst er Krabbelgetier wie Raupen, Larven und Würmer.” Weil sein Lebensraum zunehmend verschwinde, weiche er oft auf Schnecken als Nahrung aus. „Aber Schnecken sind die größten Parasitenüberträger für den Igel”, weiß sie. Und wenn Schnecken vergiftet seien, vergifte sich der Igel auch und sterbe einen qualvollen Tod. Nach der Erstversorgung rät Maria Kellner, eine nahe gelegene Igelpflegestation zu kontaktieren. „Wenn jemand den Igel nicht behalten will, wäre die Nähe wichtig, denn die Autofahrt ist für ihn Horror”, erklärt die 56-Jährige. Der Besuch eines Tierarztes sei nicht immer ratsam, nur bei einem verletzten Igel. „Der Igel als Wildtier hat eine andere Verstoffwechselung als Hund, Katze oder Kaninchen, deshalb sind auch die Dosierungen oft völlig anders”, meint sie. Die bei Haustieren üblichen Mittel gegen Würmer und Flöhe vertrage der Igel nicht. Sie arbeitet ausschließlich mit einer Tierarztpraxis in Bienenbüttel zusammen, der sie vertraut. Mit dem Tierarzt bespricht sich die Igelhelferin auch, wenn ein Igel schwer verletzt ist oder operiert werden muss. Maria Kellner hat regelmäßig Igel zur Pflege. Doch ihr Hauptziel ist stets die Auswilderung, denn es ist weder natürlich noch gesetzlich erlaubt, sich Wildtiere zu halten. Die Jelmstorferin weiß: „Wenn der Igel bis Ende November und bei guter Wetterlage 700 Gramm hat, kann er noch ausgewildert werden und macht den Winterschlaf draußen.” Während die Männchen schon ab Ende Oktober ihren Winterschlaf machen, legen sich die weiblichen und die kleineren Igel erst ab Ende November schlafen. „In dieser Zeit sind sie bewegungsunfähig und atmen maximal sechsmal pro Minute”, erläutert sie. Wird es Ende April, Anfang Mai wieder wärmer, wachen die Igel wieder auf. Alle Igel, die bei Frost und Schnee umherlaufen, seien hilfsbedürftig.

Gefahr durch Gartengeräte

In der freien Natur werden Igel nur zwei bis drei Jahre alt. Haben sie jedoch täglich Zugang zu einer Futterstelle, können sie auch schon mal sieben oder acht Jahre alt werden. Eine große Gefahr für die Igel stellen neben Autos scharfe Gartengeräte dar. Maria Kellners zweiter Igel Stupsi überlebte das Aufschlitzen seiner Körperseite durch einen Kantenschneider nur, weil er schnell operiert und anschließend von der Igelhelferin wieder aufgepäppelt wurde. „Nach einem halben Jahr war alles verheilt, sie konnte wieder ausgewildert werden und ist sieben Jahre alt geworden”, berichtet sie. Sie weiß genau, mit welchem Igel sie es zu tun hat, denn sie markiert jeden Igel, den sie zur Pflege hatte, an einer anderen Stelle mit einem kleinen Punkt. Ab Ende Oktober kann man davon ausgehen, dass alle Igelnester geschlossen sind. „Dann sammelt man kleine Igel ab, und abgemagerte oder dehydrierte Mütter nimmt man auch auf”, erzählt Maria Kellner. Die Hauptsaison beginnt für sie im August/September, wenn sie sich um die ersten verwaisten Igelbabys kümmert. Um diese aufzupäppeln, muss sie sie auch nachts alle zwei Stunden mühsam mit einer kleinen Spritze füttern. „Dieses Jahr hatte ich in der Spitze 16 Igelbabys. Wenn man in zwei Stunden 16 Igel füttert, ist man gut, und dann kann man gleich wieder von vorne anfangen. Dann bleibt keine Zeit zum Schlafen”, erzählt sie schmunzelnd. Die Igelbabys erhalten anfangs Welpenersatzmilch, später Nass- und Trockenfutter. Kuhmilch hingegen vertragen Igel überhaupt nicht, da sie eine Laktoseunverträglichkeit haben. Dass die Jelmstorferin Igel gesund pflegt, hat sich in der Umgebung schnell herumgesprochen, und ihr wurden immer mehr Tiere gebracht. Zu ihr kommen Igel aus einem Umkreis von 150 Kilometern, schätzt sie. Da sie alles aus eigener Tasche finanziert, gründete sie vor einem Jahr mit zwei Igelpflegern aus Hannover den Verein Igelhilfe Lüneburger Heide – auch, um Spendenbescheinigungen ausstellen zu können. Die Kosten für Spezialnahrung, Medikamente und Tierarztbesuche sind hoch, auch der Bau eines Freigeheges geht ins Geld. Zwar gibt es aus der Nachbarschaft regelmäßig Futter- und Zeitungsspenden – als Unterlage für die Igelboxen – doch viele Personen, die einen hilfsbedürftigen Igel abgeben, sehen nicht ein, auch etwas Geld dazu zu geben. Ein Igel kostet etwa 3 Euro pro Tag und muss oft wochenlang betreut werden.

