Schöner Wohnen
Mit Kunst kann man kein Geld verdienen, lautet ein Vorurteil. Doch Birgit Morgenstern beweist das Gegenteil. Sie hat einen Weg gefunden, ihr Design als Nischenprodukt zu vermarkten. Q-GUIDE wollte wissen, wie sie sich Selbständig gemacht hat und wo die Stolpersteine lagen. Mit einer filigranen Linienführung in organische Formensprache entwirft Birgit Morgenstern ihre Muster.
Die urbanen Kompositionen fertigt die Textil-Designerin individuell auf ausgesuchten Untergründen an. Die 43-jährige ist Mutter von Zwillingen und hat schon vor 10 Jahren mit den ersten Entwürfen begonnen. Ganz langsam ist ihre Werkstatt gewachsen und heute arbeitet sie täglich an ihren Projekten.
Sagen Sie Frau Morgenstern, wie kamen Sie darauf, sich mit dieser Idee Selbständig zu machen?
Birgit Morgenstern: „Eigene Entwürfe auf Stoffe, Tapeten und Papier wollte ich im Handsiebdruck fertigen, um damit eine Auswahl für eine individuelle Wohngestaltung zu erhalten. Diese künstlerische Produktpalette biete ich Privatkunden an.“
Wie ist es denn zur Selbstständigkeit gekommen?
„Schon in meinem Studium für Textildesign habe ich mich auf den Siebdruck spezialisiert. Daher habe ich verschiedene Muster für Stoffe und Geschenkpapiere und Tapeten entworfen. Diese sind unterschiedlich kombinierbar und durch verschiedene Farben entstehen wieder andere Effekte. Aber erst als ich in der Elternzeit war, entstand die Idee der Selbstständigkeit. 2004 habe ich offiziell als freischaffende Künstlerin begonnen. Unser Haus ist gleichzeitig Ausstellungsfläche, hier befinden sich auch Atelier und Werkstatt. So kann ich Arbeit und Familienleben gut kombinieren.“
Was ist das Besondere?
„Meine Muster sind Hand gezeichnet und der manuelle Siebdruck hat durch verschiedene Farbintensitäten einen ganz eigenen Charme. Es sind alles Unikate. Wer Wert auf Individualität legt, beauftragt mich für Stoffe, Bilder und Tapeten.“
Was haben Sie für ein Marketingkonzept?
„Meine künstlerischen Arbeiten präsentiere ich auf Messen mit dem Ziel Interesse für meine Art von Kunst zu wecken. Dadurch finden private Auftrageber zu mir. Außerdem gibt es verschiedene Läden, die mein Geschenkpapier und meine Notizbücher führen. Ein weiteres Standbein ist die Zusammenarbeit mit Architekten, die komplette Wohngestaltung anbieten. Mein gesamtes Angebot findet man jetzt auch im Internet.“
Welche Beratung haben Sie für die Gründung in Anspruch genommen?
„Während meines Studiums habe ich ein Modul zum Thema Kommunikationstheorie besucht. Dort habe ich gelernt, ein Konzept zu erstellen und eine Zielgruppe zu definieren. Außerdem habe ich Seminare bei der Industrie- und Handelskammer besucht.“
Wo gab es Schwierigkeiten?
„Die Vermarktung der selbst erstellten Kunst ist am Schwierigsten. Die Arbeiten hängen eng mit der eigenen Persönlichkeit zusammen. Für mich gab es eine Hemmschwelle mich öffentlich, auf Ausstellungen zu präsentieren. Aber das habe ich gelernt und eine Bekanntheit erreicht. Dadurch sind auch Zeitschriften wie „Brigitte“, „Schöner Wohnen“ und „Living and more“ auf mich zugekommen. Die Veröffentlichungen haben meinen Bekanntheitsgrad enorm gesteigert. Jetzt rufen sogar Kunden aus dem Ausland an.“
Brauchten Sie ein Darlehen?
„Nein, für einen Quick-Start hätte ich rund 10.000 Euro investieren müssen. Aber da ich meine Werkstatt im Haus einrichten konnte, sind weniger Kosten entstanden. Die Farben und Siebdruckrahmen sowie verschiedene Utensilien habe ich erst nach und nach angeschafft, so dass ich die Einnahmen gleich wieder in die Werkstatt investierte.“
Worin sehen Sie Ihren Erfolg?
„Wenn ich Menschen für meine Arbeit begeistern kann, fühle ich mich erfolgreich. Die Kaufentscheidung ist da zweitrangig. Verkaufserfolge sehe ich aber auch im süddeutschem Raum sowie Österreich und der Schweiz.“
Der Blick in die Zukunft?
„Stets positiv, ich strebe einen Stand auf einer großen Textilmesse an und möchte meinen Vertrieb bundesweit ausbauen. Sehr gern würde ich mit Architekten langfristig zusammenarbeiten.“
Was würden Sie anderen Gründern (mit einem Nischenprodukt) raten?
„Besonders wichtig ist es ein Konzept zu schreiben. Dabei sollte eine Vorstellung von der Zielgruppe vorhanden sein. Für die Vermarktung sollte man sich im Markt positionieren und eine Strategie entwickeln. Mir haben Ausstellungen dabei sehr geholfen und die Präsenz im Internet hat zu weiteren Aufträgen geführt. Die Art und Weise der Präsentation ist im Netz wie auf Messen ausschlaggebend.“ (CD)
Kontakt:
www.birgitmorgenstern.de
Geschenkpapier erhältlich im Schrangenhaus: Obere Schrangenstraße 8
