Vizemeister beim Dragrace
Jörg Lymant, 41, ist Fahrer des Merlin-Dragrace-Teams aus Adendorf und holt in schöner Regelmäßigkeit, ob in Holland oder Deutschland, den zweiten Platz bei Distanzrennen, auch genannt Dragrace.
Sind die Maschinen auch für den normalen Straßenverkehr zugelassen?
Jörg Lymant: „Jein. Es gibt Rennklassen, bei denen sind die Maschinen auch straßentauglich. Die Maschinen, die ich fahre sind allerdings reine Sportgeräte.
Manche Maschinen sind dermaßen überzüchtet, dass die nicht mal im Kreis fahren können. Die sind nur zum Hochschalten und so konzipiert, dass sie eine Minute am Stück laufen und nur geradeaus fahren – aber mit aller Kraft. Für die extreme Beschleunigung werden die Gänge während des Rennens mit Druckluft ’rein geschossen. Wir starten die Maschinen, geben Vollgas und das Schalten passiert fast automatisch mithilfe der Pressluft. Bremsen haben die Motorräder natürlich – nach dem Rennen geht man dann voll in die Eisen.“
Was findest Du an Harleys faszinierend?
„Harleymotoren haben verhältnismäßig wenig Leistung als andere, dafür aber umso mehr Kraft, was für die Beschleunigung enorm wichtig ist. Zum Vergleich: ein guter Porsche braucht fünf, Rennmaschinen drei, Formeleins-Wagen 2,5 und Lymants Maschine braucht 1,2 Sekunden von 0 auf 100km/h. Stark finde ich, dass es kaum einen Motor gibt, der mit so wenigen beweglichen Teilen läuft oder der ureigene Klang, der das alles widerspiegelt. Eine Harley ist immer noch etwas Ursprüngliches.“
Wie lange macht Du diesen Motorsport schon und wie bist Du dazu gekommen?
„Ich bin seit rund 10 Jahren aktiv im Renngeschehen dabei. Ich habe mich auch jeher intensiv mit Motoren, Motorräderauffbau und -umbau beschäftigt, bin irgendwann auf eine Harley gestoßen und habe bei einer Ausfahrt „Beschleunigungsrennfahrer gesucht“ gesehen und beschlossen, dass Street Twin mein Sport ist. Es gibt keine Altersbegrenzung, wenn es die körperliche Kondition zulässt. Außerdem kann man sich hier mit selbst konstruierten und -entwickelten Motorrädern aneinander messen. Es ist eben keine klassische Rennserie bei der alle Teams die gleichen Materialien verwenden, sondern jedes Team kann seine eigenen Ideen einbringen und verwirklichen. Besonderer Dank gilt an dieser Stelle Ingo Höcknack, der maßgeblich unseren Merlin-Motor gebaut hat.“
Muss man zwingend technisches Know-How haben?
„Für uns liegt gerade da der Reiz. Mein Team fährt mit einem Motor, den wir selbst konstruiert und konzeptioniert haben. Das unterscheidet uns auch von den meisten anderen Teams aus Europa. Allein in unseren Motor haben wir schätzungsweise 3.000 Arbeitsstunden gesteckt …“
Was rätst Du den Bikern für die kommende Saison?
„Meine Bitte an Euch, die mit Benzin im Blut, fahrt nicht nur den Motor Eurer Maschine warm, sondern auch Euch! Beherzt warm fahren ist also in 2010 angesagt!“