 

Jeder hat eigenes Wesen

In freier Wildbahn hat der Igel mit manchen Unwirtlichkeiten zu kämpfen. Neben den Fliegeneiern kann er von einem Pilz, Ekzemen, aber auch Milben und Flöhen befallen werden. Der Igelfloh springt übrigens weder auf uns Menschen, noch auf Haustiere wie Hund und Katze über, wie ein Volksglaube es sagt. „Niemand, der einen Igel aufnimmt, braucht Angst zu haben, dass er oder die eigenen Haustiere von dem Igel Flöhe bekommen”, erklärt die Igelpflegerin. Ein weiteres Problem für den stachligen Säuger sind Gewässer, aus denen sie gerne trinken, ohne Hilfe aber nicht wieder herauskommen, falls sie hineinfallen. Ein kleines Brett am Ufer kann ihm helfen, ebenso an Fensterschächten und Kellertreppen – denn kleine Igel können Stufen und größere Absätze nicht erklimmen. Der Igelhelferin macht auf ein weiteres Problem aufmerksam: Da die Tiere momentan sehr hungrig und ständig auf Nahrungssuche sind – sie können Futter bis zu einem Kilometer weit riechen – fressen sie sich auch in die gelben Säcke hinein, die überall zur Abholung am Straßenrand liegen. „Der Igel krabbelt in Tierfutterdosen und kommt rückwärts nicht wieder raus, weil sich dabei seine Stacheln aufstellen. Er wird von der Müllabfuhr mit abgeholt und bei lebendigem Leibe verbrannt”, sagt die Igelhelferin. Es reiche schon, die gelben Säcke in einer Höhe von 80 Zentimetern am Zaun oder Baum aufzuhängen, damit der Igel ihn nicht erreichen kann. Mitte Oktober hatte Maria Kellner 14 Igel zur Pflege, und das ist erst der Anfang. Rund 20 überwintern jedes Jahr in ihrer Garage und werden erst im Mai wieder ausgewildert. Nach Monaten der Pflege und Fürsorge fällt es der 56-Jährigen nicht immer leicht, ein Tier wieder in die Natur zu entlassen. „Oft stehe ich da, und mir laufen die Tränen runter, aber da darf man nicht egoistisch sein und sagen, der ist so süß, den behalte ich”, meint sie. Es tröstet sie, dass die in ihrem Garten ausgewilderten Igel zu ihrer Futterstelle zurückkommen. Kommen Igel aus einer anderen Region, werden sie an ihrem Ursprungsort wieder ausgesetzt, wenn keine große Straße in der Nähe ist. Jeder Igel bei Maria Kellner hat einen Namen, und jeder wächst ihr mit seinem besonderen Wesen mit der Zeit ans Herz. Nur deshalb verbringt sie fünf bis acht Stunden am Tag mit ihren Igeln, kümmert sich schon morgens früh vor der Arbeit zwei Stunden um das Reinigen der Boxen und gibt Medikamente und Futter. „Wenn man nonstop eine Woche nicht zum Schlafen kommt, denkt man schon, warum machst Du das nur?” meint sie. Doch sie ist schon mit Tieren groß geworden und lebt nach der Devise ihres Vaters: Erst die Tiere, dann die Menschen. (JVE)

November-Blues?!!

editorial

Nicht die Zeit, aber die Uhr ist erfolgreich zurückgestellt – es ist wieder dunkel. Morgens und abends. Dunkel. Eigentlich verbirgt sich hinter dem November-Blues die depressive Stimmung, die ob dunkelgrauer, nasskalter Novembertage Raum greift, negativ getoppt von den Gedenktagen des Monats, Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag, Totensonntag, Buß- und Bettag. Ausdrucksvolle Blues-Musiken sind dann der Auftakt, nach Gedenken und Besinnung wieder fröhliche Gedanken und Töne klingen zu lassen. Und davon gibt es im November Gelegenheit en masse in der Region Lüneburg, Uelzen und Winsen. Die Lüneburger Nacht der Clubs ist ja inzwischen ein legendäres Beispiel dafür, wie man alle wichtigen Musikstile an einem Abend in 15 Locations erleben kann. 2. November, ab 21 Uhr – der Auftakt. Blues, Soul, Rock, Pop und mehr. Viel Vergnügen!  

