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Heisse Phase

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Es geht heiß her. Nein, diesmal nicht gemeint in Richtung Klima und Fahrverbot, Landtagswahlen und Watschenbäume, sondern beispielsweise der Start in die Glühwein-Saison. Allerorten wird bereits kräftig aufgerüstet, um Glühwein weiß oder rot, mit oder ohne Schuss, Lumumba, Eierpunsch und ähnlich Teufelszeug rechtzeitig zum Beginn der Adventszeit zum Dampfen zu bringen. Natürlich in der Hoffnung, dass spätestens einige Tage vor dem 1. Advent der Sommer vorbei ist, die letzten Freibäder geschlossen sind und alle Fähren wieder fahren können – bevor das Elbe-Rinnsal möglicherweise bald zufriert. Verkehrte Welt. Heiß her geht’s schon seit ein paar Wochen im heißesten Kühlhaus des Nordens, dem Walter-Maack-Eisstadion. Der AEC ist zwar in den ersten Spieltagen noch nicht so richtig in Schwung gekommen, aber Verantwortliche und Spieler sind voller Zuversicht und Energie. Das müssen sie auch, denn der November stellt die Adendorfer Kufen-Cracks gleich vor drei große Herausforderungen: Bremen, der HSV und Nordhorn machen hier ihre Aufwartung. Auch die Bundesliga-Volleyballer haben im November eine Reihe Herausforderungen zu bestehen, während die Salzstadtkeiler, Lüneburgs Inlinehockey-Truppe, bereits ihre Regionalliga-Meisterschaft in der Tasche haben. Heiße Zeiten auch für die vielen ausgehfreudigen Lüneburger und Gäste, denn gleich am 3. November laden 18 Lüneburger Locations zur 14. Nacht der Clubs ein. Der Clou: 18 Mal Livemusik und nur einmal 8 Euro Eintritt zahlen.

Noch einmal sei das Wort heiß hier bemüht, denn für die Schulabgänger 2019 beginnt jetzt die heiße Phase in Sachen Berufswahl. Damit die gut gelingt, bieten jetzt bereits zwei Veranstaltungen professionelle Hilfen für Schüler und deren Eltern an, die Ausbildungsbörse der Arbeitsagentur in Uelzen und die Messe parentum in der Oberschule am Wasserturm in Lüneburg. Aktiv mit dabei sind zahlreiche Ausbildungsbetriebe der Region mit ihren Angeboten. Der frühe Vogel…

Apropos Wurm: Der ist offensichtlich drin in der bunten Shopping- und Gastrowelt der Hansestadt. Jedenfalls kann man aktuell gar nicht darüber hinwegsehen, wie viele Betriebe in den Flaniermeilen Lüneburgs dunkel sind. Das ist in der Gastro-Meile Schröderstraße besonders auffällig, aber auch in guten Lagen der Grapengießerstraße klaffen unübersehbare Lücken. An unserem Stammtisch haben wir Passanten nach ihren spontanen Ideen für diese vielen Leerstände gefragt. Mehr auf Seite 14. Da eine Reihe unserer Weihnachtsmärkte bereits in der Woche vor dem 1. Advent öffnen, allen voran der größte Markt der Weihnachtsstadt Lüneburg vor dem Rathaus, haben wir in dieser Ausgabe schon mal eine Vorschau für euch zusammengestellt.

In diesem Sinne wünschen wir Euch allen einen guten Start in die graue Zeit, hellt sie Euch einfach auf mit den vielen Angeboten an Kultur, Comedy, Musik und Geselligkeit, zum Beispiel beim After-Work-Punsch mit Kollegen, Freunden, Familie.

Eure stadtlichter

Der teure Traum vom schöneren Wohnen

Der Kauf- und Mietpreise kennen auch in Lüneburg nur eine Richtung-steil nach oben

Wohnen Sie im eigenen Haus oder der eigenen Wohnung oder haben zumindest einen guten Vermieter, der Sie mit Mieterhöhungen nicht belästigt und dennoch das Sanieren nicht unterlässt? Dann können Sie sich beglückwünschen und sich reich beschenkt fühlen. An Umzug sollten Sie da ganz zuletzt denken. Denn die neue Immobilie könnte sie ganz schnell ganz arm machen…

Nicht nur in den Metropolen wie Hamburg, München, Frankfurt oder Berlin steigen die Immobilienpreise, auch die meisten der sogenannten Mittelstädte wie Lüneburg sind teure Pflaster geworden. Wer hier seinen Traum von den eigenen vier Wänden verwirklichen möchte, muss eine Menge Geld bewegen. Erst im Dezember sorgte eine Untersuchung des Portals immowelt.de für Furore, die die enormen Preissprünge seit 2012 aufdeckte. Aufgelistet waren dort 108 deutsche Städte mit 50.000 bis 100.000 Einwohnern. Mit einer enor-men Verteuerung von 67 Prozent beim Wohneigentum landete Lüneburg auf Platz 2. Bundesweit hatte nur Rosenheim in Oberbayern mit 79 Prozent im selben Zeitraum einen noch größeren Sprung erlebt. Und heute: Gebessert hat sich nichts! Im Gegenteil. Die Preise steigen sogar noch weiter. Für eine 30-Quadratmeter-Wohnung in Lüneburg liegt aktuell der durchschnittliche Kaufpreis bei 2.486,28 Euro pro Quadratmeter. Bei einer 60-Quadratmeter-Wohnung zahlt man derzeit 2.900,24 Euro pro Quadratmeter. Der durchschnittliche Kaufpreis für eine 100-Quadratmeter-Wohnimmobilie in Lüneburg liegt zurzeit bei 3.263,97 Euro pro Quadratmeter. Und auch die Mieten klettern: Für eine 30-Quadratmeter-Wohnung liegt der durchschnittliche Mietpreis bei 11,93 Euro pro Quadratmeter. Für eine 60-Quadratmeter-Wohnung muss man durchschnittlich 9,59 Euro pro Quadratmeter auf den Tisch legen. Der Preis für eine 100-Quadratmeter-Wohnung in Lüneburg liegt bei 9,99 Euro pro Quadratmeter. Die Gründe für den Irrsinn am Wohnungsmarkt sind bundesweit (fast überall) gleich und gelten auch für Lüneburg:

Baukosten steigen!

