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TBC, Gelbfieber, Krätze…

Sind die alten Seuchen zurück?

In den vergangenen Monaten hatten Ärzte in ganz Deutschland, auch in Lüneburg, alle Hände voll zu tun. Nicht nur die Grippe, auch andere wesentlich gefährlichere Erkrankungen sorgten für überfüllte Wartezimmer. Vor wenigen Wochen, am 24. März, war wieder Welttuberkulosetag. Der Tag, an dem Robert Koch 1882 den bahnbrechenden Vortrag über die Entdeckung des Tuberkulose-Erregers, Mycobacterium tuberculosis, gehalten hat. Doch auch 136 Jahre (!) später gehört Tuberkulose mit fast 1,7 Millionen Todesfällen pro Jahr immer noch zu den zehn häufigsten Todesursachen weltweit. Geschätzt 10,4 Millionen Menschen erkrankten 2016, darunter fast eine halbe Million an multiresistenter Tuberkulose, bei der die beiden wichtigsten Tuberkulose-Medikamente nicht mehr wirken.

Ein Viertel der Weltbevölkerung soll mit dem Bakterium infiziert sein und stellt ein Reservoir für spätere Erkrankungen dar. Warum ist Tuberkulose noch immer nicht besiegt, obwohl wir das Bakteriengenom entschlüsselt haben? Zum einen, weil noch lange nicht alle Menschen in vollem Umfang von diesen Errungenschaften profitieren. Zum anderen, weil die bislang erreichten Fortschritte bei weitem nicht ausreichen und die Forschung die Tuberkulose über Jahrzehnte sträflich vernachlässigt hat, sagen Experten: So steht kein hochwirksamer Impfstoff zur Verfügung, dauert die antibiotische Behandlung mindestens ein halbes Jahr statt weniger Tage und sind die Behandlungsoptionen bei komplex resis-tenten Tuberkulosen unbefriedigend. Was nur wenige wissen: Auch in Niedersachsen tritt die Krankheit wieder vermehrt auf. Vor allem in größeren Städten, doch nicht nur hier: Der Landkreis Lüneburg ist nicht verschont worden.

Von 2001 bis 2010 konnte in Niedersachsen noch ein kontinuierlicher Rückgang der TBC-Meldungen verzeichnet werden, sagt Holger Scharlach vom niedersächsischen Gesundheitsamt. Seit 2013 steigen die Zahlen landesweit wieder. Scharlach sieht einen Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise, da diese oft aus Ländern, in denen Tuberkulose viel häufiger verbreitet ist als hier, kommen. Bei den medizinischen Eingangsuntersuchungen wird deshalb besonders auf die Tuberkulose geachtet. Doch nicht nur TBC beunruhigt die Experten: Auf dem Vormarsch ist bundesweit auch die Krätze, bei Medizinern auch unter dem Namen Skabies bekannt. In den vergangenen Jahren fanden sich vermehrt Patienten mit der von Krätzmilben ausgelösten Erkrankung in deutschen Arztpraxen ein. Tendenz weiter steigend. Gravierender ist die steigende Zahl von am sogenannten Hantavirus Erkrankten. Als Überträger der Hantavirus-Infektion sind Rötelmäuse identifiziert worden, die das Virus mit Kot verbreiten. Werden die Ausscheidungen der infizierten Nager beispielsweise bei Reinigungsarbeiten (Fegen des Schuppens) aufgewirbelt und eingeatmet, sind grippeähnliche Symptome mit Fieber, Kopf- und Abdominalschmerzen bis hin zu Nierenfunk-tionsstörungen und akutem Nierenversagen die Folge. Im vergangenen Jahr gab es bereits eine Masern-Welle, und auch aktuell ist die Gefahr noch nicht vorbei. Das Virus wurde offenbar aus Südosteuropa eingeschleppt und breitet sich auch unter nicht geimpften Einheimischen aus. Gerade Risikogruppen verweigern aber zunehmend eine Schutzimpfung, verweisen, wenn man sie nach Gründen fragt, auf angeblich fehlende Wirksamkeit. Susanne Glasmacher vom Robert Koch-Institut (RKI) kann das nicht verstehen: „Selbst ein mäßiger Impfschutz ist immer noch besser als gar keiner. Wenn es draußen in Strömen regnet, hilft ein löchriger Schirm auch mehr als gar keinen dabei zu haben.“

Unbedingt gegen Gelbfieber sollten sich Südamerika-Reisende impfen lassen, rät das Auswärtige Amt. Im Februar und März wurden über die Auslandsvertretungen in Rio de Janeiro und London zwei Deutsche gemeldet, die sich auf der dem Bundesstaat Rio de Janeiro vorgelagerten, touristisch-hoch-frequentierten Insel Ilha Grande mit Gelbfieber infiziert hatten. Ein Patient wurde noch in Brasilien behandelt und überlebte den schweren Verlauf der Erkrankung ohne Folgen. Der zweite Patient verstarb, nachdem er noch im Transit auf dem Flughafen London so schwer erkrankte, dass er vor Ort in London intensivmedizinisch behandelt werden musste. Eine weitere erkrankte Deutsche erholte sich zum Glück aber wieder vollständig. Nach 1999 waren dies die ersten deutschen Staatsbürger, von denen bekannt ist, dass sie an Gelbfieber erkrankten. Gelbfieber zählt wie zum Beispiel. Ebola, die Tollwut oder auch die Pest, die gerade im Osten Afrikas ein bedrückendes „Comeback“ feiert, zu den Zoonosen, den Krankheiten also, deren Erreger Tiere wie Menschen gleichermaßen befallen. Auch das hochgefährliche Dengue-Virus, das jährlich rund 400 Millionen Menschen infiziert, gehört dazu. Vermeintlich durch den Klimawandel erobern tropische und subtropische Stechmückenarten immer neue Räume und bringen diese Krankheit auch zu uns. „Inzwischen gibt es erste Ausbrüche im Süden der Vereinigten Staaten, und ähnliche Entwicklungen können wir auch für Europa erwarten“, sagt Koert Ritmeijer, Leiter der Amsterdamer Forschungsabteilung „Vernachlässigte Tropenkrankheiten“ bei der Organisation Ärzte ohne Grenzen.