Fröhlich, weil aus der Not eine Tugend gemacht, können auch die Gäste bei der hoffentlich keiner Wiederholung bedürftigen Eishockey-Retter-Party am 2. November in Adendorf sein, ebenfalls gedacht, um aus dem Blues der Kufencracks, die derzeit auf Inlinern den Ernstfall trainieren, wieder ein kämpferisch-fröhliches Team zu formen – wenn das Eis pünktlich kommt. Viele weitere Events in unseren Theatern, Kinos, Konzertsälen und auf den Comedybühnen werden den sprichwörtlichen Blues vertreiben helfen, das Ausgehen wird durch Umbrüche und neue Gesichter an den verschiedenen Kneipenmeilen wieder neuen Auftrieb erhalten, zudem beginnen schon in der letzten Woche des November viele Weihnachts- und Wintermärkte in der Region, die Glühweinsaison nimmt ihren Lauf – ein Überblick hier im Magazin.  

Ein bisschen vorweihnachtliche Stimmung wollen wir dann auch schon mal mit und in diesem Magazin streuen, denn es gibt bei den Must Haves schon nette Geschenkideen und bei den vielen Veranstaltungen, die wir ankündigen, auch eine ganze Reihe begehrter Tickets zu gewinnen, sogar zwei je 200 Euo starke Freikartenpakete für den Winterdom sind dabei. stadtlichter lesen ist übrigens in jedem Fall ein Gewinn. Irgendwie ein Gewinn war es auch für das Salzmuseum, als es jetzt eine Zusage über 4,5 Millionen Euro Fördermittel erhielt (Seite 15), übrigens gibt es dort aktuell eine neue Sonderausstellung, Titel: SALZ 53° 15‘ N I 12° 25‘ E. 

In diesem Sinne wünschen wir Euch allen eine schöne Zeit, in der Euch das Salz in der Suppe erfreut und in der Blues nur als Musik eine Rolle spielt!

Eure stadtlichter

Stimme der Jugend

Der Student Lukas Zimmermann engagiert sich als Jugendbotschafter für die Kampagnenorganisation ONE

In erster Linie ist Lukas Zimmermann Student. Doch momentan liegt ihm sein Ehrenamt mehr am Herzen. Der 22-Jährige engagiert sich seit anderthalb Jahren für die Lobby- und Kampagnenorganisation ONE. Eine Aufgabe, die ihm schon viele interessante Begegnungen eingebracht hat. Aufgewachsen und zur Schule gegangen ist Lukas in Freiburg im Breisgau. Nach der Schule absolvierte er ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) bei der Bramfelder Laterne in Hamburg, einem Infozentrum für Globales Lernen mit angeschlossenem Weltladen. Hier entwickelte er ein Workshop-Angebot zum Klimawandel und wirkte an Info-Veranstaltungen mit. Zwar nahm er daraufhin in Karlsruhe ein duales Studium für Sicherheitswesen auf, doch dieses entsprach nicht seinen Vorstellungen. So ging er für ein viermonatiges Praktikum nach Dresden, das er bei „arche noVa – Initiative für Menschen in Not” machte, einer Organisation, die weltweit im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit und Humanitären Hilfe aktiv ist. In dieser Zeit reifte in Lukas die Idee, sich langfristig ehrenamtlich im Bereich der Entwicklungspolitik zu engagieren. Seine Internetrecherche führte ihn zu ONE, einer entwicklungspolitischen Lobby- und Kampagnenorganisation zur Bekämpfung von extremer Armut und vermeidbaren Krankheiten. ONE setzt sich im Dialog mit der Öffentlichkeit und politischen Entscheidern für kluge und effektive Politikansätze und Programme ein, um Aids und vermeidbare Krankheiten zu bekämpfen, Investitionen in Landwirtschaft und Ernährung zu erhöhen und mehr Transparenz bei Maßnahmen zur Armutsbekämpfung zu schaffen. ONE hat ihren Hauptsitz in Washington D.C. und führt Länderbüros in Abuja (Nigeria), Berlin, Brüssel, Johannesburg, London, Ottawa und Paris. In Deutschland arbeitet ONE seit 2011 mit einem Jugendbotschafter-Programm für junge Menschen von 18 bis 35 Jahren. Ziel dieses Programms ist es, die Erfolge im Kampf gegen extreme Armut in Entwicklungsländern bekannter zu machen. Um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen, treffen die Jugendbotschafter regelmäßig auf Spitzenpolitiker und informieren bei öffentlichen Veranstaltungen.