Die Kosten stiegen im Vorjahresvergleich um 4,1 Prozent (Statistisches Bundesamt). Dazu trägt auch der Staat bei: Die Zahl der Bauvorschriften hat sich seit 1990 auf 20.000 vervierfacht, so der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen.

  • Die Mietpreisbremse funktioniert  nicht!

Ziel der Mietpreisbremse war: Eigentümer dürfen bei Wiedervermietung höchstens zehn Prozent mehr als die ortsübliche Vergleichsmiete verlangen. Aber: Häufig wissen Verbraucher nicht, ob die Mietbremsbremse für sie gilt. Dazu kommt: Vermietern drohen bei Verstößen keine Sanktionen. Und: Für modernisierte Wohnungen und Neubauten gilt die Bremse nicht.

  • Mieter müssen für Modernisierung zahlen!

Bei einer Modernisierung darf der Vermieter elf Prozent der Baukosten auf die Jahresmiete aufschlagen. In bestimmten Gegenden soll dies auf acht Prozent reduziert werden – bringt viele Mieter aber immer noch in finanzielle Not.

  • Nebenkosten steigen!

Mieter zahlen mehr für Nebenkosten. Der Deutsche Mieterbund rechnet gegenüber BILD für das Abrechnungsjahr 2017 mit 14 Prozent höheren Kosten fürs Heizen mit Öl. Bei einer 70-Quadratmeter-Wohnung würden die Heizkosten um 93 Euro auf 758 Euro pro Jahr steigen. Auch für Dienstleistungen (u. a. Hausmeister, Hausreinigung) liegen die Kosten etwa um zwei Prozent höher. Bei den Betriebskos-ten rechnet man mit moderaten Aufschlägen (Wasser +1,3 %, Strom +1,7 %, Abwasser und Müllabfuhr je +0,2 %).

  • Der wichtigste Grund: Es wird zu wenig gebaut!

Das gilt auch und besonders für die Hansestadt Lüneburg. Nur rund 62 Prozent des zu erwartenden Wohnbedarfs könnten abgedeckt werden, so eine aktuelle Studie. Dabei ist die Stadtverwaltung nicht untätig, das sieht jeder, der mit offenen Augen durch die Straßen geht. Gerade erst wurde das Tor zum neuen Hanseviertel-Ost weit geöffnet: 2019 soll mit dem Bau von über 1.400 Wohnungen und Einfamilienhäusern auf dem knapp 22 Hektar großen Areal begonnen werden. Das haben die Hansestadt und der Erschließungsträger, die Sparkassen Hanse Immobilien GmbH (SHI), bekanntgegeben. Doch Experten glauben nicht, dass das ausreicht, um die angespannte Wohnungssituation in der Stadt nachhaltig zu entspannen. Denn weiter suchen sich immer mehr Menschen in Lüneburg eine neue Heimat, nicht nur Studenten, auch viele junge Familien sind darunter, angelockt durch die gute Infrastruktur und die ÖPNV-Anbindung an die nahe Millionenstadt Hamburg. Manfred Neuhöfer, Geschäftsführer des Instituts F+B Forschung und Beratung für Wohnen, Immobilien und Umwelt: „Lüneburg gehört zu den interessantesten Städten in Deutschland.“ Ein schnelles Ende des anhaltenden Preis-Höhenflugs zeichnet sich darum nicht ab. Das gilt übrigens auch fürs Umland. Deutlich teurer geworden sind Häuser und Wohnungen auch zum Beispiel in Wittorf, Hohnstorf (Elbe), Bleckede und Melbeck. Neben der Wohnungsknappheit erschweren auch schwarze Schafe unter den Vermietern die Lage für Wohnungssuchende. Sie nutzen die Notlage von Menschen mit wenig Geld aus (auch ihre Zahl hat sich in den letzten zehn Jahren in Lüneburg massiv erhöht) und belegen Wohnungen oft doppelt und dreifach. Die Stadt will jetzt eine Koordinierungsstelle einrichten, um derartigem Missbrauch möglichst schnell auf die Spur zu kommen. „Wir wollen eine Stelle schaffen, die genauer hinguckt und auch die Indikatoren festlegt, wann prekäre Wohnverhältnisse vorliegen und was es an Mindeststandards geben muss“, sagte Pia Steinrücke, Stadträtin für Bildung, Jugend und Soziales, gegenüber NDR 1 Niedersachsen. Wichtig wäre die Einführung eines Wohnraumschutzgesetzes für Niedersachsen. Denn nur dann hätten Kommunen die Handhabe, problematischen Mietverhältnissen von sich aus leichter nachgehen zu können. Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge hatte ein solches Gesetz zuletzt gefordert, doch vor 2019/2020 ist damit – wenn überhaupt – nicht zu rechnen. Mädge: „Viel zu spät. Wir brauchen das Gesetz besser heute als morgen. Das Land sollte hier so schnell wie möglich beschließen.“ (RT)

Entwicklung des Immobilien-marktes und aktuelle -Wohnungspreise in Lüneburg: www.wohnungsboerse.net/immobilienpreise-Lueneburg/4778

 

 