Was also tun: Kopf in den Sand und unter anderem das Reisen einstellen? Beim Gesundheitsamt Lüneburg hält man nichts von Panikmache: Der Infektionsschutz arbeitet gut, auch wenn erhöhte Vorsicht nicht schaden kann, heißt es. Was man selbst tun kann, ist Impfungen nicht zu vernachlässigen und von Infektionskrankheiten besonders betroffene Länder zu meiden. Mehr Infos zum Thema dazu erhält man beim Robert-Koch-Institut oder auch dem Auswärtigen Amt in Berlin. (RT)

Im Auftrag für die Muttersprache

Die Lüneburgerin Maiko Wall arbeitet als Japanisch-Dolmetscherin

Maiko Wall ist in der deutschen Sprache genauso zu Hause wie in der japanischen. Die 35-Jährige arbeitet als Dolmetscherin für japanische Medien. Aufgewachsen ist Maiko Wall in der Nähe von Kassel. Ihr Vater ist Deutscher, ihre Mutter Japanerin, die seit den siebziger Jahren in Deutschland lebt. Während die Mutter immer konsequent japanisch mit ihren Kindern sprach, machten sich Maiko und ihre zwei älteren Brüder einen Spaß daraus, eine Mischung aus Japanisch mit deutschen Endungen zu sprechen. Anwenden konnten die Geschwister ihr Japanisch vor allem bei der Verwandtschaft. „Wir waren früher jedes Jahr in den Sommerferien bei den Großeltern in Japan“, berichtet die 35-Jährige. „Meine Mutter kann ja Deutsch, aber in Japan waren wir gezwungen, Japanisch zu sprechen.“ Zu Schulzeiten spielte es für Maiko Wall keine besondere Rolle, zweisprachig aufzuwachsen. Doch nach dem Abitur entwickelte sie den Ehrgeiz, ihre Muttersprache zu vertiefen. „Meine Mutter hat uns nie gezwungen, Japanisch zu schreiben. Ich hatte aber Interesse daran“, erzählt sie. „Ich war die Einzige aus der Familie, die das bewusst erkunden wollte.“ Deshalb ging sie für ein Jahr nach Tokio, um einen Intensiv-Sprachkurs zu machen. Die japanische Schriftsprache ist eine Kombination aus Lautschrift und Symbolschrift, die aus dem Chinesischen übernommen wurde. Schwierig sind die feinen Unterschiede in der Betonung und Aussprache. „Es hilft zwar, wenn man es schon sprechen kann. Aber es war auch für mich hauptsächlich mit Pauken verbunden“, erinnert sich Maiko Wall. 2002 kam die Halbjapanerin zum Studium der Angewandten Kulturwissenschaften nach Lüneburg. Ein konkretes Berufsziel hatte die junge Studentin anfangs nicht, doch ihr Schwerpunkt Medien erwies sich später für sie als nützlich. Im Studium hatte sie Angst, ihre Japanisch-Kenntnisse wieder zu verlieren. Über die Universität organisierte sie sich deshalb einen sechsmonatigen Studienaufenthalt in Naruto, der japanischen Partnerstadt Lüneburgs. Danach hängte sie ein sechsmonatiges Praktikum in der deutschen Botschaft in Tokio an.

Kontakte
durch Mundpropaganda

Um auch von Lüneburg aus den Draht zum Japanischen nicht zu verlieren, besuchte Maiko als Gasthörerin Japanologie-Veranstaltungen der Universität Hamburg. Hier knüpfte sie viele Kontakte zu anderen Japanern und gewann neue Freunde dazu. Schnell war sie Teil eines Netzwerks, das im Medienbereich tätig war. Hieraus entstand später die Firma Dokuwa Communications, eine deutsch-japanische Filmproduktionsfirma, für die sie heute freiberuflich dolmetscht. Der Grundstein für Maiko Walls beruflichen Einstieg wurde während der Fußball-WM 2006 in Deutschland gelegt, als die Beteiligten von Dokuwa Communications noch Studenten waren. „Von allen japanischen Sendern waren Vertreter da, mit denen wir während der WM viel unterwegs waren“, erzählt Maiko, „darüber haben wir immer wieder neue Leute kennen gelernt. Durch Mundpropaganda hat sich viel daraus ergeben.“ Inzwischen ist Maiko Wall, die für die japanische Seite gerne auch den Mädchennamen ihrer Mutter, Nishikawa, verwendet, als freiberufliche Dolmetscherin gut im Geschäft. „Mein Job ist wirklich ein großes Glück, vielseitig und immer interessant“, meint sie. Aufträge von japanischen Fernsehsendern gibt es reichlich, zum Beispiel für Reisesendungen. Maiko Wall bereitet dafür alles vor Ort vor, bucht Unterkünfte, organisiert Interviewpartner und begleitet zum Dolmetschen die Filmdrehs. Aktuell arbeitet sie an einer Dokumentation für das öffentlich-rechtliche japanische Fernsehen über das „Napalm-Mädchen“ Phan Thi Kim Phúc, das während des Vietnamkrieges Opfer eines Napalm-Angriffs wurde. Da kurz danach ein Team vom stern das Mädchen besuchte, übernimmt Maiko in Deutschland das Interview mit dem damaligen stern-Redakteur sowie die Archivrecherche. „Es ist ein zufälliges Nebenprodukt, dass das Thema mit Deutschland zu tun hat“, erklärt sie.

Deutschland ähnelt Japan

Themen aus Deutschland, die für das japanische Fernsehen interessant sind, gibt es immer wieder. Dazu erklärt sie: „In vielen Aspekten sind Deutschland und Japan sehr vergleichbar. Beide sind Kriegsverliererländer. In Japan steht gerade eine Verfassungsänderung an, die dem Militär die Teilnahme an Auslandseinsätzen erlauben soll, was dem Kriegsverliererland bisher nicht erlaubt ist. Da diese Entscheidung in Deutschland auch vor langer Zeit gefallen ist, schauen die Japaner nach Deutschland.“ Auch in anderen Bereichen ähnele Deutschland Japan, zum Beispiel in Hinblick auf die wirtschaftliche Position oder die Überalterung der Gesellschaft. „Deshalb kommt es immer wieder vor, dass die Japaner nach Deutschland gucken“, sagt die Dolmetscherin. Neben der Arbeit für Dokuwa Communications dolmetscht Maiko Wall bei Bildungsreisen für japanische Erzieher in Deutschland. Auch in diesem Berufszweig interessieren sich die Japaner für die Abläufe in Deutschland. „In Deutschland steht freies Spiel mehr im Vordergrund als in Japan, dafür holen sie sich Anregungen.“ Sie selbst sei eher typisch deutsch aufgewachsen, erklärt sie. Ihre Mutter habe sie im Gegensatz zu anderen sogar früh dazu ermutigt, schnell selbstständig zu werden und hinaus in die Welt zu gehen. Streng war die Mutter bei ihrer einzigen Tochter hingegen im Umgang mit Jungs. „Das war für sie so weit weg von dem, was sie kannte“, meint die 35-Jährige.

Trotz vieler Gemeinsamkeiten zwischen Deutschen und Japanern entdeckt Maiko immer wieder feine Unterschiede: „Mit japanischen Freunden gibt es nicht so eine Streit- oder Diskussionskultur. Streit wird nicht ausgetragen, sondern es heißt nur: Die Dinge sind halt einfach so. Vieles bleibt einfach so stehen.“ Umgekehrt habe Japan eine sehr fröhliche Kultur, von der sich Deutschland eine Scheibe abschneiden könne. „Es nervt mich in Deutschland manchmal, dass jede Kleinigkeit auf Teufel komm raus kritisiert werden muss“, meint sie. Sie fühlt sich in beiden Ländern zu Hause, hält Kontakt zur verbliebenen Verwandtschaft in Japan.

