Abra Kadabra
Frank Sauer ist Illusionist, trat übrigens auch auf der stadtlichter-Einweihungsparty auf und sorgt bei seinen Vorführungen für Staunen. stadtlichter sprach mit ihm „backstage“ über seinen Berufsstand. Ein Besuch einer Zirkusvorstellung als er sechs Jahre alt war, brachte den gebürtigen Hessen zum „Zaubern“. Ehrgeizig übte er jahrelang Tricks, Kniffe, und Illusionen, war einst das jüngste Mitglied der deutschen Zauberloge und steht heute im engen Kontakt mit vielen aus der Szene, wie Criss Angel und Luke Jermay.
Doch mit einem möchte Frank Sauer, 29, lieber nicht in einem Satz genannt werden: Uri Geller ... „Sehr viel Marketing dabei – es gibt Bessere“, so sein Urteil.
Frank, denkst Du Dir Deine Tricks alleine aus?
Frank Sauer (lacht): „Welche Tricks? Ja, das tue ich. Aber ich bespreche sie ab und an mit vielleicht einer handvoll Kollegen, zeige sie meinem Team, um zu sehen, wie sie wirken und was sie davon halten. Allerdings ist das Ausdenken und die Umsetzung alleinige Chefsache.“
Was inspiriert Dich dazu?
„Das ist sehr unterschiedlich. Meistens Musik oder auch Filme. Viel kommt aber auch durch Freunde, die mich fragen, ob dieses oder jenes theoretisch möglich wäre.“
Dein allererster Auftritt und allererster Trick?
„Erster Trick waren zwei Münzen, die in der Hand zu einer werden. Der erste Auftritt, an den ich mich erinnern kann, war auf dem Geburtstag meiner Schwester. Sie ist danach mit meinem Zylinder herum gegangen und hat Geld gesammelt. Immerhin rund 50 Mark – damals! Das war ein großer Erfolg für einen kleinen Jungen bei seinem ersten Auftritt.“
Was verdienst Du heute? Kannst Du davon leben?
„Das kommt auf die Anzahl der Engagements an. Und man bedenke, dass jeder Auftritt unterschiedlich vom Aufwand her sein kann. Da ich zurzeit noch neben bei Musikwissenschaft und Jura studiere, beschränke ich die Anzahl meiner Engagements. Ich könnte jedoch hauptberuflich davon leben.“
Kannst Du Dich an eine Nummer erinnern, die so richtig schief gegangen ist?
„Hmm – es gab ’mal eine Seilnummer, bei der das Seil an mehreren Stellen zerschnitten und wieder zusammengeknotet wird, die schief ging. Die zwei Publikumshelfer sollten an den beiden Enden des Seils ziehen, die Knoten sollten abspringen und das Seil wieder ein Ganzes ergeben. Leider fetzte es in 1.000 Stücke über die Bühne … Glücklicherweise war es insgesamt eine sehr spaßige Veranstaltung, bei der sich das Publikum etwas tollpatschig anstellte – ich schob es einfach auf meine beiden Helfer und wiederholte noch einmal einen ähnlichen Trick, um zu zeigen, dass es bei mir funktioniert.“
Na klar, immer auf die anderen! (Gelächter) Was hälst Du generell vom Zaubernachwuchs?
„Die meisten hören einfach zu früh auf zu denken, sie verschachteln Ihre Nummern nicht genügend. Es fehlen oft Ebenen bei den Nummern – und das ist schade.“
Ist es egal, ob man zaubern oder illusionieren sagt? Worin liegt der Unterschied?
„Zaubern ist im Grunde der Oberbegriff von allem. Illusion ist ein Unterbereich, wie Mental-, Karten- oder Mikromagie. Ich bin zwar Illusionist, aber auch ein Mentalist, eigentlich bin ich ein psychologischer Illusionist.“
Mit wem würdest Du gerne einmal zusammen illusionieren?
„Die sind alle schon tot, fürchte ich“, (lacht) „der großartige Orson Welles wäre toll gewesen.“
Brauchst Du Assistentinnen?
„Nein. Ich binde bei meinen Nummern die Leute aus dem Publikum mit ein. Genau das ist auch das Besondere. Es gibt keine eingeweihten Helfer oder Assistenten auf der Bühne. Die gibt es höchstens für die Musik oder irgendwelche bühnentechnischen Aufgaben.“
Was droht einem auf „Trick-Verrat“?
„Das ist auf jeden Fall ein absolutes No-Go. Man schadet sich damit ja auch nur selbst. Außerdem will doch keiner als Petze gelten … Eigentlich ist man damit ’raus aus dem Kreis – es ist eine gute Möglichkeit den Respekt der Kollegen zu verlieren.“
Bester Zauberer aller Zeiten?
„Dabei muss man die Zeit berücksichtigen, in der die Leute tätig waren – und die Mittel, die sie zur Verfügung hatten. Generell sind die Besten, immer die Fleißigsten. Es hat schon seinen Grund, weswegen Zauberer, wie Houdini oder später Copperfield zu so viel Ruhm kamen.“
Was hälst Du von "Straßenzauberer" à la Criss Angel?
„Criss kenne ich gut und schätze seine Arbeit sehr, auch wenn ich finde, dass seine Show in den neueren Staffeln stark an Qualität verloren hat. Vermutlich hängt das mit dem Pensum zusammen, dass er sich auferlegt. Viele Straßenzauberer finde ich jedoch ziemlich schrecklich, weil die Qualität nicht stimmt. Ist wohl so, bei Mode-Erscheinungen …“
Was empfiehlst Du dem Zaubernachwuchs?
„Üben ist auf jeden Fall ein guter Anfang. Das muss ein Hochseilartist auch machen, sonst sieht es finster aus … Genauso wichtig ist, einen eigenen Stil zu entwickeln. Wem das zu viel Arbeit ist, kann sich ebenso wahlweise, wie Uri Geller, von Außerirdischen entführen lassen.“
Kontakt zum Illusionisten Frank Sauer:
Telefon: (01 73) 6 76 72 59
www.myspace.com/franksauer