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Kämpfende Nina

Nina-Alexandra Laudan ist mit 11 Jahren schwer an Leukämie erkrankt. Viele Wochen hat sie im Kinderkrebszentrum Hamburg, Eppendorf, verbracht. Heute engagiert sich die 20-Jährige selbst für diese Fördergemeinschaft und sammelt Spenden. stadtlichter unterstützt sie dabei mit dem Stadtfestprogramm und hat sich mit ihr über die Krebserkrankung unterhalten … Krebs ist eines der Schrecken unserer Zeit. Wer davon betroffen ist, hat Angst zu sterben. Doch es gibt Hoffnung, denn inzwischen sind die medizinischen Behandlungsmöglichkeiten wesentlich verbessert. Gerade bei Kindern ist die Chance auf Heilung immens gestiegen.

 

Nina, wie hat alles angefangen?

Nina-Alexandra Laudan: „1999 begann es mit Bauchschmerzen. Ich war 11 Jahre alt und meine Eltern vermuteten, dass ich nicht zur Schule will. Aber sie gingen mit mir zum Arzt. Diagnose: akute Blinddarmentzündung. Noch in der Schleuse vor dem Operationssaal ergaben die  Blutwerte etwas anderes. Mit Verdacht auf Leukämie wurde die Einleitung der Nakose abgebrochen und im Rettungswagen fuhr ich nach Eppendorf ins Kinderkrebszentrum zur Untersuchung.“

Was ergab denn die Untersuchung?

„Sie fanden mehrere tennisballgroße Tumore im Bauch. Meine Eltern hatten große Angst. Ich konnte gar nicht so schnell begreifen, was um mich herum passiert. Am nächsten Tag entfernten die Ärzte die Tumore und versetzten mich anschließend ins künstliche Koma. Zwei Monate dämmerte ich vor mich hin. Ich erinnere mich, dass meine Eltern mir die kleine Hexe vorgelesen haben. Es stellte sich heraus, dass die Tumore gutartig waren. Also doch kein Krebs.“

Das war bestimmt ein tolles Gefühl. Wann konntest Du wieder nach Hause? „Nach einigen Wochen. Ich habe mich total nach meiner Familie und meinen Freunde gesehnt. Sogar auf die Schule habe ich mich gefreut, denn damit kehrte ein geregelter Tagesablauf ein.“

Doch die gute Zeit dauerte anscheinend nicht lange. Wann gab es wieder einen Anlass zur Sorge?

„Schon in der Adventszeit gab es neue Symptome: Ich hatte dicke Wangen, denn die Lymphknoten am Hals waren stark geschwollen. Bei der Operation wurden diesmal zwei Knoten entfernt. Diese Form von Blutkrebs, auch Leukämie genannt, hatten bisher nur fünf Menschen auf der Welt. Prä-B-Lymphum lautet der Fachausdruck. Eine Chemotherapie in Blöcken sollte mir helfen.“

Was war das Schlimmste für Dich?

„Einige Freunde wandten sich von mir ab, doch meine Familie hielt zu mir. Leider konnten meine Freunde mich nicht besuchen, denn nur Kinder ab 14 Jahren dürfen auf die Kinderstation. Aber in den Pausen zwischen den Chemotherapien besuchten mich meine Freunde zu Hause. Nach einem Jahr Behandlung wiederholte ich die Klasse und versuchte, ein normales Leben zu führen. Jedoch die Angst, dass es mich wieder erwischt, blieb. Ich habe viele Kinder sterben sehen ...“

Wie bist Du mit der Krankheit klar gekommen und wie gehst Du jetzt damit um?

„Ich habe gekämpft und meine Eltern sagen, ich sei reifer als meine Klassenkameraden. Ich habe mich mit der Krankheit beschäftigt und den Erwachsenen viele Fragen gestellt. Für meine Familie und meinem treuen Gefährten Cornell wollte ich weiterleben. Der Hund hat mir viel Kraft gegeben. Ich glaube, jeder bekommt nur das, was er tragen kann und ich habe es bis hierher geschafft.“

Du sagst „bis hierher“, was kam denn danach?

„2003 tastete ich einen Knoten in der rechten Brust. Blut und Knochenmark waren zwar in Ordnung, aber der Ultraschall bestätigte knotiges Gewebe. Die Tortur der Chemotherapie begann von neuem. Mein Knochenmark wurde zu Forschungszwecken freigegeben und ein Student entdeckte im Juni etwas sehr Entscheidendes: Das Philadelphia-Chromosom. Dies deutet darauf hin, dass der Krebs immer wieder kommt.“

Aber es gab Hilfe ... ?

„Ja. Nur eine Knochenmarkspende konnte mich retten. Meine drei Jahre jüngere Schwester spendete für mich. Am 2. September 2003 wurde das Knochenmark in einem 1,6 Liter Beutel übertragen: Dieser Tag ist mein zweiter Geburtstag. Mit schweren Rückenschmerzen lag ich danach in einem isolierten Zimmer. Meine Schleimhäute schwollen stark an, aber durch ein spezielles Verfahren bekam ich die wichtigen weißen Blutkörperchen. Im Oktober durfte ich endlich raus in den Park: Die Freude war unbeschreiblich. Nach vier Monaten auf der Knochen-Mark-Transplantations-Station wurde ich nach Hause entlassen.“

Wie geht es Dir heute?

„Gut, bald sind fünf Jahre um und ich gelte als geheilt. Trotzdem setze ich mich für an Krebs erkrankte Kinder ein. Durch die Unterstützung der Fördergemeinschaft Kinderkrebszentrum Hamburg hatte ich während der stationären Zeit viele Vorteile. Beispielsweise habe ich eine Wunschliste mit Spielen erstellt. Ich konnte an Mal-Musiktherapien teilnehmen. Später war ich mit dem Verein in mehreren Musicals. Außerdem sorgt der Verein für die Forschung und ich sammle dafür gern Spenden, so wie auf dem Stadtfest.“ (CD)
 

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