Unter Magiern, Elfen und Gestaltwandlern

Die Lüneburgerin Carola Meissl startet als Fantasy-Autorin durch

Carola Meissl hätte nicht daran geglaubt, dass sich ihr Traum so schnell erfüllen würde. Die Lüneburgerin ließ ihren alten Job hinter sich und wurde Fantasy-Autorin. Unter dem Pseudonym Karolyn Ciseau hat sie in nur zwei Jahren sieben Romane herausgebracht. Schon im Grundschulalter träumte Carola -Meissl, die in Bad Vilbel bei Frankfurt aufgewachsen ist, davon, Schriftstellerin zu werden – sie liebte das Geschichtenschreiben. Als Schülerin hatte sie an Kurzgeschichtenwettbewerben teilgenommen und auch gewonnen. Doch ihre Eltern warnten sie, von der Schriftstellerei könne man nicht leben. „Dann wollte ich Journalistin werden”, erzählt die 32-Jährige. Nach einem Germanistik- und Philosophie-Studium in Göttingen absolvierte Carola -Meissl ein Volontariat in der Öffentlichkeitsarbeit für die Niedersächsische Sparkassenstiftung. Anschließend machte sie sich als Texterin selbstständig, doch Zufriedenheit wollte sich bei der jungen Frau nicht richtig einstellen. „Ich habe gemerkt, dass es nicht meins ist, sich so präsentieren zu müssen”, erzählt sie. Schließlich war es ihr Mann, der Carola Meissl ermutigte, den Traum von der Schriftstellerei wieder aufzunehmen. Sie gab sich ein Jahr, um als Autorin Fuß zu fassen.

Spaß am Marketing

Nach ihrem Germanistik-Studium hatte Carola Meissl erst den Anspruch an sich, hochtrabende Literatur wie Thomas Mann oder andere große Autoren zu verfassen. „Ich dachte, ich muss jetzt etwas ganz Besonderes schreiben”, erinnert sie sich. Doch sie besann sich ihrer eigenen Interessen: der Fantasy. Als passionierte Leserin von Fantasy-Romanen und TV-Serienbegeisterte lag es für sie auf der Hand, sich selbst literarisch in diesem Gebiet auszulassen. Inspiration erhielt sie zusätzlich durch ihre Reisen in Länder, die durch verwunschene Natur und düsteres Wetter bekannt sind, wie Irland, Island, Schottland oder Norwegen. An Ideen mangelte es der Jungautorin von Anfang an nicht. Im Gegenteil – sie sprudelten nur so aus ihr heraus. Um den langen, beschwerlichen Weg über Buchverlage zu vermeiden, entschied sich Carola Meissl bewusst für das Self-Publishing – für viele Jungautoren oft eine Notlösung. „Der Weg über Verlage kann ein bis zwei Jahre dauern”, meint sie. „Beim Self-Publishing muss man sich zwar um Lektorat, Cover und Marketing selbst kümmern, aber das wollte ich auch. So kann ich alles selbst bestimmen, und Marketing hat mir schon immer Spaß gemacht.” An ihrem ersten Buch, dem ersten Teil der so genannten „Zeitenwanderer Chroniken”, „Gefangen”, schrieb Carola Meissl ein halbes Jahr. In der Zwischenzeit suchte sie sich eine Lektorin. Nach dem mehrwöchigen Lektorat ging es an Ausbesserungen, gleichzeitig suchte die Autorin über Facebook Testleser, die Bewertungen schreiben sollten. Um sich an jüngere Leser zu wenden, startete sie über Instagram Blogger-Aktionen, um auf Blogs erwähnt zu werden. In der Vermarktung kannte sie sich durch ihr Volontariat gut aus.

Abspaltung durch Pseudonym

Unsicher, ob ihr erstes Buch ein Erfolg werden würde, entschied sich Carola Meissl für ein Pseudonym und schrieb von Beginn an als Karolyn Ciseau. „Ich wollte nicht, falls es scheitert, dass man es mit meinem Namen verbindet”, erklärt die 32-Jährige. Der Erfolg hat sich zwar eingestellt, doch ihr zweites Ich will sie sich erhalten. „Es ist für mich eine Art Abspaltung.”

Seit Februar 2017 ist „Gefangen” ausschließlich über Amazon erhältlich. Der Versandhändler druckt im Print on Demand-Verfahren, sobald eine Bestellung eingeht, außerdem generiert Amazon das E-Book zum Herunterladen. Die Autorin erhält pro verkauftem Buch 70 Prozent Tantiemen, bei den E-Books läuft die Bezahlung pro gelesener Seite. Die Werbung hatte sich gelohnt – ihr Erstlingswerk verkaufte sich gut. Carola Meissl weiß jedoch, wie es läuft auf dem Buchmarkt. Entscheidend seien die ersten Wochen, dann sei man schnell wieder weg vom Fenster, erläutert sie. Und so war ihr klar, dass sie schnell nachlegen muss, wenn sie im Gespräch bleiben will. „Im Schnitt sollte ein Self-Publisher alle drei Monate ein neues Buch herausbringen”, meint sie. Inzwischen gibt es insgesamt fünf Bücher der Zeitenwanderer Chroniken, außerdem zwei eigenständige Fantasy-Romane. Als frische Buchautorin musste Carola Meissl erst lernen, mit der Kritik der Leser umzugehen. „Bei der ersten Kritik wollte ich das Buch wegwerfen”, erinnert sie sich. „Aber man hat immer Kritik. Was der eine mag, hasst der andere. Am Anfang zuckt man sehr zusammen.” Auch wenn die Verkäufe nicht schlecht liefen, nahm die Lüneburgerin anfangs kaum Geld ein. „Im ersten Jahr dachte ich, ich renne mit dem Kopf gegen die Wand”, erzählt sie. Sie schrieb weiter und ließ sich nicht entmutigen, schließlich hatte sich bereits eine kleine Fangemeinde entwickelt.

