Banner
Start Magazin Porträts & Interviews Interview: 10 Tenors

The Power of Ten

Anlässlich ihrer neuen Tournee The Power of Ten sprach stadtlichter mit vier der zehn Tenören, Graham Foote (Musikalischer Leiter), Dominic Smith, Stewart Morris und Steven Sowden, über Tournee, Konzept und Anfänge.

The Power of Ten ist das Motto Eures neuen Programms – was macht die besondere Power der Ten Tenors aus?

Graham Foote: „Leitidee für dieses neue Programm war der Gedanke, einen wirklich unverwechselbaren Ten Tenors-Sound und Musikstil zu kreieren. Da einige im Ensemble schon seit zehn und mehr Jahren dabei sind, andere hingegen erst seit einem Jahr, hatten wir in der Vorbereitung einen ziemlich guten Mix aus unterschiedlichen Ideen und Meinungen. Am Ende sind wir uns jedoch alle einig gewesen. Die Ten Tenors haben in den vergangenen dreizehn Jahren sehr erfolgreich großartige Songs gecovert – das ist gut, aber nun möchten wir ein musikalisches Vermächtnis hinterlassen ...“

Das klingt ja fast nach einem Abschiedsprogramm ...

Graham Foote (lacht): „Nein, ganz unabhängig davon, wie lange wir noch weiter singen, möchten wir, dass die Menschen mit den Ten Tenors etwas verbinden wie etwa mit Queen, Led Zeppelin oder Il Divo, dass Motto The Power of Ten sehen wir dabei als Leitgedanken. Die Ten Tenors haben eine ganz besondere Klangmacht. Das macht dieses Männer-Ensemble aus, an die keine andere Gruppe, die ich kenne, heranreicht. Wunderbar in der stimmlichen Mittellage, kombinieren wir die harmonischen Möglichkeiten eines Chores mit den Ecken und Kanten des Bandgesangs – und diese Verbindung solistischer Einlagen mit einem sehr harmonischen Chorgesang, das macht uns einzigartig.

 

Frage: Nichts gegen Eigenlob, aber was zeichnet denn die neue Show nun genau aus?

Graham Foote: „Die Show zielt auf ein sehr energiegeladenes, maskulines, kraftvolles Singen und einen entsprechenden Sound – die Zuhörer sollen wie gebannt auf ihren Stuhlkanten sitzen. So wie es für Rockbands wie Kiss und Metallica oder auch Meat Loaf nichts Ungewöhnliches ist, eine sinfonische Rock-Show aufzuziehen, suchen wir umgekehrt nach einem Crossover-Weg, dieses Element der Rock-Symphony stärker in die klassische Musik einzubinden oder aber auch den Hits unserer Zeit eine stärkere, klassische Note zu verleihen.“

Dom Smith: „Über Jahre hinweg haben wir beim Blick von der Bühne ins Publikum beobachten können, dass die Leute völlig gebannt sind von unserem Sound. Diese Faszination wollen wir nun für einige neue Überraschungen nutzen, um dem Publikum unvergessliche Erlebnisse zu bescheren. Zumal wir einfach über Stimmen verfügen, die in dieser Kombination unvergleichlich sind.“

Stewart Morris: „Ich bin jetzt seit fast neun Jahren dabei und habe die Entwicklung des Ensembles seit seinen Anfängen verfolgt – und wenn ich nun dieses neue Programm sehe, dann ist das eine Show, von der wir seit langem geträumt haben. In der Vergangenheit war die Auswahl der Songs oft stark von anderen beeinflusst, nicht zuletzt von der Plattenfirma – diesmal haben wir all unser Bühnen-Erfahrungen genutzt, um eine Show nach unseren Vorstellungen zu kreieren, die ganz und gar aus unserer Feder stammt. Das ist für mich das Spannende an diesem neuen Programm. Deshalb bin ich vor dieser Premiere auch aufgeregter als in der Vergangenheit.“

 

Lasst uns mal konkret werden – was hat sich verändert in dem neuen Programm, was ist geblieben?

Graham Foote: „Die Show umfasst gut 20 Songs, darunter sind nur vier Titel, die das Publikum bereits von uns kennt. Während in der Vergangenheit allerdings die Auswahl der Songs zumeist auf ganz persönlichen Vorlieben beruhte, haben wir nun erstmals der Show ein Gesamtkonzept verpasst und davon ausgehend dann Songs mit passenden Emotionen ausgewählt. Früher haben wir etwa ein Bee Gees-Medley gesungen oder hier in Deutschland Nena‘s 99 Luftballons, also Songs, die so gar nicht der Erwartungshaltung von den Ten Tenors entsprachen und mit denen wir das Publikum überrascht haben, nicht zuletzt auch auf eine komödiantische Art. In der neuen Show ersetzen wir nun etwa diesen Bee Gees-Teil durch mächtig aufgepeppte Songs wie Thunderstruck von AC/DC, mit dem wir das Programm eröffnen: Songs, die völlig weg sind von unserem ursprünglichen Image – nämlich als Tenöre vor allem für klassische Musik zu stehen.