Einziger Botschafter in Lüneburg

Anfang 2018 bewarb sich Lukas Zimmermann bei ONE um das Ehrenamt als Jugendbotschafter, wofür er nach einem Telefoninterview die Zusage bekam. Seit Herbst 2018 lebt er nun in Lüneburg, studiert Umweltwissenschaften und Politikwissenschaften und engagiert sich von hier aus für ONE. Während es in Deutschland 50 ONE-Jugendbotschafter gibt, ist Lukas in Lüneburg der Einzige. Um mit seiner neuen Aufgabe vertraut gemacht zu werden, wurde Lukas zu einer dreitägigen Auftaktveranstaltung nach Berlin eingeladen, um Grundkenntnisse über Themen wie Lobbyarbeit, Pressearbeit und Entwicklungszusammenarbeit sowie über die Organisation zu erlernen. Dann konnte die Kampagnenarbeit beginnen. Die Jugendbotschafter erhalten von der Organisation ONE aus Berlin jede Woche eine E-Mail mit Informationen über anstehende Kampag-nen. Hier erfahren sie auch, wofür und wo noch Helfer gebraucht werden. Das Länderbüro in Berlin, in dem sieben Hauptamtliche arbeiten, koordiniert die Arbeit für ganz Deutschland. Wer sich bereit erklärt, an einer Aktion teilzunehmen, erhält Hintergrundmaterial zum Thema. „ONE gibt auch Spickzettel aus mit Forderungen an die Bundesregierung”, erklärt Lukas. Zwar bestreiten die neuen Jugendbotschafter ihre ersten Treffen mit Politikern gemeinsam mit erfahreneren Botschaftern, doch Lukas‘ erste Zusammenkunft mit einem CDU-Politiker lief nicht günstig, wie er sich erinnert: „Der Politiker war gegen die Entwicklungszusammenarbeit, und ich wusste nicht, wie ich da gegenanreden soll. Man lernt von den anderen, wie man da reagiert.” Für diese Fälle gibt es vor- und nachbereitende Gespräche mit anderen Jugendbotschaftern. „Jetzt ist immer noch eine Grundaufregung da. Es kommt aber auf die Person an, mit der wir uns treffen. Es ist generell schwieriger mit den Regierungsparteien”, erklärt der 22-Jährige. Schließlich würden sich die Forderungen an sie richten. „Wir versuchen aber auch, andere Parteien zu treffen.” In ihrer Arbeit müssen die Jugendbotschafter überparteilich sein, es ist ihnen aber erlaubt, Mitglied in einer Partei zu sein. In seiner Zeit als Jugendbotschafter hat Lukas schon einiges erlebt. Vor den EU-Wahlen war er im Februar mit allen deutschen Jugendbotschaftern in Berlin, um Gespräche mit Bettina Hagedorn, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium, sowie mit Außenminister Heiko Maas zu führen. Sie forderten eine echte Partnerschaft der EU mit Afrika sowie mehr EU-Investitionen für die globale Armutsbekämpfung.