Umbruch beim vierten Buch

Den großen Umbruch erlebte sie mit dem Erscheinen ihres vierten Buches, „Ein Herz aus Eis und Schnee”, das Anfang 2018 herauskam. „Mit dem Buch lief es plötzlich total gut. Ich glaube, ich hatte einfach genügend Fans gesammelt”, meint sie. Der Roman landete in den Top 100 aller bei Amazon angebotenen Bücher und stand zwischenzeitlich im Bereich Fantasy sogar auf Top 1. Für Carola Meissl ein besonderer Moment: „Seitdem kann ich davon leben.” Rund 20.000 Bücher hat sie als Karolyn Ciseau bereits verkauft. Gut kann sie sich noch daran erinnern, wie es war, ihr erstes Buch in den Händen zu halten: „Das ist ein tolles Gefühl, das erste Buch fertig zu haben.” Den Großteil ihrer Leser erreicht die Autorin über das Online-Angebot Kindle Unlimited von Amazon. Über Facebook hält sie Kontakt zu ihren größtenteils weiblichen Fans. Für Carola Meissl ist es immer noch eine absurde Vorstellung, dass jemand Interesse an einem von ihr signierten Buch haben könnte. Wie ein Star kommt sie sich nicht vor.

Finalistin beim Storyteller Award

Den nächsten Höhepunkt in ihrem Autorendasein erreichte Carola Meissl vor kurzem, als sie sich um den Kindle Storyteller Award bewarb, mit dem jedes Jahr die besten Bücher von verlagsunabhängigen Autoren ausgezeichnet werden. Mit ihrem neuesten Fantasy-Roman „Das Blatt des dunklen Herzens”, einer Liebesgeschichte rund um Magier, Elfen, Menschen und Gestaltwandler, wurde sie tatsächlich als eine von drei Autoren für den Hauptpreis nominiert, der auf der Frankfurter Buchmesse verliehen wurde. Ausgewählt wurden diese anhand ihrer Beliebtheit, die durch Verkaufszahlen, gelesene Seiten und positive Kundenbewertungen ermittelt wurde. Carola Meissl hatte nicht damit gerechnet, unter die besten drei Autoren zu kommen, denn die Konkurrenz war groß. Den Kindle Storyteller Award gewann Carola Meissl nicht – der ging an Ella Zeiss – doch die Lüneburger Autorin ist jetzt richtig in Fahrt. Momentan schreibt sie am zweiten Teil von „Das Blatt des dunklen Herzens”, der Anfang 2019 fertig sein soll. Sie ist immer noch überrascht über ihren raschen Erfolg als Schriftstellerin. „Ich hab‘ gedacht, ich mache das ein Jahr und das war’s dann. Wäre das erste Buch ein Flop gewesen, hätte ich im zweiten Jahr aufgehört.” Mit Self-Publishing könne man richtig gutes Geld verdienen, wenn man eben mehr als nur ein Buch schreibe, fügt sie hinzu. Die Autorin sammelt ihre Ideen, die ihr auch nach sieben Büchern nicht ausgehen, in einem Zettelkasten auf ihrem Computer, ihr kritischster Leser, Berater und Lektor ist ihr Mann, der sich im Fantasy-Sektor auch bestens auskennt. Wenn ein Buchautor erfolgreich ist, geht das allerdings auch nicht an den Verlagen vorbei. Inzwischen hat Carola Meissl zwei Angebote von Jugendbuch- und Fantasy-Verlagen erhalten, über die sie sich nun ernsthafte Gedanken machen muss. „Das ist spannend und bestimmt noch mal anders mit Verlag. Man spricht auch andere Fans an und erreicht mehr Printleser.” Als sie das erste Angebot erhielt, weinte sie vor Freude – sie konnte ihr Glück kaum fassen. „Das ist toll, wenn man bedenkt, dass einige ihre Manuskripte überall erfolglos einschicken.” (JVE)

Heisser Herbst?

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…ist das nicht toll? Du trittst im Beruf voll daneben und bekommst zur Strafe eine Beförderung, also einen besseren Job mit mehr Geld angeboten? Und wenn jemand mault, wird einfach eine neue Planstelle für Dich erfunden, „Sonderberater” heißt sie. Klingt nicht nach freier Wirtschaft, oder? Ist es auch nicht. Es ist Unmut erzeugendes, verdrießliches Staatshandeln. Die älteren unter den Lesern kennen vielleicht noch die TV-Serie aus dem ZDF übers „Königlich bayerische Amtsgericht”. Ähnlichkeiten zu der Possenserie über die „gute, alte Zeit” von Gerhard Lohmeier sind sicher zufällig. Aber im Ernst, eines der Grundprobleme der aktuellen Misere macht der Koalitions-Schlingerkurs gerade deutlich: Der Gesetzgeber muss endlich einen gemeinsamen Termin für alle Landtagswahlen schaffen, es kann doch nicht sein, dass durch Dauer-Länderwahlkampf und damit zusammenhängende Befindlichkeiten die Bundespolitik gar nicht mehr stattfindet. Selbst EU-Partnerländer fragen schon unverhohlen, wann in Deutschland denn wieder regiert werde. Man könnte meinen, die „großen Volksparteien” (mein Deutschlehrer von damals hätte jetzt rot an dieser Stelle angemerkt „veralteter Sprachgebrauch”) lassen im Moment nichts unversucht, den Rechtspopulisten die Stimmen in Maaßen, sorry, in Massen zuzuschanzen.

