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Start Magazin Porträts & Interviews Interview: Axel Jankowski

Klangvolle Erzählungen

Es ist die Atmosphäre einer Situation, die der Saxophonist Axel Jankowski mit seinem Instrument einzufangen versucht. An einem atmosphärischen Sommertag traf stadtlichter die Lüneburger Musikgröße mit der sonoren Stimme zum Interview. Was für den Literaten das geschriebene Werk, ist für den Saxophonisten Axel Jankowski die Musik: Ventil und Vehikel für die Umsetzungen von Gefühltem und Erlebtem. Dem Jazz treu ergeben, weicht der gebürtige Rheinländer doch immer wieder bewusst von der Norm ab und macht dabei auch nicht vor funky Grooves halt. Seine Devise: Sich täglich neu erfinden.

Axel, lass doch bitte mal Deinen musikalischen Werdegang Revue passieren

Axel Jankowski: „Meine mit sechs begonnene Blockflötenkarriere nahm durch einen Umzug ein jähes Ende. Erst mit 12 kam ich wieder zur Musik, als ich unbedingt Gitarre spielen wollte. Mir war schon früh klar, dass ich irgendetwas mit Musik machen möchte. Das wurde mir allerdings zunächst von meinen Eltern erfolgreich ausgeredet. Es gab ein Intermezzo mit Percussions. Congas hatten es mir angetan. Zu meinem 18. Geburtstag bekam ich dann durch Zufall ein uraltes Tenorsaxophon geschenkt, das mich zunächst aber gar nicht so sehr interessierte. Bis der New Wave aufkam, in dem immer irgendein Saxophon mittrötete. Da packte es mich und ich dachte: „Das Wär´ doch geil, in so´ner Band mitzuspielen“. Ich begann wie ein Blöder zu üben. Doch zunächst machte ich als folgsamer Sohn eine Lehre zum Kaufmann.“ (Lacht)

Bedeutet, Du hast Dich schließlich doch noch beruflich „emanzipiert“?

„Nach der Lehre folgte der Zivildienst. Anschließend holte ich über den zweiten Bildungsweg mein Abitur nach. In dieser Zeit übte ich wie ein Wahnsinniger am Saxophon und nahm Unterricht. Zwei Jahre lang studierte ich Lehramt, Musik und Deutsch, bis ich auch hier merkte: das ist nur ein Kompromiss. Erst mit 27 habe ich dann meine Aufnahmeprüfung für das Musikstudium in Arnhem / Niederlande gemacht.“

War der Jazz schon damals Dein musikalischer Favorit?

„Gar nicht. Ich wollte ursprünglich etwas mit Popularmusik machen. Mein Saxophonlehrer spielte mir damals Jazz vor, unter Anderem Charlie Parker, und behauptete, das müsse ich können. Mein erster Gedanke: „Was ist denn das für ein Scheiß“.  Obertechnisch, oberschnell…höher, schneller, weiter. Dieses Technokratische liegt mir gar nicht. Schließlich habe ich es doch gelernt, und mein Lehrer hatte recht, Parker spielen zu können, ist nicht verkehrt.“

Charlie Parker als Schlüsselfigur für was?

„Jazzmusik ist sehr kompliziert. Wenn man sich die häufigen Akkordwechsel anguckt, den permanenten Tonartwechsel einiger Stück und dies bei Tempo 300 in einem Affenzahn zu spielen, wie Parker es tat, das ist schon sehr anspruchsvoll.  Sich diese Technik anzueignen hat enorme Vorteile. Man lernt viel über Harmonik, kann dieses Können in allen möglichen Stilistiken anwenden.“

Miles Davis wurde dann zu einem tatsächlichen musikalischen Vorbild

„Er verstand es, in seinen Stücken durch Pausen eine ganz besondere Atmosphäre zu schaffen. Was mich besonders fasziniert ist die Tatsache, dass Davis vor keiner Musikrichtung Halt machte, sich selbst ständig neu erfand. Das hat mich sehr geprägt. Jedes Mal das gleiche Solo zu spielen ist doch langweilig. Ich suche immer wieder nach neuen Wegen, an ein Stück heranzugehen.“

Stichwort: Bandkarriere

„Meine Lüneburger Musikkarriere begann 1993 in Hotels und Kneipen. 1996 gründete ich die Band nite club. Damals war das Konzept, als Mälzer-Hausband mit immer wechselnden Solisten zu fungieren. Roger Cicero war zum Beispiel einer unserer Gäste. Als ich 2000 kurzzeitig mit meiner Frau nach Düsseldorf ging, gab ich dann auch die Bandleitung ab. Im letzten Jahr habe ich angefangen, Tango zu tanzen und bin dadurch mit Roberto Barcena zusammen gekommen, mit dem ich ein Tangoprojekt ins Leben rief. Und gleichzeitig baute ich meine jetzige Kapelle „Jankowski – Nu Jazz“ auf.“

Komponieren hat für Dich heute einen hohen Stellenwert. Wie wird ein neuer Song geboren?

„Am Anfang steht meist eine Mini-Idee. Das ist wie beim Malen. Ein Künstler hat am Anfang nur die Skizze, und diese beginnt er auszuwalken, er experimentiert mit Formen und Farben, bis das Bild Form annimmt. Am Computer ist es heute relativ leicht, mit Sounds zu experimentieren. Manchmal ist es eine Sache von einem Tag oder ein paar Stunden, und manchmal sitzt man vier Wochen dran.“

Deine neue CD „Moments Spring“ erschienen. Gab es beim Komponieren ein Leitmotiv?

„Die Stücke sind allesamt Momentaufnahmen. Du geht’s irgendwo lang und es durchfährt Dich wie ein Blitz, weil Du jemanden siehst, der Dich total fasziniert. Aus solch einer Begegnung entstammt der Titelsong „Moments Spring“. Andere Leute machen aus diesen Momenten Filme, ich mache daraus in Töne gebettete Kurzgeschichten, das ist mein emotionales Ventil, die Filmmusik meines eigenen Lebens.“

 

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