 

Keine Angst, die Klassik-Liebhaber mit solchen Hard-Rock-Ausflügen zu verschrecken?

Graham Foote: „Nein, denn wir haben gezielt nach Titeln gesucht, die klassische Elemente in sich tragen – wie auch nach klassischer Musik, die sich in moderne Arrangements verpacken lässt, denn so manche Opern-Arie von Verdi ist in ihrem Rhythmus eng verwandt mit einem Rock-Beat. Anders formuliert: Wir haben nach der Verbindung zwischen der Klassik und der Musik unserer Tage gesucht. Deshalb haben wir etwa Titel wie „Lullaby“ von Billy Joel ausgewählt. Songs mit einfachen harmonischen Strukturen, doch von ganz besonderer, berührender Kraft im Lyrischen, in der Harmonik oder in der Melodie.“

Dom Smith: „Anfangs haben wir vor allem klassische Stücke gesungen, im Laufe der Zeit sind dann Rock’n’Roll-, Pop- und Musical-Titel dazu gekommen. Denn die Menschen lieben einfach die Art unseres Gesangs – und das muss gar keine Arie sein, sondern kann auch irgendein Popsong sein. Das sehen wir ja, wenn wir während der Show in die Gesichter der Menschen blicken: Die sind einfach unglaublich gerührt von der Macht des Gesangs.“

Graham Foote: „Und mit diesem neuen Programm können wir nun etwas präsentieren, das sich nicht nur von allem unterscheidet, was man jemals von den Ten Tenors gehört hat, sondern auch was es jemals in diesem Genre gegeben hat. Es ist einfach an der Zeit, etwas zu riskieren, das es so zuvor noch nicht gegeben hat. Im Ergebnis wird es einem Rock-Konzert sehr viel näher sein als einer Oper, doch bleiben wird der grundsätzlich klassische Ansatz in unserem Gesang, die Orchestrierung und auch die Art unserer Konzertpräsentation.“

 

Ihr sprecht von einem Risiko – habt Ihr Angst, dass Euer Publikum euch vielleicht nicht folgen wird?

Steven Sowden: „Dieses Risiko haben wir jeden Abend – es ist das Risiko eines jeden Live-Auftritts. Du gehst raus auf die Bühne, und da sind tausende von Menschen und du sagst ihnen: Hier, das ist es, was ich euch bieten kann – mögt ihr das? Und dann brandet der Applaus auf – oder eben auch nicht. Insofern ist das kein Unterschied für uns, denn du weißt niemals vor der Show, ob die Leute diese mögen. Natürlich kann es auch diesmal schief gehen, nur mit dem Unterschied, dass wenn es schief geht, wir da alle unsere Finger drin haben und wir uns alle geirrt haben müssten – doch wenn wir uns in unseren Ideen wirklich so weit von dem Geschmack unseres Publikums entfernt haben sollten, dann könnte solch ein Misserfolg mit jedem anderen Programm auch passieren.“

 

Was macht Euch sicher, dass dies nicht der Fall sein wird?

Steven Sowden: „Dieses Programm ist stärker als jemals eine Show zuvor an dem ausgerichtet, was uns unsere Fans erzählt haben: Es bündelt die Begeisterung unserer Fans mit den Elementen, die wir persönlich bei den Ten Tenors für einzigartig halten – völlig losgelöst von den Meinungen aller Promoter, Manager oder Plattenlabels. Die machtvolle Botschaft der Ten Tenors lautet: Dieses Programm, das sind wir und das ist das, was diese Gruppe ausmacht.“

Dom Smith: „Wir haben inzwischen mehr als zehn Jahre an „Marktbeobachtungen“ hinter uns. Als wir anfingen, ging es allein darum, welche Songs uns gefielen und welche nicht – und die haben wir dann gesungen und damit ja auch Erfolg gehabt. Doch was wir nun machen werden, hat nichts mehr mit der Vergangenheit zu tun: Wahrscheinlich ist es die beste Show, die wir jemals kreiert haben.“

Stewart Morris: „Seit ich 2001 bei den Ten Tenors eingestiegen bin, hat es jeden Abend Standing Ovations gegeben, egal wo wir aufgetreten sind – ob nun in Deutschland, Neuseeland, Zypern oder Korea. Für einen Künstler ist das eine tolle Leistung und man kann wirklich stolz darauf sein, aber es reicht nicht, sich damit einfach zufrieden zu geben. Wir wollen gern noch weiter vorankommen, einfach den nächsten Schritt machen, uns selbst herausfordern und das Bestmögliche aus dieser Gruppe herausholen – das ist das Ziel der neuen Show.“

 

Dom, Du bist in der aktuellen Formation der Dienstälteste: Wenn Du einmal auf die Geschichte der Ten Tenors zurückblickst, hast Du jemals vermutet, dass dieses Projekt so erfolgreich werden könnte? Denn ursprünglich war das Ganze ja eigentlich nur ein musikalischer One-Night-Stand ...