Genau so aufregend, gar mörderisch – aber auf literarischem Terrain – ist das, was sich in Lüneburg in den nächsten Wochen beim 9. Krimifestival abspielen wird, ein Reigen großer Autoren ist in dem Programm dazu in dieser Ausgabe zu finden. Und wer sich in Lüneburgs Unterhaltungsszene tummeln möchte, dem empfehlen wir zum einen die Nacht der Clubs, mit einem einzigen Ticket viele Live-Acts in den Locations der Stadt, zum anderen die Live-Events mit den Besten aus der Comedian-Szene, präsentiert von FKP Scorpio und stadtlichter. Apropos Events: Bis ein neuer Geschäftsführer für die Lüneburg Marketing GmbH gefunden ist, führt Ralf Hots-Thomas, Mitglied der Geschäftsleitung eines Hamburger Unternehmens, das auch Stadt- und Tourismusmarketing betreibt, als Interims-CEO in Teilzeit die Geschäfte.  

Auch im Sport geht‘s weiter, die Ligen sind wieder aktiv, und nachdem die Sommerhitze passé ist, kann auch der Adendorfer EC in der Regionalliga Nord an den Start gehen. Zum Thema Sportstätten: Leider parallel zu unserem Druckbeginn hat sich (hoffentlich) die Mehrheit des Lüneburger Kreistages dafür entschieden, mit der Campus Management GmbH den Betreibervertrag für die Arena zu schließen. Die europaweite Ausschreibung für die umfangreichen Gewerke für das gut 12 bis14 Millionen Euro teure Objekt, das Lüneburg als Ort für Kultur und hochklassigen Sport attraktiver machen soll, ist raus, mit den Angeboten rechnet die Verwaltung noch im Oktober. Weiteres Thema war die Wiederaufnahme der Planung für eine Elbquerung bei Neu Darchau, die die Wiedervereinigung des Landkreises Lüneburg sinnvoll vollenden müsste. Ganzjährig. Bei Hitze und Frost. 

In diesem Sinne, genießt den stürmischen Herbst, in welcher Form auch immer… 

Eure stadtlichter

PROBLEMZONEN, ANGSTZONEN, NO-GO-AREAS …

… Gibt es das auch in Lüneburg?

Wir leben in einem Rechtsstaat? Prinzipiell ja … Doch in manchen Gegenden herrscht scheinbar das Recht des Stärkeren! Solche sogenannten No-go-Areas, also Viertel, die man lieber meiden sollte, gibt es leider nicht mehr nur in Großstädten. Duisburg-Marxloh, Köln-Chorweiler, Bremerhaven-Lehe, Berlin-Neukölln: Sie alle stehen symbolisch für heruntergekommene Stadtteile, in die sich viele im Dunkeln nur mit Unwohlsein hinein trauen. Auch die Polizei ist in besonders berüchtigten Straßen ausschließlich mit mehreren Beamten unterwegs. Das Schlimme: Das Phänomen der sogenannten Problem- und Angstzonen ist inzwischen im Umland großer Metropolen angekommen, von No-Go-Areas kann allerdings (glücklicherweise) nicht die Rede sein. Das gilt auch für Lüneburg, obwohl man sich auch hier in manchen Ecken lieber nicht im Dunkeln alleine herumtreiben sollte, warnen hinter vorgehaltener Hand selbst Polizeibeamte.

Kaltenmoor war lange Spitze, was die Kriminalität angeht: Während der Wohnungsnot in den sechziger Jahren hoch und schnell gebaut, leben in keinem anderen Lüneburger Stadtteil so viele Menschen auf so wenig Raum. Noch immer ist Kaltenmoor nicht „befriedet“ – es gibt immer wieder Ausbrüche brutaler Gewalt wie zuletzt wieder im April: Da wurde nach Mitternacht aus einem Audi heraus auf eine Personengruppe von zirka sechs Personen geschossen, die sich in der Carl-Friedrich-Goerdeler-Straße in Höhe des St.-Stephanus-Platzes aufhielt. Ein 20-Jähriger wurde durch die Schüsse schwer verletzt. Es ging um Drogen. Und um obskure Verbrecherehre. Wörtlich sprach Kriminaldirektor Steffen Grimme, Leiter der Ermittlungsgruppe, von „Störungen im BTM-Handel innerhalb einer multinationalen Gruppe“. Generell jedoch, so die Ansicht der Lüneburger Polizeiführung, herrsche ein insgesamt doch eher friedliches Miteinander sehr vieler Nationen in und um Kaltenmoor. Das Kriminalitäts-Problem, auch das der Drogen, habe sich schon lange aus dem Stadtteil weg verlagert.

Der Clamartpark ist seit Jahren verrufen als Drogenumschlagsplatz, und die Entwicklung dort sorgt für große Besorgnisse. Auch und gerade bei Anwohnern. „Hier kann man sich, wenn es dunkel ist, nun wirklich nicht mehr reintrauen“, sagt Horst P. „Hier wird offen gedealt. Als ich einmal Fotos machen wollte, um die Straftaten bei der Polizei anzuzeigen, wurde ich übelst beschimpft und mir wurden Schläge angedroht. Das ist hier ein rechtsfreier Raum. Schlimm!“ Der Polizei sind die Verhältnisse rund um den Clamartpark durchaus bekannt, heißt es auf Nachfrage. Dass in dem Park jedoch inzwischen ein „rechtsfreier Raum“ entstanden sein soll, weise man entschieden zurück. Zwar wisse man, dass durch die sich dort aufhaltenden Personengruppen das subjektive Sicherheitsempfinden einiger Menschen gestört werden könne, doch, so Kriminaldirektor Roland Brauer (laut LZonline), müsse unsere Gesellschaft „Lebensgestaltungen“ wie diese aushalten.

Muss sie das wirklich? Offenen Drogenkonsum und Beschaffungskriminalität als „Lebensgestaltungen“ zu bezeichnen, scheint mindestens fragwürdig zu sein.

