Die Region bebt und lebt

editorialNach den Ferien ist vor den Ferien… und zwar unmittelbar. Gefühlt sind die Niedersachsen gerade erst aus dem Urlaub zurück und noch gar nicht wieder so richtig in Gange gekommen, geschweige denn, dass sie die Weihnachtskekse in den Regalen wahrgenom- men haben, und schon stehen Mitte Oktober die nächsten Ferien ins Haus. Aber seien wir doch mal ehrlich, werden die Jahre nicht insgesamt einfach immer kürzer? Auch müssen – oder dürfen, je nach Sichtweise – die ganzen Oktobergeborenen (und davon kenne ich viele) schon wieder Geburtstag feiern. Natürlich sind auch eine ganze Reihe weiterer regelmäßiger und liebgewonnener Ereignisse schon wieder auf der Agenda: Sülfmeistertage mit dem Kopefest, Lüneburger Krimifestival, Winsener Bierfest, die Theaterpremieren der neuen Spielzeit – jetzt in neuer roter Bestuhlung, der Auftakt der Eishockey-Regionalliga im heißesten Kühlhaus des Nordens – es steht in Adendorf. Apropos Schlittschuhe: Auch Winsen soll zur Weihnachtsmarktzeit Kufen-Hochburg werden, man will sich zwar nicht aufs sprichwörtliche Glatteis begeben, aber mit Schlittschuhen über die speziell zu diesem Zweck entwickelten Kunststoffplatten gleiten. Die etwa 200 Quadratmeter große Fläche soll auf dem Schlossplatz – von kleinen Buden gesäumt – installiert werden. Ein regelmäßiges Highlight der Lüneburg Marketing – deren neuer Chef und Hoffnungsträger Schrock-Opitz in diesen Tagen seinen Dienst angetreten hat – ist die alljährliche Nacht der Clubs, bei der am 7. November wieder in den Lüneburger Locations in aller Vielfalt Live- Musik vom Feinsten geboten wird, zu genießen mit nur einem einzigen Ticket für 7 € im Vorverkauf (Abendkasse 10 €).Was gibt es sonst noch Neues? Eigentlich einen Kessel Buntes: Lüneburger haben eine konkrete Meinung zum Coffee-to go-Becherpfand, freuen sich auf ein neues Outlet-Kaufhaus in der Grapengießerstraße, haben Sorgen vor weiteren Kita-Streiks und haben eins verpasst: das Gesetz zur Einführung eines Pater-Noster-Führerscheins für die spannende Fahrt im Personen-Umlauf-Aufzug (in Großstädten oft Beamtenbagger genannt), im Juni vom Bundesrat verabschiedet, sechs Wochen später wieder aufgehoben. Mangels eines Pater-Noster-Aufzuges ging es an Lüneburg glatt vorbei. Außerdem: Bei dem im kostenlos an der Tourist-Info erhältlichen neuen Orientierungsplan eingedruckten Hinweis auf „Liebeskind-Bau“ handelt es sich nicht etwa um einen Outlet-Store des gleichnamigen Handtaschen-Herstellers, sondern um das von Architekt Daniel Libeskind ohne e entwor- fene neue Zentralgebäude unserer Leuphana-Universität, die, wenn man sich mal, statt auf Baugerüste und Repräsentanten einzuschießen, auf die wissenschaftlichen Leistungen konzentriert, Herausragendes in Forschung und Lehre leistet. Angesehene Rankings belegten dies gerade wieder aktuell. Natürlich kommen auch wir nicht am Thema Flüchtlinge vorbei. Es ist allgegenwärtig. In den Medien und inzwischen auch direkt vor unserer Tür. Es gibt eine ausgeprägte und freundliche Willkommenskultur in dieser Region, es gibt aber auch Sorge, besonders ob der Anzahl der Flüchtlinge, die unterwegs sind, es gibt hässliche Auswüchse, es gibt subtile Meinungsmache. Es gibt Sprüche wie „Ich bin ja kein Nazi, aber…“. Es gibt die Angst vor einer neuen „Völkerwanderung“, die die christlich geprägte Werteordnung in Europa gefährden könnte. Aber mal Hand aufs Herz, in Gefahr gerät die christliche Werteordnung doch nicht dadurch, dass wir andere bei uns aufnehmen, sondern nur dann, wenn wir beginnen, unsere christlichen Werte zu verleugnen, indem wir Flüchtlinge zurückweisen. Übrigens, noch ein Alltagstipp für Facebook-Nutzer: Man muss nicht warten, bis Zuckerberg den Button „Gefällt mir nicht“ eingeführt hat, man kann „Freunde“, deren Tun einem nicht passt, auch mit einem Klick entsorgen. Schönes Gefühl.Liebe stadtlichter-Leser/innen, Fans, genießt die Zeit, erfreut Euch an stadtlichter, stellt euch neuen Herausforderungen und folgt dem schönen Plakat eines Einzelhändlers in der Innenstadt: Ab hier bitte lächeln! Es wirkt.

Eure stadtlichter