In Cannes
auf dem Roten Teppich

Ein einschneidendes Erlebnis machte Maiko Wall im Jahr 2016. Eine Filmproduktionsfirma suchte einen Dolmetscher für die Filmfestspiele in Cannes. Die erfolgreiche japanische Regisseurin Naomi Kawase hatte den Vorsitz der Jury für die Kurzfilme und suchte jemanden, der vor Ort vom Japanischen ins Englische übersetzen kann. Maiko machte sich in Windeseile schlau über die Regisseurin, denn zur Auswahl gab es ein Interview über Skype. „Scheinbar hat denen das gefallen. Zwei Tage später saß ich im Flieger nach Nizza“, erinnert sie sich. Eine Woche konnte die Dolmetscherin in Cannes die Luft der Stars und Sternchen schnuppern, war bei offiziellen Terminen die Übersetzerin für Naomi Kawase. „Das habe ich mir nicht erträumt, dass ich mal mit so vielen Prominenten im Fahrstuhl stehen würde“, sagt sie schmunzelnd. „Ich hatte das Gefühl, ich bin die Einzige, die nicht in der Gala vorkommt.“ Noch im selben Jahr wurde Maiko als Dolmetscherin per Skype dem Flaherty Filmseminar in den USA zugeschaltet, wo die Regisseurin Naomi Kawase ihre Dokumentarfilme zeigte. Hier stieß Maiko auf deren Film „Genpin“, der sie nicht wieder losließ. Die junge Lüneburgerin war zu dieser Zeit schwanger mit ihrer heute 15 Monate alten Tochter Momoko und war vielleicht deshalb so interessiert an dem Thema. „Genpin“, der in Deutschland noch nie im Kino oder Fernsehen lief und auch nicht auf DVD erhältlich ist, dreht sich um den Frauenarzt Dr. Tadashi Yoshimura und seine Klinik für natürliche Geburten mit angeschlossenem Geburtshaus in der japanischen Stadt Okazaki. In dem traditionell eingerichteten Geburtshaus können sich die Frauen schon während der Schwangerschaft regelmäßig treffen, um sich auf die Geburt vorzubereiten. Sie hacken Holz, bereiten Essen über dem Feuer zu und wischen die alten Wandpaneele – und empfinden so den Alltag im Japan der Edo-Periode nach. Die Regisseurin Naomi Kawase folgt in dem Film einigen der Frauen vor, während und nach der Geburt ihrer Kinder und zeigt Momente des puren Glücks, aber auch der tiefen Trauer. Sie geht dabei auf einfühlsame Weise auf die Konflikte ein, die zwischen Yoshimura, den Geburtshelferinnen und den werdenden Müttern entstehen bei dem Versuch, neuem Leben auf respektvolle Art in die Welt zu helfen.

Japanischer Film im Scala-Kino

Maiko Wall ist bis heute tief beeindruckt von dem Film. Sie ist nicht nur aus filmischer Sicht begeistert von der sensiblen Herangehensweise der Regisseurin. „Genpin“ führte ihr vor Augen, dass man sich als Schwangere unter normalen Umständen ein schönes Umfeld schaffen muss, um sich auf die Geburt vorzubereiten. Die Sichtweise des Films beeinflusste die Dolmetscherin unter anderem auch in Hinblick auf die Geburt ihrer eigenen Tochter, sie entschied sich für eine Hausgeburt. „Man sollte den Bezug nicht verlieren, dass eine Geburt etwas Natürliches ist“, meint sie. Passend zum Welthebammentag am 5. Mai will die junge Mutter den ungewöhnlichen Film nun auch dem deutschen Publikum nahe bringen. Sie organisierte neben Filmvorführungen in Hamburg (4. Mai) und Kassel (6. Mai) auch eine Vorführung am Samstag, 5. Mai, 16:45 Uhr im Scala-Kino. Der Film in Spielfilmlänge wird auf Japanisch mit englischen Untertiteln gezeigt. Maiko Wall weiß, dass es asiatische Film in Deutschland nicht leicht haben. Doch sie möchte, dass der Regisseurin Naomi Kawase, die in Europa vor allem in Frankreich anerkannt ist, mehr Beachtung geschenkt wird. Inzwischen verbindet sie mit der Japanerin mehr als nur eine Geschäftsbeziehung. (JVE)

Tatort (e)

editorial

Endlich fand denn mal wieder ein „unechter Tatort“ in Lüneburg statt, nach Schießereien, erfolgreichen Nachermittlungen im Fall Birgit Meier, Göhrdemord-Nachspiel, explodiertem Restaurant, Millionenbetrügereien war es eine Wohltat für die strapazierte Lüneburger Seele, dass es sich Ende April tatsächlich um eine Krimiinszenierung drehte, in der Wotan Wilke Möhring als Ermittler Thorsten Falke und Franziska Weisz als Kommissarin Julia Grosz die Hauptfiguren waren. So manches Klischee hätte nicht unbedingt bemüht werden müssen, dennoch war man in diesem Fall als Lüneburger auf der sicheren Seite, den Spuk bei Bedarf mit der „Aus“-Taste des heimischen Fernsehers tatsächlich beenden zu können. Ums Beenden sollte es auch bei der Kreistagssitzung am 23. April gehen (deren Ende leider nach unserem Druckbeginn lag). Und zwar ums Beenden der Hängepartie um den oder die Betreiber der Arena Lüneburger Land – insbesondere für den Sport ein unerquickliches Thema. Ob die Lösung dann in einer kreiseigenen Betreibergesellschaft oder auf die schon mit den Hufen scharrende heimische Campus Management fällt oder ob man sich der Prozedur einer europaweiten Ausschreibung stellen muss, wird sich zeigen. Jedenfalls hat die Stadtverwaltung schon mal Optimismus verbreitet und den bisher gültigen Straßennamen „Am Schlachthof“ entschärft, damit sportliche Gegner sich zukünftig überhaupt hierhin trauen: Lüner Heide heißt die Straße nun… es wäre zu schön gewesen, den einen oder anderen Gegner genüsslich zum Wettkampf auf dem Schlachthofgelände einzuladen.

Apropos genüsslich: Der Verkaufsoffene Sonntag am 6. Mai in Lüneburg steht unter dem Motto „Lüneburg ganz kulinarisch“ und wird neben tollen Angeboten der heimischen Gastroszene seinen Höhepunkt darin finden, an mehr als 20 Foodtrucks, die am Ochsenmarkt vor dem Landgericht stehen werden, allerlei Köstlichkeiten zu genießen.

Ganze fünf Tage lang feiern die Winsener und ihre Gäste vom 9. bis 13. Mai ihr 41. Stadtfest. Auch hier wandern Leckereien über die Foodtruck-Theken, und sich ordentlich zu stärken ist besonders wichtig für die Teilnehmer am 1. Winsener „Strongman-Cup“. Lüneburg muss noch ein bisschen ausharren, das große Lüneburger Event – mit Public Viewing zur Fußball-WM – steht ja erst vom 14. bis 17. Juni an.

Und frisch wird’s: Die Freibadsaison in der Region wird aktuell eröffnet, alles Wissenswerte über die zehn wichtigsten Bäder in der Umgebung findet Ihr auf den Seiten 19 bis 21. Wer es lieber romantisch mag, der sollte sich unbedingt den 5. oder 12. Mai in den Kalender schreiben: Bad Bevensen lädt ein zu den Romantischen Kurparknächten. Schöne Idee, sollte man sich nicht entgehen lassen.