Man wird wahrgenommen

Bei solchen Treffen hat Lukas das Gefühl, als Jugendbotschafter auch von hochrangigen Politikern ernst genommen zu werden. „In der Regierungspartei und im Bundestag sind wir ziemlich bekannt. Man wird auf jeden Fall wahrgenommen. Die Leute nehmen sich Zeit für uns und gehen inhaltlich mit uns ins Gespräch”, so seine Erfahrung. „Der Entwicklungsminister Gerd Müller trifft sich zum Beispiel gerne mit uns, weil wir in seinem Sinne mehr Geld fordern. Wir waren 2018 eine Stunde bei ihm.” An den Entwicklungsminister Müller überreichten die ONE-Jugendbotschafter im August eine Petition, in der über 145.000 Menschen ihn auffordern, den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria zu unterstützen. „Beim G7-Gipfel hieß es dann, dass der Beitrag für den Globalen Fonds erhöht wird”, erzählt Lukas. Ob ein Beschluss oder die Erhöhung von finanziellen Hilfen unmittelbar mit dem Engagement von ONE zu tun hat, ist in der Regel nicht nachvollziehbar. „Ab und zu gibt es Rückmeldung aus dem Bundestag”, sagt der 22-Jährige. „Das Gefühl wird einem auf jeden Fall vermittelt, dass man etwas erreicht hat.” Anfang August reiste der Student mit einer Gruppe anderer Jugendbotschafter zum Heavy-Metal-Festival nach Wacken. An ihrem Stand warben sie für die Kampagne „Armut ist sexistisch”. Darin macht ONE darauf aufmerksam, dass Frauen und Mädchen weltweit einerseits am stärksten von Armut betroffen sind, andererseits aber das größte Potenzial haben, diese zu beenden – wenn man sie nur ließe. Beim Lollapalooza Festival Anfang September in Berlin sammelte Lukas mit anderen Jugendbotschaftern Unterschriften für eine Petition an Senegal gegen sexuelle Gewalt. „Die Petition kam von der Musikerin und Aktivis-tin Black Queen und wurde mit ONE auf den Weg gebracht. Wir versuchen nicht nur, die westliche Brille aufzuhaben und denen zu sagen, was sie besser machen sollen”, erläutert er. Die Arbeit auf Festivals macht Lukas besonderen Spaß. „Da kann man die Leute gut erreichen, sie haben Lust auf Gespräche.” Gerne kommt er mit den Besuchern ins Gespräch, das Publikum erlebt er dabei vollkommen unterschiedlich. „Das Publikum beim Lollapalooza war sehr unkritisch. Dafür waren sie in Wacken ziemlich kritisch und haben sehr viele Fragen gestellt”, erzählt er. Oft werde hinterfragt, ob ihre Arbeit überhaupt etwas bringe und wer das Ganze finanziere. „Die Arbeit von ONE wird hauptsächlich von einer Stiftung finanziert”, weiß Lukas. „Viele sehen kritisch, dass wir nur Lobby- und Kampagnenarbeit betreiben und hinterfragen, ob man das Geld für die Lobbyarbeit nicht besser für Projekte vor Ort ausgeben könnte. Doch die extreme Armut wurde seit 1990 halbiert, auf solche Zahlen stützen wir uns.”

Man lernt viel

Das Ehrenamt als ONE-Jugendbotschafter läuft generell für ein Jahr, Lukas wurde Ende 2018 gefragt, ob er 2019 weitermachen will, was er zusagte. „Die Vielfalt macht Spaß, ob bei Lobbytreffen, Festivals oder Bildungsveranstaltungen”, meint er. An seiner ehemaligen Schule in Freiburg gab er bereits einen Bildungsworkshop zum Thema der Kampagne „Armut ist sexistisch”, was er sich an weiteren Schulen vorstellen könnte. Auch bei Straßenfesten wollen die Jugendbotschafter Präsenz zeigen, deshalb initiierte Lukas zum Beispiel einen Stand beim Zelt-Musik-Festival in seiner Heimatstadt Freiburg. Im September ging es für Lukas und viele andere ONE-Jugendbotschafter zu den Lobbytagen in Berlin. „Der Fokus lag auf dem Haushalt, der verabschiedet wird. Deutschland sollte 0,7 Prozent des Haushalts für die Entwicklungszusammenarbeit ausgeben. Wir fordern, dass diese Quote erreicht wird”, erklärt er. Dafür standen Treffen mit dem Unterausschuss für Globale Gesundheit und dem Ausschuss für Wirtschaftliche Zusammenarbeit auf dem Programm. Bei all der Zeit, die der Lüneburger für sein Ehrenamt aufwendet, kommt das Studieren manchmal etwas zu kurz. „Das Studium steht bei mir nicht an erster Stelle. Das Ehrenamt ist mir wichtiger, weil ich glaube, dass es mir mehr bringt. Man lernt wahnsinnig viel, das Organisieren von Veranstaltungen oder wie ich Leute anspreche…” Im Raum Lüneburg war er selbst dafür verantwortlich, die Politiker aus dem Wahlkreis anzusprechen und sich persönlich vorzustellen, auch zu den Europawahlen versuchte Lukas, alle Kandidaten zu treffen. „Es wird immer versucht, einen Tick näher dran zu sein.” (JVE)