Immerhin begnügen sich die Ordnungshüter nicht mit euphemistischen Betrachtungen, sondern versuchen über unregelmäßig stattfindende Razzien den Park als Erholungs- und Begegnungsraum der Bürger zurückzugewinnen. Immer wieder werden dabei Personen im Clamartpark und den unmittelbar angrenzenden Straßen von der Polizei „auf frischer Tat“ ertappt, wie sie gerade Drogen rauchen beziehungsweise sich gespritzt haben.

Viele dieser Süchtigen sind als Tagestouristen aus Hamburg angereist. Sie wissen: Koks oder Heroin ist an der Ilmenau deutlich günstiger zu bekommen als an Alster und Elbe. Dahinter steckt eine Marktoffensive einheimischer Dealer, die mit ihren Discountpreisen immer mehr Kunden anlocken wollen. Das Problem: An die Hintermänner der Drogen, die in Lüneburg aktuell vermehrt im Umlauf sind, ist schwer heranzukommen. Das ginge eventuell über einige der Händler und Junkies aus dem Clarmartpark. Doch wenn diese aufgegriffen werden, erhalten sie entweder nur wirkungslose „Platzverweise“ oder sind nach wenigen Stunden in Gewahrsam wieder am Ort des Geschehens zurück. So etwas ist letztlich auch frustrierend für die Polizei, die den Kampf gegen die Lüneburger Drogenszene so wohl kaum gewinnen kann. Von der Politik ist hier offenbar auch kaum Hilfe zu erwarten, den Regierenden in Stadt und Land scheint auszureichen, wenn die Polizei die „Szene beobachtet“ statt sie zu zerschlagen. Ein Fahnder: „Wir kommen nicht weiter, wenn Drogenhandel und -konsum ignoriert und verharmlost werden. Die Verhältnismäßigkeiten stimmen einfach nicht mehr…“ (RT)

DAS PERFEKTE FOODFOTO

Der Lüneburger Koch Andy Braumann arbeitet als Foodstylist

Wie heißt es so schön: „Das Auge isst mit.“ Denn wir bekommen nur Lust auf Essen, wenn es auch ansehnlich aussieht. Gerichte richtig appetitlich aussehen zu lassen, ist die Aufgabe von Andy Braumann. Der 30-jährige gelernte Koch arbeitet als Foodstylist für einen Hamburger Zeitschriftenverlag. Andy Braumann ist in der Nähe von Magdeburg aufgewachsen und lebt seit 15 Jahren in Lüneburg. Hier absolvierte er auch seine Kochlehre am Bremer Hof, wo er nach der Ausbildung ein paar Monate als Jungkoch arbeitete. Doch es zog ihn weiter: Andy ging ins Ausland, reiste herum, arbeitete für den Koch Christian Rach in Hamburg. Doch seine Einstellung veränderte sich: „Vor acht Jahren war Gastro dann nicht mehr so meins.“ Der „Lifestyle-Fanatiker“, wie er sich selber nennt, ging für ein Jahr nach Köln, um ein Praktikum bei einem Foodfotografen zu machen, und arbeitete nebenher in einem Klamottenladen. Während des Praktikums entdeckte er eine besondere Liebe zum Essen und beschloss, Foodstylist zu werden – der Beruf ist kein Lehrberuf. Er ging zurück in den Norden und bewarb sich als Foodstylist bei einem großen Hamburger Zeitschriftenverlag. Heute ist er dort fast ausschließlich im Print-Bereich tätig.

Einkaufen gehört dazu

„Hamburg ist das Food-Mekka in Deutschland. Und 95 Prozent der Foodstylisten sind gelernte Köche, manche auch Ökotrophologen“, erklärt Andy. In Deutschland gebe es nur etwa hundert Foodstylisten, schätzt der Lüneburger, der auch schon für australische, englische und niederländische Auftraggeber gearbeitet hat. Auch privat kauft und liest er viele Zeitschriften aus der ganzen Welt, die sich mit dem Thema Essen beschäftigen. Trotz der Food-Zentrierung auf Hamburg hat sich Andy bewusst dazu entschieden, in Lüneburg zu wohnen. Hier kommt er runter, hier hat er seine Freunde. Nur die Gastronomieszene von Hamburg, wo er zwischendurch auch ein Jahr lebte, sagt ihm mehr zu. Der Hamburger Verlag, in dem Andy Braumann arbeitet, hat vier Foodmagazine, hinzu kommen andere Magazine mit Rezept- und Foodseiten, für die er zuständig ist. Der 30-Jährige leitet ein Team von acht weiteren Foodstylisten, zum Team gehören außerdem vier Fotografen und sechs „Prop-Stylisten“, die für die Optik und Dekoration rund um die Gerichte verantwortlich sind. Ein kreativer Haufen mit einem gemeinsamen Ziel: Das perfekte Foodfoto. Andys Arbeit ist kein einfaches Garnieren von Lebensmitteln. „Es ist ein kreativer Beruf, der oft belächelt wird“, weiß er. Mit den Foodredakteuren des Verlags werden die Rezepte zuvor abgesprochen, den Einkauf der Zutaten übernimmt Andy selbst. „Einkaufen gehört für mich dazu. Ich habe für alles in Hamburg feste Händler“, erzählt er, „denn ich brauche Topware.“ In der verlagseigenen Versuchsküche bereitet er das Essen selbst vor. „Ich möchte betonen, dass wir kein Haarspray und keinen Lack verwenden, es ist alles real. Alles ist essbar und wird danach gegessen“, erklärt der Koch.