In diesem Sinne wünschen wir allen einen wunderschönen Start in den Mai – der Auftakt mit einem tollen Vier-Tage-Weekend war ja schon mal nicht schlecht.…

Eure stadtlichter

Krämer/in ?

editorial

Kennen Sie Marlies Krämer? Nein? Die 80-jährige Saarländerin wird sicher noch mehr Geschichte schreiben., auch wenn sie gerade am BGH mit ihrer Forderung nach Umstellung der Sparkassenformulare auf die Nennung beider Geschlechter in der Signatur – also Kunde/Kundin (oder muss aus Höflichkeit die Dame zuerst?) gescheitert ist. Ob sie dann mit Marlies Krämer oder lieber doch mit Marlies Krämerin unterschreiben würde… ist nicht überliefert. Aber im Ernst, angeschoben hat sie damit sicherlich ein Umdenken, das vielleicht ja sogar mit einigen zusätzlichen Seiten im Duden enden wird, mit Seiten, die neutrale geschlechtslose Bezeichnungen für jeden Menschen in jedem Zusammenhang auflisten, denn es gibt ja – wie wir wissen – nicht nur männlich oder weiblich. So freuen wir uns nun darauf, was aus Gesetzen, Funktionen oder aus Hymnentexten wird, ganz zu schweigen eben aus Vaterland, Mutterboden, Mutterwitz oder dem Leitspruch der französischen Revolution. Was, bitte, wird aus Fraternité? Gut dass die Franzosen jetzt den Euro haben, auf diesen Münzen steht das Unwort ja wohl nicht drauf. Oder doch? Meinungen zu diesem Thema haben wir diesmal auch (ernsthaft) an unserem Stammtisch erfragt (Seite 16).

Apropos Ernst: Den Ernstfall oder Daten-Super-Gau hat uns aktuell das Umfeld von Herrn Zuckerberg beschert und uns nun gezeigt, wie man aus einer Reihe geklauter Datensätze von Facebooknutzern und deren Facebookfreunden und deren Facebookfreunden, deren Freunden und deren Freunden und deren Freunden 50 Millionen Datensätze machen kann, die der Welt wahrscheinlich diesen Trump beschert haben. Auch dafür wird Zuckerberg sich eines Tages vielleicht noch entschuldigen müssen. Sportlich, aber im positiven Sinne, geht es aktuell und hochklassig in der Region vorwärts, der Adendorfer EC zog bei den Play-Offs ins Finale und beendete mit seinem neuen Coach Falko Kucharek die Saison erstmals als Vizemeister. Hoch hinaus zieht auch die SV Gellersen, sie hat es auch bis in die Play-Off-Runde geschafft, leider stand bis zu Druckbeginn dieses Magazins noch nicht fest, wer der Gegner in dieser Runde ist … wir drücken auch hier alle Daumen.

Weiteres: Die Regionalligisten auf den Rollen lösen die Kufencracks ab, die Keiler-Rotte, also die Inline-Hockeytruppe des VfL, geht in der Sporthalle im Lünepark an den Start und bietet gleich fünf hochklassige Heimspiele in dieser Saison… Wer es sportlich und festlich haben möchte, der gibt sich dieEhre und ist zu Gast beim 1. Lüneburger Theaterball – am 13. April im Theater, mit den Symphonikern und nite club, leckerem Essen und theatralischen Überraschungen. Und wer es „rummelig“ mag, freut sich auf den Frühjahrsmarkt vom 27. April bis 1. Mai auf den Sülz-wiesen, fulminant eröffnet mit einem Super-Feuerwerk am Freitagabend. Darauf lasst uns Brüderschaft trinken. Oder doch lieber Schwesternschaft? In diesem Sinne Prost.

Eure stadtlichter

Der blanke Horror

Sexting-Völlig normal oder absolutes NO-GO ?

Es ist der Telefonsex der Generation Smartphone: Sexting ist vor allem (aber nicht nur) bei Jugendlichen beliebt. Und viele sind sich der Gefahren erst bewusst, wenn es zu spät ist. Die Pose verführerisch, der Blick sexy, und das alles mehr oder weniger hüllenlos. Klick, klick, fertig ist das Nackt-Selfie. Egal ob vorm Spiegel, im Bett oder in der Badewanne – viele haben schon mal blankgezogen, sich im Adam-und-Eva-Kostüm fotografiert und das dann an den Partner geschickt. Nach Studien fast ein Drittel aller Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 15 und 25 Jahren. Die FKK-Nachricht – warum ist das eigentlich nach wie vor im Trend, trotz Horrorgeschichten über Mobbing in Schule und am Arbeitsplatz und trotz immer mehr Hackern, die nicht nur Stars, sondern auch Normalbürger mit freizügigem Material zu erpressen versuchen?

„Sexting“ setzt sich aus den Worten „Sex“ und „Texting“ zusammen und beschreibt das Versenden erotischer Fotos oder Videos von sich selbst. Kein neues Phänomen. Bereits vor Jahren warnte die Polizei: Der Austausch von intimen Selbstaufnahmen via Smartphone und Internet ist nicht ohne Risiko. Denn was per WhatsApp verschickt oder auf Facebook gepostet wird, kann nur mit großem Aufwand wieder gelöscht werden. Und das, was ursprünglich nur für den Kollegen oder den Liebsten gedacht war, sieht morgen womöglich das ganze Büro oder die ganze Schule. Schnell brechen dann Freundschaften auseinander und der ehemalige Freund oder die Freundin wird zum Feind. Ein furchtbarer Kreislauf inklusive Cybermobbing oder Cybergrooming sowie dem Erpressen weiterer Aufnahmen (sog. Sextortion) kann in Gange kommen. Sexting entsteht meist aus Neugier oder sozialem Druck, sagt der Hamburger Jugendforscher Rainer Wiesner: Viele Jugendliche setzen sich mit ihrer Sexualität auseinander – dazu gehört die Frage, ob man für andere interessant und begehrenswert ist. Was dabei begehrenswert ist, definieren sie für sich und orientieren sich dabei oft auch an Vorbildern. Diese finden sie im persönlichen Umfeld, aber auch in den Medien, etwa bei freizügigen Pop- und Film-Stars sowie durch pornografisches Material im Internet.

Ein anderer Beweggrund für Sexting sind Mutproben und Gruppenzwang. Während Jugendliche früher das Auto des Lehrers in Klopapier gewickelt haben, schießen sie heute Nacktfotos von sich. „Jungen fotografieren beispielsweise ihr Geschlechtsteil und üben Druck auf andere aus, das Gleiche zu tun“, meint Sabine Mosler, Jugendschutzreferentin der Niedersächsischen Landesmedienanstalt. Grundsätzlich kommt „Sexting“ unter Erwachsenen viel häufiger vor als unter Jugendlichen – und dagegen ist grundsätzlich auch nichts zu sagen, sagen Wissenschaftler. Studien haben bewiesen, dass Menschen in festen „befriedigenden“ Beziehungen sich sogar öfter „sexuell anzügliche“ Nachrichten schicken als andere. Wer das gerne möchte und reizvoll findet, soll das auch gerne weiter tun, sagt Experte Rainer Wiesner. „Es geht ja nicht darum, „Dirty Talks“ in die Schmuddelecke zu stellen oder den Menschen ihre sexuellen Fantasien zu nehmen, man sollte aber dennoch die Gefahren, auch die rechtlichen, berücksichtigen (was viele nicht wissen: Generell ist der Austausch von pornografischen Bildern für Minderjährige auch im Einvernehmen verboten) – und die eigenen Kinder auf diese Risiken hinweisen, ohne Sexting gleich zu verbieten.“