Pilger

editorial

Pilgern fürs Klima, für eine lebenswerte Zukunft. Das stand für ganz viele – insbesondere junge – Menschen auch in unserer Region auf der Agenda der Fridays for Future-Bewegung, in Uelzen waren es mehr als 1.500, in Lüneburg sogar gut 4.000, die sich Ende September friedlich in den engen Straßen der Altstadt und auf den beiden großen Plätzen der Stadt drängten. Interessant war es, am Rande erleben zu müssen, dass es immer noch (erwachsene) Leute gibt, die trotz voller Nachrichtensendungen auf allen Kanälen, großer Lettern in allen Gazetten und eigener Kreislaufstörungen ob der Wetterunbillen immer noch der Meinung sind, es ginge den Schülern ja doch nur ums Schwänzen. Diese Nörgler warten sicherlich schon wieder zu Hause auf dem Sofa auf ihr persönliches Klimapaket von amazon. Auch wenn das in etwa parallel zur Demo beschlossene Klimapaket der Berliner GroKo nicht der große Wurf ist – die junge Schwedin Greta hat zumindest eins erreicht: Es tut sich was, in den Köpfen, millionenfach, weltweit. Etwas, was auch die Politik zu deutlichem Handeln zwingen wird. Und damit ist nicht etwa der Emissionshandel gemeint. Außer diesem generationsübergreifenden Erlebnis ganz besonderer Art steht in der Region Lüneburg, Winsen, Uelzen wieder eine Vielzahl von tollen Veranstaltungen bevor, von Kultur über Karriere bis Kommerz – unsere heutigen Seiten sind wieder voll davon. Das viertägige historische Sülfmeisterspektakel, ein hochbrisant besetztes Krimifestival, das Plattdeutsch-Musikfestival, die Ausbildungsbörse #HandwerkLive, Kunsthandwerker-märkte, Poetry-Slammer, Gastspiele von Heinz Rudolf Kunze und Katrin Bauerfeind sind nur herausgepickt. Apropos Pilger: Die Lüneburg Markebting bietet wieder eine Extratour für Musikfans: Das Programm für die Nacht der Clubs steht bereits – und wird die Scharen der Gäste durch die City pilgern lassen. 

Was der Oktober sonst noch bringt? Den Cracks und Fans des AEC einen verspäteten, aber hoffentlich erfolgreichen Kaltstart, den Hobbygärtnern ganz viel Kürbissuppe und schließlich am 27. noch eine Stunde geschenkt. 

Wir wünschen Euch allen einen goldenen Oktober!

 Eure stadtlichter

Spektakuläre Live-Show: Hacking unter Polizeischutz!

Wie Cyberkriminelle vorgehen und man sich schützen kann-spektakuläre und informative Live-Hacking-Show im Leuphana-Zentralgebäude in Lüneburg am 17. Oktober

Big Data, Smartphones oder das Internet of Things: Unser Leben wird immer digitaler, immer mobiler, immer vernetzter. Aber was bedeutet es eigentlich für unsere Sicherheit, wenn weite Teile unseres Haushalts digital vernetzt sind?

Jeder zweite Deutsche wurde schon gehackt

Die Zahlen sind alarmierend: Laut aktuellen Studien des Digitalverbands Bitkom wurde jeder zweite Deutsche bereits Opfer von Cybercrime! Jeder dritte Smartphone-Nutzer war demnach schon einmal von Schadprogrammen betroffen, und ebenfalls einer von drei Onlinern hat Angst vor Ransomware, die ihre Opfer ausspäht und erpresst. Dabei dringen die Cyberkriminellen in das Heiligste vor: unsere Privatsphäre. Ein Super-GAU für die Datensicherheit. „Das Internet ist hochattraktiv für Kriminelle. Mit vergleichsweise geringem Aufwand lassen sich andere Nutzer zum eigenen Vorteil schädigen“, warnt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Und die Gefahrenlage nimmt stetig zu: Die Sicherheit insbesondere persönlicher Daten wird daher immer wichtiger. Der Wert unberechtigt erlangter privater Daten und sogar ganzer Identitäten ist in den vergangenen Jahren signifikant angestiegen. Denn die persönlichen Daten einer Person können Hackern und anderen Cyberkriminellen den Zugriff auf die Identität und damit unter anderem auch auf Bankkonten oder Depots eröffnen. Internetnutzer haben aber nicht nur mit Diebstahl oder Betrug zu kämpfen. Jeder Zehnte sagt, dass er im Internet verbal massiv angegriffen oder beleidigt wurde. Zum Vergleich: Im analogen Leben hat jeder Vierte damit zu tun (24 Prozent). Über sexuelle Belästigung im digitalen Raum klagen acht Prozent der Onliner. In der Offline-Welt sind nach eigenen Angaben 14 Prozent der Internetnutzer im vergangenen Jahr sexuell belästigt worden. Selbst Kinder sind hier akut gefährdet. Denn die Zahl jüngerer Internetnutzer wird stetig größer, der Einstieg ins Netzleben kommt immer früher. Die Methoden der Kriminellen werden jedoch selbst für Erwachsene mit jedem Tag schwieriger zu durchschauen. Kinder benötigen aus diesem Grund noch mehr Unterstützung. Doch wo kann man diese bekommen? Und wie kann ich mich effektiv vor unberechtigtem Zugriff und Datenklau schützen? Wie sieht ein sicheres Passwort aus? Wer hilft bei Cybermobbing? An wen kann ich mich wenden, wenn mir durch Internetbetrug finanzieller Schaden entstanden ist? Wie sichere ich meine internetfähigen Geräte hinreichend ab?