Ein bis zwei Stunden pro Foodfoto

Bringt der Foodstylist sein angerichtetes Essen ins Studio, kommt der Fotograf ins Spiel. „Der Fotograf muss sich herantasten und das Licht einstellen. Das Essen sieht im Studio nicht aus wie in der Küche“, sagt Andy. Mit schnellem Ablichten hat das Shooting nichts zu tun: „Für ein Foodfoto brauchen wir ein bis zwei Stunden. Eine Fotostrecke, die aus vier bis sechs Fotos besteht, wird an einem ganzen Tag geshootet.“ Gegessen wird hinterher mit den Arbeitskollegen – doch bis dahin ist das Essen natürlich immer kalt. Produkte, die vom Kochen übrig bleiben, werden an die Tafel gespendet. Für Andy zählen bei seiner Arbeit der Umgang mit den Lebensmitteln, der schon mit dem Einkauf beginnt, eine Vision im Kopf sowie die Liebe für das Produkt. „Du darfst nichts totbraten oder zu lange kochen. Einfach mit ganz viel Liebe behandeln“, so der Foodstylist. Es gibt Kollegen, die sagen, man erkenne Andys Arbeiten. „Der Laie sieht den Unterschied nicht, aber Freunde erkennen meine Arbeit. Sie sagen: So, wie Du rumrennst, so sieht auch Deine Arbeit aus“, erzählt er. Sie sei rough und lebendig, dürfe aber auch rotzig sein, fügt er hinzu. „Es darf auch mal gekleckert werden.“ Andy hat an sich und seine Arbeit hohe Ansprüche, und er sieht oft Foodstyling, das ihm nicht gefällt. „Das ist natürlich Geschmackssache, jeder urteilt anders“, meint er. Er lasse sich bei seinem Styling von der Vielfalt der Zutaten inspirieren. Frische Kräuter wie Petersilie, Basilikum, Schnittlauch oder Kresse eigneten sich gut als Farbklecks. Gehackte Kräuter sollten aber erst kurz vor dem Shooting unter das Essen gemischt werden, damit sie ihre frische Farbe behalten.

Farbakzente als Kontrast

Die Farben spielen für Andy bei seiner Arbeit eine große Rolle. Schon beim Einkaufen lässt er sich von den Farben von Obst und Gemüse inspirieren und überlegt genau, welche Zutaten von der Farbe her ein guter Bestandteil des Rezeptes werden könnten. „Einige Gerichte, die großartig schmecken, verwenden eine einheitliche Farbpalette an Zutaten – da tun ein paar kontrastierende Zutaten jedem Rezept gut – optisch wie geschmacklich“, erklärt der 30-Jährige. Dennoch sei die Beschränkung auf einige wenige Zutaten, die für Farbakzente sorgen, angeraten, um das Gericht und die Foodfotos nicht zu überladen. Es gab auch eine Zeit, da suchte Andy eine Veränderung, kündigte seinen Job im Hamburger Verlag und machte sich selbstständig. In dieser Zeit hatte der Lüneburger ein festes Mietstudio in der Hamburger Hafencity und übernahm Auftragsarbeiten. Doch nach einem Jahr holte ihn sein alter Verlag zurück. „Die Selbstständigkeit war eine wichtige Erfahrung, aber das war einfach zu viel für mich“, erklärt er. „Es hat meine Kreativität eingeschränkt.“ Und davon hat der 30-Jährige scheinbar eine Menge. Bekannte nennen ihn „kreativer Sonderling“, und auch Andy selbst spricht von einem „Hang fürs Spezielle“. Über seine Arbeit lernte Andy Braumann den Foodfotografen Florian Bonanni kennen – „einer der besten Foodfotografen Europas“, wie Andy betont – mit dem die Chemie auf Anhieb stimmte. Mit ihm rief er den Foodblog „Dudes and Roots“ ins Leben, der mit der ersten Blog-story „Alles Banane, Digga“ startete. Die beiden hatten viele Ideen, und der Blog lief gut. „Wir haben richtig viele Anfragen bekommen. Das hat natürlich geschmeichelt, aber wir konnten die Anfragen nicht annehmen.“ Eine monatelange Erkrankung bei Andy sorgte allerdings zwischenzeitig dafür, dass der Blog mit Florian ins Stocken geriet, momentan ist er ganz deaktiviert. Über seinen privaten Instagram-Account kann man jedoch weiterhin Andys Arbeiten sehen.

Food-Doku im TV

In Lüneburg geht Andy selten essen. „Ich koche lieber zu Hause, weil ich weiß, ich mach es besser“, meint er. Andy achtet auf gesunde Ernährung, isst gerne asiatisch oder südamerikanisch – Hauptsache, wenig Kohlenhydrate. Meist bleibt ihm zu Hause jedoch nur noch Zeit für die schnelle Küche. Nach der Selbstständigkeit und dem Blog probiert Andy Braumann nun noch etwas Neues aus: Momentan dreht er eine Food-Dokumentation für einen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender. Die Sendung soll ab Ende November in sechs Teilen ausgestrahlt werden und ihn und seine Arbeit widerspiegeln. Die TV-Drehs, für die er in der Welt herumreiste, machten ihm Spaß, und er freut sich auf das Endergebnis. Wenn Andy von seiner Arbeit als Foodstylist spricht, gerät er ins Schwärmen: „Ich habe meinen absoluten Traum gefunden.“ Einen weiteren Traum hat er dennoch, den viele Köche in ihrem Herzen bewegen: Eines Tages möchte er sein eigenes Restaurant aufmachen. (JVE)

Stinkt zum Himmel

Leuphana-Forscher warnen
vor Kollaps des Abwassersystems

Deutschlands Flüsse und Seen scheinen so sauber und rein wie lange nicht mehr zu sein. Schäumende Wasserläufe, stinkende Bäche und tot umhertreibende Fische gehören weitgehend der Vergangenheit an. Doch der Schein trügt. Schleichend, fast unmerklich, werden unsere Gewässer zu einer ökologischen Zeitbombe – verursacht durch einen Cocktail aus Chemikalien, Pestiziden und Arzneimittelrückständen. Schuld ist nicht die Industrie allein… 