Nicht alles preisgeben

Tipps, damit das Blankziehen nicht irgendwann zum blanken Horror wird

Wenn schon „Sexting“, dann sollte man darauf achten, nicht das Gesicht zu zeigen. Auch Tattoos, markante Muttermale oder Piercings, die einen individuell machen, sollten nicht zu sehen sein. Auch sollten Fotos nie „alles“ zeigen, Fotos sind dafür da, die Fantasie des jeweiligen Partners anzuregen, das Kopfkino anzuschmeißen. Vor dem Abschicken: Adresse besser dreimal checken! Denn nichts ist peinlicher, als wenn die sexy Pics plötzlich bei den eigenen Eltern oder dem Ex landen. Man sollte sich auch nicht auf Sicherheitsfunktionen von Apps verlassen. Zum Beispiel darauf, dass Tinder die Fotos automatisch nach 24 Stunden löscht. In der Zeit kann sich das Foto bereits viral verbreiten. Auch bei Snapchat ist das Bild nicht gezwungenermaßen nach 30 Sekunden verschwunden. (RT)

Die Weltenbummlerin

Carmela Röhr war als Granny AU-PAIR in China, Südafrika und den USA

Carmela Röhr wollte andere Länder und ihre Kulturen kennenlernen. Die Handorferin war als Granny Au-pair mehrmals im Ausland. Nebenbei gewann sie eine neue Familie dazu. Carmela Röhr kennt keine Scheu, auf andere zuzugehen. Und sie lernt gern Neues kennen. Seit 35 Jahren lebt die gebürtige Schweizerin mit ihrem Mann in Handorf. Die gemeinsame Leidenschaft des Paares war schon immer das Reisen – erst zu zweit, später mit ihrem Sohn, der heute 29 ist. „Wir haben fast die ganze Welt gesehen“, erzählt die 64-Jährige. Die Versicherungskauffrau arbeitete, bis sie 57 war, doch die Beine legte sie noch lange nicht hoch. Vor ein paar Jahren las Carmela Röhr in der Zeitung von der Möglichkeit, als Granny Au-pair, eine Art Leihoma, ins Ausland zu gehen. „Wir sind zwar viel gereist, aber in zwei bis vier Wochen lernt man die Leute in einem Land nicht richtig kennen“, meint sie. Sie registrierte sich im Portal der Hamburger Agentur Granny Aupair. Die erste Anfrage kam ausgerechnet aus ihrem Heimatland, der Schweiz. Sie lehnte ab. „Ich wollte doch weit weg“, erklärt sie. Sie träumte von einem Einsatz in Australien, wo sie vor 30 Jahren einmal war. Doch auch Asien hatte es ihr angetan. So klang das Angebot für sie interessant, als eine junge Familie aus der chinesischen Millionenstadt Hangzhou sie kontaktierte. Die Familie, ein deutscher Vater, der studierte, eine voll arbeitende chinesische Mutter und ein neun Monate altes Mädchen, brauchte möglichst schnell eine Betreuung für das Kind. Mit den einheimischen Nannys war das Paar nicht gut ausgekommen. Carmela Röhr nahm das Angebot an und reiste 2014 mit einem Dreimonats-Visum nach Hangzhou.

Begegnungen auf dem Hof

Als Granny Au-pair hat man keinen Arbeitsvertrag, sondern reist als Tourist ein. Mit der Gastfamilie wird ausgemacht, nach welchem Prinzip die Granny bezahlt wird, ob mit wöchentlichem Taschengeld oder einer Übernahme der Reisekosten. In Hang-zhou lebte Carmela Röhr in einer abgeschlossenen Hochhaussiedlung, die, anders als in Deutschland, von gut betuchten Menschen bewohnt war und als absolut sicher galt. Die Sympathien mit dem Vater, der die Granny vom Flughafen abholte, stimmten sofort. Die Betreuung des Babys stellte für die Granny keine Schwierigkeit dar. Gewöhnungsbedürftig waren dagegen zum Teil die chinesischen Erziehungsmethoden. Sie war viel mit dem Mädchen allein. „In China ist es der Regelfall, dass die Eltern so viel weg sind“, erklärt die 64-Jährige. Die Schweizerin merkte schnell, dass sich auf dem Platz zwischen den Hochhäusern das ganze Leben abspielte. „Ich bin jeden Morgen mit dem Kinderwagen in den Hof gegangen. Da saßen dann zig chinesische Nannys mit den Kindern“, erzählt sie. Da diese meist kein Englisch konnten, verständigte sie sich mit Händen und Füßen mit ihnen. „Das war ein Heidenspaß“, meint die Leihoma. Carmela Röhr war weit und breit die einzige Europäerin. Sie staunte, dass der Hof für die Chinesen auch ein Ort zum Turnen, für Tai Chi oder zum Tanzen war. Einmal im Monat kamen ein Frisör, ein Schuster oder ein Schneider in den Hof und versorgte alle mit seinen Dienstleistungen. Weil die chinesischen Nannys in ihrem Alter oder älter waren, suchte sie auch andere Kontakte zu Chinesen. „Im Café bin ich auch mit jüngeren Leuten ins Gespräch gekommen“, erzählt sie. Diese konnten in der Regel Englisch.

Unendliche Gastfreundschaft

Wenn die Granny an den Wochenenden frei hatte, unternahm sie Ausflüge mit der Gastfamilie, fuhr aber auch alleine mit dem Bus in die Umgebung. Eines ihrer bedeutendsten Erlebnisse begann an einer Bushaltestelle, als Carmela Röhr zu einem Teedorf fahren wollte. „Ich bin mit einer Frau ins Gespräch gekommen, die in dem Dorf Tee pflücken wollte. Sie lud mich ein mitzumachen“, erzählt sie. Ohne dass sie lange darüber nachdenken konnte, wurde sie von der Chinesin mitgenommen und in der Teeplantage in das Teepflücken eingeweiht. „Ich wurde von den anderen Chinesinnen ganz herzlich empfangen“, betont sie. „Sie lernen nie Europäer kennen und finden das toll.“ Eine Stunde pflückte Carmela Röhr mit den anderen Tee. „Das ist total schwierig, Ich weiß jetzt, warum der Tee so teuer ist.“ Sie ist dankbar für diese einmalige Gelegenheit und den Einblick in das Leben der Chinesinnen, der sich ihr spontan geboten hatte. Nach dem Teepflücken ging es zum gemeinsamen Teetrinken, Spazierengehen und Essen. „Das war so ein aufregender Tag, das würde man so nie erleben“, sagt Carmela Röhr rückblickend. Zu ihren „Teemädels“, wie sie sie nannte, hielt sie weiter Kontakt. Carmela Röhrs Monate in China waren geprägt von spannenden Begegnungen mit Einheimischen, die ihr immer wieder offen, neugierig, freundlich und hilfsbereit entgegen traten. „Es ist mir oft passiert, dass ich von Leuten angesprochen wurde“, erinnert sie sich. „Das sind so Glücksgefühle, nur Du unter Chinesen.“ Nach drei Monaten musste die Granny ihren Aufenthalt in China beenden, eine Verlängerung war von Behördenseite nicht möglich. Im Juni 2014 kam sie zurück nach Deutschland und wollte hier auch zunächst bleiben. Doch die nächste Anfrage kam schneller als erwartet: Eine Familie aus Südafrika mit drei Kindern suchte händeringend ein Granny Au-pair. „Sie suchten jemanden, der spontan und flexibel ist. Da meinte mein Mann, ich soll das machen“, erzählt sie. Schon im Herbst 2014 flog die Handorferin für drei Monate nach Südafrika, welches sie auch aus dem Urlaub kannte.