Online? Aber sicher!

Diese und viele weitere Fragen werden bei einer öffentlichen interaktiven Live-Hacking-Veranstaltung des Niedersächsischen Ministeriums für Inneres und Sport beantwortet. IT-Sicherheitsberater Ralf Wildvang demonstriert, wie Hacker arbeiten, denken und vorgehen, um Daten zu stehlen, Prozesse zu stören und Schäden zu verursachen. Zusätzlich werden zahlreiche Experten von Polizei und Verbraucherschutz sowie weitere Spezialisten die Bürger umfassend über mögliche Schutzmaßnahmen informieren. Die Veranstaltung ist Teil einer Cyber-Security-Kampagne des niedersächsischen Innenministeriums und findet dieses Jahr in sechs Städten in Niedersachsen, unter anderem auch am Donnerstag, 17. Oktober in Lüneburg im Leuphana-Zentralgebäude, statt. Der Niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius: „Das Thema Cybersicherheit hat sich zu einem der wichtigsten Themen überhaupt entwickelt. Digitaler Wandel ist ohne Cybersicherheit nicht möglich.“

Computer-Sondereinsatzkommando

Und weil nicht nur der Bürger, sondern auch Unternehmen und Behörden zahlreichen Bedrohungen aus dem Cyber-Raum ausgesetzt sind, hat das Land Niedersachsen jüngst das N-CERT ins Leben gerufen, eine Art Computer-Sondereinsatzkommando (CERT steht für Computer-Emergency-Response Team). Das Niedersachen-CERT oder N-CERT besteht aus einer Gruppe von Experten, die ständig die aktuelle Sicherheitslage der niedersächsischen Landesverwaltung überwacht. Im Krisenfall stellt es dem Krisenstab der Landesregierung ein IT-Lagebild zur Verfügung und berät diesen zu Fragen der Informationssicherheit. Zudem arbeitet es im ständigen direkten Kontakt mit dem Wirtschaftsschutz im Verfassungsschutz sowie dem LKA (Zentrale Ansprechstelle Cybercrime) zusammen. Es ist auch Informationsschnittstelle zu anderen Bundesländern und dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. In den nächsten Schritten soll das N-CERT weiter aus- und aufgebaut werden und sich noch stärker als zentrale Kommunikationsdrehscheibe für den Infoaustausch über Sicherheitsvorkommnisse innerhalb der Landesverwaltung und auch in Richtung der niedersächsischen Kommunen etablieren. Auch zu N-CERT gibt’s Infos auf der Security Expo am 17. Oktober. Der Eintritt für die Veranstaltung ist kostenlos. Anmeldung unter www.mi.niedersachsen.de. (RT)

Wenn aus bösen schwere Jungs werden

Intensivtäter Maik (18) lebt seit kurzen in Lüneburg

Wegsperren oder Rundum-Betreuung? Was tun mit jungen Menschen, die immer wieder kriminell werden?

Knapp zwei Millionen Straftäter hat es 2018 in Deutschland gegeben – knapp 74.000 davon sind Intensivstraftäter. Das bedeutet, sie haben mindestens fünf schwere, aktenkundige Straf- oder Gewalttaten innerhalb nur eines Jahres verübt. Viele dieser Straftäter sind noch sehr jung, Kinder fast noch. Maik, 18, ist einer von ihnen. Er lebt seit wenigen Wochen in Lüneburg. Eigentlich stammt Maik aus einem kleinen Ort bei Göttingen. Doch dort wollte man ihn nicht mehr. Was verständlich ist, wenn man seine Geschichte kennt. Maik heißt natürlich nicht wirklich so, den richtigen Namen zu schreiben gefährde seine Persönlichkeitsrechte, wurde dem Autor dieses Textes von offizieller Seite mitgeteilt. Auf die Frage, ob er denn die Persönlichkeitsrechte anderer Menschen jemals akzeptiert hätte, gab es als Antwort lediglich ein Schulterzucken.