Jeden Tag verbrauchen wir beim Duschen, Waschen oder auch beim Toilettengang ungefähr 120 Liter Wasser. Nach dem Verbrauch fließt das dreckige Wasser ab und verschwindet in den Rohren. Klingt ganz einfach: aus den Augen und aus dem Haus gleich aus dem Sinn. Doch so einfach ist es leider nicht. In die zentrale Lüneburger Kläranlage leiten auch die Samtgemeinden Bardowick, Gellersen, Ilmenau, Scharnebeck und Ostheide ihr Abwasser ein. Insgesamt sind hier 150.000 Einwohner an das gemeinsame Abwassernetz angeschlossen. Auch hier verwechseln viele ihre Toilette offenbar mit einem Mülleimer. Die Folge: Im Abwasser befinden sich oft Stoffe, die da nicht hinein gehören. Die natürlichen Ausscheidungen vom Menschen und das Toilettenpapier können in der Kläranlage leicht herausgefiltert werden. Problematisch aber sind chemische Stoffe, die über Konsumartikel oder Arzneimittel in das Abwasser gelangen. Zehn bis fünfzehn Prozent aller Medikamente werden nach Untersuchungen des Umweltbundesamtes von Patienten gedankenlos in der Toilette entsorgt. Ein weiteres Problem sind Arzneien, die der menschliche Körper nicht vollständig verwerten kann und deshalb wieder ausscheidet. Bei Antibiotika werden durchschnittlich 70 Prozent der Wirkstoffe ausgeschieden, bei manchen anderen Substanzen sind es sogar über 80 Prozent. Dramatische Zahlen – nicht nur, weil große Mengen an Medikamenten keinen medizinischen Effekt haben, sondern auch, weil sie zunehmend unser Wasser kontaminieren. Selbst moderne Kläranlagen schaffen es nicht, diesen chemischen Cocktail vollständig zu beseitigen. In einem in der Wissenschaftszeitschrift Science erschienenen Beitrag beschreibt der Chemiker Prof. Dr. Klaus Kümmerer von der Leuphana Universität Lüneburg zusammen mit Kollegen die aktuellen Probleme der Abwasserreinigung und Trinkwasseraufbereitung. Dabei geht es den Forschern nicht um eine Verteuflung der Chemikalien, die aus dem modernen Leben ohnehin nicht wegzudenken sind. Schließlich, so Experte Kümmerer, besteht „unsere ganze materielle Welt, auf der unser Lebensstandard beruht, aus letztendlich chemischen Produkten wie Textilien, Arzneimitteln, Flammschutzmitteln, Wärmedämmstoffen, Materialien der Elektronik und somit der Digitalisierung, Farben, Pestiziden, Waschmitteln et cetera. Diese müssen beispielsweise künftig so gestaltet sein, dass sie, sofern sie in die Umwelt gelangen, 

 

dort schnell und vollständig abbaubar sind.“ Doch genau dieses Wissen, dass viele chemische Stoffe eben auch große Probleme bereiten können, weil sie in den Wasserkreislauf und über diesen auch in die Nahrungskette gelangen, ist offenbar noch wenig verbreitet. Schon heute stößt die Abwasserreinigung an ihre Grenzen, wenn es darum geht, alle kritischen Stoffe zu entfernen. Immer aufwendigere Verfahren werden dafür benötigt. Dadurch steigen die Kosten, und auch der Einsatz zusätzlicher Chemikalien wird erforderlich. Trotzdem wird das Wasser nicht immer sauber, manchmal sogar zusätzlich verschmutzt. „Wir müssen viel größeren Wert darauf legen, dass kritische chemische Stoffe gar nicht erst ins Abwasser gelangen. Wo dies unvermeidlich ist, müssen chemische Stoffe und Arzneimittel von Anfang an so designt werden, dass sie in der Umwelt keinen Schaden anrichten“, ist Kümmerer überzeugt. Es sei viel effektiver, die Verschmutzung der Umwelt schon an der Quelle zu bekämpfen, als immer aufwendigere Reinigungsverfahren zu entwickeln. Für die Industrie bedeute dies, die Anzahl der verwendeten Chemikalien in den Produkten zu reduzieren, nicht-abbaubare durch abbaubare Stoffe zu ersetzen und unterschiedliche Abwässer möglichst getrennt zu halten, um sie leichter und besser reinigen zu können. (RT)

Was jeder tun (und vermeiden) kann

Bei allen Möglichkeiten, das Abwasser leichter zu klären, ist es vor allem der Verbraucher gefragt. Wenn jeder Einzelne darauf achtet, was und vor allem wie es in den Abfluss gerät, können höhere Kosten durch Maßnahmen zur Instandsetzung vermieden werden. Das schont dann auch den Geldbeutel.

Beispiele:

Farben und Lacke, Lösungsmittel, Fotochemikalien und Medikamente, erst recht Batterien oder andere Chemikalien und Giftstoffe dürfen weder in den Hausmüll noch ins Abwasser gelangen.

Auch Hygieneartikel haben nichts im Abfluss zu suchen. Feuchttücher zum Beispiel bereiten den Kläranlagen große Probleme. Sie verstricken sich zu Zöpfen und verstopfen die Pumpen.

Speiseöle und Speisefette fließen besonders schlecht ab, verhärten oder verharzen im Rohrleitungssystem. Aber auch im Kanalnetz lagern sich die Fette und Öle ab. Sie sind Nährboden für Bakterien, verursachen unangenehme Gerüche und Verstopfungen, die sich nur mit großem technischen Aufwand beseitigen lassen.

Noch schlimmer ist Motoröl. Bereits geringste Mengen Mineralöl können das Grundwasser vergiften und ungenießbar machen. Sie beeinträchtigen auch den Reinigungsprozess in Kläranlagen.