Im Luxus in Südafrika

Mit der Familie in Pretoria, einer deutschen Mutter und einem peruanischen Vater und den drei Kindern im Alter von zwei, vier und sechs Jahren verstand sich Carmela Röhr auf Anhieb gut. Die gut situierte Familie lebte luxuriös mit großem Haus, Garten und Pool. Neben ihr als Nanny gab es noch eine Haushälterin und einen Gärtner, sie wurde in einer Gästewohnung untergebracht. Tagsüber war sie mit der zweijährigen Sophia und der Haushälterin im Haus, das sie mit dem Kind nicht verlassen sollte. Wenn die Kleine Mittagsschlaf machte und der Vater zu Hause war, fuhr Carmela Röhr mit dem Rad zur Mall, um einen Kaffee zu trinken und das afrikanische Treiben auf sich wirken zu lassen. An den Wochenenden war sie mit der Familie unterwegs. „Es war einfach total anders als in China, aber beides war absolut reizvoll“, meint sie. Nach drei Monaten musste die Granny nach Deutschland zurück, doch schon bald fragte die Mutter aus Südafrika erneut, ob sie zurückkommen könne. Sie machte ihr den Aufenthalt schmackhaft, indem sie vorschlug, dass ihr Mann für einen Urlaub zunächst mitkommen könne. Ab Februar 2015 reiste die Granny also mit ihrem Mann sechs Wochen in Südafrika herum, bevor sie im März wieder bei der Familie ankamen. Sie blieb bis Ende Juni da. Carmela Röhr versuchte trotz Warnungen vor Überfällen, sich ab und zu unters Volk zu mischen. Sie fuhr mit den Bussen, die sonst die Arbeiter benutzten. „Die Leute waren supernett und hilfsbereit. Sie haben natürlich gemerkt, dass ich keine Südafrikanerin bin“, sagt sie. Andere Warnungen nahm sie ernst: „Ich bin nicht übermäßig vorsichtig und manchmal auch leichtsinnig. Aber man muss die Ratschläge der Einheimischen befolgen.“ So fuhr die Granny auch kürzeste Wege mit dem Taxi, wenn ihr vom Fußweg abgeraten wurde. Sie war nur bei Tageslicht alleine unterwegs, trug keinen auffälligen Schmuck und hatte keine Wertsachen dabei.

Hilferuf aus Amerika

Zwar hatte Carmela Röhr keine Zeit, einen Sprachkurs zu besuchen, doch sie suchte sich einen Schwimmkurs. Durch den dreimal in der Woche frühmorgens stattfindenden Kurs lernte sie eine Gruppe weißer Südafrikanerinnen kennen, die sie schnell in ihrer Mitte aufnahmen. Auch in diesem Land entwickelten sich durch Carmela Röhrs offene Art bei vielen Begegnungen kleine Freundschaften. Als sie im Juni abreiste, dachte sie nicht, dass sie so schnell wiederkommen würde: Schon Anfang November brauchte die Familie wieder dringend ihre Unterstützung, so dass sie für weitere zwei Monate hinflog. In dieser Zeit begleitete sie die Gastmutter für mehrere Wochen nach Botswana. Nach ihrem letzten Aufenthalt in Südafrika wollte Carmela Röhr für keine andere Familie mehr eingesetzt werden, zu eng ist die Bindung nach Südafrika. „Wir sind jetzt eine Familie“, meint sie. Dass die fünfköpfige Familie das genauso sieht, zeigte sich Ende 2016. Die Familie war aus beruflichen Gründen nach Washington gezogen und brauchte Anfang 2017 erneut ihre Hilfe. So flog sie für acht Wochen zu der Familie in die USA und war genau zur Amtseinführung von Donald Trump in Washington – ein unvergessliches Erlebnis. Seit mehr als einem Jahr war Carmela Röhr nicht mehr als Granny im Ausland. Doch vor einem halben Jahr kam von der Agentur Granny Aupair eine Anfrage, ob sie ihrer südafrikanischen Familie für ein paar Wochen aushelfen könne – in Köln. Sie fuhr für sechs Wochen zu der Familie, die für ein Jahr hier bleiben will. Sollte die Familie wieder ins Ausland gehen, schließt die Granny nicht aus, zeitweilig mitzukommen. „Wir hoffen alle, dass die Familie ein tolles Angebot in Asien bekommt“, erklärt sie. Solange die Familie sie nicht braucht, reist Carmela Röhr weiterhin mit ihrem Mann durch die Welt, auf dem Plan stehen Singapur, Australien und Hongkong. Zu Hause bereitet sie sich auf ihren dritten Triathlon vor. „Das ist das, was ich anderen Älteren vermitteln will: Es ist nie zu spät. Du schaffst alles, wenn Du es willst, ob es eine neue Sprache oder Sportart ist. Das Alter ist nur eine Zahl.“ (JVE)

„Ich träume von einem Stumpf“

Bizarre Störung: Wenn Gesunde sich um jeden Preis
eine Amputation wünschen

Sie lassen ihre Gliedmaßen absichtlich erfrieren oder sägen sie aus Verzweiflung selbst ab: Weltweit leiden Tausende Menschen unter BIID – einer der wohl seltsamsten Krankheiten der Welt. Die rechte Hand des jungen Mannes war normal und gesund. Aber er wollte sie weghaben. Also ging er in einen Baumarkt und kaufte sich eine Kettensäge …

Der Mann, der da von sich selbst erzählt – nennen wir ihn Stefan, seinen richtigen Namen möchte er nicht öffentlich machen – weiß genau, dass das völlig irre klingt. Aber er weiß auch, dass er nicht verrückt ist. Er ist krank. Er hat BIID. Unter Body Integrity Identity Disorder (deutsch: Körperintegritätsidentitätsstörung), Kurzform BIID, das tiefe Empfinden einer Person, dass sich bestimmte Körperteile oder Körperfunktionen fremd anfühlen oder nicht zur eigenen Person gehören. Es kommt zu einer Deckungsungleichheit zwischen innerem gefühlten Körperbild und äußerem tatsächlichen Körperbild. Das äußert sich in einem extrem hohen Leidensdruck und teilweise starken Depressionen. Wie viele Betroffene es in Deutschland gibt, ist unklar. Jedenfalls wesentlich mehr, als sich öffentlich „geoutet“ haben. Das sind nur einige wenige. Experten gehen davon aus, dass es mehrere Tausend Betroffene weltweit gibt, vor allem Männer. In mehr als 80 Prozent der Fälle wünschen sie eine Beinamputation, links häufiger als rechts. Nur wenige Betroffene, vor allem Frauen, wünschen Amputationen auf beiden Körperhälften. Weil in westlichen Ländern die Amputation von intakten Gliedmaßen verboten ist, lassen sich die Betroffenen teilweise in Asien operieren oder provozieren einen entsprechenden „Unfall“.