Dicke Strafakte

Tatsächlich darf man daran zweifeln. Maik hat schon mehrfach Erfahrungen mit der Polizei gemacht. Seine Akte ist dicker als die vieler Berufsverbrecher. Von Beleidigung bis hin zu Einbruch und immer wieder Körperverletzungen ist so ziemlich alles vertreten. Dazu kommen immer wieder Drogendelikte. Mehr als 50 Straftaten werden ihm zugeschrieben – vor einem Richter stand er dafür bislang nicht, was allein schon ein Skandal ist. Sitzt man ihm gegenüber, wirkt er zunächst gar nicht bedrohlich, sondern eher etwas schüchtern. Das ändert sich jedoch bereits nach wenigen Minuten Gespräch. Er fuchtelt mit den Armen herum, seine Aussagen werden aggressiver: „Mich können alle mal. Ich leb’ nur für mich“, sagt er mit heiserer Stimme. Wie wohl seine Zukunft aussehen könnte? Maik lacht. „Zukunft ist mir doch egal …“ Angst vor dem Knast habe er jedenfalls nicht, behauptet er. „Ist doch schön da. Man hat seine Ruhe.“

Gesellschaftliches Problem seit Jahrzehnten

Mit seinen kruden Ansichten steht Maik für die meisten der so genannten Problemkids. Ihre Zahl wächst, das Phänomen an sich ist nicht neu. Denn die bösen Jungs, aus denen in der Folge leider sehr oft schwere Jungs werden, sind ein gesellschaftliches Problem seit Jahrzehnten. Das Versagen des Staates im Umgang mit ihnen ist genauso alt. Das typische Problemkid ist zwischen 11 und 19 Jahre alt, zu fast 90 Prozent männlich, vorrangig deutscher Nationalität (die Zahl der polizeilich auffälligen Flüchtlingskinder vor allem aus den nordafrikanischen Ländern nimmt allerdings zu). Früher waren es hauptsächlich Diebstähle, auch Autodiebstähle, mit denen die kriminellen Kids auffielen, heute sind es vor allem Raub und Körperverletzungen. Im Raum Lüneburg soll es mehrere Intensivtäter geben, wie viele Delikte auf ihr Konto gehen, kann jedoch keiner sagen. Eine solche Statistik existiert nur landesweit. Maik fehle es an Empathie, hat ein Psychologe schon vor fünf Jahren über ihn geurteilt. Er ist einer, der austeilt, aber auch früh einstecken musste, versucht er sich selbst zu erklären: Schon mit unter zehn Jahren Drogen konsumiert, die eigenen Unterarme geritzt, bei Pflegeeltern aufgewachsen.

Erlebnispädagogik gescheitert

In den 80er und 90er Jahren begann man damit, kriminelle Kids wie Maik auf Staatskosten um die ganze Welt zu schicken. Diese Segel- und Reiseprojekte der deutschen Kinder- und Jugendhilfe waren allerdings nie mehr als ein Hoffnungsstreif am Horizont – selbst große Verfechter von Erlebnispädagogik im Ausland sehen viele einst angepriesenen Maßnahmen und Projekte heute als weitgehend ineffizient an. In Niedersachsen versucht man mit einer engen Zusammenarbeit aus Jugendhilfe, Polizei und Schule, des wachsenden Kriminalitätsproblems von Heranwachsenden Herr zu werden. Je nachdem, wie weit sich die kriminelle Karriere bei den Kids bereits verfestigt hat, wird dabei auch mithilfe des Strafrechts versucht, mehr Druck aufzubauen. Nicht jeder jedoch lässt sich davon beeindrucken. Neu-Lüneburger Maik erzählt, wie er einmal Besuch von einem Sozialarbeiter bekam: „Der hat mich gefragt, ob ich denn immer so weiter machen wolle. Er hätte da so einen Kurs, ob ich den nicht mal besuchen will. Ich hab’ nur gesagt, er soll sich verpissen und ihn weggeschubst, weil er mir im Weg stand. Das war eine ganze arme Wurst, der hat dann gleich die Bullen gerufen …“ (RT)