Dom Smith (lacht): „Darf ich diesen Begriff künftig benutzen? Wunderbar! Ehrlicherweise muss ich sagen: Nein. Denn wir alle hatten eigentlich ganz unterschiedliche Vorstellungen über unsere zukünftigen Karrieren. Einige wollten Opernsänger werden, andere zog es zum Musical – insofern war dieses Projekt „The Ten Tenors“ für uns anfangs eigentlich nur ein Instrument auf dem eigenen Weg. Zumal wir ja auch über mehrere Jahre nur in Australien aufgetreten sind und gar nicht wussten, wie wir im Rest der Welt ankommen würden.“

 

Bis sich dann 2001 die Chance bot, in Berlin aufzutreten.

Dom Smith: „Ja, wir waren zuvor für vier Jahre durch Australien getourt und hatten ganz gut verdient. Was nicht unwichtig war, denn bei dem Berliner Gastspiel konnte es nicht um Geld gehen, das war klar. Würde es funktionieren, dann stünde uns vielleicht die Welt offen – wenn nicht, dann hätten wir eben wieder nach Australien zurückkehren müssen. So sind wir dann in jener Nacht in Berlin auf die Bühne gegangen – und das Publikum ist durchgedreht! Wir waren wirklich geschockt, denn damit hätten wir nie gerechnet, dass zehn australische Jungs solch einen Eindruck auf ein Publikum aus einem gänzlich anderen Kulturkreis machen könnten. Vor allem auf ein Publikum wie das deutsche mit so einer großen Musiktradition, denn immerhin ist die klassische Musik in Europa entstanden – und wir waren doch nur zehn Jungs aus einem Teil der Welt, wo die Klassik nun wirklich keine große Bedeutung hat.“

 

Eine Art Initialerlebnis?

Dom Smith: „Oh ja, denn auf einmal erkannten wir, dass wir offenbar die Fähigkeit besaßen, ein Publikum zu beeindrucken – und das war der Moment, wo ich innerlich wirklich ein Stück größer geworden bin. Von dem Augenblick an wussten wir, dass es funktionieren würde! Ich denke, es gibt in vielen Bereichen des Lebens Menschen, die einfach alles tun, um auf einem Gebiet Erfolg zu haben – und dann gibt es aber auch eine ganze Menge Menschen, denen es einfach so gelingt. Und das war bei uns der Fall: Wir waren zum rechten Moment am richtigen Platz.“

 

Das mag für den Beginn einer Karriere gelten – doch was sind die Gründe für diesen langen und andauernden Erfolg der Ten Tenors?

Dom Smith: „Eine große Rolle spielt ganz sicher der Moment der Unterhaltung – als Australier nehmen wir uns gegenseitig nicht allzu ernst wie auch die Welt insgesamt nicht. Doch wir lieben die Musik, und das ist ein ganz wichtiger Aspekt. Wenn wir auf die Bühne kommen, dann hat das einfach etwas ungeheuer Liebenswertes – zehn junge Männer, die Spaß haben, lachen und eine musikalisch gute Show machen. Die Menschen mögen das, ja sie wünschen sich vielleicht sogar, ein Teil davon zu sein.“

Graham Foote: „Ein anderer Grund unseres Erfolgs liegt in der großen Publikums-Bandbreite, die wir ansprechen. Wir haben eben nicht nur die klassischen Nummern für die Freunde der Oper, sondern zu uns kommen auch Menschen, die Queen-Songs hören wollen, Titel wie „The Boxer“ oder auch aktuelle Hits – und insofern sprechen wir sowohl ein älteres als auch ein jüngeres Publikum an.“

Stewart Morris: „Die Leute möchten einfach für zwei, drei Stunden abschalten – und anstatt in die Oper zu gehen oder ins Kino, wo man abtaucht in eine andere Welt, können sie bei uns eine amüsante Erfahrung der anderen Art machen, die ihrem eigenen Leben viel näher steht. Denn so, wie wir im Alltag sind, präsentieren wir uns im Grunde auch auf der Bühne. Zudem horchen die Menschen ganz sicher auch auf, weil wir aus Australien stammen – das hat uns in der Vergangenheit schon sehr geholfen. Wären wir zehn englische Männer gewesen, wir hätten in Europa kaum diesen Erfolg gehabt (lacht). Denn natürlich interessiert die Leute auch immer, woher ein Künstler kommt, zumal wenn es so weit weg ist. Da ist es schon ein großes Glück, Australier zu sein.“

 

Termine

11.02. The Ten Tenors: The Power of Ten im vamos

 

Zusatzshow am 02.03.2010 auch im vamos

 

Suche

Veranstaltungen