Stefan, Anfang 30, Student der Kulturwissenschaften, hat seine linke Hand so verletzt, dass er nun zwei Finger nicht mehr bewegen kann. Er wäre dabei beinahe gestorben, weil er trotz starker Blutung lange Zeit keine Hilfe geholt hatte. Stolz ist er auf seine Aktion nicht: „Ich werde dennoch weitermachen, ich muss meinen Weg zu Ende gehen“, sagt er. Man darf das ruhig als Ankündigung verstehen und nicht als Drohung. Seine Freunde nahmen ihm sein Märchen von dem tragischen Unglücksfall bei der Gartenarbeit ab. „Ich glaube nicht, dass sie die Wahrheit akzeptieren würden“, sagt er. „Das kann kaum einer.“ Er erzählt, dass er den Wunsch, sich zu verstümmeln schon seit seiner Kindheit hat. Und manchmal „so tut als ob“. BIID-Betroffene nennen das „Pretending“. Dann schnürt er sich den Arm ab, bis dieser völlig gefühllos ist, und bindet ihn ganz eng an seinen Körper. Einmal hat ihn seine Schwester dabei überrascht. Er beichtete ihr, was ihn umtreibt, sie reagierte geschockt. BIID kann man eben nicht verstehen, wenn man BIID nicht hat, sagt Stefan.

Dabei ist das Phänomen nicht neu. Beschrieben wird es bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. In einer medizinhistorischen Anekdotensammlung schildert ein französischer Chirurg, wie er von einem Mann unter vorgehaltener Pis-tole gezwungen wurde, dessen gesundes Bein zu amputieren. Vor rund einem Jahr nahm Stefan an der TU Braunschweig mit einigen anderen Betroffenen an einer Studie teil. Ziel: die Entstehung von BIID verstehen zu lernen sowie Behandlungsangebote auf ihre Wirksamkeit hin überprüfen. Gehört hat er seitdem nichts mehr: „BIID ist eben immer noch ein Rätsel für die Medizin …“ Auch Peter Brugger von der Züricher Klinik für Neurologie, der als einer der wichtigsten weltweiten Experten auf dem Gebiet von Körperintegritätsidentitätsstörung gilt, musste erst lernen, das merkwürdige Phänomen nicht als bizarre Macke abzutun: „Erst persönliche Kontakte mit Betroffenen haben mich überzeugt, dass ein ernst zu nehmender Leidensdruck dahinter steht“, sagt der Professor für Verhaltensneurologie und Neuropsychiatrie.

Inzwischen gibt es einige Forscher, die sich wie Brugger mit BIID beschäftigen. Sie streiten vor allem um die Frage: Woher kommt BIID? Die Psychologen gehen davon aus, die Ursachen liegen im Kopf. Schwere Kindheit. Wunsch nach Anerkennung. Narzissmus. Die Neurologen sagen, die Ursachen liegen im Gehirn.Doch daraus ergibt sich gleich die nächste Frage: Haben Menschen BIID, weil ihr Gehirn anders ist? Oder ist ihr Gehirn anders, weil sie BIID haben? Viele BIID-Betroffene argumentieren mit Selbstbestimmung und fordern das „Recht auf Amputation“. Doch Gesetze und Mediziner stemmen sich aus ethischen Gründen gegen die Amputation eines gesunden Körperteils. Solchen, die es doch tun, drohen Konsequenzen. 1997 nahm der schottische Arzt Robert Smith einem Engländer den gesunden linken Unterschenkel ab; zwei Jahre später entfernte Smith einem Deutschen ein Bein. Smith hätte beinahe seine Approbation verloren. Mehr Informationen zum Thema unter www.biid-dach.org; www.vfsk.eu. (RT)

Der eigene Weg

Die Künstlerin Marit Persiel führt Ihr erstes eigenes Theaterstück auf

Schauspielschulen waren nichts für sie, und in der Großstadt fühlte sie sich nicht wohl: Die Künstlerin und Theatermacherin Marit Persiel ging ihren eigenen Weg. Nun hat die 28-Jährige ihr erstes eigenes Theaterstück geschrieben, das im März im Salon Hansen uraufgeführt wird. Marit Persiel wuchs in Himbergen im Landkreis Uelzen auf. Nach dem Abitur 2009 zog sie zum Studieren nach Kiel, wo sie an der Fachhochschule ihren Bachelor in Medienproduktion machte. Ihr gefiel das Praktische: „Ich fand Medien und Fotografie immer spannend, dachte aber immer nur an die Produktion für Film, Fernsehen und Radio“, erzählt die 28-Jährige. Das Sprechen und Spielen lag zuerst nicht in ihrem Fokus, Gefallen daran fand sie aber vor allem durch einen spannenden Studentenjob: Im Kieler Grusellabyrinth, ähnlich dem Hamburger Dungeon, übernahm sie im Wechsel die Rolle von Waldwesen, einer Wahrsagerin, Archäologin oder auch eines Monsters. Anderthalb Jahre spielte sie neben dem Studium die gruseligen und auch lustigen Figuren, doch nach ihrem Bachelor-Abschluss 2013 wollte sie nicht in Kiel bleiben. „Ich wollte weitergehen und wissenschaftlich arbeiten. Die Ästhetik des Films und das filmische Erzählen haben mich interessiert“, erklärt sie. Doch sie bekam keinen Studienplatz für Medien- oder Filmwissenschaften. Stattdessen sammelte sie praktische Erfahrungen – und kam nach Lüneburg. Auf einem Aushang des Theaters Lüneburg wurden Darsteller für das Musical „Rent“ gesucht. Gesungen hatte sie schon in Schulbands und anderen Formationen, zuletzt in Kiel. So ging Marit zum Cas-ting – und ergatterte eine Nebenrolle als die überdrehte Bürodame Alexi Darling. Parallel zum Musical machte sie ein Praktikum an der Halle für Kunst. Noch während „Rent“ am Lüneburger Theater lief, erhielt Marit Persiel einen Anruf von der Lüneburger Nachwuchsproduzentin Franziska Pohlmann, die für ihren Film Darsteller suchte. Sie hatte Marit in „Rent“ auf der Bühne gesehen und engagierte sie schließlich als böse Königin für ihren Film „Die Krone von Arkus“, der 2014 hauptsächlich in Lüneburg gedreht wurde und 2015 bundesweit in die Kinos kam. „Am Anfang hieß es Studierendenprojekt. Aber es hat sich immer mehr zu etwas Größerem entwickelt. Plötzlich war es eine Kinoproduktion“, erinnert sich Marit. Noch bevor die Dreharbeiten begannen, hatte sie an der Leuphana Universität angefangen, Angewandte Kulturwissenschaften zu studieren und nutzte ihre Semes-terferien für den Filmdreh. Nebenher arbeitete sie im Scala-Kino.

Unmotivierte Mitschüler

An der Lüneburger Uni wurde Marit nicht recht glücklich. „Durch den Filmdreh und das Theaterspiel habe ich an der Uni gemerkt, dass das nichts für mich ist. Mir fehlte das Machen“, erinnert sie sich. Nach zwei Semestern schmiss sie das Studium und bewarb sich an Schauspielschulen. Sie erhielt einen Platz am Bühnenstudio Hamburg, einer privaten Schauspielschule. Von nun an pendelte Marit täglich von Lüneburg nach Hamburg. Während ihre Eltern für die Schauspielschule aufkamen, verdiente sie sich ihr Geld zum Leben weiterhin im Kino. Ein Jahr ging das so. „Das war ganz schön anstrengend“, sagt die 28-Jährige. Zwar war sie mit den Lehrern an der Schule zufrieden, doch es wurmte sie, mit welcher unmotivierten Haltung ihre Mitschüler an die Ausbildung herangingen. „Viele hatten keinen Bock und haben oft geschwänzt. Ich war aber voll motiviert“, erklärt sie. „Ich war schon Mitte Zwanzig und wollte vorwärts kommen, ich war einfach ungeduldig.“ Schließlich wechselte sie zum Schauspielstudio Frese. Hier waren die Schüler anders, der Ehrgeiz größer. Marit zog für die zweite Schauspielschule nach Hamburg, fuhr aber weiterhin zum Arbeiten nach Lüneburg. Doch sie fühlte sich nicht wohl: „In Hamburg war es nicht mein Ding, ich bin einfach kein Großstadtmensch.“ Auch die Atmosphäre an der Schauspielschule brachte sie zum Grübeln. „Ich wurde immer mehr mit Stereotypen konfrontiert und sollte in irgendwelche Schubladen passen“, erzählt sie. Die Schauspielschülerinnen mussten sich anhören, welche Muster sie erfüllen müssten, um an begehrte Rollen zu kommen. Doch Marit wollte diese Klischees nicht bedienen und zog nach einem halben Jahr auch an der zweiten Schauspielschule die Reißleine. Das Thema Schauspielschule war damit für sie beendet, doch sie möchte diese anderthalb Jahre nicht missen. „Neben dem Schauspiel habe ich viele Dinge gelernt wie Tanz und Gesang oder Fechten und Boxen für den Bühnenkampf“, erklärt sie. Sie glaubte nicht daran, nur mit dem Abschluss einer – am besten staatlichen – Schauspielschule weiterzukommen. „Es wurde einem immer gesagt, was man machen muss“, meint sie. „Ich dachte mir, ich mach meinen eigenen Weg und lasse mich nicht ins System pressen.“

Spielen ohne Worte

So zog Marit 2016 zurück nach Lüneburg – ihre Freunde waren alle noch hier. Auch von der Schauspielschule hatte sie noch Freunde. Diese animierten sie schließlich, mit zu einem freien Bewegungsensemble zu kommen. Das Ensemble Tan.going ist eine Art pantomimisches Improvisationstheater, bei dem einzelne Szenen oder Bilder gespielt werden. Nichts ist inszeniert, gesprochen wird nicht, dafür mit Körpersprache erzählt. Marit Persiel gehört dem Hamburger Ensemble seit ihrem ersten Besuch an. Zweimal wöchentlich wird geprobt, das verdiente Geld stecken die Künstler wieder in ihre Arbeit. Marit Persiel bereichert es, ohne Worte die Menschen erreichen zu können. „Das ist eigentlich der Ursprung des Theaters“, meint sie. „Darum kreist meine Arbeit: Nicht zu erzählen, was andere zu denken haben, sondern jemanden zu berühren.“ Während Marit bei Tan.going selbst spielt, wirkte sie 2016 bei einer weiteren Performance mit, bei der sie nicht auf der Bühne stand. Mit einer Freundin erarbeitete sie das selbst geschriebene choreographische Stück „Die Kapsel“, das sich um eine Zukunft dreht, in der die Menschen gemeinsam in einer Kapsel eingeschlossen leben und alles zeitgleich und synchron machen. Geldgeber, Proben- und Aufführungsräume in Hamburg waren nach langer Suche gefunden, als Darsteller rekrutierte Marit Freunde aus Schauspielerkreisen. Innerhalb von einem Monat studierten sie das choreographische Stück ein und führten es insgesamt dreimal im Hamburger Sprechwerk sowie im Monsun-Theater auf. Die Reaktionen waren positiv. „Das hat mir bewiesen, dass es auch anders geht und man sein eigenes Ding machen kann.“ 2017 begann Marit, sich mehr mit performativem Arbeiten zu beschäftigen. Für das lunatic Festival arbeitete sie eine Kunst-Performance aus, für die sie mit Schauspielern der „Kapsel“ eine Gruppe gründete, die sie „Partitanz-Kollektiv“ nannte. Doch nach diesen Gruppenprojekten, für die sie hauptsächlich organisieren musste, wollte sie wieder etwas selbst machen. Schon lange schreibt sie Texte und Gedichte. Nach einem Swing-Tanzkurs an der Uni kam ihr die Idee zu „Minor Swing“. „Im Tanzkurs hieß es: Es geht im Swing nicht um feste Tanzschritte, jeder macht sein eigenes Ding.“ Wieder stieß die Künstlerin auf ihr Leitthema „Jeder macht so, wie er möchte“. Sie begann, sich mit dem Swing auseinanderzusetzen und stieß auf die Ursprünge, die Swingkids, aber auch das Swingverbot durch die Nazis. „Die Kids wollten einfach tanzen und wurden nur politisiert, weil sie Swingmusik gehört haben“, erzählt sie. „Das Thema hat mich mitgerissen.“ Daraus wollte sie etwas machen.

Stück über Swingkids

Das Ergebnis ist das Eine-Frau-Stück „Minor -Swing“. Im Mittelpunkt der Geschichte, die 1943 spielt, steht die fiktive Figur Alma, die sich „Mickey“ nennt und aus ihrem Leben erzählt. Marit Persiel spielt Alma selbst, wird dazu auch singen und tanzen. „Ich möchte eine Geschichte erzählen, wie ich sie als Kind mochte. Viele Leute haben keine Lust auf Performance“, weiß sie. Es war ihr wichtig, wieder einmal selbst zu spielen. Bei der Suche des Spielorts und Werbung halfen ihr Freunde, doch im Prinzip ist „Minor Swing“ ganz allein Marits Arbeit. „Minor Swing“ wird zunächst nur einmal am Samstag, 10. März, 20 Uhr im Salon Hansen aufgeführt. Mit dem Salon Hansen hat sie einen kleinen Aufführungsort gefunden, der zu der Düsterkeit des Themas passt, doch gerne würde Marit ihr Stück häufiger aufführen. „Der Saal wird wahrscheinlich gefüllt mit Leuten, die mich mal spielen sehen wollen“, glaubt sie. Die Künstlerin wünscht sich ein ehrliches Feedback, denn sie will wissen, ob ihr das schreiben und spielen liegt. „Es geht mir darum, was es mit den Leuten macht.“ Marit Persiel hofft, mit Theater, Kreativität und Kunst einmal Genug Geld zum Leben zu verdienen. Doch sie arbeitet weiterhin in Teilzeit im Kino, um ihre Kunst zu finanzieren. Nach der Aufführung ihres Stückes wird sie für einen Monat ihren Cousin in Portugal besuchen, um neue Ideen zu sammeln. „Es ist erfüllend, eigene Ideen zu kreieren und umzusetzen“, so die Theatermacherin. (JVE)